Ein Blick in die deutschen Hauptstadtzoos

Zoologischer Garten Berlin, 15.08.2011
Schweinerei mit Folgen – afrikanische Pinselohrschweine mit Jungtier im Zoologischen Garten Berlin
In den frühen Morgenstunden des 16. Juli 2011 kam ein männlicher Frischling bei den Pinselohrschweinen (Potamochoerus porcus) im Schweinehaus des Zoologischen Gartens Berlin auf die Welt. Von Anfang an war das Schweinchen lebhaft und vital. Es saugte beinahe stündlich an den mütterlichen Zitzen. Zum ersten Mal wächst damit in der 167 Jahre währenden Berliner Zoogeschichte ein Jungtier bei dieser Art auf. Die Tragzeit beträgt rund 130 Tage, es werden bis zu vier Junge geworfen, bei uns war es von Anfang an nur eines. Pinselohrschweine sind mit ihrem rauhaarigen rot-bräunlich-schwarzen Fell sehr farbenprächtige Wildschweine, dazu kommen die hellen Backenbärte und die namensgebenden „Pinsel“ an den Ohren. Sie stammen aus West- und Zentralafrika sowie dem östlichen Südafrika. Mutmaßlich schwimmend sind sie auf die Insel Madagaskar gelangt. In Regen- und feuchten Galeriewäldern, in Berg- und Buschwäldern leben die Tiere in Rotten zusammen. Die Lebensweise dieses Buschschweines ist der unseres heimischen Wildschweines (Sus scrofa) sehr ähnlich. Sie durchwühlen ständig den Boden nach Fressbarem, wie Wurzeln, Knollen, Insektenlarven oder Kleintieren. Wo die Schweine vom Löwen, Leoparden oder auch dem Menschen bejagt werden, sind sie nachtaktiv. Im Zoo kann sie der Besucher auch tagsüber sehr gut beobachten, wenn sie ihre Außenanlage umgraben. Im Unterschied zum Schwarzwild sind die Pinselohrschweine aber wärmebedürftig, da sie keine Unterwolle unter dem Fell haben. Ihre Innenstallungen haben die Tiere in dem 1909 erbauten Schweinehaus, wo sie vom Besucher während schlechten Wetters oder der kalten Jahreszeit angesehen werden können.

Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, 16.08.2011
Wertvolles Geschenk für den Tierpark Berlin: Marco-Polo-Schafe aus dem Zoo Moskau eingetroffen
Der Tierpark Berlin pflegt seit jeher einen ausgesuchten Bestand an Gebirgswiederkäuern, so seien stellvertretend Blauschafe aus China, Schraubenziegen aus Turkmenistan oder die kleinen Kreishornschafe genannt. Alle diese, zum Teil für den Besucher unscheinbaren, aber oft bedrohten Arten bewohnen den 2004 neu eröffneten Gebirgsteil für asiatische Tiere, welcher in diesem Jahr durch eine neue Wildschafart bereichert werden konnte. Durch die freundschaftlichen Beziehungen zum Zoo Moskau gelang es, im Mai 2011 drei der seltenen Marco-Polo-Schafe für den Tierpark als Geschenk zu erhalten. Es handelt sich um ein Männchen und zwei Weibchen, welche 2010 im Zoo Moskau geboren wurden und somit noch nicht voll erwachsen sind. Nach der vorgeschriebenen Quarantänezeit im Tierpark Berlin, sind die drei Marco-Polo-Schafe nun für die Besucher im Gebirgsteil zu beobachten. Es handelt sich neben der Zuchtgruppe im Zoo Moskau derzeit um die einzige Gruppe in einem Zoologischen Garten außerhalb von Russland. Das Marco-Polo-Schaf (benannt nach Marco Polo), auch Pamir-Wildschaf oder Pamir-Argali genannt, zählt zu den größten Wildschafen überhaupt – die Schulterhöhe kann bis zu 120 Zentimeter betragen. Erwachsene Böcke bilden unter allen Wildschafarten die längsten Hörner aus, welche bis zu 190 Zentimeter lang werden können und mehrfach gewunden sind. Die kräftigen Gehörne sind leider auch der Grund für ihre Bedrohung – unkontrollierte und teilweise illegale Trophäenjagd lässt die Bestandszahlen im Freiland sinken. Ferner sind die Konkurrenz mit Haustieren und die Lebensraumzersiedlung zunehmend eine Bedrohung. Das ist einer der Gründe, warum wir diese Art im Tierpark Berlin zukünftig und zusammen mit anderen Zoologischen Gärten züchten wollen. Die Heimat dieses Königs unter den Wildschafen sind die Gebirgsmatten des zentralasiatischen Pamir und Tienshan in Höhenlagen von 3000-5500 Metern.

Natürlich ist die aktuelle Zoopresseschau ausführlicher, aber da ich diese nur auszugsweise wiedergebe (die Zoos betreffend, die ich persönlich besucht habe) , ist mein Beitrag in dieser Woche sehr kurz. Nächste Woche wird es hoffentlich wieder mehr zu berichten geben.

Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Zoo, Zoopresseschau abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen