Ausgestorbene Vögel seit 1500 – Seglervögel, Bucerotiformes, Rackenvögel, Spechtvögel, Kuckucksvögel

Kolibris

Die Kupferfadenelfe ist eine wenig bekannte Vogelart aus der Familie der Kolibris. Sie ist nur durch die Bälge zweier Männchen bekannt, die vor 1852 gesammelt wurden. Diese Kolibris, deren Herkunftsort nur sehr ungenau mit Nordost-Bolivien angegeben wurde, geben den Forschern bis heute Rätsel auf. Nach Meinung von Forschern könnte es sich um eine Varietät oder um immature Exemplare der Diskuselfe, um eine Hybride oder um eine vermutlich ausgestorbene Art handeln. Bis zur endgültigen Klärung über die Validität dieses Taxons wird die Kupferfadenelfe von der IUCN in die Kategorie DD (Data deficient = Unzureichende Datenlage) gelistet.
Die Länge der beiden Bälge wird mit neun Zentimetern angegeben. Der kurze gerade Schnabel ist schwarz. Die Haube ist irisierend smaragdgrün. Die Oberseite ist bronzegrün mit einem weißen Band über dem Bürzel. Die Kehle weist eine irisierende smaragdgrüne Zeichnung auf. Der dunkle Bauch ist grünlich verwaschen. Die Flanken sind bronzegrün. Der Schwanz ist lang und gegabelt. Die äußeren Steuerfedern sind schmal und purpurschwarz. Die Schäfte von allen Steuerfedern sind weißlich. Informationen über die Weibchen, Lebensweise, Vorkommen und Lebensraum sind nicht vorhanden.

Chlorostilbon bracei ist eine ausgestorbene Kolibri-Art, die auf New Providence, der Hauptinsel der Bahamas heimisch war.
Die Körperlänge betrug 9,5 cm, die Flügellänge 11,4 cm und die Schwanzlänge 2,7 cm. Der schwarze Schnabel war leicht gekrümmt und konisch zugespitzt. Die Füße waren schwarz. Der Rücken wies eine bronzegrüne Färbung mit einem goldenen Schimmer auf. Der Kopf war ähnlich dem Rücken gefärbt, besaß allerdings keinen Goldschimmer. Direkt hinter den Augen befand sich ein weißer Fleck. Die Kehle schimmerte in prachtvollen blaugrünen Tönen. Am Bauch waren die Federn grün und besaßen aschgraue Spitzen. Die Flügel wiesen einen violetten Farbton auf. Die Schwanzfedern waren grünlich. Die Unterschwanzdecken waren grau mit einer schwachen zimtfarbenen Tönung an den Rändern.
Chlorostilbon bracei war über 100 Jahre nur durch ein einzelnes männliches Exemplar bekannt, dass der amerikanische Vogelsammler Lewis Jones Knight Brace am 13. Juli 1877 ca. 4,8 km von Nassau entfernt im Binnenland von New Providence erlegte. Der Balg, der an der Kehle stark beschädigt ist, befindet sich heute im Smithsonian Institution. Dieser kleine Kolibri wurde lange Zeit von der Fachwelt ignoriert. 1880 wurde die Art ohne Kommentar als Synonym für den Kubasmaragdkolibri gelistet. Bis in die 1930er Jahre wurde der einmalige Status des Holotypus überhaupt nicht berücksichtigt und man sah ihn als Exemplar des Kubasmaragdkolibris an, das nur zufällig auf New Providence gestrandet war. 1945 listete ihn der amerikanische Ornithologe James Bond als Unterart Chlorostilbon ricordii bracei und machte damit erstmalig auf die Unterschiede zwischendem Kubasmaragdkolibri und Chlorostilbon bracei aufmerksam. Im Gegensatz zur kubanischen Rasse war das Exemplar von New Providence kleiner, hatte einen längeren Schnabel und ein abweichendes Gefieder. 1982 machten die beiden Paläontologen William Hilgartner und Storrs Lovejoy Olson bei Forschungsarbeiten in einer Höhle auf New Providence eine sensationelle Entdeckung. Sie fanden fossile Knochen aus dem Pleistozän von drei verschiedenen Kolibriarten. Die drei Arten waren der fossile Riesenkolibri Philodice evelynae, Chlorostilbon ricordii und eine Art, die man später als Chlorostilbon bracei identifizierte. Da sich die Knochenfunde von Chlorostilbon ricordii und Chlorostilbon bracei stark unterschieden, war nun bewiesen, dass Brace eine neue Vogelart entdeckt hatte, die seit dem Pleistozän auf New Providence lebte. Sie bildete eine Reliktpopulation und starb vermutlich durch Lebensraumverlust und menschliche Störungen Ende des 19. Jahrhunderts aus.

