Portrait: Bison

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Bovinae
Tribus: Rinder (Bovini)
Gattung: Bisons (Bison) oder Eigentliche Rinder (Bos)
Art: (Amerikanischer) Bison (Bison bison oder Bos bison)
Waldbison (Tierpark Hellabrunn)

Waldbison (Tierpark Hellabrunn)

Der Bison ist ein Tier der Prärien und Wälder, das den nordamerikanischen Kontinent in zwei Unterarten bewohnt: Der Präriebison kam bis ins 19. Jahrhundert im offenen Grasland zwischen dem Großen Sklavensee und Mexiko, von den Rocky Mountains bis zum Mississippi River vor. Der Waldbison lebt in benachbarten Waldgebieten. Im Jahre 1915 wurde ein großer Nationalpark für Waldbisons, der Wood-Buffalo-Nationalpark in Kanada, zwischen Athabaskasee und großem Sklavensee geschaffen. Dort leben Waldbisons, die sich zum Teil mit eingeführten Präriebisons vermischt haben. Der Waldbison unterliegt dem Schutz durch das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen.

Der ausgesprochen kompakt und kräftig gebaute Bison erreicht eine Körperlänge von 220 bis 380 Zentimeter (Weibchen 220 bis 318 Zentimeter), eine Schwanzlänge von 3 bis 9 Zentimeter, ein Schulterhöhe von 152 bis 186 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1.000 Kilogramm. Weibchen bleiben allerdings etwa 10 Prozent kleiner und deutlich leichter als die Männchen. Ihr Gewicht beträgt nur rund 320 bis 545 Kg. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Rekordgewicht eines Bullen wurde mit 1.724 Kilogramm ermittelt.Der Körperbau ist besonders im vorderen Bereich sehr massig und wirkt hinten eher klein und schmächtig. Der sehr große und niedrig angeordnete Kopf mit seinem langen Bart und der Nacken- und Schultermähne verstärken diesen Eindruck. Insgesamt bleibt der Präriebison kleiner und leichter als der Waldbison.
Die Hörner wirken im Verhältnis zur Kopfgröße eher klein und zeigen nach innen. Bisons verfügen über ein dichtes braunes Fell, dass an einigen Körperstellen bis zu 30 Zentimeter lang sein kann. Zweimal im Jahr kommt es zu einem Fellwechsel. Das Winterfell wird im zeitigen Frühjahr abgeworfen, das Sommerfell wird im Spätherbst gewechselt. Das Fell an den Flanken weist eine Länge von etwa 2,5 Zentimeter auf, das Fell am Hinterteil und den Hüften etwa 5 bis 9 Zentimeter, im Bereich der Schultern 6,5 bis 16 Zentimeter, der Bart sogar bis zu 30 Zentimeter. Das Winterfell ist insgesamt dichter und länger.

Der Bison ernährt sich allgemein von Pflanzen. Darunter sind Gräser wie das Büffelgras, Kräuter, Moose und Flechten. Er benötigt zum Überleben wesentlich weniger Wasser als Rinder (bzw. verwertet es besser) und ist im Gegensatz zu Rindern temperaturresistent bis ca. minus 40 Grad Celsius (Rinder nur bis ca. minus 15 Grad).

Präriebison (Tierpark Haag)

Präriebison (Tierpark Haag)

Bisons leben außerhalb der Paarungszeit in kleinen geselligen Herden, die aus mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Männliche Jungtiere bleiben bis zu einem Alter von zwei bis drei Jahren in den Herden. Danach schließen sie sich für gewöhnlich Junggesellenherden an, die durchaus bis zu 30 Individuen umfassen können. Weibliche Jungtiere verbleiben in ihrer Geburtsherde. Ältere Bullen, meist ab einem Alter von sieben Jahren, leben einzelgängerisch und treffen nur während der Paarungszeit auf die Herden mit Weibchen.
Während dieser Zeit kommt es unter den Bullen zu heftigen Rivalenkämpfen.
Bisons sind ausgesprochen tagaktiv und ruhen während der Nacht.
Nicht alle Präriebisons wandern. Nur in trockenen Regionen der Prärie waren weite Wanderungen unerlässlich, um neue Weidegründe und Wasserstellen zu erschließen. Hierzu schlossen sich die einzelnen Herden außerhalb der Paarungszeit zu großen Wanderherden zusammen, die aus Tausenden von Tieren bestehen konnten. Die Wanderungen führten die Bisons über mehrere hundert Kilometer, ehe sie sich wieder auflösten, um in den ursprünglichen kleineren Herden weiterzuziehen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Wanderbewegungen. Nur in Alberta findet zweimal jährlich eine große Bisonwanderung über 250 Kilometer statt.

