Ein Blick in die deutschen und österreichischen Zoos

Bergzoo Halle, 10.11.2011
Umzug der Meerespelikane ins Winterquartier
Der Winter steht vor der Tür und der Zoo bereitet sich nun auf die kalte Jahreszeit vor. Erstmalig sind die Meerespelikane in diesem Winter für die Besucher sichtbar. Letzte Woche wurden die 13 Pelikane von der Teichanlage gefangen und bezogen ihr neues Winterheim hinter den Pinguinen, gleich neben den Erdmännchen. Diese Meerespelikane sind eigentlich in Florida beheimatet und brauchen deshalb bei uns im Winter eine warme Innenanlage. Schnell haben sie sich dort eingelebt und bereiten sich mit intensivem Nestbau auf die Brutsaison vor. Anfang diesen Jahres konnte der Bergzoo Halle bereits zwei Meerespelikane nachziehen. „Igor“ und „Linda“ sind auch jetzt noch gut von den anderen Pelikanen zu unterscheiden, da sie ein komplett graubraunes Federkleid besitzen. Die beindruckenden Wasservögel werden erst ab Mai wieder auf dem großen Teich des Bergzoos zu beobachten sein. Das wohl auffälligste Merkmal der Pelikane ist ihr langer Schnabel mit einem extrem dehnbaren Kehlsack, mit dem sie zugeworfene Fische geschickt auffangen können.

Zoo Heidelberg, 10.11.2011
Erfolgreiche Kampagne zum Schutz der bedrohten Menschenaffen
Die europaweite Kampagne zum Schutz der bedrohten Menschenaffen 2011, an der sich der Zoo Heidelberg mit Veranstaltungen und der „Handysammelaktion“ beteiligte, hat zu einem erfreulichen Ergebnis geführt. Zwischen Februar und Oktober 2011 konnte der Zoo knapp 4.000 Euro an Spenden für die Menschenaffen-Kampagne des Europäischen Zooverbandes (EAZA) sammeln. Hierfür wurde der Tiergarten Heidelberg von der EAZA nun mit dem „Bronze-Award“ ausgezeichnet. An dieser Stelle bedankt sich der Zoo ganz herzlich bei den vielen fleißigen Spendern und Unterstützern, ohne die dieses Ergebnis nicht zu schaffen gewesen wäre. Der gesamte Erlös fließt in Maßnahmen, die in verschiedenen afrikanischen Ländern sowie in Indonesien zur Bewahrung des natürlichen Lebensraumes und der Eindämmung der Jagd auf Menschenaffen beitragen. Weltweit weicht der Lebensraum unserer nächsten Verwandten den menschlichen Bedürfnissen, werden Menschenaffen gejagt und gegessen. Hilfe ist dringender denn je nötig. Über 1.600 gebrauchte Handys hat der Zoo seit Anfang des Jahres von Privatpersonen, Schulklassen und Firmen erhalten. Damit leisten die Zoobesucher einen wichtigen Beitrag zum Schutz der bedrohten Menschenaffen. Die Kampagne endete zwar offiziell im September 2011, der Zoo wird jedoch weiter für den Schutz der Menschenaffen sammeln und freut sich über jedes abgegebene Mobiltelefon. Auch befindet sich am Ausgang des Menschenaffenhauses ein Sammelbehälter. Mit einer Handyspende kann jeder helfen. Das Recyceln von Mobiltelefonen verhindert, dass durch den Abbau des Erzes Coltan, welches als Metall verarbeitet Bestandteil eines jeden Handys ist, die Lebensräume der Tiere zerstört werden. Die Handys werden zu einem Handyrecycler geschickt. Noch funktionsfähige Handys werden dem Gebrauchtwarenmarkt zugeführt – so sinkt die Nachfrage nach Coltan. Defekte Handys werden in ihre Einzelbestandteile zerlegt und recycelt. Das recycelte Tantal steht für die Produktion wieder als wertvoller Werkstoff zur Verfügung. Von der Recycling-Firma erhält der Zoo für jedes Handy einen kleinen Betrag, der an ein Projekt zum Schutz der Menschenaffen geleitet wird. Der europäische Zoo- und Aquarienverband EAZA führt seit 2000 jedes Jahr eine Kampagne durch, um Artenschutzprojekte zu unterstützen. Wie alle Zoos, die Mitglied der EAZA sind, nimmt auch der Zoo Heidelberg regelmäßig mit eigenen Aktionen teil. Die Hauptziele der Kampagnen sind auf bedrohte Tierarten aufmerksam machen und entsprechende Projekte mit Geldspenden zu unterstützen. Die nächste EAZA-Kampagne 2012 widmet sich bedrohten Tierarten in Südostasien. Auch im Zoo Heidelberg sind viele Tiere aus Südostasien beheimatet, zum Beispiel die scheue und schöne Goldkatze, die neugierigen Binturongs oder die quirligen Kurzkrallenotter.

