Portrait: Weißstorch

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Störche (Ciconiidae)
Gattung: Ciconia
Art: Weißstorch (Ciconia ciconia)

Weißstorch (Zoo Augsburg)

Der Weißstorch gehört zu den bekanntesten Vertretern der Familie der Störche. Er erreicht eine Größe von ca. einem Meter 100,0 bis 110,0 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 200, bis 220 Zentimeter und ein Gewicht von 3 bis 4,5 Kilogramm. Die Grundfarbe ist weiß, die Schwungfedern sind schwarz gefärbt. Die langen Beine und der Schnabel weisen eine rötliche Farbe auf.
Die tagaktiven Weißstörche sind Zugvögel, die zur kalten Jahreszeit in Überwinterungsquartiere nach Süd- und Ostafrika fliegen. Ihr Flug erscheint langgestreckt, Kopf und Beine werden in einer Linie gehalten. Beim Fliegen nutzen sie vor allem die Thermik für ausgedehnte Segelflüge aus. Ihr Ruderflug wirkt hingegen eher schwerfällig.
Das Durchschnittsalter beträgt rund 10 bis 15 Jahre, in Gefangenschaft können sie allerdings ein Alter von 25 und mehr Jahren erreichen. Der älteste Ringfund in Freiheit belegt ein Alter von 34 Jahren.
Weißstörche sind in weiten Teilen Europas, den mittleren Osten und Nordafrika verbreitet. Auch in Mittel- und Ostasien gibt es Populationen dieser Tiere. Die größten Populationen sind in Europa in Polen, der Ukraine und in Weißrussland zu verzeichnen. Natürliche Habitate sind in offenen Landschaften unter anderem Sümpfe, Moore, landwirtschaftlichen Flächen, anderen Kulturlandschaften und wasserreiche Heideflächen. Aber auch feuchte Flussniederungen und Auen werden durchaus gerne besiedelt. Die Nahrungs- und Brutplatzhabitate können einige Kilometer auseinander liegen. Feldstudien haben Entfernungen von bis zu 10 Kilometern ergeben. Weißstörche gelten als Langstreckenzieher. Die Winterquartiere der europäischen Populationen liegen im tropischen Afrika, stellenweise im südlichen Afrika. Die Zugstrecken können sich über mehr als 10.000 Kilometer erstrecken. Der Flug in die Winterquartiere erfolgt zumeist im August oder September, der Rückflug in die Brutgebiete im März oder April. In den Winterquartieren besiedeln Weißstörche für gewöhnlich Steppen, Savannen und auch Feuchtgebiete.
Weißstörche sind Fleischfresser und ernährt sich von Kleintieren wie Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Mäusen, Fischen und auch Aas. Seine Jagdmethode ist höchst charakteristisch und macht ihn schon aus weiter Entfernung erkennbar: Er schreitet auf der Suche nach Beute durch Wiesen und Sumpfland und stößt dann blitzartig mit dem Schnabel auf seine Beute herab. Daneben kann er auch wie ein Reiher mit angewinkelten Beinen an einem Mauseloch lauern und dann plötzlich zustoßen. In seichten Gewässern durchschnäbelt er das Wasser nach Beute.

Weißstorch (Zoo Augsburg)

Störche führen eine saisonale Einehe. Je nach Geschlecht erreichen die Vögel ihre Geschlechtsreife mit drei bis fünf Jahren. Die Brutzeit erstreckt sich üblicherweise von April bis Juli. Markantes Balzritual ist das Klappern mit dem Schnabel. Ihr Nest, wie bei Raubvögeln Horst genannt, errichten sie auf Baumstümpfen, Felsvorsprüngen oder ähnlichen Orten und besteht hauptsächlich aus Reisig. In der Nähe menschlicher Siedlungen bauen sie ihre Nester aber auch auf Dächern, Kaminen und ähnlichen Standorten. Die Nester werden über viele Jahre genutzt und zu Beginn der neuen Brutsaison immer wieder ausgebessert und ausgebaut. Die Nester können Dimensionen von über einem Meter im Durchmesser erreichen. Das Weibchen legt zwischen drei und fünf, selten bis sieben weiße Eier. Die Elterntiere wechseln sich während der nächsten 30 bis 34 Tagen beim Wärmen der Eier ab. Die Nestlingszeit beträgt rund 55 bis 60 Tage. Um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Im Schnitt erreichen nur zwei Nestlinge pro Brutpaar und Jahr die Flugfähigkeit.

Weißstorch (Zoo Augsburg)

In den meisten Verbreitungsgebieten sind Weißstörche mittlerweile selten geworden. In der Schweiz ist der Weißstorch seit 1945 ausgestorben. Aber auch in allen anderen europäischen Ländern sieht es nicht gut aus. In Deutschland gibt es größere Populationen nur noch in den östlichen Bundesländern. Die Ursachen für die teils massiven Rückgänge der sind seit Jahrzehnten bekannt. Vor allem durch Überlandstromleitungen kommen viele Störche ums Leben. Durch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume wird nicht nur der angestammte Lebensraum der Weißstörche vernichtet, sondern auch die Nahrungshabitate. Viele Störche finden einfach nicht mehr genug Nahrung. Dies trifft vor allem auf die Brutzeit zu. Weitflächig wurden auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten Feuchtwiesen entwässert oder Grünland in Agrarflächen umgewandelt. In den Winterquartieren stellt die einheimische Bevölkerung den Tieren nach.
Der Weißstorch war 1984 und 1994 Vogel des Jahres.

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