Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Zoo Wilhelma, 30.06.2011
Die Mandschurenkraniche haben Nachwuchs: Zwei Küken bei Familie „Rotkäppchen“
Letztes Jahr sorgte das Mandschurenkranich-Paar der Wilhelma deutlich früher als erwartet erstmals für Nachwuchs, dieses Jahr legte es nach: Erneut sind zwei Küken geschlüpft, die auf ihren langen Stelzen nun gemeinsam mit den Eltern über die Stelzvogelwiese stolzieren. Noch gleichen die beiden Ende Mai geschlüpften Küken ihren Eltern nicht gerade aufs Haar beziehungsweise die Feder: Flauschig sind sie und hellbraun – wohl der besseren Tarnung wegen – und ihre Beine und Füße wirken mindestens noch drei Nummern zu groß. In den nächsten Wochen und Monaten werden sich die Küken jedoch zu ebenso schönen, anmutigen Vögeln mausern, wie es ihre Eltern bereits sind. Auch diese fingen schließlich mal klein und braun an, und zwar 2007 im Zoo der lettischen Hauptstadt Riga, von wo sie 2008 nach Stuttgart kamen. Die eigentliche Heimat der Vogelart liegt jedoch viel ferner: in Japan und China. Dort gelten sie als Symbol für ein gesundes, langes Leben und landauf und landab ziert kein Tiermotiv häufiger Kimonos, Wandschirme oder Holzschnitte. Auch beim traditionellen japanischen Papierfalten, dem „Origami“, sind die Kraniche als Models sehr begehrt. Oft werden sie als gefaltete Papier-Vögel Kranken geschenkt, um diesen gute Besserung zu wünschen. Die Vögel bewachen außerdem den Kaiserthron in der Verbotenen Stadt und tragen angeblich sogar die Seelen Verstorbener auf ihren Rücken in den Himmel. Damit nicht genug der märchenhaften Beschreibungen, nennen die Japaner sie wegen des roten Stirnflecks auch „Tancho“ – Rotkäppchen. Allerdings würde „Schneewittchen“ ebenso gut passen, ist ihr Federkleid doch weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz. Besonders eindrucksvoll stellen die Kraniche ihre Schönheit bei der Balz zur Schau: Wie Balletttänzer erheben sie sich auf die Zehenspitzen, umkreisen sich, spreizen Federn und Flügel und biegen Hals und Kopf bis auf den Rücken. Klangvoll untermalt wird das Schauspiel mit fanfarenartigen Rufen. Damit wollen die Kraniche nicht etwa einen neuen Partner erobern, vielmehr machen sie sich die ganze Mühe für den bestehenden Gefährten – die Vögel leben in Dauerehe, die Balz dient dazu, die Paarbindung zu festigen. Auch bei der Brutpflege halten sie zusammen: Die Henne brütet, bis das erste Küken schlüpft, dieses wird dann schon mal von Papa babygesittet, bis ein oder zwei Tage später Nummer zwei kommt. Kaum aus dem Ei schlüpft, folgen die Nestflüchter ihren Eltern bereits auf Schritt und Tritt und teilen auch rasch deren kulinarische Vorlieben. Anfangs lassen sie sich die Happen noch schnabelgerecht servieren: ob saftige Heuschrecke oder sich windender Wurm. Doch nach wenigen Tagen picken sie auch selbst eifrig nach Insekten und Co. Außerhalb der Brutzeit wird weniger geschlemmt: Dann ziehen die Vögel vegetarische Kost wie Körner, Gräser und Knollen vor. Dass Mandschurenkraniche als Symbol für langes Leben gelten, hilft ihnen selbst nur wenig. Sie gehören zu den am meisten bedrohten Kranicharten, auch wenn sich der Bestand dank strenger Schutzmaßnahmen etwas erholt hat. Schon seit 1987 gibt es für sie ein Europäisches Erhaltungszuchtpro­gramm (EEP), in dem derzeit über 400 in Zoos lebende Vertreter erfasst sind.