Zoo Berlin, 10.11.2011
Neuankunft eines seltsamen Säugetieres: Junges Hirscheberweibchen eingetroffen!
Weder Hirsch noch Eber ist der Neuankömmling im Schweinehaus des Berliner Zoos, handelt es sich doch um ein weibliches Schwein und damit um eine Sau. Dennoch ist die Artbezeichnung Hirscheber nicht untreffend; denn charakteristisch für diese felllosen Schweine sind die gebogenen, wie Geweihspieße die Rüsselnase nach oben durchbrechenden Eckzähne der Eber. Das Hirscheberweibchen „Leboni“, welches vor wenigen Tagen im Schweinehaus eingetroffen ist, wurde im April 2010 im Zoo von Antwerpen geboren und soll nun im Rahmen des Europäischen Arterhaltungsprogramms in Berlin für Nachwuchs sorgen. Hier wird sie demnächst das letzte, 1998 im Berliner Zoo geborene Hirschebermännchen „Gedeh“ kennenlernen. Hirscheber leben in freier Wildbahn auf der indonesischen Insel Sulawesi. Hier ist in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Bestandsrückgang zu registrieren, weshalb die Art als gefährdet eingestuft werden muss. Auch um die Zuchtbemühungen in zoologischen Einrichtungen sieht es nicht besonders rosig aus. Derzeit leben in Europa gerade einmal 31 Individuen. Der Berliner Zoo nahm lange Zeit eine Spitzenstellung in der Hirscheberhaltung und –Zucht ein. 1905 wurde hier erstmals auf deutschem Boden ein Hirscheber geboren. Nach dem 2. Weltkrieg kam 1978 (ebenfalls aus Antwerpen) das erste Hirscheberpaar wieder nach Berlin und von 1982 bis 1998 gelang mehrmals die Aufzucht von Jungtieren. Da jedoch immer nur 1-2 Schweinchen geboren werden, konnte die Gesamtzahl der Hirscheber in Menschenobhut nicht gesteigert werden. Im Berliner Zoo lebt neben dem potentiellen Zuchtpaar noch „Elfi“, ein gutmütiges altes Weibchen, was vor 20 Jahren in Stuttgart zur Welt kam. Bleibt zu hoffen, dass die seltsam anmutenden, interessanten asiatischen „Nacktschweine“ noch lange im Berliner Zoo gehalten und auch vermehrt werden können.

