Ein Blick in die deutschen Zoos

Tierpark Berlin, 21.07.2011
Giraffenjunge „Moritz“ erblickt im Berliner Tierpark das Licht der Welt
Am frühen Abend des 18. Juli 2011 brachte das erfahrene Uganda-Giraffenweibchen „Lotti“ im Tierpark Berlin ihr sechstes Jungtier zur Welt. Es handelt sich um ein gesundes Bullkalb, welches von den Tierpflegern den Namen „Moritz“ erhielt. Das Kalb hatte am zweiten Lebenstag eine Scheitelhöhe von 1,80 m und ist ein kräftiges Jungtier. Die Geburt verlief komplikationslos, das Neugeborene stand schon wenige Stunden nach der Geburt und begann alsbald an den Zitzen der Mutter zu saugen. Aufgrund der Erfahrenheit der Mutter konnten wir diese mit ihrem Jungen schon am dritten Lebenstag in den großen Laufstall des Giraffenhauses lassen, wo Besucher den kleinen Giraffenjungen nun beobachten können. In wenigen Tagen wird „Moritz“ zur restlichen Giraffenherde auf die großzügige Außenanlage gelassen. Mutter „Lotti“ wurde 1999 im Tierpark Berlin geboren. Vater ist der 1991 aus dem Tierpark Emmen nach Friedrichsfelde gekommene „Alexander“. Steppengiraffen sind in den Trockengebieten, hauptsächlich Baumsteppen von Westafrika und von Ost- über Zentral- bis nach Südafrika verbreitet. Innerhalb dieser Verbreitung bildeten sich verschiedene Unterarten aus, die sich äußerlich in der Ausbildung der braunen Flecken, den sog. Platten unterscheiden. Die im Tierpark Berlin gehaltene Rothschild- oder Uganda-Giraffe zeigt hell- bis dunkelbraune Platten, welche durch weißgelbliche Banden abgegrenzt sind. Vereinzelte Platten werden jedoch von den hellen Banden eingeschnitten. Die Verbreitung dieser Unterart ist auf Uganda und Grenzgebieten zu Kenia und dem Südsudan begrenzt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft diese Unterart als bedroht ein – der Bestand im Freiland nimmt kontinuierlich ab und Schätzungen gehen von weniger als 2500 geschlechtsreifen Tieren aus.

Zoologischer Garten Berlin, 25.07.2011
Kein Geier und auch kein Falke – Nachwuchs beim Geierfalken im Zoologischen Garten Berlin
Anfang Mai 2011 schlüpfte nach rund dreißig Tage dauernder Brut durch die Eltern ein Jungvogel bei den Schopfkarakaras oder Caranchos (Polyborus plancus ). Ihr deutscher Name „Geierfalke“, der sich auf die gesamte Unterfamilie bezieht, wirkt unglücklich, so dass die Tiere nun vornehmlich mit dem aus der Sprache der Eingeborenen stammenden „Karakara“ bezeichnet werden, der sich lautmalerisch aus dem hart klingenden Ruf des Tieres ergibt. In Südamerika ist der Name „Carancho“ verbreitet. Tatsächlich kann man die Karakaras zu den Falkenartigen und damit zu den Greifvögeln zählen. Der Schopfkarakara zeichnet sich durch eine aufstellbare Federhaube am Kopf aus. Die Tiere kommen als Steppenbewohner in den warmen Teilen der USA über Mexiko und Mittelamerika bis nach Südamerika vor. Sie ernähren sich hauptsächlich von Aas, das sie in niedrigen Suchflügen oder gewandtem Laufen auf dem Boden finden. Die Tiere sind durchaus Kulturfolger und fressen Tiere, die auf der Straße überfahren wurden. Vom Menschen wird das geduldet. Das außerordentlich günstige Wetter führte 2011 schon zu einer Reihe guter Bruterfolge im Vogelbereich. Das Elternpaar lebt seit 2003 im Zoologischen Garten Berlin und harmonierte gut miteinander, so dass die erfolgreiche Nachzucht nur noch eine Sache der Zeit schien. Anfang Juli ist der Jungvogel, dessen Geschlecht noch nicht bestimmt wurde, aus dem Nest ausgeflogen. Größenmäßig ist er von den Eltern schon nicht mehr zu unterscheiden, er trägt allerdings noch das Jugendkleid. Beide Berliner Zoos haben eine lange und gute Tradition mit Geierfalken. 1980 gelang im Zoologischen Garten die Welterstzucht des Andenkarakaras (Phalcoboenus megalopterus). 1983 wurde erstmalig im Tierpark Berlin der Falkland-Karakara (Phalcoboenus australis) gezüchtet.