Tierpark Berlin, 30.06.2011
Doppelter Nachwuchs bei den Fischkatzen im Alfred-Brehm-Haus
Nachdem das bewährte Fischkatzenpaar des Tierparks „Perak“ und „Lenya“ im vergangenen Jahr eine Zuchtpause eingelegt hat, gab es im Mai 2011 wieder einen Wurf bei dieser südasiatisch bis südostasiatisch verbreiteten Kleinkatzenart. Die Elterntiere „Perak“ (geb. 29.9.1999) und „Lenya“ (geb. 2.8.1998) kamen 2002 aus dem englischen Zoo Port Lympne in den Tierpark Berlin. Dort bezogen beide eine Käfigbox im Alfred-Brehm-Haus und fühlten sich ganz offensichtlich wohl, bereits im Folgejahr hatten beide die ersten Jungen. Bis heute brachte das Paar insgesamt 18 Jungtiere, von denen „Lenya“ 13 aufgezogen hat. Dieses gute Aufzuchtsergebnis ist für Fischkatzen in Menschhand nicht häufig und zeigt, dass „Lenya“ eine gute Mutter ist. Das Muttertier bezieht schon einige Tage vor dem Wurftermin eine ruhige, für den Besucher nicht einsehbare Mutterbox. Bei den am 19. Mai 2011 geborenen Zwillingen handelt es sich um ein Männchen und ein Weibchen, welche von unseren Tierpflegern die Namen „Ratu“ und „Raja“ erhielten. Mit fast sechs Wochen, sind die Jungtiere im Entdeckungsalter und beginnen die Wurfkiste zu verlassen, um ihre Umwelt im Gehege zu erkunden. Vater „Perak“ musste leider inzwischen wegen einer seit Jahren bestehenden, starken und nicht heilbaren Arthrose in den Extremitäten eingeschläfert werden. Die Zucht von Fischkatzen in Zoologischen Gärten ist nicht einfach, weil sie bei der Jungenaufzucht sehr störungsanfällig sein können. Und auch die kontinuierliche Zucht von Fischkatzen im Tierpark Berlin kann nicht als alltäglich bezeichnet werden. Für die Art gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), welches im tschechischen Zoo Decin koordiniert wird und an dem sich auch der Tierpark mit seinen Nachzuchten beteiligt.

Tierpark Hellabrunn München, 04.07.2011
Mit einem attraktiven Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein feiert der Münchener Tierpark seinen 100. Geburtstag
Zum Jubiläumswochenende vom 22. – 24.7.2011 stehen in Hellabrunn, dem ersten Geo-Zoo der Welt, große Festivitäten an. Besucher können sich auf ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie freuen: Am Freitag, 22. Juli 2011, 20.15 – 21.45 Uhr sendet das Bayerischen Fernsehen
„Auf geht’s zum Tierparkjubiläum“ Live aus München. Ob als Zuschauer vor Ort oder vorm Fernseher zu Hause: „Auf geht´s zum Tierparkjubiläum“, die Live-Sendung im Bayerischen Fernsehen zum Auftakt des Jubiläumswochenendes, garantiert Kurzweil, spannende Geschichten rund um den Tierpark und Party-Stimmung. Musikalische Gäste des Moderatoren-Duos Heike Götz und Volker Heißmann im Tierpark Hellabrunn sind unter anderem die renommierten Bands „Laith Al-Deen“, „The Black Pony“ und „Die Bayerischen Löwen“. Karten gibt`s im Vorverkauf bei München Ticket, auch im Internet unter www.muenchenticket.de. Am Samstag/Sonntag, 23./24.Juli 2011, dem Jubiläumswochenende, bietet der Tierpark Hellabrunn ein paar ganz besondere Schmankerl: So können Besucher im Rahmen von kostenlosen Führungen exklusiv hinter die Kulissen von Hellabrunn blicken. Eine historische Fotoausstellung zeigt Schnappschüsse aus der bewegten Geschichte des Tierparks. Zudem erhält jeder 100. Besucher haben am Samstag und Sonntag freien Eintritt! Für Kinder und Jugendliche gibt´s außer Hüpfburgen, Kinderschminken und einer Zauberin spannende Storys aus Hellabrunn: Zu jeder vollen Stunde liest Diana Hillebrand eine Episode aus ihrer Neuerscheinung „Paula, die Tierparkreporterin“. Beste musikalische Untermalung bieten das Salonorchester Wetzlar, die Band „Quizumba“, der Chor der Polizei München sowie Radio Charivari mit einem abwechslungsreichen Moderationsprogramm. Das Ensemble „Die Stelzer“ wird originelle Theaterstücke präsentieren.

