Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Zoo Wilhelma Stuttgart, 14.07.2011
Elefantenkuh Molly ist tot: Nach langer Krankheit von ihrem Leiden erlöst
Am Abend des 13. Juli musste die Elefantenkuh Molly eingeschläfert werden: Seit Jahren litt sie an einer schmerzhaften Entzündung der Vorderfüße, die immer schlimmer wurde, diverse tierärztliche Behandlungen brachten keine nachhaltige Besserung mehr. In den letzten vier Wochen hatte Molly stark abgebaut. Nach einer weiteren Untersuchung unter Narkose gestern Abend wurde entschieden, ihr weitere Schmerzen zu ersparen. Jetzt trauert die Wilhelma um den Verlust des zweiten Elefanten innerhalb kurzer Zeit – fast genau vor einem Jahr war die 61-jährige Elefantengreisin Vilja gestorben. Molly wurde 45 Jahre alt und gehörte mit Pama und Zella ebenfalls schon zu den ältesten Zoo-Elefanten Europas. „Wir sind sehr unglücklich, dass wir Molly nicht mehr helfen konnten“, so Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. „Aber in letzter Zeit ging es ihr zunehmend schlechter, und wer Molly kannte, sah, wie sehr sie litt.“ Seit rund 15 Jahren war die Elefantenkuh wegen ihrer entzündeten Vorderfüße Dauerpatientin der Zootierärzte gewesen – mancher befürchtete sogar, sie könne noch vor Vilja sterben. Dank intensiver tierärztlicher Betreuung, regelmäßiger Fußpflege, Fußbädern und weichen Fußmatten konnte das Fortschreiten der Krankheit zwar aufgehalten, aber nie geheilt werden. Seit Jahresbeginn hatten sich die Fußprobleme verstärkt, in den letzten Wochen hatte Molly deutliche Anzeichen von starken Schmerzen gezeigt und war immer schwächer geworden. Die letzte Untersuchung am Mittwoch Abend, an der mehrere tierärztliche Experten beteiligt waren, ergab, dass keine erfolgversprechende Behandlung mehr möglich war – man hätte Mollys Leid nur verstärkt und verlängert. Bekannt und beliebt wurde Molly unter anderem durch ihre Mitwirkung bei Kindergeburtstagen, Blindenführungen und dem Elefantenreiten, bei dem sie und ihre „Kollegin“ Zella die Besucher durch den Park trugen. Vor rund drei Jahren, als sich der Zustand ihrer Füße trotz eigens für sie gefertigter, schützender Schuhe verschlechterte, wurde das Elefantenreiten eingestellt – zum großen Bedauern der Besucher. Überhaupt hatte nicht nur Vilja als Altersrekordhalterin und schlitzohrige Seniorin viele Fans. Gerade Molly, die als haarigste unter den Elefantenkühen auch liebevoll „das Mammut“ genannt wurde, war eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen in der Öffentlichkeitsarbeit des Dickhäuterreviers. Geduldig ließ sie sich bei den Elefantenbegegnungen streicheln und betasten, und wegen ihrer ruhigen, lieben Art konnte sie bei Führungen für Blinde oder behinderte Kinder eingesetzt werden. Wie alle Elefanten hatte sie natürlich ihren eigenen Charakter und „Dickkopf“. So galt sie etwa als ziemlich „schleckig“: Was sie nicht mochte, fraß sie nicht. Außerdem war sie von allen Elefanten die technisch Begabteste: Immer mal wieder überprüfte sie mit ihrem Rüssel „die Tauglichkeit“ technischer Vorrichtungen – von der Aufhängung der Absperrseile im Elefantenhaus bis hin zu den Bremsen der Rollstuhlfahrer bei den Elefantenbegegnungen. In den letzten Jahren hatte sie als Nachfolgerin der altersbedingt geschwächten Vilja die Rolle der Leitkuh übernommen. Noch bis vor Kurzem sorgte sie in der Damen-Herde für Ordnung. Doch seit ihre Kräfte nachließen, verstärkten sich die Rangeleien um die Vorherrschaft unter den Elefanten wieder. Als schwergewichtige Zehenspitzengänger haben Elefanten sehr empfindliche Füße, eine intensive Fußpflege ist daher fester Teil des Haltungsprogramms im Zoo. Warum gerade Molly an einer solch schweren Fußentzündung litt, ist unklar, dürfte aber mehrere Ursachen gehabt haben. Beteiligt war vielleicht auch der per Röntgenbild entdeckte Fremdkörper im Fuß, wahrscheinlich eine Bleikugel, die sie schon als junge Elefantenkuh aus Indien mitgebracht haben muss und die sich operativ nicht entfernen ließ. Zumal verletzte Elefantenfüße schlecht heilen: Leider können die schweren Tiere ihre Füße nie so schonen, wie es ein erfolgreicher Heilungsprozess erfordern würde. Nach Mollys Tod müssen nun zunächst alle wieder zur Ruhe kommen: Pama und Zella ebenso wie ihre trauernden Pfleger. Noch im Herbst soll dann der Umbau der alten Außenanlage inklusive Beseitigung des Grabens starten. Und gemeinsam mit dem Artkoordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) wird überlegt, wie es mit der Elefantengruppe der Wilhelma insgesamt weitergeht.

