Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Tiergarten Nürnberg, 19.09.2011
Wieder ein Kleiner Pandabär im Tiergarten
Im Gemeinschaftsgehege der Muntjaks ist seit dem gestrigen Donnerstag, 15. September 2011, wieder ein Kleiner Pandabär zu sehen. Auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszucht-programms (EEP) kam am 25. August 2011 ein junges Weibchen in den Tiergarten der Stadt Nürnberg, das am 17. Juli 2010 im Zoo von Aalborg geboren worden war. Nach der Eingewöhnungszeit im Stall darf das Tier seit gestern auf die Freianlage. Für das Frühjahr 2012 hat das EEP außerdem die Ankunft eines Männchens avisiert. Seit dem gewaltsamen Tod eines Pärchens Kleiner Pandas vor dreieinhalb Jahren war das Gemeinschaftsgehege nur von Muntjaks besetzt. Vermutlich hat ein Muntjakhirsch damals die Bären getötet. Derselbe Hirsch hatte später auch seine zwei Weibchen mit den Klauen der Vorderbeine verletzt und vermutlich ein Jungtier getötet. Aufgrund dieser massiven Verhaltensstörungen wurde der Hirsch aus der Gruppe entfernt. Die neue Muntjak-Gruppe lebt absolut harmonisch zusammen. Die problemlose Gemeinschaftshaltung beider Arten im Tiergarten von 1998 bis 2008, Rückfragen beim EEP und anderen Zoos, die diese Arten seit Jahrzehnten erfolgreich zusammen halten, bestätigten aus Sicht des Tiergartens die Einmaligkeit des Vorfalls in Nürnberg, wobei bis heute eine Fremdeinwirkung nicht endgültig ausgeschlossen werden kann. Sicherheitshalber wurde der Stall so umgebaut, dass die Pandabären in allen Abteilen eine zweite Etage zur Verfügung haben, die nur sie betreten können. Im Außengehege stehen dem Katzenbären, wie die Kleinen Pandabären auch genannt werden, noch zwei Unterschlupfhütten in den Bäumen zur Verfügung.

Zoologischer Garten Berlin, 20.09.2011
Vermehrung der seltenen Zackenhirsche im Berliner Zoo
In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet schätzt man die Bestände des Zackenhirsches auf nur noch 3500-5100 Individuen. Letzte Refugien bieten der Art unzugängliche Überschwemmungsareale im nördlichen Indien sowie in Nepal. Ausgestorben sind die auch Barasinghas genannten Hirsche bereits in Bangladesch und in Pakistan. Die starke Gefährdung erhöht die Wichtigkeit der Haltung in Menschenobhut. Außer im Berliner Zoo werden Barasinghas deutschlandweit nur noch im Krefelder Zoo vermehrt. In dieser Saison freut man sich in Berlin gleich über zwei Geburten. Dem Setzen eines ersten Kalbes am 30. Juni folgte am 31. August ein weiteres Jungtier. Der Begriff „Setzen“ für das Gebären ist treffend; denn in den ersten 3 Lebenswochen bleiben die Jungtiere „abgesetzt“ im Verborgenen und werden nur zum Säugen von ihren Müttern aufgesucht. So entgehen sie auch dem in freier Wildbahn ehemals größten Feind, dem Tiger. Mit etwas Glück sieht man die jüngsten, noch etwas staksig laufenden Hirsche im Zoo jetzt ihren Müttern folgen. Besonders attraktiv ist der Anblick des nun 8köpfigen Rudels im weichen Sonnenlicht des Spätsommers. Noch tragen die Barasinghas ihr leuchtend rötliches Sommerfell. Dem Winterwetter angepasst, werden sie sich später im Jahr deutlich farbloser präsentieren. Zur Gattung der Zackenhirsche, die ihren Namen dem stark vereckten Geweih verdanken, gehörte auch der mittlerweile ausgerottete Schomburgk-Hirsch an, der einst auch im Berliner Zoo gepflegt wurde. Sein Schicksal soll dem Barasingha erspart bleiben.

