Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Zoo Wilhelma Stuttgart, 06.10.2011
Nachwuchs beim Hartlaub-Turako: Große Freude über zwei noch „hässliche Entlein“:
Der afrikanische Hartlaub-Turako gehört zur Ordnung der Kuckucksvögel, ist also mit unserem einheimischen Kuckuck entfernt verwandt. Im Gegensatz zu ihm baut er aber ein Nest, wenn auch ein schlampiges, legt zwei Eier dort hinein und brütet sie gut zweieinhalb Wochen lang selbst aus. In der Freiflugvoliere der Wilhelma hat jetzt ein Paar sein Brutgeschäft so unauffällig gestaltet, dass alle angesichts der ausgeflogenen Jungvögel angenehm überrascht waren. Die Jungvögel verlassen das Nest bereits nach etwa 17 Tagen, sind dann wenig entwickelt und können zwar recht und schlecht im Geäst herum klettern, aber nicht fliegen. Vom prächtigen Gefieder der Altvögel ist da noch nicht viel zu erkennen – die Jugend kommt großteils in schlichtem Braun daher. Die roten Handschwingen sind allerdings bereits ein Hinweis auf spätere Farbenpracht. Das Rot entsteht durch einen speziellen Farbstoff, das Turacin, ähnlich unserem roten Blutfarbstoff. Auch das hübsche Grün der Erwachsenen ist kein „normales“ Vogelfarbengrün, sondern wiederum ein spezieller Farbstoff, genannt Turacoverdin, der mit unserem Gallenfarbstoff verwandt ist. Jung- und Altvögel lassen sich an der Gefiederfarbe unterscheiden, Männchen und Weibchen hingegen nicht – bei den Turakos sind beide Geschlechter gleich hübsch gefärbt. Die Waldvögel mit der seidigen Federtolle auf dem Kopf können hauptsächlich mit ihren Farben punkten. Der Gesang verdient seinen Namen definitiv nicht: Wegen ihrer unmelodischen Lautäußerungen werden einige Turakoarten auch „Lärmvögel“ genannt! Der alte, aus dem Niederländischen übernommene Name „Pisangfresser“ (Bananenfresser) umschreibt etwas ungenau die Ernährungsgewohnheiten: Die Vögel ernähren sich zwar von Früchten, allerdings nicht ausschließlich von Bananen!

Tiergarten Schönbrunn Wien, 06.10.2011
KULINARIK ZWISCHEN KORALLEN UND PIRANHAS
Im Tiergarten Schönbrunn wird ab November wieder das beliebte Aqua Dinner angeboten. Dieses kulinarische Erlebnis beginnt, wenn die Pforten des Tiergartens für die Besucher bereits geschlossen sind. Zum Auftakt des Abends werden im Aquarienhaus zwischen den farbenfroh schillernden Aquarien Cocktails und Fingerfood gereicht. Zur Auswahl stehen etwa geräuchertes Forellenfilet auf marinierten roten Linsen, im Sellerieblatt gegartes Hühnerbrustfilet am Spieß mit einem Hauch Walnuss oder vegetarischer Eiernudelsalat. Beim Aqua Dinner kommen nicht nur die Besucher kulinarisch auf ihre Kosten, sondern auch die Piranhas. Im Rahmen einer exklusiven Führung erleben die Teilnehmer die Fütterung dieser gefräßigen Fische. Anschließend geht es in den sonst nicht öffentlich zugänglichen Keller des Aquarienhauses, in dem seltene Fische und Korallen gezüchtet werden. Bei einem Blick auf die riesigen Filteranlagen erfährt man auch, wie viel Technik für exotische Fische und lebende Korallen notwendig ist. Im stimmungsvollen Ambiente des Kaiserpavillons wird anschließend das mehrgängige Menü serviert. Die Karte bietet Karotten-Orangensuppe mit Ingwer und Orangenkrokant, pochiertes Zanderfilet auf Portwein-Schalottenrisotto mit Flusskrebsensauce oder mit Rahmpolenta gefüllte rote Rübe auf Kaiserschoten und gelbem Paprikaschaum. Als Nachtisch lockt etwa eine Campari-Pfefferminzterrine mit Mandarinenragout. Zu allen Gängen werden exquisite Weine gereicht. Termine: 11. und 18. November, 2. und 9. Dezember 2011, 13. Jänner, 14. Februar, 2. und 15. März 2012; Kosten: € 95,- pro Person

