Portrait: Damhirsch

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Cervinae
Tribus: Echte Hirsche (Cervini)
Gattung: Damhirsche (Dama)
Art: Damhirsch (Dama dama)

Schwarzer Damhirsch (Wildpark Ortenburg)

Der Damhirsch ist ein mittelgroßer, vor allem in Mittel- und Südeuropa sowie in Vorderasien verbreiteter Hirsch aus der Unterfamilie der Echten Hirsche. Es werden zwei Unterarten unterschieden, der Europäische und der Mesopotamische Damhirsch, die manchmal auch als zwei getrennte Arten betrachtet werden.
Der Damhirsch ist deutlich größer als das Reh, aber kleiner und leichter als der Rothirsch. Die europäische Unterart hat eine Kopf-Rumpflänge von 130 bis 175 Zentimetern, einen etwa 28 Zentimeter langen Schwanz und eine Schulterhöhe von 80 bis 105 Zentimetern. Männchen der etwas größeren, mesopotamischen Unterart können Kopf-Rumpflängen von über 2 Meter erreichen. Das Gewicht variiert bei den Hirschen gewöhnlich zwischen 53 bis 90 Kilogramm, sehr schwere Hirsche erreichen im Ausnahmefall auch ein Gewicht von 110 Kilogramm. Die Weibchen wiegen dagegen zwischen 35 und 55 Kilogramm. Das Gewicht der männlichen Tiere schwankt im Jahresverlauf erheblich; sie nehmen während der sogenannten Feist stark zu, verlieren aber in der Brunft bis zu 27 Prozent ihres Körpergewichts. Bei Damtieren sind die jahreszeitlichen Schwankungen weniger ausgeprägt, das Gewicht schwankt im Jahresverlauf etwa um sieben Kilogramm. Es erreicht den Minimalwert zwischen Januar und April und den Maximalwert zwischen September und November.
Weibliche Damhirsche haben einen ebenmäßigen, leichten Körperbau und unterscheiden sich vor allem durch ihre Gangart und ihren langen Schwanz, der ständig in Bewegung ist, auffällig von den ansonsten ähnlich gebauten Hirschkühen. Der männliche Damhirsch ist im Vergleich zum Männchen des Rothirsches plumper und gedrungener gebaut. Er hat einen kürzeren Hals, kürzere und minder starke Läufe, deutlichere Tränengruben und ein mit runder Stange und Augensprosse versehenes, oben schaufelförmiges Geweih mit Sprossen am hinteren Rand. Der Kehlkopf ist bei adulten männlichen Damhirschen gut sichtbar, er befindet sich etwa 15 Zentimeter unterhalb des Kiefers. Die Bauchpartie wölbt sich verhältnismäßig stark nach unten. Der sogenannte „Pinsel“ – das ist das Haarbüschel, welches das männliche Glied umgibt – ist bereits bei Hirschkälber ab Ende August deutlich erkennbar. Die Augen sind bernsteingelb bis braungelb. Die Hufe sind schwarz.
Die Fellfärbung ist jahreszeitlich und individuell sehr variabel. Bei normal gefärbten Individuen ist das Sommerhaarkleid hell-rostbraun mit auffallend weißen Fleckenreihen. Diese Fleckenreihen beginnen fast am Hinterrand der Keulen und ziehen sich über die Seiten des Rumpfes und den Rücken bis zum Halsansatz. Auf der Rückenmitte verläuft ein dunkler Aalstrich, der sich beim europäischen Damhirsch bis zur Spitze des Schwanzes fortsetzt. Bei dem mesopotamischen Damhirsch endet er dagegen an der Schwanzwurzel. Der Aalstrich ist auf dem Rücken beiderseits von einer weißen Tupfenlinie begrenzt. Ein auffallender waagerechter, heller Strich läuft auf der Mitte der Körperseite. Die Bauchunterseite sowie die Läufe sind hell und einfarbig, der Hals ist einfarbig hell rostbraun. Der sogenannte Spiegel ist von einem schwarzen Rand begrenzt, so dass mit dem dunkeln Schwanz eine lebhafte Zeichnung der hinteren Partie entsteht. Im Winter ist der Damhirsch an Kopf, Hals und Ohren braungrau, auf dem Rücken und an den Seiten schwärzlich, an der Unterseite aschgrau. Die Fleckung ist dann nur noch andeutungsweise sichtbar.