Die Geschlechtsreife wird je nach Ernährungszustand mit zwei bis vier Jahren erreicht. Beide Geschlechter erreichen die physische Geschlechtsreife in etwa zeitgleich. Jedoch kommen die Männchen meist erst im Alter von sechs Jahren zu ihrer ersten Paarung, da sie zu diesem Zeitpunkt ausgewachsen sind und in den Rivalenkämpfen bestehen können. Die Paarung wird im Sommer vollzogen. Dies ist in den meisten Regionen von Juni bis Juli der Fall. Während der Paarungszeit kommt es zwischen den Bullen zu heftigen Kämpfen, bei denen sie mit ihren Köpfen hart zusammenstoßen. Die Hörner werden dabei als Waffen eingesetzt. Nur die stärksten Bullen kommen bei den Weibchen zum Zuge. Nach einer Tragezeit von gut 285 bis 300 Tagen bringt ein Weibchen im April oder Mai des Folgejahres lediglich ein Kalb zur Welt. Die Geburt erfolgt abseits der Gruppe an geschützter Stelle. Das Jungtier hat ein Geburtsgewicht von 15 bis 25 Kilogramm und folgt bereits kurz nach der Geburt der Mutter. Das Fell des Jungtieres weist eine dunkelbraune Färbung auf. Bereits im Alter von zwei bis drei Monaten beginnt bei den Jungtieren das erste Winterfell zu wachsen. Die Säugezeit erstreckt sich über sieben bis acht Monate. Zu diesen Zeitpunkt wiegt ein Jungtier zwischen 135 und 180 Kilogramm, mit einem Jahr bereits 225 bis 315 Kilogramm. Präriebisons können ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen. In Gefangenschaft auch bis 25 bis 30 Jahre.

Waldbison (Tierpark Hellabrunn)

Waldbison (Tierpark Hellabrunn)

Um das Jahr 1900 galt der Waldbison fast als ausgerottet. Von etwa 170.000 Tiere blieben nur rund 250 Individuen am Leben. Nachdem die Tiere unter Schutz gestellt wurden, erholte sich der Waldbison bis heute auf rund 9.000. Die Bestände gelten als weitestgehend gesichert. Daher gilt die Unterart als nicht mehr als akut gefährdet. Die Hauptbedrohung geht heute von verschiedenen Krankheiten aus, die binnen kurzer Zeit große Teile der Populationen auslöschen können. Dazu gehört neben der Tuberkulose vor allem die Rinderbrucellose. Die Rinderbrucellose wird durch das Bakterium Brucella abortus ausgelöst. Dieses kann bei Rindern Fehlgeburten auslösen. Jeden Winter verlassen Hunderte Bisons auf der Suche nach Nahrung den Yellowstone-Nationalpark und dringen in die Rinderweiden Montanas ein. Die meisten von ihnen werden aus Angst vor einer Brucellose-Übertragung auf Rinder getötet. Im Winter 2005/06 wurden so etwa tausend Tiere getötet, beinahe ein Fünftel des Bestandes des Yellowstone-Nationalparks. Natur- und Tierschutzorganisationen setzen sich seit Jahren dagegen zur Wehr. Sie machen geltend, dass es bislang keinen gesicherten Fall einer Übertragung der Brucellose-Bakterien auf Rinder gebe. Wenn die Bison-Population im Yellowstone-Nationalpark mindestens 3000 Tiere beträgt, dürfen seit der Jahrtausendwende Bisons außerhalb des Parks getötet werden, ohne dass sie auf Rinderbrucellose getestet worden sind.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden durch Kreuzung des Amerikanischen Bison mit verschiedenen Hausrindrassen ein besonders widerstandsfähiger und pflegeleichter Misching. Das sogenannte Beefalo benötigt weniger Hilfe beim Kalben als Hausrinder, ist fruchtbarer, kälteresistenter und schädigt das Weideland weniger. Das Fleisch des Beefalo ist, ähnlich dem Bisonfleisch, magerer als das des Hausrindes.

