Portrait: Wildpferd

Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Pferde (Equus)
Art: Wildpferd (Equus ferus)

Waldtarpan-„Rückzüchtung“ (Tierpark Haag)

Das Wildpferd ist eine Art der Pferde. Es wurde durch den Menschen domestiziert und stellt die Wildform des Hauspferdes dar. Die einzige Unterart, die bis heute in reiner Form überlebt hat, ist das Przewalskipferd.
Andere Pferderassen, die umgangssprachlich ebenfalls als Wildpferde bezeichnet werden, sind aus wissenschaftlich-zoologischer Sicht keine, sondern verwilderte Hauspferde (z. B. der amerikanische Mustang) oder halbwild lebende Rassen (z. B. das sogenannte Dülmener Wildpferd in Deutschland).

Das Wildpferd unterscheidet sich rein äußerlich von den Halbeseln und Eseln vor allem durch die kürzeren Ohren und von den Zebras durch das einfarbige Fell.

Das Przewalskipferd ist im Vergleich zu den meisten Hauspferden relativ klein und stämmig. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 220 bis 280 cm, die Schulterhöhe etwa 120 bis 146 cm und das Gewicht liegt bei etwa 200–300 kg. Der Schweif ist etwa einen Meter lang. Das falbfarbene Fell variiert zwischen gelblich und rötlich und geht an den Flanken in hellere Farbtöne über, die Unterseite sowie die Beininnenseiten sind fast weiß. Charakteristisch für das Przewalski-Pferd sind der Aalstrich, die dunkle Stehmähne und die ebenfalls dunklen Läufe. Das Winterfell ist viel dichter und länger als das Sommerfell.
Der Tarpan war an der Schulter etwa 125–135 cm hoch und hatte ein graues Fell, sowie eine schwarze Mähne und einen schwarzen Schweif, also schwarzes Langhaar. Ob er eine Hängemähne wie das Hauspferd besaß, ist unklar.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Wildpferde erstreckte sich über die Steppen Eurasiens, von der Mongolei bis Mitteleuropa (Burgenland). Da sich der Steppengürtel während den Eiszeiten verlagerte, gelangten Wildpferde auch in Regionen die heute nicht zur Steppe gehören, wo sie als Restpopulationen eingeschlossen wurden.

Przewalski-Pferd (Tierpark Hellabrunn)

Bis in die Neuzeit überlebten drei Unterarten des Wildpferds: Steppentarpan, Waldtarpan, Przewalski-Pferd.
Letztere ist die einzige, die in ihrer Wildform überlebt hat. Das Przewalski-Pferd wurde erst im Jahre 1879 von Nikolai Michailowitsch Prschewalski in den Steppen der Mongolei für die Wissenschaft entdeckt und bewohnte zu dieser Zeit noch große Bereiche seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes, das sich über Kasachstan, Sinkiang, die Mongolei und Südsibirien erstreckte. In den folgenden Jahrzehnten nahmen die Bestände jedoch stark ab und in den 1960er Jahren starb es in freier Wildbahn aus. Glücklicherweise waren vorher einige Tiere in zoologische Gärten gebracht worden, wo sie sich erfolgreich vermehrten. Nachfahren dieser Tiere konnten bereits wieder in den Steppen der Mongolei ausgewildert werden.

