Portrait: Auerochse

Wölfe jagen Auerochsen (Heinrich Harder)

Wölfe jagen Auerochsen (Heinrich Harder)

Der Auerochse oder Ur ist eine ausgerottete Art der Rinder. Vorderasiatische Populationen gelten nach neueren Genforschungen als Stammvater des Hausrindes. Das indische Zebu stammt möglicherweise von einer anderen, mittlerweile ebenfalls ausgestorbenen Art der Wildrinder ab.

Das Aussehen des Auerochsen lässt sich anhand von Knochenfunden, historischen Beschreibungen und zeitgenössischen Darstellungen, wie Höhlenmalereien oder jenen in den Werken von Siegmund von Herberstein oder Conrad Gesners, rekonstruieren. Auch wird oft der „Augsburger Ur“ (siehe Ausgestorbene Säugetiere seit 1500 – Huftiere, Wale und Seekühe) als Quelle herangezogen. Diese Abbildung von Charles Hamilton Smith basiert auf einem zeitgenössischen Ölgemälde.
Der Auerochse war einer der größten Herbivoren im nacheiszeitlichen Europa, vergleichbar nur mit dem Wisent. Die tatsächliche Größe des Urs schien teilweise von der Region abhängig gewesen zu sein. So verfügten Ur-Bullen aus dem nördlichen Europa über eine durchschnittliche Schulterhöhe von zwischen 160 und 180 und Kühe 150 (Dänemark, nördliches Deutschland) bzw. 170 bis 185 Zentimetern bei Bullen und 165 bei Kühen (Polen), während jene in Ungarn anscheinend kleiner waren. Nach der Eiszeit lässt sich ein gewisser Verlust an Körpergröße beobachten. Die Körpermasse der Auerochsen war wahrscheinlich mit jener der Wisents und Bantengs vergleichbar. Vom Indischen Auerochsen lässt sich sagen, dass dieser allgemein kleiner, jedoch mit proportional größeren Hörnern ausgestattet war als jene in Europa. Der Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Körpergröße war, wie auch bei einigen anderen Aspekten, deutlich ausgeprägt, da die Kühe oft einige Dezimeter kleiner waren als die Bullen.

