Invasionsbiologie

Als Invasionsbiologie bezeichnet man einen Zweig der Biologie, der sich mit der Ausbreitung gebietsfremder (= nichteinheimischer) Arten beschäftigt, d. h. tierische, pflanzliche oder pilzliche Organismen, die durch den direkten oder indirekten Einfluss des Menschen in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie natürlicherweise nicht vorkommen (sog. Neobiota). Forschungsthemen sind unter anderem die Voraussetzungen, die dazu führen, dass Arten sich in neuen Gebieten etablieren und ausbreiten sowie die Folgen, die diese Ausbreitung haben. So ist neben der Habitatvernichtung das Problem der invasiven Spezies der wichtigste Grund für die globale Reduktion der Artenvielfalt. Gegenstand der Invasionsbiologie ist es außerdem, Vorhersagen darüber zu treffen, welche Arten sich zu problematischen Invasoren entwickeln können und wie mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aussehen können. Bei biologischen Invasionen werden durch den Menschen räumliche Ausbreitungsbarrieren überwunden. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Bau des Sueskanals, durch den das Rote Meer (Indischer Ozean) mit dem Mittelmeer (Atlantik) verbunden wurde, wozu der Begriff der Lessepsschen Migration eingeführt wurde.
Herkulesstaude (besser bekannt als Riesen-Bärenklau) und Beifußblättriges Traubenblatt (Ambrosia) zählen in Europa zu den problematischen Neophyten und sind Forschungsgegenstand der Invasionsbiologie.

1492 gilt als zeitliche Trennlinie, weil mit der Entdeckung Amerikas ein weltumspannender Austausch von Menschen und Gütern begann, der in seiner Dimension ohne historische Vorbilder ist (mehr zur zeitlichen Abgrenzung beim Artikel über Neophyten).
Forschungsgeschichtlich ging der Invasionsbiologie die Adventivfloristik voraus, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Diese sammelte zuerst Informationen über eingeführte Pflanzen und versuchte diese in einer späteren Forschungsphase zu systematisieren. Nach 1945 kam der Invasionsbiologie immer größere Bedeutung zu – Länder wie beispielsweise Australien und Neuseeland mit lange isolierten, gegen gebietsfremde Arten sensiblen Ökosystemen erleiden massive wirtschaftliche Schäden und Schäden an ihrer Biodiversität, mit denen man sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer intensiver auseinandersetzte. Als Begründer der heutigen Invasionsbiologie gilt der britische Ökologe Charles Sutherland Elton mit seinem 1958 erschienenen Buch.

Insbesondere im deutschsprachigen Raum werden in der Invasionsbiologie eine Reihe von Begriffen gebraucht, die oftmals bereits eine längere Tradition haben:
Neobiota: Sammelbegriff für alle durch den Menschen eingebrachten Arten
Neophyten: Pflanzen, die nach 1492 durch den Menschen eingebracht wurden
Archäophyten: Pflanzen, die vor 1492 durch den Menschen eingebracht wurden
Neozoen und Archäozoen als Äquivalent für Tierarten
Archäomyceten und Neomyceten als Äquivalent für Pilzarten. (Der Begriff Archäomycet ist eine Analogiebildung. Es ist bis heute keine Art bekannt, die tatsächlich in diese Kategorie gehörte).
Die Ausbreitung von Pflanzen durch den Menschen wird auch als Hemerochorie bezeichnet. Ein vergleichbarer Begriff für Tiere fehlt.

Bekannte Neozoen sind beispielsweise Waschbär, Wanderratte oder Bisam.

Eine Liste eingewanderter und eingebürgerter Wirbeltiere findet sich hier.
Eine Liste eingewanderter und eingebürgerter Wirbelloser findet sich hier.

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