Zoo Duisburg, 11.11.2011
Der Zoo Duisburg geht zur Schule: Unser neuestes Umweltbildungsprojekt!
Mit einer innovativen Idee bündelt der Zoo Duisburg seit dem Sommer 2011 zwei der Hauptaufgaben moderner zoologischer Gärten: Artenschutz und Bildung. Ergänzend zum vielfältigen Angebot der Zooschule, die den vielen begeisterten Anfragen inzwischen kaum noch nachkommen kann, hat der Zoo nun ein deutschlandweit neues Konzept entwickelt. Duisburger Grundschulklassen können eine kostenlose Doppelstunde zum Thema „Wieso ist der Schutz der Artenvielfalt so wichtig?“ in ihrer Schule erleben. Die Umweltwissenschaftlerin und Zoomitarbeiterin Anja Limpinsel erarbeitet mit den Kindern auf spielerische Art komplexe Themen wie ökologische Zusammenhänge. Die Kinder selbst können diskutieren, welche Folgen das Verschwinden vom immer mehr Arten auf unserem Planeten zur Folge hat, und was jeder von uns auch im Kleinen dagegen tun kann. Das spielerische Begreifen wird mithilfe von Arbeitsblättern unterfüttert und als besonderes Highlight können die Kinder zum Abschluss einen tierischen Botschafter aus dem Zoo Duisburg ihrer Schule kennen lernen. Die 90-minütige, kostenlose Projektstunde richtet sich an 4. Klassen Duisburger Grundschulen und kann mittwochs oder donnerstags stattfinden. Aufbauend auf diese Unterrichtseinheit kann ein späterer Zoorundgang zum Thema „Wie engagiert sich der Zoo Duisburg für den Artenschutz?“ organisiert werden.

Tiergarten Schönbrunn, 14.11.2011
ROBBE HATTE EINEN ANGEBORENEN HERZFEHLER
Im Tiergarten Schönbrunn liegt nun das Obduktionsergebnis der kleinen Mähnenrobbe vor, die am 8. November aufgrund ihres dramatisch schlechten Gesundheitszustandes eingeschläfert werden musste. Der knapp vier Monate alte Robbennachwuchs Diego hatte einen angeborenen, nicht heilbaren Herzfehler. „Der Herzmuskel hat nicht genug kontrahiert. Hinweise auf diese schwerwiegende Erkrankung waren bereits die verzögerte Entwicklung des Kleinen, sein untypisch eher ruhiges Verhalten und die geringe Gewichtszunahme“, erklärt Zootierärztin Hanna Vielgrader. Diegos Mutter Enya geht es indes gut, kann sie beruhigen. „Sie sucht ihr Jungtier nicht. Tiermütter spüren oft instinktiv, dass mit ihrem Nachwuchs etwas nicht stimmt.“

Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, 14.11.2011
Schweinshirsch im Berliner Tierpark geboren
Mit ihren dunklen Knopfaugen und dem auf hellbraunem Grund weiß getüpfelten Fell zählen neugeborene Schweinshirsche zu den niedlichsten Hirschkindern überhaupt. Am 25. Oktober erblickte in der sechsköpfigen Schweinshirschgruppe des Berliner Tierparks das jüngste Mitglied das Licht der Welt. Das Kitz passte bei seiner Geburt in eine Hand, hatte eine Schulterhöhe von 20 Zentimetern und wog knapp 600 Gramm. Wenn das weibliche Kitz in etwa zwei Jahren ausgewachsen ist, wird sie kaum höher als 60 Zentimeter werden. Der Schweinshirsch zählt zu den kleinsten echten Hirschen, sein einfach gebautes Geweih umfasst in der Regel nur sechs Enden. Der Name Schweinshirsch leitet sich von dem gedrungenen Körperbau dieser Art ab, und ferner weil die Tiere bei Gefahr wildschweinähnlich durch das Gras flüchten. Der Schweinshirsch kommt ursprünglich in den Grasländern und lichten Trockenwäldern in Vorder- und Hinterindien vor. Die Art galt lange Zeit und landläufig als häufig, sowohl im Freiland als auch in Zoologischen Gärten. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation eher unbemerkt gravierend geändert: Der ICUN zufolge hat der Freilandbestand je nach Verbreitungsgebiet in den letzen 20 Jahren um bis zu 50% abgenommen und wird daher als bedroht eingestuft. Als die Zucht im Berliner Tierpark 1963 begann, war daran noch nicht zu denken. Gründe für die schwindenden Freilandbestände sind illegale und übermäßige Jagd, Lebensraumfragmentierung sowie Umwandlung der Lebensräume. In deutschen Zoologischen Gärten wird der Schweinshirsch nur im Zoo Dresden und Tierpark Berlin gehalten. Zum Aufbau neuer Gruppen sind daher in den letzen Jahren einige Nachzuchten aus dem Tierpark Berlin in andere europäische Zoos abgegeben worden.

Wilhelma – Zoologisch-botanischer Garten Stuttgart, 14.11.2011
Der Umbau der Elefantenanlage hat begonnen: Obwohl gleich nebenan noch an der neuen Menschenaffenanlage gebaut wird, wollte die Wilhelma mit der Umgestaltung des Elefanten-Außengeheges, inklusive Beseitigung des gefährlichen Absperrgrabens, nicht länger warten und den besucherärmeren Winter dafür nutzen. Die Bauleitung liegt bei der Staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg. Bis Ostern 2012 soll der Umbau abgeschlossen sein; voraussichtliche Baukosten: eine Million Euro. Die Elefantenanlage ist mittlerweile über 40 Jahre alt, nicht mehr zeitgemäß und besitzt zudem einen Absperrgraben, der durch den zweimaligen Grabensturz der Elefantenseniorin Vilja und deren Tod den Verantwortlichen wie den Besuchern zum Dorn im Auge wurde. Daher wird das Außengehege derzeit so umgebaut, dass der Graben verschwindet und ihre Bewohner, die beiden rund 46-jährigen Elefantendamen Pama und Zella, künftig mehr Komfort genießen können. Dazu wird das komplette Außengehege abgerissen, die Betonplattform entfernt und dann der Gehegeboden so angelegt, dass möglichst wenige Steigungen entstehen – angesichts der Hanglage eine echte technische Herausforderung. Das verbleibende geringe Gefälle erlaubt es den beiden betagten Elefanten, sich überall gut bewegen zu können. Einfassungsmauern aus Travertin und Betonstein sowie eine neue „asiatische“ Bepflanzung sorgen für eine naturnahe Gestaltung des Geheges. Für „Wellness“ werden ein weicher Sandboden, eine Lehmsuhle, zwei Becken mit austauschbarem Substrat, wie z.B. Rindenmulch, Torf und Kiesel, sowie ein größerer, mit nachhaltig sparsamer Wassertechnik ausgestatteter „Badepool“ sorgen. Dieser liegt dann direkt vor einer neuen Tribüne mit Sitzstufen, die den Besuchern nach dem Umbau schöne Einblicke ins Elefantendomizil bieten wird. Bis es soweit ist, müssen die Wilhelma-Gäste allerdings ein paar Einschränkungen in der Wegeführung in Kauf nehmen. Informations- und Umleitungsschilder werden vor Ort aufgestellt, zum Schaubauernhof führt während der Bauarbeiten nur der Weg entlang des Rosensteinparks. Rund eine Million Euro hat das Land Baden-Württemberg für den Umbau eingeplant und bereitgestellt, die Projekt- und Bauleitung liegt beim Stuttgarter Amt von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, die Planung erfolgte gemeinsam mit Glück Landschaftsarchitektur. Beim Umbau des alten Elefantengeheges soll es jedoch nicht bleiben: Nach wie vor ist geplant, eine komplett neue, großzügigere Anlage zu errichten, die auch eine Herdenhaltung ermöglicht. Wann gebaut werden kann, hängt jedoch weiterhin von den Entwicklungen in Sachen Rosensteintunnel ab – vor dessen Fertigstellung kann die Elefantenanlage nicht entstehen. Sobald diese jedoch Wirklichkeit ist, profitieren auch die langjährigen Nachbarn der Elefanten, die indischen Panzernashörner, vom aktuellen Umbau: Dann werden sie das umgestaltete Gehege erben – und damit Wohn- und Lebensraum hinzugewinnen.

Wilhelma – Zoologisch-botanischer Garten Stuttgart, 15.11.2011
Gorillababy Tano aus Prag: Urenkel der ersten Wilhelma-Gorillas in Stuttgarter Aufzuchtstation eingetroffen
Die Aufzuchtstation der Wilhelma hat einen neuen Schützling aufgenommen: den erst vor einer Woche, am 8. November, im Prager Zoo geborenen Gorillajungen Tano (Suaheli für „der Fünfte“). Weil seine unerfahrene Mutter Bikira sich um ihren Erstgeborenen nicht richtig kümmerte, brachte ihn der Prager Zoo in Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) in die Wilhelma, wo sich die offizielle Aufzuchtstation für Gorillas befindet. Zumindest der Herkunft nach ist Stuttgart für den kleinen Tano dabei keine absolute Fremde: Denn er ist ein Urenkel der früheren Stuttgarter Gorillas Dina und Banjo – und seine Mutter Bikira wurde 1995 bis 1998 ebenfalls in Stuttgart von Hand aufgezogen. Seine erste Nacht hat Tano im Schwabenland bereits gut überstanden – trinkend und schlafend. Einige Monate lang war die Aufzuchtstation der Wilhelma verwaist: Die dreijährigen Gorillajungs Monza und Upala zogen nach Romagne in eine Männer-WG, die zweijährige Claudia lebt im Menschenaffenhaus bei der Gorillafamilie, in die sie behutsam integriert wird. Doch nun ist wieder ein Neugeborenes in die Aufzuchtstation eingezogen – das 59ste, das hier aufwächst. „Leider können wir es noch nicht im neuen Haus unterbringen, wo die Aufzuchtstation direkt neben dem Gehege der Gorillafamilie liegen wird und auch die Besucher alles beobachten können“, sagt Marianne Holtkötter, die Menschenaffenkuratorin der Wilhelma. „Am besten wäre es natürlich, wenn Babys wie Tano bei ihren Müttern aufwachsen können. Aber mitunter bleibt keine Wahl.“ Weil es diese bei Tano nicht mehr gab, brachten ihn sein Tierpfleger, Tierarzt und Direktor nach Stuttgart. Hier ist er nun zunächst in Quarantäne hinter den Kulissen, für die Besucher also nicht zu sehen. Dafür wird er seine zwei Ersatzmütter Margot Federer und Bea Jarczewski in der nächsten Zeit gut auf Trab halten: Diese betreuen ihn in Wechselschicht rund um die Uhr, geben ihm alle zwei bis drei Stunden das Fläschchen. 2500 Gramm wog der Kleine bei der Ankunft, ein normales Gewicht für sein zartes Alter. Da er überdies einen altersgemäßen Appetit besitzt und von der Pflegerin schon kurz nach der Ankunft problemlos das Fläschchen annahm, sind alle zuversichtlich, dass er schnell wächst und gedeiht. Doch ein Gorilla braucht nicht nur Muttermilch, sondern vor allem anfangs auch die Körperwärme seiner Mutter. Da Bikira ihren Sohn jedoch nach der Geburt liegen ließ, drohte Tano zu unterkühlen und wurde vorsichtshalber in den Brutkasten gelegt. Versuche, Tano danach der Mutter zurückzugeben, scheiterten. Es blieb nur noch der Weg in die Handaufzucht, wollte man nicht den Tod des Kleinen riskieren. In der Aufzuchtstation erhält er von den erfahrenen Pflegerinnen nun neben Milch auch so viel Körperkontakt wie möglich, zwischendurch sorgt eine Wärmflasche für mollige Temperaturen, ein Klammertuch dient als Ersatz fürs Mutterfell und ein „Herzsimulator“ ahmt Mamas Herzschlag beruhigend nach. Warum Bikira sich nicht selbst um ihr Kind kümmerte, kann mehrere Gründe haben: Zum einen hat sie in ihrer vorigen Heimat Belfast offenbar von anderen Gorillamüttern bislang nichts übers Mutterdasein lernen können – ein Anschauungsunterricht, der für junge Gorillafrauen wichtig ist. Zum anderen kam sie erst im Dezember 2010 nach Prag und ihre Stellung in der Gruppe war noch nicht gefestigt. Als sich nach der Geburt andere Gruppenmitglieder neugierig näherten, war sie daher wohl nicht selbstbewusst genug, um sich ungerührt weiter ihrem Kind zu widmen, sondern ließ es liegen. Einer der großen Vorteile der europaweiten Aufzuchtstation für Menschenaffenkinder in der Wilhelma ist, dass die Kleinen von Anfang an mit Artgenossen zusammen sein können – was in der neuen Menschenaffenanlage auch im Hinblick auf die erwachsenen Tiere noch besser umgesetzt werden kann. Noch ist es aber nicht soweit: Sofern Tano daher weiterhin der einzige Schützling im Aufzuchthaus bleibt, was nie vorhersehbar ist, wird er jedoch baldmöglichst ins alte Menschenaffenhaus und in die Nähe von Claudia und der Gorillafamilie umziehen. Wann und wie oft die Besucher ihn also in Zukunft sehen können, ist noch offen. Die Wilhelma wird die Besucher dazu per Internet und Aushänge jedoch weiter auf dem Laufenden halten.