Zoo Berlin, 05.07.2011
Der erste Berliner Kondornachwuchs im 21ten Jahrhundert!
Fast 2 Monate nach dem Schlupf des Kükens ist es an der Zeit einen außergewöhnlicher Aufzuchtserfolg bekanntzugeben. 23 Jahre nachdem letztmals ein Andenkondor im Berliner Zoo heranwuchs, befreite sich am 12. Mai dieses Jahres ein junges Geiermädchen aus seiner Eischale. Es ist der erste aufwachsende Nachwuchs eines 1989 zusammengestellten Elternpaares, das eine große Freiflugvoliere in der Nähe Landwehrkanals bewohnt. Dort hatten die Altvögel bereits mehrfach Eier gelegt, doch diese später meist selbst zerstört. In diesem Jahr wurde das Ei nach anfänglichem Bebrüten durch die Eltern rechtzeitig entnommen und in einen Inkubator überführt. Nach dem Schlupf wurde der Jungvogel weiterhin in einem warmen Kükenheim gehalten und von Menschenhand mit Nahrung versorgt. Schnell lernte er aus einem Napf zu fressen und wuchs mittlerweile auf über 4 kg heran. Damit hat der Kondor, der noch länger sein graues Dunengefieder tragen wird, sein Schlupfgewicht ver20facht. Ausgewachsen kann er etwa eine Körpermasse von 12 kg und eine Flügelspannweite von mehr als 3 m erreichen. Die Flugfähigkeit erreicht der Zögling allerdings erst im Alter von 6 Monaten. Die Bestände des Andenkondors gehen in einigen Gebieten ihres südamerikanischen Verbreitungsgebietes stetig zurück. Da es sich um den Wappenvogel mehrerer Länder handelt, wird versucht, dem Populationsrückgang durch Auswilderungsprojekte entgegenzusteuern. Allerdings sind Nachzuchten in Menschenobhut rar. Auf dem europäischen Kontinent schlüpfte im letzten Jahrzehnt pro Brutsaison kaum mehr als ein Kondor, obwohl hier etwa 40 Geierpaare gepflegt werden. Diese Tatsache hebt den Berliner Zuchterfolg in besonderem Maße hervor.

Tiergarten Schönbrunn, 05.07.2011
GIRAFFENBABY GEBOREN
Rund 1,70 Meter hoch ist der jüngste Nachwuchs im Tiergarten Schönbrunn, seine Beine wirken endlos lang. Nach etwa 15 Monaten Tragzeit brachte Giraffendame Rita gestern Mittag vor den Augen zahlreicher Besucher ihr erstes Jungtier zur Welt. Noch ist das Geschlecht des Nachwuchses unbekannt. Seine Pfleger gaben ihm aber bereits den Namen Arusha. „Da das Giraffenweibchen sein Junges im Stehen zur Welt bringt, plumpst es bei der Geburt aus fast zwei Metern Höhe auf den Boden“, so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Kurz nach seinem „Sturz ins Leben“ unternahm Arusha auf zittrigen Beinen die ersten Stehversuche. Am Nachmittag stolzierte die Mini-Giraffe schon trittsicher an der Seite ihrer Mutter durch die Anlage. Das etwa 60 Kilogramm schwere Jungtier sieht wie die Miniaturausgabe einer erwachsenen Giraffe aus: lange, schlaksige Beine, beige-braun gemustertes Fell und riesige Augen mit langen Wimpern. Die Fellzeichnung macht aber jede Giraffe einzigartig, denn diese ist unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. „Die ersten acht bis 12 Monate wird das Jungtier gesäugt. Bereits nach wenigen Wochen fängt es an, Blätter und Heu zu knabbern“, so Schratter. Die Giraffenherde im Tiergarten zählt zu den seltenen Rothschildgiraffen, von denen es in den Savannen Afrikas nur noch rund 2.500 Tiere gibt. Aus diesem Grund sind der Schutz und die Nachzucht dieser bedrohten Tierart besonders wichtig. 2007 gab es in Schönbrunn den letzten Giraffennachwuchs. Die Tradition, Giraffen zu halten, geht im Tiergarten bereits auf das Jahr 1828 zurück. In diesem Jahr kam die erste Giraffe als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an den österreichischen Kaiser nach Wien und war eine große Sensation.

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