Ausgestorbene Sperlingsvögel seit 1500 – Ameisenpittas, Maorischlüpfer, Honigfresser, Südeseegrasmücken

Ameisenpittas

Der Táchira-Ameisenpitta erreicht ein Länge von 17 Zentimeter. Die Oberseite ist braun, Haube und Nacken sind grau gefärbt. Der Mantel ist schwarz gebändert. Die Kehle und die Ohrendecken sind braun. Des Weiteren ist er durch einen weißen Wangenstreif charakterisiert. Der Unterkörper ist weißlich, die Flanken und die Brust sind grau gebändert.
Der Táchira-Ameisenpitta ist nur von vier Exemplaren bekannt. Im Februar 1955 entdeckte Ramon Urbano in der Terra typica bei Hacienda la Providencia am Rio Chiquita im südwestlichen Teil des venezolanischen Bundesstaates Táchira ein Männchen, das als Holotypus klassifiziert ist. Drei weitere Exemplare wurden 1955 und 1956 gesammelt. Trotz intensiver Suchen zwischen den Jahren 1990 und 1996 konnte die Art nicht mehr wiedergefunden werden. Die Region liegt im El Tamá National Park und brauchbarer Lebensraum ist noch vorhanden. Das Flusstal des Rio Chiquita wurde jedoch 1996 unterhalb der Höhenlage von 1600 Metern durch Kaffeeplantagen verändert.

Maorischlüpfer

Der Stephenschlüpfer kam in geschichtlicher Zeit nur mehr auf dem zwischen der neuseeländischen Nord- und Südinsel gelegenen Stephens Island (Neuseeland) vor und starb Ende des 19. Jahrhunderts aus.
Wie alle Maorischlüpfer ähnelte der Stephenschlüpfer den Zaunkönigen, ohne näher mit ihnen verwandt zu sein. Es war ein kleiner, gedrungener Vogel, sein Federkleid war olivgrün gefärbt und mit braunen Einsprenkelungen versehen. Er konnte nicht fliegen und hielt sich deshalb vorwiegend am Boden auf. Er dürfte dämmerungsaktiv gewesen sein und sich von Insekten ernährt haben.
Ursprünglich war die Art in weiten Teilen Neuseelands verbreitet, durch die Einschleppung der Pazifischen Ratte ist sie aber noch vor Ankunft der Europäer von den größeren Inseln dieses Landes verschwunden und hielt sich nur mehr auf Stephens Island. Das endgültige Aussterben wird oft als die Schuld eines einzigen Tieres angegeben, nämlich Tibbles, der Katze des Leuchtturmwärters David Lyall. Da Mr. Lyall ornithologisch interessiert war, fiel ihm auf, dass die Beute, die seine Katze ihm voller Stolz brachte, eine eigene Vogelart war. Es gilt heute jedoch als erwiesen, dass nicht eine einzige Katze Schuld am Aussterben dieser Art war. Vielmehr war es wohl die Schuld mehrerer verwilderter Katzen auf der Insel, die im Winter von 1895 die Art völlig ausrotteten. Elf der Beutestücke von Lyalls Katze liegen heute – „zerrupft und zerzaust“ wie sie waren – in verschiedenen Museen.