Chlorostilbon elegans ist eine wenig bekannte ausgestorbene Kolibriart, die 1860 von John Gould unter dem Namen Erythronota elegans beschrieben und gezeichnet wurde. Sie ist nur von einem einzigen Exemplar unbekannter Herkunft bekannt, das im Walter Rothschild Zoological Museum in Tring aufbewahrt wird. Nach Goulds Beschreibung hatte der Kolibri eine glitzernd hellgrüne Haube. Kehle und Brust waren bronzegrün. Chlorostilbon elegans galt lange als zweifelhafte Art. Erst nach einer Untersuchung des Museumsexemplares durch den deutschen Ornithologen André-Alexander Weller im Jahre 1999 wurde Chlorostilbon elegans als valide Art anerkannt und 2004 von der IUCN in die Liste der ausgestorbenen Vogelarten aufgenommen. Weller vermutet Jamaika oder die nördlichen Bahamas als Herkunftsgebiet der Art.

Die Smaragdkehl-Sonnennymphe (Heliangelus zusii) ist eine kryptische Vogelart unbekannter Herkunft. Sie ist nur durch ein Museumspräparat bekannt, das im Jahre 1909 in Bogotá, Kolumbien durch Kauf erworben wurde. Die IUCN stuft die Art in die Kategorie „unzureichende Datenlage“ (Data Deficient ) ein.
Die Smaragdkehl-Sonnennymphe erreicht eine Körperlänge von etwa 12 Zentimetern. Der gerade, schwarze Schnabel des einzigen existierenden Exemplars ist 15,1 Millimeter lang. Der Körper des Vogels ist dunkel schwarzblau. Dabei hat er einen stark gabelförmige violetten Schwanz. Der Scheitel und die Kehle sind strahlend grün.
Bisher gibt es nur Spekulationen über den Lebensraum dieser Art. Die Gattung Heliangelus kommt gewöhnlich in Nebelwäldern und Gegenden mit Gestrüpp in Höhen zwischen 1.200 und 3.400 Metern, meist jedoch zwischen 1.400 und 2.200 Metern, vor. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass auch diese Spezies ähnliche Lebensräumen bewohnt oder bewohnte.
Im Jahr 1947 schickte Bruder Hermano Nicéforo María ein spektakuläres taxidermisches Präparat eines Kolibris an Rodolphe Meyer de Schauensee an der Academy of Natural Sciences of Philadelphia (ANSP) mit der Bitte um Identifikation. Es kam zu heftigen Diskussionen über das Präparat. Oft herrschte die Meinung vor, dass es sich hierbei um eine Hybride handeln müsste. James Lee Peters stufte das Taxon 1947 als Hybride zwischen den Gattungen Aglaiocercus und Heliangelus ein. John Todd Zimmer vom American Museum of Natural History (AMNH) meinte, es könnte sich um eine Hybride aus Langschwanzsylphe und Grünkehl-Sonnennymphe handeln. Alexander Wetmore klassifizierte Heliangelus zusii 1947 als eigenständige Spezies. Meyer de Schauensee identifizierte es als mögliche Hybride aus Purpur-Glanzschwänzchen und der Hybride Zodalia thaumasta. Christoph Hinkelmann u.a. synonymisierten Heliangelus zusii 1991 mit dem heute invaliden Taxon Neolesbia nehrkorni. Auch im South American Classification Committee (SACC) gibt es kein eindeutiges Meinungsbild über den taxonomischen Status diese Kolibris. Der erste Anlauf im Jahre 2003 für eine Aberkennung oder Beibehaltung des Artstatus schlug ebenso fehl, wie ein zweiter Anlauf im Jahre 2007.Neue DNA Analysen aus dem Jahr 2010 zeigen, dass es sich um eine gültige Art handelt.