Zoo Wilhelma Stuttgart, 27.07.2011
Ein munteres Trio: Jetzt geht’s rund im Seelöwen-Kindergarten
Der Juni 2010 war offenbar ein sehr fruchtbarer Monat für die Seelöwen-Truppe der Wilhelma, denn jetzt, zwölf Monate später, kamen gleich drei Tiere im Abstand von je einer Woche zur Welt: ein Junge und zwei Mädels. Damit hat sich Unesco, der seit 2007 Chef im Seelöwenring und gerade fünf Jahre jung ist, endgültig als erfolgreicher Zuchtbulle eingeführt. Schon 2009 hatte er als Dreijähriger – und damit ganze zwei Jahre vor der üblichen Geschlechtsreife – mit Seelöwin Evi den kleinen Eddy gezeugt. Während der 2010 geborene Eddy, der mittlerweile in England lebt, sich anfangs am liebsten in den kühlen Keller verkrochen hatte, ist das neue Nachwuchs-Trio im Seelöwensee aus anderem Garn gestrickt. Wenn sie gerade nicht von ihren Müttern gesäugt werden, räkeln sich „Siku“ und „Maha“ entweder gemeinsam auf den sonnenwarmen Steinen am Beckenrand, oder sie planschen und tauchen wie die Großen im erfrischenden, stets 15 Grad kühlen Cannstatter Mineralwasser des Seelöwenpools. Lediglich die kleine „Kitai“ zieht sich manchmal mit Mutter „Lucy“ in die verborgenen unterirdischen Gemächer zurück. Ansonsten stört es die Kleinen keinen Deut, wenn es bei den Seelöwenfütterungen hoch her geht – im Gegenteil. Sie scheinen das ganze Gespritze, Gespringe und Gesinge fast so interessiert zu verfolgen und zu genießen wie das menschliche Publikum. Mit den frischen Fischen, die dabei immer in rauen Mengen für die Seelöwentruppe abfallen – ob ehrlich verdient oder auch mal heimlich aus den Eimern geklaut – schlagen sich derweil ihre Mütter Evi, Lucy und Mercedes die Bäuche voll. Schließlich müssen sie für ihre Jungen jede Menge nahrhafte, fett- und eiweißhaltige Milch produzieren, damit ihre Babys möglichst bald schön rund und mollig werden. Bei der Geburt wiegen die Kleinen etwa sechs bis acht Kilogramm, verdoppeln dieses Gewicht dann aber schon im ersten Lebensmonat. In der Natur ist das überlebenswichtig, da Jungrobben ausreichend Fettpolster für Fastenzeiten anlegen müssen. Denn nach sechs bis acht Monaten, wenn Mutters Milchbar endgültig für sie schließt, müssen sie selbst lernen, wie man Fische erbeutet, Seelöwenmütter stehen als Lehrerinnen dabei nicht zur Verfügung. In der Wilhelma übernehmen es allerdings die Pfleger, den Seelöwennachwuchs an Hering und Makrele als künftige Nahrung zu gewöhnen. Und hinter den Kulissen werden bereits Plätze in anderen Zoos gesucht, wo die Jungseelöwen ab nächsten Sommer zuhause sein sollen – Reisetermin ist der Mai, bis dahin können sich die Wilhelmabesucher an dem munteren Trio erfreuen.

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