Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Tiergarten Schönbrunn Wien, 18.08.2011
PANDABUB FU HU FEIERT ERSTEN GEBURTSTAG
Der Publikumsliebling im Tiergarten Schönbrunn wird am kommenden Dienstag ein Jahr alt. Natürlich wird das mit einem großen Geburtstagsfest gefeiert. Auf Fu Hu wartet eine besondere Überraschung, verrät Tiergartendirektorin Dagmar Schratter: „Der Pandabub bekommt um etwa 10.00 Uhr mehrere Geschenkpackerln, die er selbst aufmachen darf. Darin versteckt sind Süßkartoffeln und Karotten – die Lieblingsleckereien des mittlerweile 22 Kilogramm schweren Pandajungen.“ Sogar ein chinesischer Kinderchor wird zu Ehren von Fu Hu ein Geburtstagsständchen singen. Nicht nur für den Panda, auch für alle, die zu seiner Geburtstagsfeier kommen, gibt es an diesem Tag ein tolles Programm: Die Besucher können die Wurfbox besichtigen oder die Größe von Pandas in verschiedenen Altersstufen schätzen. Fu Hus Pfleger stehen für Fragen zur Verfügung. Für Kinder gibt es chinesische Spiele zum Ausprobieren oder sie verwandeln sich beim Kinderschminken selbst in einen Pandabären. Fu Hu wird am Dienstag nicht das einzige „Geburtstagskind“ sein: Sein mittlerweile in China lebender Bruder Fu Long erblickte am 23. August 2007 das Licht der Welt. Für ihn gibt es eine Geburtstagskarte zum Unterschreiben, die in seine neue Heimat geschickt wird. Fu Hus Geburt am 23. August 2010 war eine zoologische Sensation. Er und sein Bruder Fu Long sind die einzigen Pandas, die in einem europäischen Zoo auf natürliche Weise gezeugt und aufgezogen wurden. Mehr als 25.000 Menschen beteiligten sich an der Internetabstimmung für seinen Namen. Die ersten Monate verbrachte Fu Hu mit seiner Mutter Yang Yang in der Wurfbox. Im Jänner 2011 tapste er das erste Mal in die Innenanlage und war für die Besucher zu sehen. Wer nicht genug von Fu Hu bekommt, kann ihn jetzt mit nach Hause nehmen: Die 36 herzigsten Fotos aus dem ersten Lebensjahr des kleinen Pandas finden sich im neuen Fu Hu-Kalender 2012 von Daniel Zupanc, der ab 23. August um 14,90 Euro im Tiergarten und im Buchhandel erhältlich ist.

Opel-Zoo Kronberg/ Taunus, 18.08.2011
Siebenschläfer in Handaufzucht im Opel-Zoo – Artenschutz auch bei heimischen Tieren
Wer vermeint ihn nicht zu kennen, den Siebenschläfer? Der zu den Bilchen gehörende, possierliche Nager ist allerdings ist für den Siebenschläfertag am 27. Juni, an dem nach einer Bauernregel die Großwetterlage der nächsten sieben Wochen vorherbestimmt ist, nicht der Namensgeber. Vielmehr sind es die sieben Schläfer, die einer Legende nach in einer Berghöhle bei Ephesus lebendig eingemauert wurden und 195 Jahre lang in ihr geschlafen haben. Da die europäischen Bilche, zu denen auch die Haselmaus gehört, ca. sieben Monate, nämlich von Oktober bis April/Mai Winterschlaf halten, ist die Assoziation zu der Bauernregel allerdings verständlich. Im Opel-Zoo sind im Moment sechs lebhafte Siebenschläfer-Findelkinder im Streichelzoo zu beobachten, die nacheinander, zuletzt Anfang dieser Woche von Privatpersonen abgegeben wurden und nun von einer Tierpflegerin mit der Flasche liebevoll aufgezogen werden. Alle paar Stunden, auch nachts, erhalten sie eine spezielle Aufzuchtmilch, mit der sie bestens wachsen und gedeihen. Siebenschläfer werden nackt und blind geboren. Mit etwa 18 Tagen beginnen die Jungen zu hören und etwa zur selben Zeit öffnen sich die Augen. Die kleinen Findlinge im Opel-Zoo sind jetzt etwa vier Wochen alt, sehr lebhaft und es dauert dann nur noch rund 14 Tage, bis sie selbständig sind. Dann verlangsamt sich das Wachstum und sie bauen beachtliche Fettdepots auf, um den langen Winterschlaf zu überstehen. Voraussichtlich im nächsten Frühjahr werden die kleinen Siebenschläfer aus dem Opel-Zoo in den umliegenden Wäldern ausgewildert. Dann sind sie geschlechtsreif, suchen ihr eigenes Revier und vermehren sich. Die nachtaktiven Siebenschläfer gehören zwar nicht zu den gefährdeten Tierarten, aber mit der zunehmenden Urbanisation ihres Lebensraumes trifft man sie inzwischen seltener an. Und so ist es dem Opel-Zoo wichtig, sich nicht nur um den Fortbestand der exotischen, im Tierpark gehaltenen Tiere, sondern auch um den der heimischen Tierarten zu kümmern.