Weißer Damhirsch (Wildpark Ortenburg)

Jungtiere wechseln in Mitteleuropa ab dem 5. Mai in das Sommerhaarkleid, bei adulten Tieren beginnt dieser Haarwechsel zwischen dem 15. und 20. Mai. Unabhängig von der Altersklasse und Geschlecht dauert dieser Haarwechsel etwa vierzig Tage. Bei Tieren, die nach Ende Juni noch das Winterhaarkleid aufweisen ist das ein Zeichen für Erkrankung oder Nahrungsmangel. Der Wechsel vom Sommerhaarkleid ins Winterhaarkleid beginnt zwischen Anfang und Mitte September. Männliche Tiere benötigen etwas länger für den Haarwechsel, da in die Zeit des Haarwechsels auch die Brunft fällt. Gegen Ende Oktober bis Anfang November ist der Wechsel jedoch auch bei den Männchen abgeschlossen, Weibchen zeigen das voll ausgebildete Winterkleid in der Regel bereits in der zweiten Oktoberhälfte.
Im Vergleich zu anderen wildlebenden Huftieren kommen beim (Europäischen) Damhirsch Farbanomalien relativ häufig vor. Dieses häufige Auftreten ist vermutlich auf die jahrhundertelange halbdomestizierte Haltung in sogenannten Hirschparks zurückzuführen. Auch in freier Wildbahn weisen heute von zehn Damhirschen einer bis drei eine von der normalen Färbung abweichende Fellfarbe auf.Einige Individuen haben ein Sommerhaarkleid, das in seiner Farbe an die von Rothirschen erinnert und bei denen die Fleckung fast oder ganz fehlt. Sie weisen jedoch noch den dunklen Aalstrich und die dunkle Umrandung des Spiegels auf. Andere haben ein hellbraunes Sommerkleid mit der für Damhirsche typischen weißen Fleckung, ihnen fehlt jedoch der Aalstrich, lediglich die Schwanzoberseite ist dunkel. Bei diesen Tieren sind typischerweise die Körperseiten, die Bauchunterseite sowie die Läufe fast weiß.

Mesopotamischer Damhirsch (Tierpark Hellabrunn)

Schwarze Farbmorphen sind die häufigste Varietät des Damhirsch. Bei diesen Tieren ist die Haardecke bis auf die Bauchunterseite und die Läufe rein schwarz, Läufe und Bauchunterseite sind dagegen grauschwarz. Bei nicht allen Tieren mit dieser Färbung ist der Spiegel sichtbar. Weiße Farbmorphen kommen gleichfalls vor. In der Regel haben weiße Damhirsche eine normale Augenfarbe, Albinos mit roten Augen sind bei Damhirschen dagegen selten. Weiße Damhirsche sind als Kälber isabellfarben mit einer Fleckfärbung, sie werden erst mit den weiteren Haarwechseln immer heller. Bis sie ein weißes Haarkleid aufweisen können ein bis mehrere Jahre vergehen.
Nur männliche Tiere des Damhirsches bilden ein Geweih. Seine Funktion liegt im Ausfechten und Verteidigen der Rangordnung. Das Geweih besteht aus zwei Stangen, die bei ausgewachsenen und normal entwickelten Hirschen gewöhnlich jeweils aus einer Augsprosse, darüber eine Mittelsprosse undeiner mehr oder weniger ausgeprägten Verbreiterung, der sogenannten Schaufel, bestehen. Sogenannte Eissprossen, die zwischen Augsprosse und Mittelsprosse liegen, kommen bei Damhirschen verhältnismäßig selten vor. Der vordere Rand der Schaufel ist in der Regel glatt, die übrigen Seiten können ausgebuchtet oder eingeschlitzt sein.
Der Abwurf des Geweih erfolgt bei ausgewachsenen Hirschen normalerweise von Anfang April bis Anfang Mai. Ähnlich wie bei Rothirschen erfolgt der Abwurf um so früher, je älter die Hirsche sind. Das Wachstum des neuen Geweihs setzt kurz nach dem Abwurf ein. Die Geweihstangen sind während des Wachstum von einer schützenden Basthaut überzogen. Die Basthaut stirbt nach Abschluss der Geweihbildung ab und wird vom Hirsch durch Fegen an Sträuchern und Baumästen von der verbleibenden Knochenmasse entfernt. Frisch gefegte Geweihe sind zunächst hell und gelegentlich durch noch anhaftendes Blut leicht gerötet. Die dunkle Farbe entsteht durch die Säfte der Pflanzen, an denen das Geweih gefegt wird.Da das Geweih eine Überschussproduktion des Körpers ist, spielen bei seiner Entwicklung äußere Faktoren wie die Ernährung neben dem Alter der Hirsche eine Rolle. Bei gut entwickelten Hirschen im siebten oder achten Lebensjahr haben die Stangen eine Länge von mindestens 55 Zentimeter, das Geweihgewicht beträgt in der Regel zwei Kilogramm.
Beim Damhirschkalb sind die Stirnbeinfortsätze, die als Rosenstöcke bezeichnet werden, bis zum Februar des auf die Geburt folgenden Jahres ausgebildet. Auf diesen entwickeln sich ab Februar oder März im Regelfall unter Basthaut die noch nicht vereckten Stangen, die sogenannte „Spieße“. Sie sind meist etwa zehn Zentimeter lang. Sehr selten entwickeln solche jungen Hirsche auch bereits mehrendige Geweihe. Junge Hirsche fegen bereits ab Mitte August ihr Geweih und damit etwas früher als adulte Hirsche. Bereits das zweite Geweih, das ein Damhirsch „schiebt“, weist unter normal guten Ernährungsbedingungen schwach entwickelte Schaufeln auf.Europäischer Damhirsch (Wildpark Poing)
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Europäischen Damhirsches erstreckt sich über weite Teile des gemäßigten und des mediterranen Europa. Im Südosten reicht sich sein Verbreitungsgebiet bis nach Kleinasien. Im Osten erstreckt es sich bis ins westliche Sibirien. Im 20. Jahrhundert wurde die Art in weite Teile der Welt eingeführt und hat sich dort stark vermehrt. Heute findet man kleinere frei lebende Populationen in Nordafrika, Südafrika, Australien, Neuseeland sowie in Nord- und Südamerika.
Klimatisch ist der Europäische Damhirsch sehr anpassungsfähig. Er kommt sowohl im gemäßigten als auch in subtropischen Regionen vor. Savannen, Heidegebiete, lichte Laubwälder und Ränder gehören zu seinen bevorzugten Lebensräumen. Auch landwirtschaftliche Flächen werde durchaus besiedelt und für die Nahrungssuche herangezogen. Der Europäische Damhirsch ist heute nur gering gefährdet. Damhirsche in Neuseeland nach dem Rothirsch die häufigste und am weitesten verbreitete Hirschart. Im Gegensatz dazu wurde der Damhirsch in vielen Gebieten seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes immer seltener. Im 19. Jahrhundert verschwand er aus Nordafrika, um 1900 vom griechischen Festland und in den 1950ern auf Sardinien. Auch in den asiatischen Teilen des Verbreitungsgebietes wurde die Art um diese Zeit immer seltener. Ein angebliches Vorkommen des Damhirsches vor etwa 1000 Jahren in Äthiopien stützt sich lediglich auf künstlerische Relikte.
Mesopotamische Damhirsche leben in einem kleinen Gebiet im Grenzbereich zwischen dem Iran und dem Irak. Sie leben hier in lichten Wäldern, teilweise auch in offenen Landschaften wie auf Weiden oder an gebirgigen Hängen. Mesopotamische Damhirsche kommen sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen der Mittelgebirge vor. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet ist der Mesopotamische Damhirsch so gut wie ausgerottet. Es leben wahrscheinlich nur noch rund 100 Exemplare in Freiheit, die im Iran unter strengem Schutz stehen.
Damhirsche sind Wiederkäuer. Sie sind in der Lage, rohfaserreiche und damit nährstoffarme und schwer aufschließbare Nahrung zu verwerten. Nach seinem Nahrungsverhalten wird der Damhirsch als Intermediärtyp eingestuft. Er nimmt damit eine Zwischenstellung ein zwischen Tieren, die sich ausschließlich Rauhfutter verwerten und solchen, die sogenannte Konzentratselektierer sind. Verglichen mit Reh und Rothirsch gilt der Damhirsch als die genügsamere Art, die forstliche Schäden erst bei Wilddichtwerten anrichtet, die deutlich über der des Rotwildes liegt.Die Reichhöhe des Damhirsches bei der Äsungsaufnahme reicht vom Erdboden bis in eine Höhe von 1,40 Meter. Sie stellen sich gelegentlich jedoch auch auf die Hinterläufe und können dann auch die Blätter und Triebe im Wipfelraum junger Bäume äsen.
Damhirsche fressen ausschließlich pflanzliche Nahrung und zwar Gräser, Kräuter, Blätter, unverholzte und verholzte Triebe und Früchte von Bäumen und Sträuchern, Pilze und die Rinde von Bäumen und Sträuchern.Die Zusammensetzung der Nahrung variiert im Jahresablauf und ist wesentlich vom jeweiligen Angebot bestimmt. Gras wird vor allem in den Monaten von Mai bis September gefressen. Früchte machen im Zeitraum von September bis Januar einen Anteil von vierzig Prozent aus. Die Nahrung ist grundsätzlich sehr wasserhaltig, so dass Damhirsche in der Lage sind, ohne Wasser auszukommen.
Damhirsche sind grundsätzlich soziale Tiere, die in Trupps oder Rudeln leben. Ausgewachsene Tiere leben von der Brunftzeit abgesehen gewöhnlich in jeweils nach Geschlechtern getrennten Rudeln, eine strenge Rudelbildung findet allerdings nicht statt.Lediglich sehr alte Hirsche leben gelegentlich einzelgängerisch.
Die Größe der einzelnen Rudel ist abhängig vom Lebensraum. In Lebensräumen mit einem hohen Anteil an Freiflächen sind die Rudel tendenziell größer als in den Lebensräumen, die überwiegend waldbestanden sind. Rudel können zwischen 30 und 200 Individuen umfassen, die Rudelzusammensetzung ist jedoch variabel; kleinere Gruppen von Individuen schließen sich entweder dem Rudel an oder lösen sich von diesem und ziehen weiter. Solche Subgruppen bestehen maximal aus fünf Individuen und setzen aus einem oder zwei Damtieren mit ihrem diesjährigen und gelegentlich auch dem vorjährigen Nachwuchs zusammen.

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