Die Hörner des Auerochsen waren in Bezug auf ihre Krümmung und Größe charakteristisch für diese Art. Sie waren dreifach geschwungen: an der Basis nach außen, dann nach vorne-innen und an der Spitze nach oben-innen. Die Bullen hatten größere und stärker geschwungene Hörner, diese konnten bis zu 80 Zentimeter Länge und über 10 Zentimeter Durchmesser erreichen. Die Hornform war bei den Kommentkämpfen der Ure von Vorteil, welche nicht aus Zusammenprallen der Schädel wie bei Wisents oder Moschusochsen bestanden, sondern wahrscheinlich aus gegenseitigem kraftvollen Schieben bei gegenseitigem Hornkontakt, wie es Hausrinder heute noch praktizieren. Zum Schutz der Augen bei diesen Kommentkämpfen waren bei Ur-Stieren die knöchernen Augenhöhlen deutlicher ausgeprägt als bei vielen heutigen Hausstieren.
Die Statur des Auerochsen unterscheidet sich in einiger Hinsicht von der vieler heutiger Rinderrassen. So sind die Beine vergleichsweise lang und schlank, was sich in einer Schulterhöhe, die ungefähr der Rumpflänge entspricht, ergibt. Auch war der Schädel, die imposanten Hörner tragend, wesentlich größer und langgezogener als bei vielen Hausrindern. Nur wenige Primitivrassen wie Maremmana primitivo oder Pajuna besitzen noch diese Eigenschaften. Der Körperbau der Auerochsen war, wie bei anderen Wildrindern, athletisch und von – insbesondere bei Bullen – stark ausgeprägter Nacken- und Schultermuskulatur gekennzeichnet. Selbst bei gerade säugenden Kühen war der Euter klein und von der Seite kaum sichtbar; auch dieses Merkmal entspricht dem anderer Wildrinder.
Die Fellfarbe der Ure lässt sich anhand zeitgenössischer Darstellungen und historischer Berichte erahnen. Anton Schneeberger liefert in seinen Briefen an Conrad Gesner (1602) eine der genausten Beschreibungen des Auerochsen, die sich mit der Färbung der als Höhlenmalereien dargestellten Tiere in Lascaux und Chauvet deckt. Die Kälber wurden haselnussbraun geboren, und junge Stiere färbten sich binnen weniger Monate zu einer sehr dunklen bis schwarzen Farbe um. Die Kühe hingegen behielten die Farbe der Kälber. Die Bullen bildeten zudem „etwa zwei Finger breite“ (Schneeberger) helle Aalstriche entlang des Rückgrats aus, die den Kühen fehlten. Typisch für den Ur war auch das weiß umrandete Flotzmaul, welches auch bei einigen Bantengs zu beobachten ist. Belege, dass Auerochsen-Populationen innerhalb oder außerhalb Europas eine andere grundsätzliche Färbung aufwiesen, gibt es nicht. Ein von Mucante 1596 in Latein verfasster Text beschreibt ebenfalls die Farbe des Auerochsen – seine Beschreibung wurde an einer Stelle mit „grau“ übersetzt, doch im selben Text wird weiters von „schwarzen Ochsen“ geschrieben. Mucantes Text ist nicht unproblematisch; so wird sich anscheinend stellenweise tatsächlich auf den Wisent bezogen. Ägyptische Grabmalereien, die rotbraune Rinder (sowohl Kühe und Kälber als auch Bullen) mit hellem Sattel zeigen, werden mitunter als Referenz für eine solche Färbung bei der nordafrikanischen Subspezies verwendet, doch die gemalte Hornform legt nahe, dass es sich bei den dargestellten Tieren um Hausrinder handelt.
Einige primitive Rinderrassen zeigen heute noch Charakteristika der Fellfarbe des Urs, wie etwa die schwarze Färbung der Bullen mit einem hellen Aalstrich, das weiß umrandete Flotzmaul und mitunter auch den typischen Geschlechtsdimorphismus. Ein Attribut, das dem Auerochsen sehr oft zugesprochen wird, sind hell gefärbte Stirnlocken. Dass der Ur über deutlich ausgeprägtes lockiges Haar auf der Stirn verfügte, geht aus historischen Berichten hervor, doch niemals wird für diese eine besondere Farbe beschrieben. Daher beschreibt van Vuure (2005) die helle Farbe der Stirnlocken – vorhanden bei einer Vielzahl der Primitivrassen – als Verfärbung, die nach der Domestikation auftrat. Er merkt jedoch an, dass auch bei Gauren eine hellere Farbe dieser Partie zu finden ist. Ein Gen, das für dessen Ausprägung verantwortlich ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Zebuine Rassen verfügen über das sogenannte „Zebu tipping“-Gen, das helle Beininnenseiten und Flanken verursacht. Ob dieses Gen in deren Wildform, dem Indischen Ur, vorhanden war, wurde nicht getestet.
Als wissenschaftlichen Namen des Auerochsen findet man oft auch Bos taurus, den ursprünglich von Carl von Linné für das Hausrind vergebenen Namen. Da beide nun zu einer Art gerechnet werden, müsste eigentlich nach der Prioritätsregel des ICZN der ältere Name Gültigkeit haben. Die ICZN entschied aber 2003, dass in diesem Sonderfall der Name der Wildform Bos primigenius der gültige Name sein solle. Demzufolge werden sowohl der Auerochse als auch die aus diesem domestizierten Hausrinder in einer Spezies namens Bos primigenius geführt.

Heckrind (Tierpark Haag)

Heckrind (Tierpark Haag)

