Portrait: Hammerkopf

Ordnung: Pelecaniformes
Familie: Scopidae
Gattung: Scopus
Art: Hammerkopf (Scopus umbretta)
Hammerkopf (Zoo Augsburg)

Hammerkopf (Zoo Augsburg)

Die Bezeichnung Hammerkopf geht auf die ungewöhnliche Kopfform zurück: Die Art hat einen langgezogenen Schnabel sowie eine nach hinten gerichtete Federhaube. Der im Verhältnis zur Gesamtkörpergrößte relativ mächtige Schnabel ist etwa 8 cm lang, seitlich zusammengedrückt und endet in einem kleinen Haken. Er hat Ähnlichkeit mit dem Schnabel des Schuhschnabels, ist aber nicht ganz so gewaltig.
Ein Geschlechtsdimorphismus besteht nicht. Es gibt jedoch zwei Unterarten, die sich in Größe und Färbung leicht voneinander unterscheiden. Hammerköpfe werden bis zu 470 g schwer. Das Gefieder ist braun und kann auf dem Rücken einen metallischen Schimmer annehmen.
Für einen Schreitvogel sind Hals und Beine recht kurz. Die Flügel sind breit und gerundet. Sie ermöglichen einen flatternden Flug mit nur seltenen Gleitphasen. Im Flug wird der Hals nach Storchenart ausgestreckt.

Der Hammerkopf ist weit über Feuchtgebiete Afrikas südlich der Sahara verbreitet. Sein riesiges Verbreitungsgebiet umschließt auch Madagaskar sowie den Westen Jemens und Saudi-Arabiens.
Man findet den Vogel in allen Arten von Süßwasserhabitaten. Seen, Flüsse, Sümpfe und auch temporäre Wasserlöcher beherbergen ihn, wenn das Wasser flach genug ist, dass er darin umherlaufen kann. Manchmal findet man Hammerköpfe auch in Flussdeltas und Mangroven. Voraussetzung für ein geeignetes Habitat ist das Vorhandensein von Bäumen, die als Nist- und Ruheplätze gebraucht werden; nur manchmal nimmt der Hammerkopf auch mit anderen erhöhten Plätzen wie Felsen vorlieb.
Die IUCN schätzt den Gesamtbestand des Hammerkopfes auf 170.000 bis 1,1 Millionen Tiere. Der Hammerkopf ist ein häufiger Vogel und gilt nicht als gefährdet.

Der Hammerkopf ist ein tag- und dämmerungsaktiver Vogel, der während der Nacht sowie in der Mittagshitze ruht. Er ist ein Einzelgänger; lediglich an den Ruheplätzen findet man ihn in Gruppen von bis zu fünfzig Vögeln.

Die Nahrung besteht zu einem Großteil aus Fischen und Amphibien. Zu den bevorzugten Fischen gehören Raubwelse, Barben und Tilapien, während unter den Amphibien Krallenfrösche und deren Kaulquappen besonders begehrt sind. Zu geringeren Anteilen werden auch Krebstiere, Insekten, Würmer und kleine Säugetiere gefressen. Um an die Beute zu gelangen, wühlt der Hammerkopf den Grund mit den Füßen auf und stochert mit dem Schnabel im Schlamm.
Gelegentlich sieht man Hammerköpfe auch über die Wasseroberfläche fliegen und Fische und Kaulquappen im Fluge aus dem Wasser erbeuten. Außerdem folgen sie gelegentlich Herden von Rindern oder Büffeln, um die von diesen aufgescheuchten Insekten zu erhaschen.

Hammerkopf mit Nest (Zoo Augsburg)

Hammerkopf mit Nest (Zoo Augsburg)

Außergewöhnlich ist das Nest des Hammerkopfes. Es hat einen Durchmesser von 1,5 m, besteht aus bis zu 8000 Einzelteilen und erreicht das Hundertfache des Eigengewichts des Vogels. Beide Partner bauen es gemeinsam, für gewöhnlich in einem Baum, manchmal auch auf anderen erhöhten Plätzen wie Felsengruppen. Zweige werden aufeinandergehäuft und mit Schlamm aneinander geklebt. Zunächst bildet das Nest eine Plattform, dann werden die Wände errichtet und schließlich ein Kuppeldach über dem Nest. Der einzige Zugang zu dem riesigen Gebilde befindet sich auf der Unterseite. Dieser Eingang mündet in einen Tunnel, der 10 bis 15 cm breit und 40 bis 60 cm lang ist und an dessen Ende sich die zentrale Nistkammer mit einem Durchmesser von 40 x 40 x 60 cm befindet. Ein Paar baut oft mehrere Nester. Diese halten mehrere Jahre und können immer wieder genutzt werden. Das Erweitern und Ausbessern der Nester ist ein beständiger Vorgang, der parallel zur Brut ausgeführt wird.
Das Hammerkopfnest dient anderen Tieren als Lebensraum. Kleine Singvögel bauen ihre eigenen Nester auf der Außenseite des Riesennests, und als weitere Untermieter finden sich Honigbienen, Ginsterkatzen, Mangusten, Warane, Schlangen, Nilgänse, Höckerglanzgänse, Falken, Tauben und Schwarzstörche ein – viele von diesen allerdings nicht gleichzeitig mit einem brütenden Hammerkopfpaar, sondern eher als Bewohner eines verlassenen Nests.
Das Gelege besteht aus drei bis sieben Eiern, die beide Partner etwa 30 Tage bebrüten. Wenn die Jungen schlüpfen, tragen sie ein graues Dunenkleid, das nach wenigen Tagen durch Federn ersetzt wird. Der Schopf bildet sich nach sechs Tagen, und nach dreißig Tagen ähneln die Jungen bereits sehr den Altvögeln – mit Ausnahme des Schnabels, der länger braucht, um seine endgültigen Ausmaße zu erreichen. Beide Partner füttern die Jungen, die nach rund 47 Tagen flügge sind.
Die Bruten sind auffallend häufig erfolglos. So sollen 50 % der Eier unausgebrütet bleiben und 30 bis 40 % der Jungvögel nicht überleben. Hauptursache ist der Einfall von Feinden, vor allem von Waranen, in das Nest.

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