Allwetterzoo Münster, 06.10.2011
Glücklich gelandet: Vier Nachwuchs-Geier aus Münster trafen wohlbehalten in einer Auswilderungsstation in Bulgarien ein
Mit diesen Vögeln nimmt der Allwetterzoo als erster deutscher Zoo am Gänsegeier-Auswilderungsprojekt auf dem Balkan teil. Vier in den letzten beiden Jahren im Allwetterzoo Münster geschlüpfte Gänsegeier sind am 5. Oktober nach Bulgarien geflogen. Sie werden im Rahmen des Projektes „Green Balkans“ ausgewildert und in etwa einem halben Jahr den Luftraum über den bulgarischen Bergen erobern! Etwas schmerzhaft war der Abschied schon: Für Zoologen und Tierpfleger, weil sie sich von den schönen Junggeiern trennen mussten, für die Vögel, weil sie das Fangen und Chipen und zwei von ihnen sogar das Ausrupfen einiger Federn über sich ergehen lassen mussten. Die Chips wurden unter die Haut im Halsbereich gesetzt und dienen der dauerhaften Identifizierung der Geier. Anhand der Federn soll das Geschlecht der 2011 geschlüpften Jungvögel festgestellt werden. Diese Prozedur haben die beiden Geier aus dem Jahr 2010 schon hinter sich: Einer von ihnen ist männlich, der zweite weiblich. Die Reise nach Bulgarien unternahmen die vier jungen Gänsegeier einzeln in stabilen, für den Transport per Flugzeug geeigneten Transportboxen. In ihrer künftigen Heimat werden sie nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit ausgewildert. „Der Allwetterzoo ist der erste deutsche Zoo, der sich am Projekt „Green Balkans“ beteiligt“, sagt Zoo-Kurator Dr. Dirk Wewers. Außer Gänsegeiern aus Auffangstationen in Spanien werden in Bulgarien derzeit Nachzuchttiere aus einem tschechischen und einem holländischen Zoo an das Freileben gewöhnt. Das Projekt startete vor gut einem Jahr und ist vorerst auf fünf Jahre begrenzt. Betreut wird das Projekt von den bulgarischen Naturschutzorganisationen Green Balkans und Fund for Wild Flora and Fauna, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Stiftung zum Schutz der Geier unterstützen es. „Wir sind froh, dass es dieses Projekt gibt und wir uns mit unseren Geier-Nachzuchten einbringen können“, sagt Dirk Wewers. Zwar engagiert sich der Allwetterzoo im Bereich Artenschutz in vorbildlicher Weise. Doch ist die Auswilderung im Zoo geborener Tiere ein besonderes Highlight!“. Gänsegeier fressen wie alle anderen Geier fast ausschließlich tote Tiere, im Zoo wie in der Natur. Die großen Vögel waren lange Zeit als „Gesundheitspolizisten“ gern gesehen. Kein Aas blieb in ihrem Gebiet liegen und die Ausbreitung von Seuchen wurde so verhindert. Doch die Menschen sahen auch in den Geiern Nahrungskonkurrenten und rotteten sie aus. Sie sorgten dafür, dass Viehkadaver nicht liegen blieben oder legten gar vergiftete Köder aus. Heute brüten die meisten Gänsegeier Europas in Spanien. Doch auch dort wird das Leben für die Geier schwerer, denn aufgrund der tierseuchenhygienischen EU-Verordnungen dürfen Tierschützer keine Kadaver mehr für die Vögel auslegen. Mehr Informationen: http://www.greenbalkans.org/index.php?language=en_EN&cat_id=0&; http://www.balkanvultures.net/

Zoo Berlin, 07.10.2011
Seltene Wasserrehe: Neuankömmlinge im Berliner Zoo