Zoo Berlin, 18.08.2011
Neu eingetroffen: ein Pärchen junger Steppenfüchse im Zoo Berlin
Gut eingelebt haben sich in wenigen Tagen zwei 4 Monate alte Steppenfüchse in einem Gehege am Raubtierhaus des Berliner Zoos. Das neu zusammengestellt Paar stammt ursprünglich aus unterschiedlichen Würfen verschiedener Eltern im niederländischen Stichting Zie-Zoo. Im Berliner Zoo trafen sie am 2. August ein. Da Geburten dieses asiatischen Fuchses fast immer in den April fallen, sind beide Tiere im gleichen, noch durch Spielfreude geprägten Entwicklungsstadium. Erst wenn sie ins zweite Lebensjahr wechseln, ist mit ihrer Geschlechtsreife zu rechnen. Steppenfüchse oder Korsaks, wie sie auch genannt werden, sind über Kasachstan und die Mongolei bis nach China verbreitet. Hier schwanken ihre Bestandszahlen zuweilen recht drastisch. Mancherorts werden sie wegen ihres dichten Winterfells bejagt oder aber sie leiden unter der Vernichtung des für sie geeigneten Lebensraumes. Anders als unsere heimischen Rotfüchse sind die deutlich kleineren Pelztiere keine Kulturfolger. Allerdings lassen sie sich leicht zähmen, weshalb sie früher auch als Haustiere gehalten wurden. In Zoologischen Gärten sind sie nicht allzu häufig anzutreffen. Wenn sich die Partner einmal fortgepflanzt haben, tun sie dies meist auch in den Folgejahren regelmäßig. Korsaks sind geselliger als Rotfüchse, sie leben gerne in einehelicher Beziehung und auch die Rüden beteiligen sich an der Jungenaufzucht. Ihre Lebenserwartung liegt bei kaum mehr als 10 Jahren.

Zoo Salzburg, 21.08.2011
„Ab in die Lüfte – junge Waldrappe auf großer Reise“
Zum ersten Mal startete am Samstag, 20. August, in der Früh von Salzburg aus die Menschengeleitete Waldrapp-Migration in Richtung des Winterquartiers Laguna di Orbetello in der Toskana. Mit etwas Verzögerung begann der spektakuläre Fluge in den Süden am Samstag, 20. August, um 7 Uhr in der Früh von Anif aus. 16 junge Waldrappe fliegen in den nächsten Wochen ihren menschlichen Ziehmüttern in Leichtflugzeugen hinterher, um die rund 1.300 Kilometer lange Flugroute östlich der Alpen entlang durch Österreich, Slowenien und Italien ins Winterquartier in der Toskana zu erlernen. „Es war eine lange Vorbereitungszeit und jetzt hoffen wir alle auf einen positiven Verlauf der Migration“ erzählt Stefanie Heese, eine der beiden Ziehmütter. Die mehr als drei Monate alten Jungvögel haben ein intensives Flugtraining hinter sich. Zoo-Geschäftsführerin Sabine Grebner, Anifer Bürgermeister Hans Krüger und Vizebürgermeister Josef Grasmann verabschiedeten sich persönlich von den Vögeln und dem Waldrappteam. Sie übergaben Projektleiter Johannes Fritz eine Waldrapp-Snack-Bar. Der Vogelzug wird drei bis vier Wochen dauern. Und wie bei einer ‚natürlichen‘ Migration wird der Großteil der Zeit aus Pausentagen besteht. An diesen Ruhetagen können es sich dann die 16 Waldrappe an der Snack-Bar mit Mehlwürmern gut gehen lassen. Im vergangenen Jahr wurde nur an sieben Tagen geflogen. Projektleiter Fritz: „Die Flugdistanzen im vergangenen Jahr waren enorm. Die mittlere Tagesstrecke lag bei rund 180 Kilometern, die maximale Flugdistanz bei 275 Kilometer. Heuer wurden die Fluggeräte aufgerüstet und wir hoffen, in diesem Jahr noch weitere Strecken zu fliegen Nach einem phantastischen Abflug von Anif am gestrigen Tag sind wir voll Zuversicht. In 4:42 Stunden flogen wir unglaubliche 237 Kilometer mit einer mittleren Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer. Jetzt haben wir unser Camp in der Nähe von St. Pölten aufgeschlagen. Nach zwei Pausentagen wollen wir am Dienstag von hier aus bereits die Grenze nach Slowenien überfliegen“. Mit dabei ist wieder der Profipilot Walter Holzmüller, amtierender Weltmeister mit dem verwendeten Fluggerätetyp. Nur in Marokko und Syrien gibt es noch freilebende Kolonien, wobei ausschließlich die drei verbliebenen Vögel in Syrien eine Migrationstradition erhalten haben und in ihr äthiopisches Wintergebiet fliegen. Die Aufrechterhaltung dieser Population ist wohl derzeit eines der wichtigsten Artenschutzprojekte weltweit. Seit 2002 bemüht sich das Waldrappteam das Überleben der Ibisvögel in freier Wildbahn zu sichern. Dazu werden unter anderem Jungtiere von menschlichen Zieheltern aufgezogen und darauf trainiert, diesen in einem Ultraleichtflugzeug zu folgen. Auf diese Weise erlernen die Vögel die Zugroute in ein geeignetes Winterquartier, welche idealerweise an deren eigene Nachkommen weitergegeben wird. Neben unseren Engagements zum Bestandsschutz und zur Wiederansiedlung in Syrien, Marokko und Europa betreiben wir mit unseren Kooperationspartnern Grundlagenforschung in den Bereichen Migrationsphysiologie, Nahrungsökologie und Ethologie.

