Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Diesmal kam die Zoopresseschau sehr pünktlich, so dass ich wieder ausgewählte Zoo-Pressemitteilungen auf dem Beutelwolf-Blog verbreiten kann:

Tiergarten Schönbrunn Wien, 09.06.2011
NACHWUCHS BEI SCHÖNBRUNNER ZIESELKOLONIE
Vor über einem Monat sind acht Ziesel-Junge in ihrem unterirdischen Bau im Garten des Wüstenhauses, das von den Bundesgärten und dem Tiergarten Schönbrunn gemeinschaftlich betrieben wird, zur Welt gekommen. „Bei der Geburt waren sie nackt und blind und wurden die ersten vier Wochen von ihren Müttern gesäugt. Jetzt verlassen die zierlichen, sandfarbenen Nager bereits das Höhlenlabyrinth und erobern die Freianlage vor den Toren des Tiergartens“, erklärt Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Neugierig stellen sich die Kleinen auf ihre Hinterbeine, um die Umgebung zu überblicken, knabbern an Grashalmen oder verstecken sich in der Futterschüssel, aus der sie bereits wie die erwachsenen Ziesel Gemüse, Körner sowie gelegentlich Insekten fressen. Sorgsam wachen die Zieselmütter über ihren Nachwuchs. Sie sind immer auf der Hut vor möglichen Feinden. Bereits beim geringsten Anzeichen von Gefahr stoßen sie einen schrillen Pfeifton aus. So wird die gesamte Ziesel-Kolonie gewarnt und verschwindet blitzschnell in ihren weit verzweigten Gängen und Höhlen unter der Erde. Bis vor einigen Jahrzehnten war das Europäische Ziesel in den ehemals ausgedehnten Hutweiden und Steppenrasen Ostösterreichs und Ungarns noch sehr häufig. Da ihr Lebensraum durch Acker- und Siedlungsbau zerstört wurde, gilt diese Tierart mittlerweile aber als stark gefährdet.

Zoo Wilhelma Stuttgart, 09.06.2011
Wer kennt schon den Australischen Triel: Wilhelmas next Top-Vogel
Es hat fast endlos lange Beine, das Küken des Australischen Triels, und für die Kamera posiert es fast schon wie ein professionelles „Top-Model“. Dabei sieht es nicht nur aus wie aus dem Ei gepellt, sondern ist tatsächlich erst vor acht Tagen aus einem solchen geschlüpft. Ausgebrütet wurde das Vögelchen allerdings nicht von seiner Mutter, sondern von einem Brutapparat hinter den Kulissen der Wilhelma. Jetzt wird es von den Pflegerteam aufgepäppelt, damit das Kleine bald zu seinen Regenpfeifer-Verwandten in die Freiflugvoliere – oder auch einen anderen Zoo – umziehen kann. Australische Triele sind weder eine seltene, bedrohte Art, noch haben sie ein schillerndes Gefieder oder besonders wohl tönende Rufe vorzuweisen. Im Gegenteil: Aus den kräftigen Schnäbeln kommen nur klagende Flötentöne und auch das braun-weiße Federkleid ist eher unauffällig. (Aber schließlich sehen selbst menschliche Topmodels ungeschminkt meist ziemlich unscheinbar aus.) Trotzdem hat der Triel das gewisse Etwas – nicht nur wegen dieser kräftigen langen Beine und den ausdrucksstarken großen Augen. So tragen die ausgewachsenen und dann von der Zehenspitze bis zum Scheitel rund 60 Zentimeter hohen Vögel beispielsweise auch einen schönen langen Schwanz, weswegen ihr zweiter Name auch „Langschwanztriel“ lautet. Für seine Aktivitäten bevorzugt der Australische Triel Dämmerung und Nacht. Dann sucht er nach all den Leckereien, die auf seinem persönlichen Speiseplan ganz oben stehen: nach Spinnen, Insekten und kleinen Wirbeltieren. In der Wilhelma darf’s aber gerne auch die schnabelgerechte Futtermischung mit Hackfleisch, kleinen Fischchen und Mehlwürmern aus dem Kochstudio der Pfleger sein. Obwohl der Triel zu den Regenpfeiferartigen gehört, lebt er in „Down under“ nicht etwa in regenreichen Regionen, sondern er bewohnt dort vor allem trockenes Grasland und Buschsavannen. Seine Nester baut der Bodenbrüter seinem genetischen Programm entsprechend einfach auf dem Boden, wo die nach 25 Tagen geduldigen Herumsitzens ausgebrüteten Eier leider auch schnell mal zur leichten Beute von Eierdieben werden. Insofern hat unser kleiner Triel doppelt Glück: Sein Geburts-Ei war die ganze Zeit in einem warmen Safe sicher verstaut. Und als er dann endlich vom Eidotter zum Küken herangereift war und die Eierschale zu knacken begann, warteten statt hungriger Feinde nur freundliche Pfleger auf seine Ankunft.

Zoo Berlin, 09.06.2011
Es ist soweit: Neue Orang-Utan-Anlage im Berliner Zoo wird eröffnet:
Nach den neuen Anlagen für Schimpansen (2008) und Gorillas (2009) kann nun als Abschluss der Umbauten unserer Menschenaffen-Freianlagen das Gehege für unsere Sumatra-Orang-Utans eröffnet werden. Die über 600 m2 große Kletterkuppel ist als naturbelassene Heimstatt für die roten Menschenaffen gestaltet. Kletterbäume, Seile und bewegliche Hängematten bieten den Orang-Utans reichlich die Möglichkeit, ihrer baumgebundenen Lebensweise nachgehen zu können. Das Gittergeflecht besteht aus leichten Stahlmatten, die die Sicht nicht stören, zusätzliche Einsichtscheiben wird der Fotograf als wohltuend empfinden. Entstanden ist die neue Menschenaffenanlage nach einem Entwurf des Architekten Wolfgang Raché und den Vorgaben der tiergartenbiologischen Abteilung. Einen Teil der Baukosten von € 640.000 verdanken wir der Marie-Luise-Below-Stiftung wofür wir sehr dankbar sind.

Tiergarten Nürnberg, 14.06.2011
Scheuer Buntmarder-Nachwuchs erstmals zu sehen
Bei den aus Asien stammenden Buntmardern gab es im Tiergarten der Stadt Nürnberg endlich Nachwuchs. Mit etwas Glück können die Besucherinnen und Besucher einen Blick auf den scheuen Nachwuchs erhaschen. Bereits am 24. März 2011 hat das vierjährige Weibchen „Alisa“, das am 3. April 2008 in den Tiergarten kam, zwei Junge zur Welt gebracht. In der 700 Quadratmeter großen Anlage wurden „Alisa“ vier unterschiedliche Baumhöhlen zur Geburt angeboten. Glücklicherweise wählte sie eine der beiden Höhlen, die mit einer Überwachungskamera bestückt waren. So konnten auch die Besucher die erfolgreiche Aufzucht über einen Monitor verfolgen, bis die Mutter mit ihren Jungen die Höhle wechselte. Im Laufe der Zeit hat sie ihre Behausung regelmäßig gewechselt. Am 29. Mai 2011 ist sie mit ihrem Nachwuchs erstmals auf der Anlage unterwegs gewesen – also pünktlich zur Jahreshauptversammlung des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V., der das Buntmardergehege mit 220 000 Euro finanziert hatte. Seither ist der Nachwuchs, der fast schon die Größe der Mutter erreicht hat, täglich – meist morgens und am späten Nachmittag – für kurze Zeit zu sehen. Der siebenjährige Vater „Gorbi“ ist noch im Nebengehege abgetrennt. Da Buntmarder – im Gegensatz zu den einheimischen Mardern – zumindest manchmal in größeren Familienverbänden leben, kann er möglicherweise bald selbst zu seinem Nachwuchs.

Tierpark Hellabrunn München, 15.06.2011
Giraffe Ijuma soll in London für Nachwuchs sorgen
Als Netzgiraffe in einem Zoo hat man eine wichtige Aufgabe: die Arterhaltung. In dieser Mission ist nun die Münchner Giraffendame Ijuma (3 Jahre) unterwegs. Ijuma ist am 9. Juni in Whipsnade, dem „Außenzoo“ von London, angekommen. Im englischen Zoo wird sie eine Familie gründen und gleichzeitig die stark vom Aussterben bedrohte Tierart stärken. Aus dem Baby mit den schlacksigen Beinen ist inzwischen eine richtige Giraffenkuh von stattlichen drei Metern Höhe geworden. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms wird Ijuma künftig in London für Nachwuchs sorgen. In Hellabrunn hatte sich Giraffen-Vater Togo (20) mittlerweile für seine Tochter interessiert. Höchste Zeit also auch für Ijuma, eine Zuchtgruppe zu suchen. In Whipsnade lebt Ijuma mit zwei Netzgiraffen-Damen und einem stattlichen Giraffenbullen. In Hellabrunn stehen bei der Giraffenherde derzeit weitere Veränderungen an. Die Giraffen haben einen neuen Stall bezogen. Um Baufreiheit im Elefantenhaus zu bekommen, wurden neben dem Haus zwei Ersatzställe gebaut: ein Stall für die Elefanten, einer für die Giraffen. Die Giraffen haben als Erste in der letzten Woche ihr neues Übergangsheim bezogen und fühlen sich mittlerweile auch hier sehr wohl. Die Elefanten werden in den nächsten Wochen langsam an ihr neues Zuhause gewöhnt.