Tierpark Hagenbeck Hamburg, 14.07.2011
Tierische Sommerkinder erobern alle Herzen: Zebra-Fohlen Lubaya ist die Neue im Tierpark Hagenbeck
Mit einem echten Sonntagskind ist die Herde der Chapman-Zebras am 10. Juli auf sieben Tiere angewachsen. Noch ganz puschelig und ein bisschen unsicher auf den langen schlanken Beinen ist die kleine Stute Lubaya ab heute in der afrikanischen Steppe unterwegs. Bei ihrer Geburt war die Kleine 75 Zentimeter groß und etwa 40 Kilogramm schwer. Die ersten Tage verbrachte das Fohlen gemeinsam mit Mutter Vicky in der Ruhe des Zebrahauses, um die Bindung zu festigen. Denn an der Seite von Mama wird der Wirbelwind im gestreiften Fell nun die ungewohnte Weite der Hagenbeck´schen Steppe kennen lernen. Sicher dauert es nur wenige Tage, bis Lubaya beginnt, mit der dreieinhalb Monate alten Halbschwester Kibibi um die Wette zu laufen und allerhand Unfug nach Zebra-Art anzustellen. Doch nicht nur die Zebras haben Nachwuchs – Sommerzeit ist Tierbabyzeit. Das lebhafte Löwenquartett, die beiden übermütigen Bärenbrüder, das witzige Wasserschwein-Trio und der niedliche Nasenbären-Nachwuchs sind unbedingt sehenswert. In Sachen Sommerkinder heißt es die Augen aufhalten. Auf hohen Felsen, auf Wiesen und unter Gebüsch ist der Nachwuchs zu finden. Sogar am und auf dem Wasser sorgen kuschelige Küken für Entzücken bei den Gästen. Die halbwüchsigen Emus in der neuen Australien-Anlage, die gut getarnten Küken der Pfaue und flauschigen Graugansküken gefallen nicht nur eingeschworenen Vogelfreunden. Die Flamingos am See im Afrika-Panorama sind noch mit Brüten beschäftigt. Auch dort wird sich bald Nachwuchs zeigen.

Zoo Berlin, 15.07.2011
Seltene Milu-Geburt im Berliner Zoo!
Nach zwei Jahrzehnten züchterischer Pause wächst im Hirschrevier des Berliner Zoos wieder ein Milu heran. Das am 8. Juli geborene Kalb ist der erste Spross einer jungen Zuchtgruppe, die sich aus drei im Tierpark geborenen Tieren zusammensetzt, die zwischen 2005 und 2008 im Zoo eintrafen. Der ursprünglich in Ostasien beheimatete Milu oder Davidshirsch wurde bereits vor mehreren Jahrhunderten in freier Wildbahn ausgerottet. Ein Restbestand wurde bis zum Ende des 19ten Jahrhunderts in einem Jagdreservat des chinesischen Kaisers gepflegt, auch dort allerdings während des Boxeraufstandes restlos vernichtet. Dem Entdecker der Art, Armand David, einem französischen Jesuitenpater, ist zu verdanken, dass einzelne Exemplare zuvor nach Europa und so auch in den Berliner Zoo exportiert werden konnten. Die dort gezüchteten Nachkommen wurden zum Zwecke der Arterhaltung Anfang des 20ten Jahrhunderts im Wildpark des Herzogs von Bedford zusammengefasst, wo letztendlich die erfolgreiche Vermehrungszucht gelang. Die Rettung des Davidshirsches gilt deshalb bis heute als ein vorbildliches Beispiel für klugen Tierschutz und planmäßige Erhaltungszucht in menschlicher Obhut. Die Milus erinnern entfernt an geweihtragende Esel, sind aber doch relativ eng mit den Rothirschen verwandt – seltsame Geschöpfe, die ohne die Existenz von Zoologischen Gärten bereits ausgestorben wären. Nachdem 1991 noch zwei Milus im Berliner Zoo aufwuchsen, kam es im Jahr 2000 letztmals zur Geburt eines Jungtieres, das aber der Jugendsterblichkeit zum Opfer fiel. Mit dem diesjährig geborenen kleinen Männchen ist nun der Grundstock für die Fortsetzung einer alten Erfolgsgeschichte gelegt.

