Ein Blick in die deutschen Zoos

Tiergarten Nürnberg, 04.08.2011
Neues Gehege für Nürnberger Panzernashörner
Der Tiergarten der Stadt Nürnberg hat die ehemalige Elefantenfreianlage für die Panzernashörner umgebaut. Zusätzlich zu ihrer bisherigen Fläche im Dickhäuterhaus und den beiden dort angrenzenden Gehegen erhielten Nürnbergs Nashörner Purana, Ropen und ihre Tochter Seto Paitala durch den Umbau eine weitere Fläche von 3.500 Quadratmetern. Durch dieses dritte absperrbare Gehege kann Nürnbergs jüngstes Panzernashorn, die vor zwei Jahren (27. August 2009) im Tiergarten Nürnberg geborene Seto Paitala, auch dann weiterhin im Tiergarten gehalten werden, wenn Purana wieder neuen Nachwuchs bekommt. Da Purana am 28. März 2011 bereits gedeckt wurde, könnte es im nächsten Sommer soweit sein. Derzeit nutzen Purana zusammen mit ihrer Tochter oder Ropen abwechselnd das neue Gehege. Dieses wurde mit äußerst stabilen Einbauten aus Holz wie auch Bäumen zur Beschäftigung der schweren Tiere ausgestattet. Das Panzernashorn gilt nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUNC) als bedroht und unterliegt auch dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Neben der Wilderei wird der Bestand der Panzernashörner auch durch aus Südamerika eingeschleppte Pflanzen gefährdet. Dabei handelt es sich um eine eingeführte Mimosenart (Mimosa pudica) und ein Asterngewächs (Mikania migranthia), die eine der wichtigsten Futterpflanzen der Nashörner, das Elefantengras, überwuchern. Damit wird es unerreichbar für die Tiere. Die einzige Möglichkeit diese Pflanzen unter Kontrolle zu halten, ist derzeit das Entfernen der Mimose durch Menschenhand beziehungsweise eine Bekämpfung der Mikania durch Pilze.

Tierpark Berlin, 05.08.2011
Grosse Freude im Tierpark Berlin: 10. Panzernashorn geboren!
Am Sonntag, dem 31. Juli 2011 brachte unsere Panzernashornzuchtkuh „Betty“ ihr 5. Kalb zur Welt. Das Jungtier ist weiblich und wird von seiner Mutter vorbildlich betreut. „Betty“ wurde 1995 in Friedrichsfelde geboren, sie kam quasi under cover aus dem San Diego Wild Animal Park nach Berlin, war doch ihre Mutter „Jhansi“ tragend, was niemand wusste. Oma „Jhansi“ lebt im Gehege neben „Betty“ und zieht gerade ihren Sohn auf, der Pfingsten 2010 zur Welt kam. Der Vater von „Bettys“ Jüngstem ist der 21jährige „Belur“, der ebenfalls in Friedrichsfelde das Licht der Welt erblickte. Insgesamt wurden bisher 10 Panzernashörner im Tierpark Berlin geboren, hinzu kommen 4 Geburten im Zoo Berlin. Von den 14 Kälbern wurden 11 aufgezogen. Wie alle Nashornarten so sind auch die Panzernashörner von der Ausrottung bedroht. Wenn sich die Bestände in Assam und Nepal auch etwas erholt haben, so muss jede Geburt im Zoologischen Garten als besonderer Erfolg gewertet werden. Nach wie vor werden Nashörner gewildert, um an ihre Nasenhörner zu gelangen, die sowohl in der asiatischen Apotheke als auch für die Verwendung von Dolchgriffen im arabischen Raum genutzt werden. Das Internationale Zuchtbuch für das Panzernashorn wird vom Zoo Basel geführt.

Zoo Berlin, 08.08.2011
Pferde im Tarnanzug – Böhm-Steppenzebras mit Fohlen im Zoologischen Garten Berlin
Am 10. Juli 2011 kam frühmorgens das langersehnte Stutfohlen bei den Böhmzebras (Equus quagga boehmi) nach einer Tragezeit von rund einem Jahr auf der Afrikaanlage im Zoologischen Garten Berlin zur Welt. Mutter des Jungtieres ist die Stute „Makeba“, die 2008 vom Tierpark Cottbus kam. Der Zuchthengst „Ole-Otabo“ wurde 2001 im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe geboren und siedelte im Mai 2010 vom Vivarium Darmstadt an die Spree über. Es ist sein erstes Fohlen hier in Berlin. Böhmzebras sind die am nördlichsten vorkommenden Steppenzebras, die von Tansania, Kenia bis in die südlichen Regionen des Sudan vorkommen. Benannt ist diese Unterart nach dem begüterten Berliner Afrikareisenden Richard Böhm (gestorben 1884), der Zeichnungen an das Naturkundemuseum Berlin gesandt hatte, wo das Tier wissenschaftlich beschrieben wurde. Die Engländer nennen das gleiche Tier Grantzebra, nach James Augustus Grant (1827-1892), einem Forschungsreisenden ihrer eigenen Nation. Nach den Regeln der zoologischen Namensgebung ist letzteres aber nicht korrekt. Die schwarz-weiße Streifung ist kräftig und reicht über den Bauch und bis zu den Hufen. Welche Funktion das Streifenmuster der „Tigerpferde“ erfüllt, das für uns Menschen durchaus auffällig wirkt, ist noch nicht geklärt. Einerseits löst es die Konturen der Einzeltiere im Herdenverband auf. Das soll sich vorteilhaft gegenüber tierseuchenübertragenden Fliegen und Raubfeinden auswirken. Andererseits sollen sich Herdenmitglieder am individuellen Streifenmuster erkennen. Steppenzebras sind sehr soziale Tiere und verbringen einen großen Teil des Tages damit, für die Körperpflege ausgiebige Sandbäder zu nehmen. In der Natur sind sie oft in Gemeinschaft mit Antilopen, Gnus, Giraffen und anderen zu finden, im Zoo Berlin leben sie zusammen mit den großen Elenantilopen. Die gestreiften Pferde fressen hauptsächlich Gräser und Kräuter, aber auch Blätter und Rinde.