Zu den Raritäten in zoologischen Gärten zählen die Chinesischen Wasserrehe. So darf man im Berliner Zoo stolz sein, dass hier seit kurzem wieder mehrere Individuen der im Freiland gefährdeten Hirschart zu beobachten sind. Dies ist derzeit in keinem anderen deutschen Zoo möglich. Besonders die Männchen sind spektakulär anzusehen; denn zum Rivalisieren dienen den kleinen geweihlosen Wiederkäuern bis zu 6 cm lange, vampirähnliche Eckzähne, die als Waffen eingesetzt werden. Die neuen Wasserrehe, bei denen es sich um ein männliches und zwei weibliche Tiere handelt, wurden in der zweiten Maidekade im Wild Animal Park in Whipsnade geboren. Dort leben Vertreter der Art – wie auch anderswo in der Grafschaft Bedfordshire – frei in der englischen Natur. Die abliegenden Jungtiere wurden eingesammelt und anschließend mit der Flasche aufgezogen. Die Aufgabe der Aufzucht und Überführung nach Deutschland übernahm der Säugetierkurator des Berliner Tierparks, Christian Kern. Erst als die Zöglinge fast entwöhnt waren, zogen sie Anfang August in den Berliner Zoo um. Hier gingen sie in die Obhut des Reviertierpflegers Martin Reim über, der sie mit seinen Kollegen behutsam an die neue Heimat gewöhnte. Jetzt kann man sagen, dass die Eingewöhnungsphase erfolgreich abgeschlossen ist und die drei Neuankömmlinge sind nun auf einer Freianlage im Zentrum des Hirschreviers täglich zu sehen. Wasserrehe leben meist scheu in Gewässernähe. Da die guten Schwimmer in den Getreidefeldern chinesischer Bauern zuweilen nächtlich Schaden anrichten, werden sie als „Schädlinge“ verfolgt. Daneben finden sie in der chinesischen Heilmedizin sowie als Delikatessspeise Verwendung, was ebenfalls ihren Beständen schadet. So wird die Zahl der kleinen Hirsche in China auf kaum mehr als 10000 Tiere geschätzt. Auch die züchterische Tradition des Berliner Zoos, in dessen Geschichte dutzende Kitze geboren wurden, kann dem negativen Trend kaum entgegenwirken. Jedoch wird dem aufmerksamen Besucher eine schützenswerte Tierart näher gebracht.

Zoo Leipzig, 07.10.2011
100 Tage Gondwanaland: Erfolgsbilanz
Wenn morgen die ersten 100 Tage seit Eröffnung der Tropenerlebniswelt Gondwanaland am 1. Juli vergangen sind, haben mehr als 900.000 Menschen die größte Tropenhalle Europas besucht. „Dieser Erfolg übertrifft unsere ohnehin hohen Erwartungen noch deutlich“, freut sich Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind das rund 60 Prozent mehr Besucher. Damit liegt auch der Besucherschnitt im Gesamtjahr 2011 bislang über dem Soll: Mit 1,68 Millionen Gästen ist die Zielmarke von 1,73 Millionen in diesem Jahr bereits jetzt in greifbarer Nähe – und die Gesamtzahl von 2010 (1,56 Mio.) nach drei Quartalen schon übertroffen. Darüber hinaus ist es seit der Eröffnung Gondwanalands gelungen, den Einzugsradius der Zoobesucher deutlich zu erweitern. Kam im ersten Halbjahr 2011 fast die Hälfte der Gäste aus Leipzig oder dem Umland, hat sich der Fokus seit dem 1. Juli verschoben. 65 Prozent der Besucher nehmen nun eine Anfahrt von mehr als 50 Kilometer in Kauf, um den Zoo Leipzig zu besuchen. Auch der Betrieb in der Tropenhalle läuft auf hohem Niveau, die Gebäudeleittechnik funktioniert reibungslos. In Zukunft kommt es darauf an, Klima- und Beregnungstechnik an die sich kontinuierlich ändernden Bedingungen in dem „lebenden Organismus Gondwanaland“ anzupassen. Der tropische Regenwald in Leipzig wächst, die Tierwelt hat sich eingelebt. Dabei ist zum einen die Vergesellschaftung verschiedener Tierarten wie Zwergflusspferd und Dianameerkatzen oder Riesenotter und Weißgesichts-Sakis geglückt, zum anderen gab es bei den vom Aussterben bedrohten Braunen Landschildkröten und bei den Kowaris bereits erste Zuchterfolge. „Das zeigt uns, dass sich die Tiere in ihrer neuen Umgebung wohlfühlen“, sagt Junhold. Abgesehen von wenigen Ausnahmen ist der Besatz der Gehege komplettiert. In den kommenden Monaten sollen noch Partner für Zwergflusspferd, Komodowaran und Sunda-Gavial eintreffen, um die vom Aussterben bedrohten Arten künftig selbst züchten zu können.