Hinsichtlich des bevorzugten Habitat des Urs herrscht Uneinigkeit. Während manche den Auerochsen ähnlich dem Waldbüffel als Bewohner der Wälder betrachten, beschreiben andere den Ur als Bewohner offenen Graslandes, der zusammen mit anderen großen Pflanzenfressern für den natürlichen Erhalt dieser Flächen sorgte.Der Auerochse ist mit seinem hypsodonten Gebiss auf das Grasen ausgerichtet und hatte wahrscheinlich eine sehr ähnliche Nahrungsauswahl wie heutige Hausrinder, war folglich also kein Äser wie Rothirsche oder Rehe oder ein Semi-Intermediärfresser wie der Wisent. Vergleiche der Isotopenlevels im Knochenmaterial neolithischer Auerochsen und Hausrinder legen nahe, dass Ure sumpfigeres Terrain als ihre domestizierten Nachkommen bevorzugten. Aus dem Bericht von Anton Schneeberger in Gesner (1602) geht hervor, dass neben Gräsern während des Winters auch Laub und Eicheln einen wichtigen zusätzlichen Teil der Nahrung der Auerochsen darstellte.
Wie viele andere Hornträger auch bildeten Auerochsen zumindest einen Teil des Jahres Herden. Diese zählten wahrscheinlich nicht mehr als 30 Tiere und bestanden hauptsächlich aus Kühen mit ihren Kälbern und Jungbullen. Ältere Bullen lebten wahrscheinlich alleine oder bildeten eigene kleine Bullenherden. Die Rangordnung wurde, davon ausgehend, dass das Sozialverhalten des Urs dem der Hausrinder und anderen Wildrindern entsprach, durch Imponiergesten und auch heftige Kämpfe ausgetragen, die auch zwischen Kühen stattfinden können.
Während der Brunftzeit, die beim Ur wahrscheinlich im Spätsommer oder Frühherbst lag, trugen die Bullen heftige Kämpfe aus. Aus dem Wald von Jaktorów ist bekannt, dass dabei auch Männchen getötet werden konnten. Während des Herbstes fraßen sich die Auerochsen eine Speckschicht für den Winter an und erschienen daher etwas dicklicher als während des restlichen Jahres. Im Frühjahr kalbten die Kühe, wofür sie sich in den Wald zurückzogen. Das Muttertier verweilte dort und bewachte und verteidigte das Kalb, bis dieses stark genug wurde, um mit auf den Weidegrund genommen zu werden.
Die Kälber waren Angriffen von Wölfen gegenüber verletzlich, während gesunde ausgewachsene Ure wahrscheinlich eher weniger von diesem Raubtier bedroht waren. Im Europa der Prähistorie sowie Nordafrika und Asien stellten Großkatzen wie Löwen und in Asien Tiger, aber auch Hyänen zusätzliche natürliche Feinde dar.
Aus historischen Quellen, etwa Caesar (De Bello Gallico) oder Schneeberger, geht hervor, dass der Auerochse schnell und beweglich war und sehr aggressives Verhalten an den Tag legen konnte. Laut Schneeberger nahmen Auerochsen von einem sich nähernden Menschen kaum Notiz und zeigten auch bei lautem Geschrei kaum Reaktion. Reizte oder jagte man aber einen Ur, so konnte dieser sehr aggressiv und gefährlich werden, nahm die ihn bedrängende Person auf die Hörner und schleuderte sie in die Luft, wie Anton Schneeberger in seinen Brief an Conrad Gesner im Jahre 1602 schrieb. Grundsätzlich muss der Auerochse jedoch ein dem Menschen gegenüber eher friedliches Tier gewesen sein, ansonsten wäre er für die Domestikation kaum tauglich gewesen.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Auerochsen umfasste große Teile des gemäßigten und subtropischen Eurasien, der Auerochse kamen ebenso in Teilen Indiens und Nordafrikas vor, wo jedoch jeweils andere Subspezies lebten.
In der Regel werden drei Unterarten unterschieden:
Europäischer Auerochse (Bos primigenius primigenius)
Indischer Auerochse (Bos primigenius namadicus)
Afrikanischer Auerochse (Bos primigenius africanus = mauretanicus)
Die indische Form des Auerochsen, die im späten Pleistozän auf dem Subkontinent vorkam und vermutlich zum Vorläufer des Zeburindes wurde, könnte allerdings auch eine eigene Art, Bos namadicus beziehungsweise Bos indicus dargestellt haben. Die nordafrikanische Unterart B. p. africanus (Juniorsynonym mauretanicus) ist der Eurasischen anatomisch sehr ähnlich, und steht laut Cis van Vuure möglicherweise auf rein geographischer Basis. Obwohl keine geographische Barriere zwischen Nordafrika und dem Nahen Osten bestand, dürften sich nordafrikanische und eurasische Auerochsen genetisch unterschieden haben.