Tiergarten Schönbrunn, 18.07.2011
AUFZUCHTERFOLG BEI SELTENEN „SCHMUGGELPAPAGEIEN“
Es war ein großer Schlag gegen den Tierschmuggel: Mitte April beschlagnahmte der Zoll am Flughafen Wien Schwechat im Gepäck zweier Jamaika-Urlauber 74 Papageieneier. Die beiden Slowaken hatten die zerbrechliche Fracht in Keksschachteln und einer Kokosnuss versteckt. Die Eier wurden vom Zoll an den Tiergarten Schönbrunn übergeben. Jetzt, wo die geschlüpften Vögel voll befiedert sind, wurde der anfängliche Verdacht bestätigt: Es handelt sich um zwei gefährdete Amazonenarten. Die Jamaika- und Rotspiegelamazonen kommen ausschließlich auf Jamaika vor. Ihr kommerzieller Handel ist verboten. Da Liebhaber bereit sind einen hohen Preis für diese Tiere zu zahlen, ist der Schmuggel ein lukratives Geschäft. Aus den 74 Eiern konnten 45 Vögel aufgezogen werden – ein enormer Erfolg. „Innerhalb kürzester Zeit mussten Teams aus erfahrenen Pflegern gebildet, Räumlichkeiten adaptiert, Brutschränke angeschafft und Futter besorgt werden. Bis zu zehn Pfleger sind im Einsatz, ohne deren persönliches Engagement all das nie möglich gewesen wäre“, erklärt Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Anfangs mussten die Küken alle zwei Stunden gefüttert werden – rund um die Uhr. Auch der Verwaltungsaufwand ist groß. Über Gewicht, Futteraufnahme und Allgemeinzustand jedes Vogels wird genau Buch geführt. Bei so seltenen Tieren sind alle Daten wertvoll und bieten die Chance, mehr Wissen über diese gefährdeten Arten zu bekommen. Die Rotspiegel- und Jamaikaamazonen sind durch menschliche Einflüsse bedroht. Die feuchten Wälder Jamaikas werden durch Abholzung und Siedlungsbau stetig kleiner. „Der Tiergarten Schönbrunn wird von beiden Arten einige Tiere behalten. Die restlichen Papageien werden an andere wissenschaftlich geführte Zoos abgegeben. Geplant ist außerdem, ein Erhaltungszuchtprogramm aufzubauen“, so Schratter. Die Küken haben sich prächtig entwickelt. Neben Papageien-Aufzuchtfutter bekommen die Jungvögel bereits feste Nahrung wie Zwieback, Keimlinge, Gemüse, Samen und Obst. Die meisten fressen schon zum Großteil selbstständig. In Flugvolieren hinter den Kulissen perfektionieren sie ihre Kletter- und Flugkünste. In einigen Wochen werden sie für die Besucher zu sehen sein.

Tierpark Hellabrunn, 18.07.2011
Vorstellung des Kinderbuches „Paula, die Tierpark-Reporterin“
Autorin Diana Hillebrand, Publizistin und kreativer Kopf einer Schreibwerkstatt – präsentiert mit „Paula, die Tierpark-Reporterin“ ein Kinderbuch mit zahlreichen, zeitgemäßen Illustrationen, unterhaltsam und spannend erzählt und doch mit vielen eingeflochtenen Informationen rund um die Tiere im Münchner Zoo. Auf Paulas Spuren können sich die jungen Leser zwischen 5 und 10 Jahren auch selber auf Achse begeben und Hellabrunn erkunden. Die von Paula verfassten Artikel dienen dazu als Leitfaden und können leicht vor Ort gelesen werden. Das Kinderbuch ist im Volk Verlag erschienen und kostet 14.90 Euro. Veranstaltungstipp: Im Rahmen der Jubiläumsfeier vom Tierpark liest Diana Hillebrand aus dem Buch am 23./24. Juli stündlich zwischen 10 und 17 Uhr im Artenschutzzentrum.