Tiergarten Nürnberg, 08.08.2011
Lagune: Delphine schwimmen jetzt im Panoramabecken
Die Delphine erkunden jetzt auch das große Panoramabecken der neuen Delphinlagune im Tiergarten der Stadt Nürnberg. Die Großen Tümmler wagten sich erstmals am Mittwochabend, 3. August 2011, in das Panoramabecken. Gelockt mit Fisch und gutem Zuspruch seitens der Pfleger begab sich auch der 51-jährige Delphin Moby für kurze Zeit auf unbekanntes Terrain. Bei weiteren Versuchen am Donnerstag und Freitag gewannen Moby und auch Jenny zunehmend an Sicherheit im Umgang mit der neuen Freiheit: Beide erkundeten neugierig das neue Becken. Von nun an können also auch die Besucher die Delphine zeitweise durch die Panoramascheibe des „Blauen Salons“ neben den ebenfalls im Panoramabecken beheimateten Seelöwen beobachten.

Wilhelma Stuttgart, 10.08.2011
Okapi-Nachwuchs in der Wilhelma: Ein kleiner „Heimlichtuer“ zeigt sich endlich
Das Licht der Welt hat das Okapi-Kalb zwar schon Ende Mai erblickt, aber erst seit Kurzem haben die Wilhelma-Besucher die Chance, ihrerseits das kleine Okapi zu erblicken. Denn die ersten Lebenswochen führen Waldgiraffen ein sehr heimliches Leben – in der Natur wie im Zoo. Während sich also bei der langhalsigen Verwandtschaft nebenan der kleine Giraffenbulle Kasper schon nach wenigen Tagen dem Publikum präsentierte, verbarg sich das Okapi-Kalb geschlagene zehn Wochen in einer Stallbox hinter den Kulissen des Giraffenhauses. Doch ab sofort ist jetzt auch „Kivu“ mit etwas Glück im Außengehege zu sichten. Ein kräftiger Rumpf auf langen Beinen und riesige Ohren an einem markanten Kopf: Auf den ersten Blick erinnert das Okapi-Kalb fast an einen Elch. Doch Waldgiraffen haben nun mal eine etwas eigenwillig proportionierte Gestalt – selbst ohne den langen Hals, der ihre Verwandten in den afrikanischen Savannen auszeichnet. Dafür tragen schon die Kleinsten neben einem samtig-braunen Fell hübsche, schwarz-weiße Muster an den Beinen, was einen kindlichen Wilhelma-Besucher zu der phantasievollen Art-Bezeichnung „Strumpfhosentiere“ inspirierte. Das jüngste Okapi im Bund der nunmehr sechsköpfigen Herde ist männlich, heißt nach einem Gebiet im Kongo „Kivu“ und ist der Sohn von Okapi-Kuh Epena und dem Bullen Vitu. Letzterem ist sein eigener Nachwuchs jedoch mehr oder weniger schnuppe: Mit der Zeugung hat er seine Schuldigkeit getan, der Rest ist Frauensache. Aber auch Okapi-Mütter betütteln ihren Nachwuchs nicht etwa rund um die Uhr, sondern sind im Dschungel oft stundenlang allein auf Nahrungssuche unterwegs, und das möglichst weit weg von ihren Kälbern. Doch nicht aus Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit, im Gegenteil: Dass Okapis ihre ersten Lebensmonate tief im Urwalddickicht versteckt als so genannte „Ablieger“ verbringen, dient ihrer Sicherheit. Zudem sorgen die Mütter dafür, dass Raubtiernasen ihre Kälber nicht wittern können, indem sie diese bei jedem Besuch mit ihrem langen Zungen-Waschlappen penibel sauber schlecken. Auch Epena ließ ihr Kalb von Anfang an öfter allein, was dieses stets gelassen hinnahm, sich ablegte und wartete, bis Mama zwei bis dreimal am Tag zurück kam und für jeweils etwa fünf Minuten die Milchbar öffnete. Dieses Verhalten behält ein Okapi-Kalb instinktiv auch in der feindfreien Wilhelma bei, wobei das Versteck hier statt aus Gestrüpp aus Stroh und Stallwänden besteht. Die Folge: Auch die Besucher bekommen kleine Waldgiraffen hier erst lange nach deren Geburt erstmals zu Gesicht. So gut wie nie zu Gesicht bekommt man die scheuen Okapis dagegen in ihrer Heimat, dem Kongo. Von rund 10.000 Tieren, die noch vor zehn Jahren hier beispielsweise im Ituri-Wald lebten, ist vermutlich nur noch die Hälfte übrig. Diesen Restbestand zu erhalten, ist Ziel eines Okapi-Projekts, das auch die Wilhelma im Rahmen des internationalen Artenschutzprogramms unterstützt. Auch die Zoopopulation ist mit weltweit rund 150 Tieren klein, sechs Tiere davon leben derzeit in der Wilhelma: neben Vitu, Epena und ihrem Nachwuchs sind es der Bulle Xano sowie die Kühe Kabinda und Ibina. Das letzte in der Wilhelma geborene Kalb, die im März 2009 geborene Zawadi, ist im April 2011 nach Leipzig umgezogen. Auch Kivu wird noch rund ein Jahr von der Mutter gesäugt und frühestens mit eineinhalb Jahren an einen anderen Zoo abgegeben werden.

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