In Mitteleuropa tauchten Auerochsen etwa vor 250.000 Jahren auf. Sie sind häufig auf Höhlenmalereien abgebildet, wie zum Beispiel in der Höhle von Lascaux und Livernon in Frankreich. Es wurden auch frühe Schnitzarbeiten mit Auerochsen gefunden. Die Domestizierung fand etwa 6000 v. Chr. im Bereich des heutigen Kleinasien, Syrien und Irak statt. Lange Zeit diente das Rind hauptsächlich als Fleischlieferant, erst einige Jahrtausende nach der Domestikation setzte sich die primäre Nutzung der Milch durch.
Nach vergleichenden Untersuchungen der mitochondrialen DNA von Auerochse und europäischem Hausrind aus Knochenproben von der Mittelsteinzeit bis zur Bronzezeit sind die modernen europäischen Rinderrassen keine direkten Nachkommen des europäischen Auerochsen. Stattdessen wird als Ort der Domestizierung der Nahe Osten vermutet, von wo das Hausrind im Zuge der Neolithisierung vor 8000 Jahren relativ rasch nach Europa verbreitet wurde.
Das indische Zebu und ähnliche Hausrinderrassen stammen von einer völlig anderen Unterart des Auerochsen (Bos primigenius indicus) ab, die sich schon vor etwa 300.000 Jahren von den nahöstlichen und europäischen Unterarten getrennt hat und nach Auffassung mancher Experten eine eigene Art (Bos indicus) darstellen könnte. Genetische Untersuchungen belegen, dass die heutigen Hausrinder nicht wie lange geglaubt einem Stamm angehören, sondern von zwei verschiedenen Linien abstammen. Dies deutet darauf hin, dass das Wildrind zweimal unabhängig voneinander domestiziert wurde, einmal in Indien und einmal im Mittelmeerraum.
Ob und wie häufig es zu Vermischungen von Hausrindern mit ihrem wilden Vorfahren kam, ist in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Während Knochenfunde Hybridisierungen nahelegen könnten, spricht Information aus der mitochondrialen DNA des Urs gegen einen substantiellen genetischen Beitrag weiblicher Auerochsen auf die Hausrinder in Europa, welcher laut Achilli et al., 2009, durchaus stattgefunden haben könnte. Dass männliche Auerochsen mitunter Hauskühe befruchteten, ist durch historische Berichte aus dem Wald von Jaktorów belegt. Schneeberger schreibt, dass Ur-Bullen, welche Hauskühe geschwängert hatten, erschossen wurden, um den jeweiligen Bauer zu entschädigen – denn ein Kalb, welches aus dieser Paarung hervorging, wäre angeblich nicht lebensfähig gewesen.
Während er im Mittelmeerraum und in Asien offenbar schon um die Zeitenwende ausstarb, war der Auerochse in Mitteleuropa sehr viel länger beheimatet. Durch Jagd und Habitatzerstörung wurde er immer seltener, besonders seit Beginn der großen Rodungsperiode vom neunten bis zum elften Jahrhundert. Der letzte bayerische Auerochse wurde um 1470 im Neuburger Wald geschossen.
Am längsten hielt er sich in Osteuropa, besonders in Masowien und Litauen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden die allerletzten Exemplare im Wald von Jaktorów, 55 Kilometer südwestlich von Warschau, unter den Schutz des Landesherrn gestellt und gehegt. Otto Antonius wertete die vorhandenen Protokolle aus. Demnach zählte man 1564 acht alte und drei junge Stiere sowie 22 Kühe und fünf Kälber. 1599 waren noch 24 Exemplare vorhanden, 1602 aber nur noch vier. 1620 war noch eine einzige Kuh übrig, die 1627 starb.Diese letzte Auerochsen-Kuh wurde nicht gewildert, wie oft behauptet, sondern starb wahrscheinlich eines natürlichen Todes. Verantwortlich für das Verschwinden dieser letzten Ure in Jaktorów waren Krankheiten, Wilderei, zu einem gewissen Grad auch Jagd, sowie der zunehmender Schwund des Lebensraums durch das Vordringen der lokalen Bauern in die Region, die ihre Rinder und Pferde auf den ehemaligen Weidegründen der Auerochsen weiden ließen. Der für die Ure begrenzte Lebensraum bedeutete Nahrungsmangel im Winter, was den Hungertod einiger Exemplare zu Folge hatte, sowie Stress. So töteten sich manche Bullen bei Kämpfen gegenseitig. Zusätzlich wurden besonders aggressive Bullen erschossen und ihr Fleisch an den König geliefert. All dies führte zu einem raschen Schwund der letzten Auerochsen in Jaktorów und damit letztendlich zum vollständigen Aussterben dieses Wildrindes.