Zoo-Aquarium Berlin, 18.07.2011
Ein Fisch mit amphibischer Lebensweise – Der Schlammspringer
Schlammspringer sind richtige Fische. Die zu den Grundeln zählenden Tiere haben sich perfekt an die schwankenden Wasserstände der Gezeitenzone angepasst. Ihre Backentaschen sind ein Wasserreservoir, aus dem sie mit ihren Kiemen atmen. So können sie in den Ästen kletternd nach Insekten und Krebstieren jagen. Ist der Sauerstoff erschöpft, erneuern sie ihren Wasservorrat. Die Brut der Schlammspringer wird in einer Höhle aufbewahrt, deren Grund immer unter Wasser steht. Ein ganz besonderer Fisch also. Deshalb zeigt auch das Zoo-Aquarium Berlin eine Gruppe Indischer Zwergschlammspringer (Pteriophtalmus novemradiatus). Vierzig ca. 8–10 cm große Zwergschlammspringer sind nun in unser Mangrovenbecken eingezogen. Sicherlich wieder einmal eine neue Attraktion für unsere Besucher.

Tiergarten Nürnberg, 19.07.2011
Nürnberger Delphine erforschen Lagune
Die Delphine im Tiergarten der Stadt Nürnberg lernen ihr neues Zuhause kennen. Seit dem vergangenen Wochenende macht sich die vierköpfige Delphingruppe um Delphin-Senior Moby mit den neuen Becken der Lagune vertraut. Die Delphine Moby, Jenny, Noah und Sunny schwammen bereits die ersten Runden in der Freianlage.

Tiergarten Schönbrunn Wien, 20.07.2011
EIN ROBBENJUNGES IST DA!
Im Tiergarten Schönbrunn freut man sich über Nachwuchs bei den Mähnenrobben. In der Nacht auf Dienstag hat Robbendame Enya nach einer Tragzeit von einem knappen Jahr ein Junges zur Welt gebracht. Ob die kleine Robbe männlich oder weiblich ist, ist noch nicht bekannt. „Die Jungtiere sind nach der Geburt bereits sehr weit entwickelt, haben die Augen offen und einen schwarzen, wolligen Pelz “, erklärt Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Mutter und Kind bewohnen in der Robbenanlage derzeit einen eigens für Geburten eingerichteten Flachwasserbereich, wo das Jungtier seine Schwimmkünste perfektionieren kann. Nach etwa einer Woche wird das Robbenbaby sowohl im Wasser als auch an Land so geschickt sein, dass es mit seiner Mutter zur restlichen Gruppe kommen kann. Das Jungtier wiegt rund zehn Kilogramm. Sein Vater Comandante, der als einziges Männchen mit seinem Weibchen-Harem im Tiergarten lebt, bringt stolze 280 Kilogramm auf die Waage. Die ersten sechs bis acht Monate wird das Männenrobben-Junge gesäugt. Danach frisst es, wie die erwachsenen Robben in Schönbrunn, Meeresfische wie Heringe, Makrelen, Wittlinge und Sprotten. Die an den Küsten Südamerikas heimischen Mähnenrobben verdanken ihren Namen der auffälligen Mähne der Männchen. Aufgrund dieser Mähne und des lauten Gebrülls während der Paarungszeit werden sie auch Südliche Seelöwen genannt. Mähnenrobben sind ausgezeichnete Schwimmer und perfekte Unterwasserjäger. Sie können bis zu 76 Meter tief und 15 Minuten lang tauchen.