Der Türkiskehl-Höschenkolibri erreichte eine Länge von 10 bis 11 Zentimetern. Das Gefieder war bei den Männchen überwiegend grün gefärbt mit einer violett-blauen Kehle. Beide Geschlechter besaßen violett-blaue Unterschwanzdecken und einen geraden schwarzen Schnabel. Die Oberseite und der größte Teil der Unterseite schimmerte bei den Männchen goldgrün. Hinterteil und Oberschwanzdecken waren bläulich grün gefärbt. Die Kehle wies eine blasse violettblaue Tönung auf und der gegabelte Schwanz war bläulich schwarz. Bei den Weibchen fehlte die Kehlzeichnung, das Gefieder war weniger hell und der Bauch hatte eine intensivere Goldfärbung. Wie bei allen Wollhöschen waren die Beine mit geplusterten weißen Federbüscheln bedeckt.
Der Türkiskehl-Höschenkolibri war in Ecuador am Guayllabamba südlich von Perucho in der Pichincha-Provinz im Norden des Landes verbreitet. Zwei weitere Exemplare stammen vermutlich aus Pasto in der südlichen Nariño-Provinz in Kolumbien.
Dieser Kolibri ist nur in sechs Exemplaren bekannt, die im 19. Jahrhundert gefunden wurden. Vier stammen aus Ecuador und zwei Bälge wurden in Bogotá, Kolumbien erworben. Das Buschland in seiner ursprünglichen Heimat im Guayllabamba-Tal ist komplett zerstört. Nach einer unbestätigten Sichtung im Jahre 1976 gab es 1980 eine intensive Suche, die jedoch kein Ergebnis brachte.

Wiedehopfe

Der St.-Helena-Wiedehopf ist ein ausgestorbener Vogel aus der Familie der Wiedehopfe. Er war endemisch auf der Insel St. Helena im Südatlantik. Aufgrund der subfossilen Knochenfunde geht man davon aus, dass er wesentlich größer war, als seine europäischen und afrikanischen Verwandten. Zudem war er vermutlich nur geringfügig flugfähig. Den ersten Nachweis über diese Art gab es 1963 durch den britischen Zoologen Philip Ashmole. Er entdeckte in den Dry-Gut-Ablagerungen im Osten St. Helenas einen linken Humerus, der sich stark von dem anderer Wiedehopfarten unterschied. Das Skelett, das 1975 vom Paläontologen Storrs Lovejoy Olson gefunden wurde, bestand aus einem unvollständigen Schädel mit einem vollständig erhaltenen Unterkiefer, der linken Ulna, den beiden Rabenbeinen und dem linken Oberschenkelknochen. Die Gründe für sein Aussterben sind unklar. Er starb im frühen 16. Jahrhundert aus und war offenbar ein Opfer von Überjagung und eingeführten Säugetieren.

Eisvögel

Der Ryūkyū-Liest von den Ryūkyū-Inseln wurde ursprünglich als eigenständige Art beschrieben, stellt nach heutiger Forschermeinung eine Unterart des Zimtkopfliestes dar. Er wurde nur einmal von Wissenschaftlern im Jahre 1887 nachgewiesen, das vorhandene Museumsexemplar ist etwas beschädigt und macht deshalb eine Molekularanalyse schwierig.

Spechte

Der Kaiserspecht ist der größte Specht der Welt.
Er ist ebenso wie der nahe verwandte Elfenbeinspecht schwarz-weiß-gemustert, das Männchen mit spitzer schwarz-roter, das Weibchen mit spitzer schwarzer Haube. Im Unterschied zu diesem ist er mit bis zu 60 cm deutlich größer und besitzt keinen weißen Streif beidseits des Halses.
Der Kaiserspecht war im nordwestlichen Hochland Mexikos verbreitet, vom westlichen Sonora und Chihuahua bis südlich nach Jalisco und Michoacan. Er besiedelt die Kiefer-/Eichenwälder in einer Höhe zwischen 1700 und 3100 m ü. NN.
Der letzte sichere Nachweis aus dem Freiland stammt aus dem Jahr 1956, ein weiterer nach dem Eintrag des Naturhistorischen Museums Wien von 1993. Anschließend sind nur noch unsichere Meldungen aus dem Hochland Nordwestmexikos bekannt geworden (bis 2005). Insbesondere durch die Zerstörung seines natürlichen Lebensraums durch Abholzung der alten, totholzreichen Eichen- und Kiefernbestände kam es zur Auslöschung der Population.