Tiergarten Nürnberg. 20.09.2011
Frauenmangel bei den Waldrappen
Der Tiergarten der Stadt Nürnberg hält Waldrappe seit 1967. Dabei handelt es sich um eine bis im 17. Jahrhundert auch in Mitteleuropa beheimatete Ibisart. Bereits 1971 begann der Tiergarten mit der Zucht. Zunächst waren die in der Natur fast ausgerotteten Vögel in Volieren neben dem ehemaligen Flusspferdhaus untergebracht, seit 1999 haben sie ihr Zuhause in der umgebauten Großvoliere bei den Raubtieren. In der Natur war diese Vogelart einst vom Vorderen Orient bis Marokko beheimatet. Heute lebt nur noch eine Kolonie von etwa 200 Waldrappen in Marokko und einige wenige Individuen sind in Syrien und der Türkei beziehungsweise in Äthiopien beheimatet (www.iagnbi.org).
Wiederansiedelungsprojekte laufen in der Türkei, Spanien, Marokko und in Österreich/Deutschland. Den Vögeln aus unseren Breiten wurde der Flug ins Überwinterungsgebiet in der Toskana mit Leichtflugzeugen beigebracht (www.waldrappteam.at). Jetzt muss der Rückflug über die Alpen zur Fortpflanzung abgewartet werden. Der Großteil der Nachzuchten des Tiergartens wurde an andere Zoos und an ein Wiederansiedelungsprojekt in Marokko abgegeben. Da die Gruppe im Tiergarten seit 2005 nicht mehr gezüchtet hat, wurde die Gruppe 2011 einerseits verjüngt und andererseits das Geschlechterverhältnis wieder ausgeglichen. Dafür musste das Geschlecht der einzelnen Vögel mittels genetischer Untersuchungen bestimmt werden. Wie bei vielen Vögeln ist das Geschlecht äußerlich nicht zu erkennen. Hier hilft heute die moderne Molekulargenetik mit der Untersuchung von Federn oder Blut. Der festgestellte Bestand von 7,2 Waldrappen (7 Männchen, 2 Weibchen) wurde durch Vermittlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) mit 2,2 aus dem Zoo Rheine und 0,5 aus dem Zoo Nordens Ark, Schweden, wieder aufgestockt. Damit ist der Frauenmangel beseitigt und der Tiergarten hofft auf weitere Zuchterfolge.

Zoo Osnabrück, 20.09.2011
Osnabrücker Giraffe reiste nach England
Giraffentransporte sind immer eine heikle Sache. Aber der Zoo Osnabrück und das holländische Zoo-Transportunternehmen EKIPA sind inzwischen ein erprobtes Team. „Nur gute Vorbereitung, Ruhe und Geduld führen zum Ziel,“ weiß Zoodirektorin Dr. Susanne Klomburg, die alle Giraffen-Verladungen begleitet hat: „Aber jedes Mal ist es etwas anders. Heute zum Beispiel wollte Mahiri sich absolut nicht von ihrem Vater Edgar trennen. Aber Edgar, der große Zuchtbulle, wird in Osnabrück noch gebraucht!“ Schließlich war das Zooteam erfolgreich: Einmal abgetrennt betrat „Mahiri“ sehr zügig den großen Transporter mit dem hochfahrbaren Dach und ließ sich in ihrem vorübergehenden Domizil auf die Fähre nach England schaukeln. In ihrem neuen Zuhause, dem Zoo „Africa Alive“, kam sie so ruhig und entspannt an, dass die englischen Tierpfleger regelrecht erstaunt waren. Sie reichten „Mahiri“ einen kleinen Willkommens-Snack und machten sie anschließend mit ihren zwei neuen Mitbewohnerinnen bekannt. In Osnabrück vermisse insbesondere Giraffenmädchen „Dhakija“ (geb. Juli 2010) ihre Spielkameradin „Mahiri“, so Tierpflegerin Stephanie Batz. Aber bald komme Giraffenmutter „Diana“ mit Nachwuchs „Nanji“ (geb. Juli 2011) auf die Außenanlage, sodass „Dhakija“ eine neue Freundin zum Toben habe.

