Portrait: Panzernashorn

Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Nashörner (Rhinocerotidae)
Gattung: Rhinoceros
Art: Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)

Panzernashorn (Tierpark Hellabrunn)

Das Panzernashorn, auch Indisches Panzernashorn und Indisches Nashorn genannt, gehört zur Familie der Nashörner.
Mit einer Kopfrumpflänge von 370 cm (Männchen) beziehungsweise 330 cm (Weibchen), einer Schulterhöhe von 180 cm (Weibchen 160 cm) und einem Gewicht von 2,2 Tonnen (Weibchen 1,6 Tonnen) ist das Panzernashorn die größte der drei Nashornarten Asiens. Auf der Nase sitzt ein einzelnes Horn, das maximal 50 cm lang werden kann; es ist sowohl bei Bullen als auch bei Kühen voll ausgeprägt.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste den gesamten Norden des Indischen Subkontinents, entlang des Indus in Pakistan über die Flussebenen von Ganges und Brahmaputra in Indien und Bangladesch bis hin zur Grenze zwischen Indien und Burma, einschließlich den südlichen Landesteilen von Nepal und Bhutan. Panzernashörner bevorzugen offenes Grasland und Sumpflandschaften entlang von Flüssen. Heute ist ihr Lebensraum von dicht besiedelten Gebieten umgeben, so dass sie auch in Grünland, Feldern und sekundärem Waldbestand anzutreffen sind. Nach Schätzungen von Mai 2007 lebten 1.040 bis 1.308 Tiere und damit mehr als 70% der heutigen Gesamtpopulation im indischen Kaziranga-Nationalpark. In Nepal leben nach Zählungen im Frühjahr 2011 etwa 534 Tiere — 503 im Chitwan-Nationalpark, 24 im Bardia Nationalpark und 7 im Sukla Phanta Wildreservat im Südwesten des Landes.

Panzernashorn (Tiergarten Nürnberg)

Panzernashörner sind nachtaktive Einzelgänger. Sie unterhalten Eigenbezirke, die aber einander überlappen können. Ihren Artgenossen gehen sie aus dem Wege; nur selten kommt es zu Kämpfen. Bullen und Kühe kommen nur zur Paarungszeit zueinander. Als Vorspiel muss der Bulle die Kuh über weite Strecken verfolgen. Der eigentliche Paarungsakt kann dann über eine Stunde dauern.

Kühe mit neugeborenen Kälbern zeigen sich besonders aggressiv gegenüber Eindringlingen ihrer Art, aber auch gegenüber anderen großen Tieren und Menschen. Ihr Angriff ist gefährlich, weniger wegen des Horns, sondern wegen des kräftigen Bisses. Unter ihre Hufe zu gelangen, kann tödlich ausgehen.

Panzernashörner werden in Gefangenschaft sehr zahm und entwickeln dabei einen festen Bezug zu ihren jeweiligen Pflegern.

Die Tragzeit beträgt etwa 480 Tage; anschließend kommt das einzige Kalb zur Welt. Es wird ein Jahr gesäugt und verbleibt weitere zwei Jahre bei der Mutter, ehe es vor der Geburt des nächsten Kalbes vertrieben wird. Die Lebenserwartung beträgt maximal 45 Jahre.

Zusammen mit seinem nächsten Verwandten, dem Java-Nashorn, gehört das Panzernashorn zur Gruppe der Rhinocerotini, welche durch ein einzelnes Horn auf der Nase charakterisiert ist. Die stammesgeschichtlichen Linien von Panzer- und Java-Nashorn trennten sich molekulargenetischen Untersuchungen zufolge bereits vor etwa 11,7 Mio. Jahren. Die zu den Rhinocerotini nächstverwandte Gruppe sind die Dicerorhinini, zu denen das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) als einzige überlebende Art gehört. Die Auftrennung dieser beiden Gruppen erfolgte vor etwa 26 Mio. Jahren.

Bis ins 17. Jahrhundert war das Panzernashorn in den Regionen, die heute zu Pakistan und Indien gehören, noch allgegenwärtig. Anschließend wurde es vor allem durch die Trockenlegung von Sümpfen zur Gewinnung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen immer weiter nach Osten zurückgedrängt, bis sich die Nashörner an die Südhänge des Himalaya und entlegene Nebenarme des Ganges zurückgezogen hatten.

Im 19. Jahrhundert wurde Jagdtourismus nicht nur bei Europäern sehr populär. Panzernashörner wurden schonungslos und anhaltend gejagt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es weniger als 200 Panzernashörner, so dass sie kurz vor der Ausrottung standen.Zudem setzte die indische Kolonialregierung eine Abschussprämie für jedes getötete Panzernashorn aus, da die Tiere angeblich die Tee-Plantagen zerstörten.

In Indien wurde im Jahr 1910 die Jagd auf Panzernashörner verboten und die Art unter Schutz gestellt. Erst wesentlich später wurden Gebiete zum Schutz der Panzernashörner eingerichtet wie der Kaziranga-Nationalpark in Indien und der Chitwan-Nationalpark in Nepal.

Panzernashorn (Wilhelma Stuttgart)

Bis heute ist Wilderei ein großes Problem, da das Horn des Panzernashorns in Ostasien in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet wird. Ein nach China eingeschmuggeltes Horn kann Wilderern bis zu hunderttausend Dollar einbringen. Mit der Aufstockung der Parkranger haben Indien und Nepal in jüngerer Zeit versucht, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Es gibt heute zwar wieder mehr als 2.500 Panzernashörner, aber nach wie vor wird die Art von der IUCN als Gefährdet geführt.

Weltweit bemühen sich wissenschaftlich geleitete Zoologische Gärten um den Fortbestand durch Erhaltungszucht. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) des Europäischen Zooverbands EAZA werden das Internationale Zuchtbuch und das EEP-Zuchtbuch seit 1967 im Zoologischen Garten Basel geführt. Dort brachten der Bulle Gadadhar (importiert 1951) und das Weibchen Joymothi (importiert 1952) 1956 das weltweit erste in einem Zoo geborene Panzernashornkalb Rudra zur Welt. Bis heute wurden in Basel 28 Panzernashörner geboren.

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