Die letzte Nachricht betrifft mich auch, als Vereinsmitglied (immerhin schon seit zwei Jahren). Ich bin gespannt, ob die tatsächlichen Gründe irgendwann zu Tage kommen, aber es war wohl vorhersehbar, dass sich der Verein auflöst. Ich kann mich dazu nicht äußern, ich bin nur normales Mitglied und nicht weiter involviert und wer weiß: Vielleicht wird ja doch alles anders als man denkt:

Tierparkfreunde München, 17.11.11
Am 16.11.11 fand um 18.00Uhr eine aoMitgliederversammlung im Hofbrauhaus am Platzl, Wappensaal, statt. Über die Beschlüsse werden wir Sie in Kürze mit dem „Tierparkfreund“ 5/2011, der Ende November erscheint, detailliert in Kenntnis setzen.
Vorab teilen wir mit:
Die Mitgliederversammlung hat wegen Kündigung des Kooperationsvertrages durch den Tierpark zum 31.12.2011 beschlossen, ab dem 01.01.2012 den Verein passiv zu stellen und das Auflösungsverfahren einzuleiten.
Mit dem nächsten „Tierparkfreund“ werden deshalb keine neuen Jahresmarken mehr versandt. Ihre Ausweise verlieren als Eintrittsausweis in den Tierpark ab dem 01.01.2012 ihre Gültigkeit. Sie haben die Möglichkeit, an den Tierparkkassen Jahreskarten zu erwerben.
Eine Beitragsabbuchung wird in 2012 nicht mehr erfolgen. Eine Kündigung der Mitgliedschaft aus diesem Grund ist deshalb nicht notwendig.
Die Mitgliederversammlung hat einen sofortigen Aufnahmestopp beschlossen und die Beitragsordnung ab dem 01.01.2012 auf 0€ gesetzt.
Die Versammlung hat beschlossen, das Auflösungsverfahren einzuleiten, d.h. am 20.12.2011 wird in einer weiteren aoMitgliederversammlung ein satzungsgemäßer Bestätigungsbeschluss zu erfolgen haben. Ab dem Auflösungszeitpunkt beginnt eine mindestens einjährige Liquidationsphase, während der der Verein rechtlich fortbesteht. Am 09.03.2012 findet eine ordentliche Mitgliederversammlung statt, an der der Jahresbericht des (ehemaligen) Vorstands für 2011 abgegeben wird. Am 05.03.2013 findet eine ggfs. letzte Mitgliederversammlung statt, die die Beendigung des Vereins oder die Fortsetzung der Liquidation zu beschließen.
Von weiteren Anfragen bitten wir derzeit abzusehen, da alle Informationen im nächsten „Tierparkfreund“ enthalten sein werden.

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