Zoo Osnabrück, 08.10.2011
Stadtwerke fördern Umweltbildung im Zoo: Weitere Unterstützung für die „Klimahöhlen“
Wie kann ich Zuhause Energie sparen? Wie funktionieren Elektroautos? Und nutzt Osnabrück regenerative Energien? Diese Fragen beantwortet demnächst der Zoo Osnabrück in seiner interaktiven Ausstellung Klimahöhlen und zwar mithilfe der Stadtwerke Osnabrück. Ab Herbst 2012 erfahren Zoobesucher in den Klimahöhlen gleich hinter der Bärenanlage in Kajanaland , wie sich der Klimawandel auf die arktische Tierwelt auswirkt, was es mit dem Klimawandel auf sich hat und was jeder einzelne gegen den Klimawandel tun kann. Mit fachlicher Expertise und finanzieller Unterstützung fördern die Stadtwerke Osnabrück insbesondere den letzten Teil der interaktiven Ausstellung. Mit unserer Initiative KompetenzUmweltKlima kurz KUK können wir den Zoo in diesem Themenbereich inhaltlich beraten und Praxisbeispiele aus der Region liefern, so der Stadtwerke-Vorstandsvorsitzende Manfred Hülsmann. Die Vermittlungsstationen werden sich unter anderem mit den Themen regenerative Energien, Energieeffizienz im Haushalt sowie Elektromobilität befassen. Wir wollen aufzeigen, was jeder Einzelne von uns tun kann, um unsere gemeinsamen Klimaziele zu erreichen, führte Hülsmann aus. Wir sehen uns dabei in einer Doppelrolle, und zwar als Wegbereiter und Wegbegleiter. Zoopräsident Reinhard Coppenrath freut sich über den kompetenten Partner: Damit können wir den Besuchern garantieren, dass sie in den Klimahöhlen praxisnahe und handfeste Tipps für klimafreundliches Handeln bekommen. Und gute Beispiele aus der Region motivieren, selbst aktiv zu werden. Auch Experten aus dem Bereich Klimawissen, Didaktik und Biologie hat der Zoo eingebunden: Gerade tagte ein Fachbeirat im Zoo Osnabrück, um die Ausstellung inhaltlich zu begleiten, berichtete Zoogeschäftsführer Andreas Busemann. So können wir sicherstellen, dass das vermittelte Wissen, beispielsweise wie sich der Klimawandel auf die arktische Tierwelt auswirkt, wissenschaftlich abgesichert ist auch, wenn wir es für jedermann verständlich aufbereiten. Im November starten Zoo und Stadtwerke mit dem gemeinsamen Ausstellungsbereich. Dieser erinnert zurzeit noch gar nicht an eine Höhle, aber mit dem ersten Wintereinbruch wandern die Zoohandwerker vom Affentempel in die Klimahöhlen, um den Rohbau in eine täuschend echt aussehende Bärenhöhle zu verwandeln. Zoobesucher können allerdings schon jetzt in die späteren Ausstellungsräume gehen und dort die beiden Klimabotschafter, die Bären Tips und Taps, aus nächster Nähe beobachten. Die Klimahöhlen werden außerdem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung unterstützt. Daten & Fakten Klimahöhlen: Ausstellung zum Klimawandel im Zoo Osnabrück mit Tipps zum eigenen Handeln, 250 qm groß, Kosten: circa 1.050.000 Euro, Fertigstellung: Herbst 2012

Zoologischer Garten Berlin, 10.10.2011
Geburt von drei Kitzen bei den Sasinantilopen
Eine der größten Tierherden im Berliner Zoo wird von den Sasin- oder Hirschziegenantilopen gebildet. Gleich direkt hinter dem historischen Elefantentor leben die zierlichen Gazellen auf einer Freianlage des Asienreviers. Der Herdenverband, der vornehmlich aus Weibchen besteht, vergrößerte sich Ende September und Anfang Oktober um insgesamt drei männliche Kitze. Die gelbbraunen Jungtiere, die bei ihrer Geburt kaum mehr als 3 kg wogen, fügen sich bereits munter in die Gruppe der insgesamt neun Weibchen, die allesamt von einem Bock behütet werden. Bei den Hirschziegenantilopen tragen allein die männlichen Tiere lange, imposant geschraubte Hörner, die zur Behauptung eines Territoriums eingesetzt werden. Die Auseinandersetzungen der rückseitig fast schwarz gefärbten Böcke sind allerdings meist unblutig, da sie in hohem Maße ritualisiert ablaufen.