Tiergarten und Zoo Berlin, 20.07.2011
Liebe in den Hauptstadtzoos: Die schönsten Liebeserinnerungen aus Zoo, Tierpark und Aquarium gesucht
Die Hauptstadtzoos – der Zoo Berlin mit dem Zoo-Aquarium und der Tierpark Berlin mit dem Schloss Friedrichsfelde- sind nicht nur Freizeit- und Erholungsstätten, in welchen sich die Besucherinnen und Besucher in die fantastische Welt der Tiere entführen lassen können. Zoo und Tierpark sind auch Orte der Begegnung, des Kennenlernens und vieler Liebesgeschichten. Die Freunde der Hauptstadtzoos suchen nun die schönsten Liebesbegegnungen und Geschichten vom Kennenlernen. Es werden Menschen gesucht, die Erinnerungen an Liebesabenteuer, Liebestreffen in den Hauptstadtzoos haben oder ihre erste große Liebe im Zoo oder im Tierpark gefunden haben. Gesucht werden Besucher, die in den Hauptstadtzoos ihr Liebesglück gefunden haben und vielleicht noch heute ein glückliches Paar sind und mit dem Tierpark, dem Zoo oder dem Zoo-Aquarium eine einmalige Erinnerung verbinden. Die Geschichten mit Fotos können an den Förderverein von Tierpark Berlin und Zoo Berlin gesandt werden: Freunde Hauptstadtzoos; Am Tierpark 125, 10319 Berlin; info@freunde-hauptstadtzoos.de. „In den Hauptstadtzoos gibt es eine Vielzahl von romantischen Ecken und Winkeln. Hier sind Liebesgeschichten versteckt, die wir bewahren wollen.“, so Thomas Ziolko, Vorsitzender vom Förderverein von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V. Eine Ausstellung, die sowohl im Zoo und im Tierpark gezeigt werden soll, soll die schönsten Geschichten präsentieren. Unter allen Einsendungen wird eine Jahreskarte für die Hauptstadtzoos für zwei Personen verlost.

Zoo Wilhelma Stuttgart, 20.07.2011
Unter Affen und Schafen: Nachwuchs bei den Klippschliefern
Viele Besucher glauben, dass auf der Felsenanlage nur zwei Tierarten leben: Die Mähnenschafe und die Dscheladas. Aber es gibt es noch heimliche Mitbewohner, die sich einfach nicht so aufdrängen, sondern sich nur dem aufmerksamen Beobachter zeigen: Klippschliefer! Zur Zeit haben die niedlichen Moppel Nachwuchs, und bei schönem Wetter kann man die ganze Familie beim Sonnenbad sehen. Klippschliefer sind in den felsigen Trockengebieten Afrikas weitverbreitet. Die etwa hasengroßen Schliefer sind hervorragende Kletterer und sehr gesellig: Eine oder mehrere Familien bilden Kolonien mit bis zu 50 Tieren. Die Familien bestehen aus einem Männchen und mehreren Weibchen mit ihren Jungtieren. Die Männchen sind territorial – für die geruchliche Identität der ganzen Gruppe sorgt ein öliges Sekret aus einer Drüse am Rücken der Tiere. Die Kolonie leistet sich einen Wachdienst (meist ein erwachsenes Männchen), der mit gellendem Ruf vor Gefahren warnt – eine für wehrlose und schmackhafte Kleintiere durchaus sinnvolle Einrichtung! Der Wachdienst kann auf der Suche nach Greifvögeln sogar stundenlang den Himmel absuchen ohne von der Sonne geblendet zu werden – eine dunkel pigmentierte Schicht an der Iris kann über die Pupille ausgedehnt werden und fungiert so als natürliche Sonnenbrille. Klippschliefer ernähren sich von diversen Pflanzen, die ihnen gleichzeitig genug Flüssigkeit liefern: Sie müssen nicht trinken. Die Tiere verbringen am Tag nur etwa 1 Stunde mit Fressen – eine für reine Pflanzenfresser sehr kurze Zeit! Vom äußeren Erscheinungsbild her ist man vielleicht versucht, die kleinen Sympathieträger bei den Nagern oder den Hasenartigen anzusiedeln. Ein genauerer Blick auf die Anatomie und die DNS stellt die Schliefer aber in die Verwandtschaft der Elefanten und Seekühe! Die Wilhelma-Familie besteht zur Zeit aus einem Männchen, fünf Weibchen und drei Jungtieren vom 23. Juni 2011. Wie ihre wild lebenden Verwandten mögen auch die Wilhelma-Klippschliefer die Wärme: Bei Sonne aalen sie sich auf der Felsenanlage zwischen Mähnenschafen und Dscheladas, bei Kälte und Regen jedoch bleiben sie im Innenstall und lassen sich nicht blicken.

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