Portrait: Alpensteinbock

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Ziegenartige (Caprini)
Gattung: Eigentliche Ziegen (Capra)
Art: Alpensteinbock (Capra ibex)
Alpensteinbock (Alpenzoo Innsbruck)

Alpensteinbock (Alpenzoo Innsbruck)

Der Alpensteinbock ist eine von mehreren als Steinböcke bezeichnete Art der Gattung der Ziegen (Capra). Früher wurde er aufgrund äußerer Merkmale mit dem Sibirischen Steinbock und dem Nubischen Steinbock zu einer Art zusammengefasst.
Genetische Untersuchungen deuten allerdings stark darauf hin, dass der Alpensteinbock, der Sibirische Steinbock und der Nubische Steinbock jeweils eigene Arten darstellen. Die äußerlichen Ähnlichkeiten zum Alpensteinbock und zum Nubischen Steinbock wären demnach kein Zeichen enger Verwandtschaft, sondern Plesiomorphien. Der Alpensteinbock gleicht dagegen in genetischer Hinsicht sehr dem äußerlich recht verschiedenen Iberiensteinbock, der ihm geographisch auch am nächsten steht.

Der Steinbock erreicht eine Körperlänge von bis zu 150 cm, eine Schulterhöhe von bis zu 90 cm sowie ein Gewicht von 40 bis nahezu 100 Kg. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Männchen (Bock) verfügt über zwei gewaltige Hörner, die nach unten stark gekrümmt sind und durchaus eine Länge von 100 cm erreichen können. Weibchen haben deutlich kleinere und weniger stark gekrümmte Hörner. Die Hörner sind fest mit dem Kopf verwachsen und werden nicht abgeworfen und wachsen ein lebenlang. Die Verbindung zwischen Horn und Schädeldecke stellen sogenannte Knochenzapfen her. Das Männchen hat auf der Stirn zudem massive Verknöcherungen, die bei Kämpfen die Kopfstöße abmildern.
Das Sommerfell des Männchen ist dunkelbraun und geht bei älteren Böcken ins gräuliche über. Das Fell des Weibchen ist eher rostbraun bis hellbraun. Im Winter tragen beide Geschlechter ein deutlich dichteres Fell, das eine gräuliche Färbung aufweist. Die Bauchseite ist fast weiß. Der Bock hat unter seinem Kinn einen kleinen Bart. Alle Sinne der Steinböcke sind sehr gut entwickelt. Vor allem der gut ausgebildete Geruchssinn hift ihnen bei der Nahrungssuche. Insgesamt ist der Körperbau der Steinböcke kräftig untersetzt; die Beine, mit den extrem gut angepassten Hufen, sind eine Anpassung an den Lebensraum im Hochgebirge. Die Laufzehen verfügen zusätzlich über sogenannte Felssporne, die aufgesetzt werden können. Damit haben sie selbst im steilsten Gelände einen guten Halt. Sie sind natürlich gute Kletterer und Springer, die mühelos Sprünge von mehreren Metern absolvieren können. Überhaupt bewegen sich die Tiere im Hochgebirge mit traumwandlerischer Sicherheit.

In den Alpen lebt der Steinbock auf der Höhe zwischen der Wald- und Eisgrenze. Dabei steigt er bis in Höhen von 3500 m auf. Im Winter bleibt er allerdings in tieferen Lagen als im Sommer, und auch im Sommer steigt er zum Fressen oft auf alpine Wiesen ab, während er zum Übernachten die großen Höhen aufsucht.

Alpensteinbock (Tierpark Hellabrunn)

Alpensteinbock (Tierpark Hellabrunn)

Eine Steinbockherde setzt sich aus zehn bis zwanzig Weibchen und Jungtieren zusammen. Daneben gibt es die weniger stabilen Junggesellenherden noch nicht ganz ausgewachsener Böcke sowie einzeln lebende alte Böcke. Zur Fortpflanzungszeit (in den Alpen Dezember/Januar) suchen die Böcke die Weibchen auf und versuchen, Kontrolle über die Herde zu erlangen. Zwischen konkurrierenden Böcken kommt es dabei zu Kämpfen. Ein Bock muss mindestens sechs Jahre alt sein, um eine Chance zu haben, diese Kämpfe zu überstehen und einen Harem zu gewinnen. Über den Winter bleibt der Bock bei der Herde und verlässt sie im Frühling.
Nach einer Tragzeit von fünf bis sechs Monaten kommt im Mai oder Juni ein Jungtier, selten auch zwei zur Welt. Das Junge kann vom ersten Tag an laufen, wird aber ein Jahr lang von der Mutter gesäugt. Die Lebensdauer eines Steinbocks kann über zwanzig Jahre betragen.
Die Wiedereinbürgerung des Steinwildes in den Alpen hat in einigen Regionen auch gezeigt, dass Steinwild einen großen Einfluss auf die sie umgebende Landschaft hat. Aufgrund der in den 1920er Jahren wieder eingebürgerten Steinböcke nahm im Bereich des Schafberg und des Piz Albris bei Pontresina im Oberengadin die Hangabtragung zu. Verantwortlich dafür waren die Vertritt-Schäden, die das Steinwild verursachte.

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