Im 20ten Jahrhundert wurde die Antilopenart in ihrer indischen Heimat durch Bejagung stark dezimiert. Die ehemals mehrere Millionen Tiere umfassenden Bestände schrumpften zwischenzeitlich auf weniger als 10000 Individuen zusammen. Erfogreiche Schutzbemühungen haben dazu geführt, dass sich die Freilandzahlen mittlerweile wieder nahezu verfünffacht haben. In Zoologischen Gärten sind die Paarhufer relativ einfach zu halten und auch in Texas sowie in Argentinien leben – dort eingebürgert – halbwilde Herden. Die europäische Erstzucht gelang vermutlich 1875 in Berlin.

Allwetterzoo Münster, 10.10.2011
Jane ist da! Ein Breitmaulnashorn aus Schottland schnuppert nun im Allwetterzoo Münster westfälische Luft und gewöhnt sich an deutsche Brötchen
Am 4. Oktober verließ die 21jährige Breitmaulnashornkuh Emmi den Allwetterzoo Münster. Sie hat sich inzwischen an ihr neues Zuhause im schottischen Safaripark Blair Drummond gewöhnt. Im Tausch traf aus Schottland die elfjährige Kuh Jane in Münster ein. So, wie schon die Abreise von Emmi reibungslos verlief, war auch die Ankunft von Jane am 7. Oktober perfekt! Der Lkw des niederländischen Spezialtransporteurs Ekipa traf mit seiner schweren und wertvollen Fracht pünktlich ein. Ein Schwerlastkran stand bereit, um schließlich die mitsamt der Nashornkuh 3,8 Tonnen wiegende Transportkiste vor das Tor zum Stall zu hieven. Dort hatten die Tierpfleger ein Gehege für Jane vorbereitet und reichlich Heu und Brötchen verteilt. Jane konnte das Herauslassen nach der 26stündigen Fahrt kaum abwarten und stieß mit ihrem Nasenhorn durch die Holzplanken der Transportkiste. Sobald der Schieber der Kiste sich öffnete, stürmte Jane in das Gehege – und stand dann erst einmal still. Im übernächsten „Abteil“ des Stalles konnte sie Vicky sehen, eine knapp 25jährige Nashornkuh. Jane zeigte sich ruhig, trank Wasser und fraß sofort etwas Heu. Sie markierte die Wände im Gehege mit ihrem Urin und probierte kurz nach ihrer Ankunft ein erstes Brötchen. Schon am Tag darauf durfte Jane in die große Freianlage, die sie ausgiebig erkundete. Weil sie sich sehr ruhig verhielt, konnte sie inzwischen auch schon mit Vicky zusammen gelassen werden. Jane verhält sich prima und zeigt Respekt vor der älteren Nashornkuh. Jetzt steht ihr noch das Treffen mit ihrem künftigen Partner Harry bevor. Jane ist eine imposante Erscheinung und unterscheidet sich äußerlich von Emmi. Die hat sich ebenso wie Vicky und Harry mit Vorliebe beide Nasenhörner abgescheuert, Jane hingegen „trägt lang“. Ihr vorderes Horn misst schätzungsweise 70 cm, das zweite ist etwa halb so lang. Die Nasenhörner sind auch der Grund für den schlechten Stand dieser Tiere im südlichen Afrika. Breitmaulnashörner werden in jüngster Zeit leider wieder vermehrt gewildert. Das pulverisierte Horn ist in Asien Gold wert, ihm wird eine die Potenz steigernde Wirkung zugeschrieben. In unseren Augen ist das purer Aberglaube, denn die Nasenhörner bestehen ebenso wie unsere Fingernägel aus Keratin. Doch solange es einen Markt gibt, hilft es den Tieren wenig. Ein zweiter Grund für die Bedrohung der Breitmaulnashörner ist der schwindende Lebensraum. Deshalb kommt ihrer Zucht in Zoologischen Gärten eine große Bedeutung zu. Und deshalb schicken Zoos auch ihre Tiere auf „Hochzeits-Reisen“. Im Allwetterzoo hofft man sehr, dass Jane und Harry sich mögen und es vielleicht schon im nächsten Jahr Nachwuchs gibt. Momentan werden in ganz Europa leider nur 3 bis 5 Nashörner pro Jahr geboren.