Der Waldschlüpfer erreichte eine Größe von 9 bis 10 Zentimetern und ein Gewicht von 16 Gramm. Er war ein kleiner, grünlicher Sperlingsvogel mit rundlichen Flügeln. Bei der Nominatform Xenicus longipes longipes war der dunkel- bis olivbraune Oberkopf mit einem weißlichen Überaugenstreif gekennzeichnet. Die Oberseite war unterschiedlich stumpf olivbraun oder grünlich. Die Schwungfedern hatten gelbliche Ränder. Der Bugfleck war schwarz. Der sehr kurze Schwanz war oliv. Der obere Kehlbereich war weißlich, die Unterseite bräunlichgrau und die Flanken waren gelblich. Der feine Schnabel war bräunlichschwarz. Die langen Beinen waren schieferschwarz. Die Füße waren hellbraun.
Die Geschlechter sahen gleich aus. Über die Jungvögel ist kaum etwas bekannt; offenbar sahen sie stumpfgefärbten Erwachsenen ähnlich, wobei die Oberseite feine helle Strähnen aufwies und die Unterseite hell gefärbt war. Über die Rasse Xenicus longipes stokesii ist nur wenig bekannt. Allem Anschein nach war sie an den Nacken- und Brustseiten bläulicher als die Nominatform. An den Flanken war ein hellgelber Fleck zu erkennen. Die Unterart Xenicus longipes variabilis war bräunlicher als die Nominatform. Der Überaugenstreif war stumpfer und weniger ausgeprägt. Die Stimme bestand aus leisen Trillern und schnarrenden Rufen.
Der meist in größeren Höhen gelegene Lebensraum bestand aus von Scheinbuchen dominierten Strandwäldern, Steineiben-Laubwäldern, Küstenwäldern sowie aus Buschland.
Die Nahrung des Waldschlüpfers bestand hauptsächlich aus Gliederfüßern, häufig aus Käfern, die meist von Blättern, Zweigen, Rindenspalten oder Epiphyten gesammelt wurden. Er ging oft auf dem Waldboden auf Nahrungssuche und bewegte sich rasch durch Laub, Moose oder Flechten.
Über das Brutverhalten ist nur wenig bekannt geworden. Die Brutzeit war zwischen November und Dezember. Das Nest war ein Ball aus Farnblättern und Würzelchen, das mit Federn ausgepolstert wurde. Es befand sich meist in Bodennähe in Hohlräumen, aber manchmal auch in einer Astgabel. Ein gefundenes Nest der Nominatform war beutelförmig. Das Gelege bestand aus zwei Eiern. Beide Eltern teilten sich das Brutgeschäft und die Jungenaufzucht.
Der Waldschlüpfer starb im 20. Jahrhundert in Folge von Habitatvernichtung und der Nachstellung durch eingeführte Beutegreifer wie Marder und verwilderte Katzen sowie durch Ratten aus. Die einzigen verbürgten Nachweise der Nordinsel-Unterart X. l. stokesii seit 1900 erfolgten auf Kapiti Island im Jahre 1911, in der südlichen Rimutaka Range im Jahre 1918 und zuletzt 1955 nahe dem Lake Waikaremoana. Eine weitere mögliche Sichtung soll es am 13. Juni 1949 nahe dem Lake Waikareiti und einige unbestätigte Sichtungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Huiarau Range gegeben haben. Von diesem Taxon gibt es nur drei Exemplare in den Museumssammlungen.
Die Nominatform X. l. longipes war einst auf der gesamten Südinsel verbreitet. Nach der Besiedelung Neuseelands durch die Europäer im 19. und 20. Jahrhundert nahm der Bestand so rapide ab, dass der Waldschlüpfer bereits 1950 sehr selten war. Die letzten Nachweise gab es 1966 am Arthur’s Pass und im Januar 1968 im Nelson-Lakes-Nationalpark, wo zwei Exemplare beobachtet wurden.
Die Unterart X. l. variabilis war noch in den 1930er-Jahren auf Stewart Island und dessen Nachbarinseln weit verbreitet. Die letzte bestätigte Sichtung auf Stewart Island erfolgte 1950 und die letzte unbestätigte Sichtung 1951. 1961 kam die Rasse nur noch auf Big South Cape Island vor. Um diese Unterart vor dem Aussterben zu bewahren, wurden sechs Exemplare auf die nahegelegene Insel Kaimohu gebracht. 1964 wurde die Population auf Big South Cape Island durch Hausratten ausgelöscht. Die letzten bestätigten Nachweise stammen aus den Jahren 1967 und 1972. Trotz intensiver Suchen seit 1977 wurde das Taxon nicht mehr nachgewiesen und im Jahre 2000 von BirdLife International für ausgestorben erklärt.