Zoo Berlin, 22.08.2011
Bartaffen-Baby im Berliner Zoo
Von den weltweit gut 20 Makaken-Arten sind die Bartaffen mit am stärksten vom Aussterben bedroht. Im Kronendach südwestindischer Tropenwälder beheimatet leben schätzungsweise nur noch weniger als 2500 erwachsene Tiere in freier Natur. Der Erhaltungszucht in Menschenobhut kommt somit eine große Bedeutung zu. Dementsprechend erfreut ist man im Berliner Zoo seit dem 28. Juli über die Geburt eines Jungtieres, das auch bei gewagten Sprüngen festgeklammert am Bauch seiner Mutter getragen wird. Mit 23 Jahren ist das Muttertier innerhalb der 6köpfigen Bartaffengruppe das Weibchen mit der größten Erfahrung. Es wird ihr Junges sicher aufziehen. Das Gesicht der schwarzfarbenen Affen wird von einem abstehenden, silbergrauen Mähnenkranz umrahmt. Helle Haarbüschel am Schwanzende verstärken die Erinnerung an einen „Löwenaffen“. Im Berliner Zoo hat die Bartaffenhaltung eine lange Tradition. Seit nunmehr über 50 Jahren werden sie hier auch mit gewisser Regelmäßigkeit gezüchtet. Für die Bartaffen, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen den höchsten Schutzstatus genießen, gibt es ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das federführend vom Kölner Zoo betreut wird. Ein Ziel ist es, mittelfristig eine etwa 300 Individuen umfassende Population auf europäischem Boden zu managen.

Zoo Wilhelma Stuttgart, 24.08.2011
Zwillinge bei den Kaiserschnurrbarttamarinen: Ein Fall für die ganze Familie
Die Affenzwerge mit dem langen, umständlichen Namen „Kaiserschnurrbarttamarine“ haben winzigen Nachwuchs bekommen. Gleich zwei Affenbabys gilt es nun aufzuziehen. Für „die Tamarins“ kein Problem: Das Babysitten erledigen Mutter Malou, Vater Ant und der Rest der Familie in bewährter Teamarbeit. Denn bei diesen Äffchen sind auch Väter vollwertige Mütter – bis aufs Säugen natürlich. Und dem beeindruckenden Damenbart von Malou nach zu urteilen, gilt das irgendwie auch umgekehrt .Die knapp drei Wochen alten Zwillinge des Kaiserschnurrbarttamarin-Paars Malou und Ant könnten für längere Zeit der letzte Nachwuchs dieser Art in Stuttgart gewesen sein. Denn die Koordinatorin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms hat der Wilhelma einen Zuchtstopp für diese Krallenäffchen verordnet. Der Grund: Die europäische Zoopopulation dieser Art ist mittlerweile groß genug, alle Zooplätze sind weitgehend belegt, so dass in nächster Zeit nur noch die Tiere weiter züchten dürfen, deren Gene im Gesamtbestand bisher selten vertreten und damit für die Auffrischung wertvoll sind. Gerade das Wilhelma-Männchen hat seine Gene jedoch schon zu genüge weitergegeben – für den mehrfachen Vater ist mit dem diesjährigen Nachwuchs nun das Dutzend voll. Wer die beiden possierlichen Winzlinge mit den imposanten Kaiser-Wilhelm-Bärten also gerne bei der Jungenaufzucht beobachtet, hat diesmal in Stuttgart vielleicht für lange Zeit die letzte Chance dazu. Doch Tierbabys nur um deren Attraktivität willen zu produzieren, ist eben nicht das Ziel moderner Zoos. Also wird bei Tierarten mit ausreichendem Bestand notfalls verhütet: indem Einzelgänger auch zur Paarungszeit getrennt bleiben, in Gruppen oder Paarbindungen lebende Tiere ein Hormonimplantat erhalten oder in Einzelfällen auch sterilisiert werden. Noch ist es bei den Tamarinen der Wilhelma jedoch nicht soweit. Vielmehr halten die beiden Nesthäkchen derzeit die ganze Familie ordentlich auf Trab, wobei auch die älteren Geschwister schon fleißig einspringen.

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2 Antworten auf Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

  1. Sophie sagt:

    Waren letzte Woche Schönbrunn! War ein sehr schöner Ausflug, kann ich nur empfehlen!

  2. tylacosmilus sagt:

    Ich werde erst nächstes Jahr wieder nach Wien kommen. Schönbrunn habe ich bisher nur im Winter besucht, nächstes Jahr wird es mal Sommer.

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