Zoo Salzburg, 15.06.2011
Entzückender Nachwuchs bei den Schneeleoparden im Zoo Salzburg
Am 2. Mai brachte die Schneeleopardin Mira im Salzburger Zoo drei Jungtiere zur Welt. Schon zum dritten Mal hat das Salzburger Schneeleoparden-Paar Mira und Shankar für Nachwuchs gesorgt. Rund 6 Wochen sind die beiden Schneeleoparden-Mädchen und der -Bub nun alt. Jetzt verlassen sie zeitweise unter dem wachsamen Auge ihrer Mutter die Wurfbox und gehen tapsigen Schrittes auf Entdeckungstour. Leider haben die Jungtiere seit Geburt an Probleme mit ihren Augen. Zweimal täglich müssen die Augen von ihren Tierpflegern eingesalbt werden. Das Zoo Salzburg Team hofft auf rasche Besserung! Der Schneeleopard zählt zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Großkatzen unserer Erde. Die Wilderei, der illegale Handel und die Zerstörung ihres Lebensraumes gefährden das Überleben dieser imposanten Katzenart in freier Wildbahn. Nach Schätzungen von Experten leben heute nur noch 3.500 bis 7.200 Tiere in den Hochgebirgsregionen Zentralasiens vom Altai bis zum Himalaya. Tipp:Der entzückende Schneeleoparden-Nachwuchs ist meist am frühen Vormittag und gegen Abend auf der Anlage im Salzburger Zoo für Tierfreunde zu beobachten.

Tiergarten Nürnberg, 15.06.2011
Kleiner Halbaffe
Im Tiergarten der Stadt Nürnberg gab es am 20.04.2011 endlich Nachwuchs bei den Mayotte-Makis. Am 15.06.1999 übernahm der Tiergarten die restliche Gruppe vom Zoo Beauval, Frankreich. Nachdem sich über Jahre hinweg kein Nachwuchs einstellte, wurde am 17.10.2007 ein weiteres Männchen aus dem französischen Asson nach Nürnberg gebracht. Umso erfreulicher war jetzt die geglückte Aufzucht des Jungtieres bei den Mayotte-Makis, einer Unterart der bis zu 2,5 kg schweren Braunen Makis von der Insel Mayotte im Nordwesten von Madagaskar. Die Makis gehören zu den Lemuren, den Vertretern der Primaten auf Madagaskar und tragen – wie alle Primaten – Fingernägel. Da sie aber noch einen feuchten Nasenspiegel und eine Licht reflektierende Schicht im Auge haben, was die Bedeutung des Geruchssinnes und der Nachtaktivität widerspiegelt, werden sie nicht zu den Affen gerechnet und als sogenannte Halbaffen bezeichnet. Auch in der Natur leben Mayotte-Makis in Gruppen mit mehreren Männchen und Weibchen – ohne Harems oder feste Hierarchien aufzubauen. Die Hauptnahrung stellen Blätter und Früchte dar, aber auch Rinde und Erde wird aufgenommen. Letztere spielt vermutlich eine entscheidende Rolle bei der hohen Toleranz dieser Lemuren gegenüber giftigen Pflanzen. Darüber hinaus werden Insekten und besonders die ebenfalls giftigen Hundert- und Tausendfüsser gefressen. Der Mensch, der erst vor ca. 1500 Jahren nach Madagaskar kam, hat bereits ein Drittel der Lemurenarten ausgerottet. Fast alle übrigen gelten heute als bedroht, da die Zerstörung des Lebensraumes nach wie vor anhält. Lediglich die direkte Verfolgung, wie die Wilderei, konnte eingedämmt werden.

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