Zoo Leipzig, 21.09.2011
Pfleger aus Borneo zu Gast – Sabah-Nashorn-Projekt macht Fortschritte
Kein Jahr ist vergangen, seit der Zoo Leipzig gemeinsam mit Vertretern des Leibniz- Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und der Staatsregierung von Sabah einen Kooperationsvertrag zum Schutz der Biodiversität Sabahs und zur Rettung des Sabah- Nashorns unterzeichnet hat. Anlässlich des Welt-Nashorn-Tages am 22. September zieht der Zoo Leipzig eine erste Bilanz zu den Fortschritten des Projektes: Neben ersten Teilerfolgen auf Borneo unterstützt der Zoo Leipzig derzeit den Wissenstransfer auf besondere Art: Die Pfleger Malik bin Rashid und Dearboz aus dem Lok Kawi Wildlife Park in Borneo verbringen einen vierwöchigen Aufenthalt in Leipzig, um Arbeitsabläufe und tierpflegerische Maßnahmen kennenzulernen. Damit soll die Versorgung und Pflege der Tiere sowohl im Wildlife Park als auch im Tabin Wildlife Reservat weiter professionalisiert werden. Im Tabin-Reservat leben einige der letzten 30 bis 50 Sabah-Nashörner (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni). Im Rahmen der im Vorjahr geschlossenen Kooperation engagiert sich der Zoo Leipzig dafür, sie in ihrem natürlichen Lebensraum zur Zucht zu bringen. Die Rahmenbedingungen dafür wurden seit dem Start des Projektes bereits verbessert: So wurden mit finanzieller Unterstützung des Zoo Leipzig zehn Hektar des Reservates aufgeforstet und mehrmonatige Personalschulungen auf Borneo durchgeführt. Diese werden künftig fortgesetzt. Zudem wurde ein neues Stallgebäude samt Freianlage errichtet. Das IZW hat erste veterinärmedizinische Untersuchungen zur Zuchtfähigkeit der Tiere beendet und wird mit Unterstützung des Zoo Leipzig Fotofallen installieren, um die genaue Anzahl der verbliebenen Nashörner zu ermitteln. „Wir freuen uns über die Fortschritte, sind uns aber bewusst, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, um die bedrohte Spezies zu retten“, so Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. „Die Unterstützung des Sabah-Nashorn-Projekts ist eng mit unserer Tropenerlebniswelt Gondwanaland verbunden: Dort machen wir den tropischen Regenwald erlebbar und sensibilisieren für die Schutzbedürftigkeit des Ökosystems.“ Eine Ausstellung informiert über das Nashorn-Projekt.

Tiergarten Schönbrunn Wien, 21.09.2011
FLAUSCHIGER VIKUNJA-NACHWUCHS
Zierliche Beine, flauschiges, zimtfarbenes Fell und schwarze Knopfaugen: Der jüngste Nachwuchs im Tiergarten Schönbrunn ist wahrlich eine Augenweide. Im Juni 2010 ist die Vikunja-Herde in den neu eröffneten Südamerika-Park eingezogen, nun hat sich bereits Nachwuchs eingestellt. Am Sonntag brachte Vikunja-Weibchen Gisela nach rund einem Jahr Tragzeit ein Jungtier zur Welt. Sein Geschlecht konnten die Tierpfleger noch nicht erkennen. „Die Muttermilch bildet die ersten vier bis sechs Monate die Hauptnahrung. Das Jungtier frisst aber nach wenigen Tagen auch schon Gras und Heu“, so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. Vikunjas sind mit einer Schulterhöhe von nur etwa einem Meter die kleinste Kamelart. Sie sind in den südamerikanischen Anden bis in Höhen von 5.500 Meter heimisch und an das Leben im Hochland bestens angepasst. Schratter: „Ihr ungewöhnlich großes Herz versorgt sie trotz dünner Höhenluft mit ausreichend Sauerstoff. Gegen Kälte schützt sie ihr außerordentlich dichtes Fell.“ Die Wolle der Vikunjas ist feiner als Kaschmir und gilt als die seltenste und teuerste Wolle der Welt. Bereits die Inkas haben aus der Wolle dieser zierlichen Kamele Kleidungsstücke hergestellt. Die Jagd war allerdings streng geregelt. Mit dem Eintreffen der spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert wurde es für die Vikunjas gefährlich: Wegen ihres Fells wurden sie beinahe ausgerottet. Heute gilt ihr Bestand mit rund 350.000 Tieren im Freiland als gesichert. In Zoos werden sie im Rahmen eines Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) nachgezüchtet.

Zoo Heidelberg, 21.09.2011
Pebbles ist da – entzückender Nachwuchs mit Knopfaugen und Stupsnase bei Faultierpaar Wilma und Fred
Dunkelbraune Knopfaugen blinzeln aus dichtem Fell, die große Stupsnase beschnüffelt schon alles, was in seine Reichweite kommt – das ist Pebbles, das am 23. August im Zoo Heidelberg geborene Zweifingerfaultier. Es ist der erste Nachwuchs von Faultierpaar Wilma und Fred und gedeiht prächtig und so gemächlich, wie es sich für ein Faultier gehört. Bislang war es nicht so einfach, Klein-Pebbles zu beobachten und zu fotografieren, da neugeborene Faultiere sich in den ersten vier Wochen gut versteckt im kuscheligen Bauchfell der Mutter festklammern. Für den Zoo Heidelberg ist es die erste Nachzucht bei dieser ungewöhnlichen Tierart, die ihr Leben kopfüberhängend in den Bäumen verbringt. Innerhalb der Südamerika-Voliere bewohnen unsere Faultiere ein eigenes Innengehege, aus dem sie sich, sobald das Thermometer fünfzehn Grad übersteigt, nach eigenem Belieben hinausangeln können. So stehen die Chancen für Besucher, die Familie auch in der Voliere zu beobachten, an warmen und trockenen Herbsttagen ganz gut.

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