Das Hauspferd wird vor allem aufgrund der Tatsache, dass es im Chromosomensatz vom Przewalski-Pferd abweicht (es besitzt nur 64 anstatt 66 Chromosomen), gelegentlich als eigenständige Art (Equus caballus) angesehen. Unter anderem aufgrund von Untersuchungen mitochondrialer DNA werden beide heute meist der gleichen Art zugerechnet, wobei Untersuchungen von B. Wallner, G. Brem, M. Müller und R. Achmann allerdings auch belegten, dass sich die Entwicklung des Hauspferdes bereits vor 120.000 bis 240.000 Jahren vom Przewalski-Pferd trennte.
Meist wird daher der Tarpan, ein bis in das 19. Jahrhundert verbreitetes Wildpferd Eurasiens als Vorfahre des Hauspferdes angenommen. Normalerweise werden zwei Tarpan-Unterarten unterschieden. Der in Mittel- und Osteuropa lebende Waldtarpan überlebte das 18. Jahrhundert nicht. Vom südrussischen Steppentarpan, der im Osten bis etwa zur Wolga verbreitet war, wurde am 25. Dezember 1879 das letzte wildlebende Exemplar zu Tode gehetzt. Einige Tiere überlebten in Gefangenschaft bis zum Zweiten Weltkrieg. Aus tarpanähnlichen Hauspferden wie Koniks sowie Przewalskipferden hat man Pferde „rückgezüchtet“, die Tarpanen im Aussehen stark ähneln. Als letzte durch menschliche Zuchtversuche unbeeinflußte Tarpan-Unterart gilt möglicherweise der, vom Konik in Exterieur und Interieur ziemlich stark abweichende, Sorraia aus Portugal.
Hauspferde und Tarpane bzw. Przewalski-Pferde paaren sich als Angehörige derselben zoologischen Art uneingeschränkt und bringen dabei fortpflanzungsfähigen Nachwuchs zur Welt.

In freier Wildbahn lebten Pferde in Herdenverbänden. Die Herde hat einen sogenannten Leithengst (in ganz seltenen Fällen zwei – meist Brudertiere), der die Herde aus Stuten und Jungtieren vor Feinden verteidigt und die empfangsbereiten Stuten decken darf. Der Leithengst muss seine Position immer wieder aufs neue gegenüber jüngeren Hengsten verteidigen. Dies führt teilweise zu erbitterten Kämpfen, oft mit kleineren, selten mit schweren Wunden. Ansonsten wird die Herde von einer Leitstute zu Futter- und Rastplätzen geführt. Diese Stute ist meist die älteste und erfahrenste der Herde. Die jungen Hengste werden ab einem gewissen Alter aus dem Herdenverband ausgestoßen und bilden so genannte Junggesellengemeinschaften.
Wildlebende Pferde verständigen sich hauptsächlich mit Hilfe von Körpersprache sowie Schnaub- und Brummgeräuschen. Sie wiehern kaum, da dies Fressfeinde auf sie aufmerksam machen würde.
Trächtige Stuten sondern sich meist etwas von der Herde ab, um ihre Fohlen (meist eins, selten zwei) zur Welt zu bringen. Sie bleiben jedoch in Sicht- bzw. Hörweite des Familienverbandes. Die Geburt dauert ca. eine halbe Stunde. Das Fohlen wird sofort nach der Geburt abgeleckt, um die Atemwege freizulegen und die Durchblutung anzuregen. Ein weiterer Effekt ist, dass das Fohlen den Geruch der Mutter annimmt und so auch von der Herde erkannt wird. Die Fohlen können bereits nach kurzer Zeit stehen und laufen, Mutter und Fohlen schließen sich wieder der Herde an.

Waldtarpan-„Rückzüchtung“ (Tierpark Hellabrunn)

Das Wildpferd war vor allem ein Tier der offenen Landschaften. Steppen, Grasländer und Parklandschaften waren typische Lebensräume, aber auch Halbwüsten, Buschland und Wälder wurden offenbar besiedelt. Przewalskipferde stiegen im Gebirge bis auf mindestens 2500 Meter empor. Absolut erforderlich für Wildpferde ist ein ständiger Wasserzugang. Das Wildpferd ernährt sich vor allem von Gräsern, nimmt aber auch allerlei Kräuter und gelegentlich Laub zu sich. Heute setzten sich Naturschutzverbände wie der NABU dafür ein, dass die von Zoologen gezüchteten wildpferdähnlichen Tiere wieder Teil der Natur in Deutschland werden. So werden mehrere Herden der Koniks in den Auen der Ems zur Landschaftspflege eingesetzt.

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