Auerochse (Sigismund von Herberstein): Ich bin der Ur, polnisch Tur, deutsch der Auerochs, Ungelehrte nennen mich Bison

Auerochse (Sigismund von Herberstein): Ich bin der Ur, polnisch Tur, deutsch der Auerochs, Ungelehrte nennen mich Bison

Seit dem Verschwinden des Auerochsen aus dem deutschen Sprachraum wurde der Wisent häufig mit dem Ur verwechselt und ebenfalls als ’’Auerochse’’ bezeichnet, was oftmals zu Verwirrungen in zeitgenössischen Berichten oder Darstellungen führte. Einzig in Polen, wo sich das Wildrind am längsten hielt, ging die eindeutige sprachliche Unterscheidung zwischen dem tur (Auerochse) und dem żubr (Wisent) nicht verloren. Erst im 19. Jahrhundert trennte die deutsche Sprache mit dem Aufschwung der Zoologie die beiden Rinderarten wieder. Auch wurde der Auerochse seit seiner Renaissance in der Naturwissenschaft als Stammform des Hausrindes erkannt – denn zu Lebzeiten des Tieres betrachtete man die „wilden Ochsen“ entweder als verwilderte Rinder oder Hybridformen mit dem Wisent, wie u. a. aus einem Schreiben Baron Bonars in Gesner (1602) hervorgeht. Als Stammform des Hausrindes wurden damals Wisent, Banteng oder Hybridformen in Betracht gezogen.

In den 1920er Jahren versuchten die Zoodirektoren Heinz und Lutz Heck in Hellabrunn und in Berlin die Dedomestikation des Auerochsen aus Hausrindern. Das daraus entstandene Heckrind ähnelt, wie einige andere Primitivrassen, insbesondere hinsichtlich der dunklen Färbung der Bullen mit einem hellen Aalstrich und der anfänglich rotbraunen Färbung der Kühe dem Auerochsen. Der farbliche Sexualdimorphismus ist mittlerweile jedoch oft reduziert oder gänzlich verlorengegangen. So sind viele Kühe recht dunkel gefärbt. Die Hörner einiger Heckrinder gleichen denen von Auerochsen, obwohl sie im allgemeinen dünner und meist mehr nach außen gerichtet sind. Letztendlich unterscheidet sich das Heckrind in verschiedenen Punkten teilweise erheblich vom Auerochsen. Etwa sind die Beine oft nicht so lang wie bei der Wildform und der Schädel kürzer. Der Rumpf der bulligen Heckrinder ist oft „rechteckig“ anstatt athletisch gebaut wie beim Wildrind Ur, die kräftige Nacken- und Schultermuskulatur des Auerochsen, die heute vor allem bei Spanischen Kampfrindern noch zu sehen ist, fehlt dem Heckrind. Aufgrund dieser Unterschiede und der für schlecht befundenen Auswahl der Ausgangsrassen (u. a. Angler Rind, Niederungsrind, Steppenrind), wird das Heckrind in der wissenschaftlichen Literatur teilweise stark kritisiert. So bezeichnet Herre (1953) das Heckrind als wissenschaftlich wertlose Kreuzungszucht. Cis van Vuure, welcher in seinen Arbeiten den Erfolg bzw. Nichterfolg der Heckbrüder wissenschaftlich zu evaluieren versucht, kommt zu dem Schluss, dass dieses Rind in vielen Punkten als Restauration des Auerochsen unzureichend ist. Heute leben diese Heckrinder unter anderem in Oostvaardersplassen in den Niederlanden, wo die robusten Tiere in nahezu wildem Zustand große Herden bilden.

Mit Hilfe genetischer Information versucht das TaurOs Project um Henri Kerkdijk-Otten, das Erbmaterial des Auerochsen in heutigen Hausrinderrassen aufzuspüren und möglichst große Anteile davon in einer Zucht zu vereinigen. Dabei soll durch Kreuzungszucht basierend auf Primitivrassen wie Sayaguesa, Pajuna, schottisches Hochlandrind, Maremmana primitivo ein Rind entstehen, welches dem Auerochsen in phänotypischen Merkmalen und genetischer Ausstattung näher steht als andere Rinderrassen. Es bestehen Pläne, diese sogenannten TaurOs-Ochsen zukünfig so rasch wie möglich auszuwildern.

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