Erstbeschrieben wurde der Bison von Carl von Linné in der 1758 erschienenen zehnten Auflage seines Werkes Systema Naturae. Linné stellte den Amerikanischen Bison zusammen mit den Hausrindern in die Gattung der Eigentlichen Rinder (Bos). Aufgrund von morphologischen Besonderheiten stellte C. Hamilton Smith im Jahr 1827 eine eigene Untergattung „Bison“ für den Amerikanischen Bison und sein europäisches Pendant, den Wisent, auf. 1849 erhob Charles Knight die von Smith geschaffene Untergattung in den Rang einer eigenen Gattung. Seither ist die genaue Stellung des Amerikanischen Bisons Gegenstand einer anhaltenden wissenschaftlichen Diskussion, was dazu geführt hat, dass unterschiedliche Werke den Bison entweder in die Gattung Bos oder in die Gattung Bison einordnen. So führt das Smithsonian National Museum of Natural History den Amerikanischen Bison in seiner Reihe Mammal Species of the World unter dem Gattungsbegriff Bison, während etwa das Museum of Texas Tech University in seiner Revised Checklist of North American Mammals North of Mexico den Gattungsbegriff Bos verwendet. Die Eingliederung in die Gattung Bos wird dabei durch molekulargenetische Untersuchungen aus dem Jahr 2004 unterstützt. Sie zeigten auf, dass der Amerikanische Bison und der Wisent keine gemeinsame Verwandtschaftsgruppe bilden. Vielmehr steht ersterer in einer näheren Beziehung zum Yak, letzterer bildet dagegen die Schwesterart des Auerochsen beziehungsweise dem Hausrind, wodurch die Gattung Bison paraphyletisch wird. Spätere Genanalysen konnten dies bestätigen, so dass die meisten jüngeren Systematiken den Amerikanischen Bison (und den Wisent) innerhalb der Eigentlichen Rinder führen.
Die weithin gebräuchliche Einteilung in die beiden Unterarten Präriebison (B. bison bison) und Waldbison (B. bison athabascae) ist ebenfalls Gegenstand einer wissenschaftlichen Debatte. Aufgrund von Unterschieden in der Skelettstruktur und äußeren Merkmalen – etwa der Körpergröße und der Beschaffenheit des Fells – stellte Samuel Rhoads im Jahr 1897 die Unterart des Waldbisons auf. Diese Einteilung in zwei Unterarten wurde in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1991 von Valerius Geist als unzulässig kritisiert; er fasst sie stattdessen als Ökotypen auf. Geist argumentiert, dass die von Rhoads ins Feld geführten morphologischen Unterschiede nicht ausreichten, um eine eigene Unterart B. bison athabascae zu rechtfertigen. Die Ansiedlung von Präriebisons unweit des Wood-Buffalo-Nationalparks in den Jahren 1925–1928 und die daraus resultierende Hybridisierung des Waldbisons mit dem Präriebison erschwert die Unterscheidung zusätzlich. Neuere genetische Untersuchungen kommen bisweilen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Gregory Wilson und Curtis Strobeck von der University of Alberta gelangten im Jahr 1999 bei DNA-Analysen von Tieren aus 11 unterschiedlichen Beständen wildlebender Bisons zu dem Schluss, dass die Unterschiede zwischen Wald- und Präriebisons größer sind, als diejenigen zwischen Tieren innerhalb beider Unterarten. Dagegen ergaben Untersuchungen einer Forschergruppe um Matthew Cronin von der University of Alaska Fairbanks aus dem Jahr 2013, dass die genetische Diversität zwischen domestizierten Rindern größer ist, als diejenige zwischen Wald- und Präriebisons.

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