Honigfresser

Der Chatham-Glockenhonigfresser erreichte eine Größe von 25 Zentimetern. Die Flügellänge betrug 110 mm, die Schwanzlänge 110 mm, die Schnabellänge 17 mm und die Lauflänge 38 mm. Er war größer als der Maori-Glockenhonigfresser und sein Kopf war dunkler. Das Gefieder des Männchens war an der Oberseite überwiegend olivgrün. Der Bauch und die Flanken waren heller. Die Stirn und der Scheitel waren stahlblau. Auf den Kopfseiten und der Kehle ging die Färbung in ein Purpurblau über. Die Schwung- und Schwanzfedern waren schwarzbraun mit olivgrünen Rändern. Die Iris war gelb. Der Schnabel war schwarz, die Beine waren braun. Das Weibchen war kleiner und zeigte eine dunklere Kopf-, Bürzel- und Unterseitenfärbung als das Männchen. Der Gesang war reichhaltiger und voller als der des Maori-Glockenhonigfressers.
Der Chatham-Glockenhonigfresser bewohnte die Wälder der drei zu den Chatham-Inseln gehörenden Inseln Chatham Island, Mangere Island und Little Mangere Island.
Über seine Lebensweise gibt es keine detaillierten Angaben. Vergleiche mit dem Maori-Glockenhonigfresser lassen jedoch die Vermutung zu, dass die Nahrung aus Blütenhonig, Beerenfrüchten und Insekten bestand.
Der neuseeländische Paläontologe und Vogelsammler Williams Hawkins schrieb 1896: „Dieser Vogel ist fast ausgestorben. Ich habe keine Schwierigkeiten damit, einen Balg für £1 das Stück zu verkaufen, so habe ich eifrig nach den Vögeln gesucht. Aber es ist sehr schwierig geworden, noch welche von ihnen zu fangen.“ Die letzten Exemplare wurden 1906 auf Little Mangere Island beobachtet. Nachdem unbestätigte Sichtungen in den 1950er-Jahren bekannt wurden, besuchte der neuseeländische Ornithologe Logan Bell 1961 die Chatham-Inseln, wo er jedoch kein Exemplar mehr nachweisen konnte. Die genauen Ursachen für das Aussterben des Chatham-Glockenhonigfressers sind unbekannt, laut IUCN war wahrscheinlich eine Kombination aus Lebensraumzerstörung, Prädation durch eingeführte Hauskatzen und Ratten und zu intensiver Erbeutung für Museumssammlungen ausschlaggebend. Museumsexemplare werden in Bremen, Berlin und Frankfurt am Main aufbewahrt.

Südseegrasmücken

Lord-Howe-Gerygone (Henrik Gronvold)

Lord-Howe-Gerygone (Henrik Gronvold)

Die Lord-Howe-Gerygone, auch als Lord-Howe-Graubuschpfeifer bezeichnet, erreichte eine Größe von 12 Zentimetern. Der Oberkopf war einheitlich braun. Die Ohrdecken waren hellgrau. Ein kleiner Augenbrauenstrich erstreckte sich oberhalb der Zügel. Um die rosa Iris verlief ein hellgrauer Augenring. Kinn und Kehle waren ebenfalls hellgrau mit einem schwachen gelblichen Anflug. Der Hals und die Oberseite waren braun. Am Bürzel ging die Färbung in ein gelblichbraun über. Die Kehle war hellgrau-weiß mit einer gelblichen Tönung. Der Bauch war kräftig strohgelb. Der Schwanz war an der Basis olivbraun und ging zum Schwanzende hin in ein schwarz über. Die vier äußeren Schwanzfedernpaare zeigten nahe der Schwanzspitzen weiße Flecken. Der Unterschwanz war weiß. Der Schnabel war grau-schwarz. Die Beine und die Füße waren blau-grau.
Über die Lebensweise der Lord-Howe-Gerygone ist fast nichts bekannt geworden. Von den Insulanern wurde sie als „rainbird“ (Regenvogel) bezeichnet, da sie besonders nach Regenfällen aktiv war.
Bei ihrer Entdeckung wurde die Lord-Howe-Gerygone als ziemlich häufig beschrieben. Während einer Rattenplage, die sich ab 1918 auf der Lord-Howe-Insel ausbreitete, wurden die Bestände so drastisch dezimiert, dass diese Art 1928 zum letzten Mal nachgewiesen wurde. Bei einer Suche im Jahre 1936 konnte die Lord-Howe-Gerygone nicht wiederentdeckt werden.

Ausgestorbene Vögel seit 1500 – Sperlingsvögel (Übersicht)

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