Zoo Wilhelma Stuttgart, 12.10.2011
Buschkrokodile in der Wilhelma: Panzerechsen im Miniformat
Die Marketingstrategen eines großen Industriekonzerns hätten es nicht besser machen können: Weil der „offizielle“ deutsche Name `Orangeaugen-Helmskink´ eher etwas holprig daher kommt, wird das kleine Reptil in Terrarianerkreisen meist als `Buschkrokodil´ bezeichnet. Das klingt ungleich spannender, und jeder denkt sofort an outback, Dschungelcamp und Lebensgefahr für unvorsichtige Schwimmer! Inspiriert wurde dieses Pseudonym durch vier Reihen großer, gezackter Rückenschuppen, die an die Rückenpanzerung eines Krokodils erinnern. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch erschöpft. Ein ausgewachsenes Buschkrokodil wird nicht mehrere Meter, sondern mit viel Wohlwollen vielleicht 20 cm lang! Es kann weder fauchen noch brüllen, sondern gibt nur eigenartige Quaklaute von sich. Sein Schwanz, der gut die Hälfte der Gesamtlänge einnimmt, dient auch nicht dazu, mit peitschenden Schlägen große Beutetiere von den Beinen zu bringen. Er wird als letzter Rettungsanker in akuten Notsituationen einfach abgeworfen. Wer seinen Fressfeinden so wenig entgegenzusetzen hat, tut gut daran, ihnen möglichst ganz aus dem Weg zu gehen. Buschkrokodile führen ein heimliches Leben im Unterwuchs der feuchten Regenwälder der Tropeninsel Neuguinea. In aller Regel verlassen sie ihr Versteck erst bei Einbruch der Dämmerung. Dann entgeht den großen, von einem breiten orangefarbenen Ring umgebenen Augen selbst bei völliger Dunkelheit keine noch so kleine Bewegung. Ein jagendes Buschkrokodil bringt Tod und Verderben über Regenwürmer, Nacktschnecken, Insektenlarven und andere kleine Bewohner des Urwaldbodens…Offensichtlich ist diese Lebensweise recht erfolgreich, denn Buschkrokodile zeichnen sich durch eine recht geringe Fortpflanzungsrate aus. Nur alle 9 bis 10 Wochen wird ein einziges Ei gelegt, aus welchem nach etwa 55 bis 70 Tagen ein etwa 2 bis 3 Gramm schweres „Babykrokodil“ schlüpft. Ihren Nachwuchs behelligen die Eltern in der Regel nicht, erwachsene Buschkrokodile können untereinander aber recht aggressiv sein. Die Wilhelma-Buschkrokodile leben in einem kleinen Glasterrarium gegenüber dem Eingang zur Krokodilhalle – also ganz in der Nähe ihrer großen Namensvettern. Als Besucher muss man schon sehr genau hinschauen, um eines der Tiere in seinem Versteck zu entdecken. Leichter zu finden sind die weißen Eier, die immer wieder einmal im feuchten Bodensubstrat abgelegt werden. Sie werden entweder im Terrarium belassen oder in einem Brutapparat hinter den Kulissen erbrütet. Als Ergebnis dieser Bemühungen wächst derzeit eine neue Generation der Miniatur-Panzerechsen im Wilhelma-Terrarium heran.

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