Elfenbeinspecht (Brehms Tierleben)

Elfenbeinspecht (Brehms Tierleben)

Der Elfenbeinspecht ist der zweitgrößte Specht Nordamerikas.
Er ist schwarz-weiß-gemustert, hat eine rote Haube und einen elfenbeinfarbenen Schnabel. Er ist zwischen 48 und 53 cm groß und hat eine Flügelspannweite von etwa 76 cm. Das Gewicht eines Elfenbeinspechts beträgt 450-570 Gramm. Elfenbeinspechte werden etwa 15 Jahre alt. Sein Lebensraum ist das Totholz in Wäldern, oftmals auf sumpfigem Grund.
Bereits um 1880 war er bedroht. Um 1920 galt er als ausgestorben, wurde aber 1944 in den Wäldern von Louisiana gesichtet. Auf Kuba wurde die Art zuletzt 1987 beobachtet. 1994 wurde er daher von der World Conservation Union für ausgestorben erklärt. 1998 fand eine Expedition in der Sierra Maestra Hinweise auf eine kleine Population, ohne jedoch direkt Elfenbeinspechte beobachten zu können. 2004 jedoch beobachtete ein Kanufahrer in einem Naturschutzgebiet in Arkansas den Vogel angeblich erneut. Beweise für die Existenz mindestens eines Vogels im Cache River National Wildlife Refuge (Arkansas), die Forscher der Cornell-Universität im April 2005 vorlegten, sind in der Fachwelt umstritten, so dass im Augenblick keine abschließende Erklärung über den Status der Art erfolgen kann. Im Mai 2006 wurde ein Preisgeld von 10.000 US-Dollar für den jenigen ausgesetzt, der einen fotografischen Beweis über die weitere Existenz des Elfenbeinspechtes erbringt. Das neueste Projekt zur Aufklärung, ob das Vorkommen einer Population in den Sümpfen von Arkansas tatsächlich zutrifft, wird über eine chipgesteuertes Kamera-Überwachung versucht. Da bis Mai 2007 weitere Suchen der Cornell University erfolglos blieben, befürchten viele Wissenschaftler, dass der Elfenbeinspecht tatsächlich ausgestorben ist.
Bälge des Elfenbeinspechts sind in europäischen Einrichtungen selten, finden sich aber beispielsweise im Museum Heineanum in Halberstadt, im Naturhistorischen Museum Wien, im Berliner Naturkundemuseum und im Überseemuseum Bremen.

Kuckucke

Delalande-Seidenkuckuck (Bocourt et Fagnet)

Delalande-Seidenkuckuck (Bocourt et Fagnet)

Der Delalande-Seidenkuckuck ist eine ausgestorbene Kuckucksart, die nach dem französischen Naturforscher Pierre Antoine Delalande benannt wurde.
Der Delalande-Seidenkuckuck erreichte eine Größe von 56 Zentimetern. Die Flügellänge betrug 217 bis 226 mm. Der Schwanz war mit 256 bis 300 mm sehr lang. Die Oberseite war dunkelblau, die Unterseite weiß und kastanienfarben. Der Kopf war dunkelviolett. Die nackte hellblaue Gesichtshaut war von einem schwarzen Federkranz umgeben. Der Rücken war blau. Der Schwanz war blau mit einem grünlichen Schimmer. Die äußeren Schwanzfedern hatten weiße Spitzen. Die Kehle und die Oberbrust waren weiß, der Bauch kastanienfarben. Schnabel, Beine und Füße waren schwarz. Die Iris war braun. Wie die anderen Arten der Seidenkuckucke war er nicht parasitär.
Der Delalande-Seidenkuckuck war endemisch im Regenwald der Insel Nosy Boraha (fr.: Île Sainte-Marie) nordöstlich von Madagaskar. Auf dem madagassischen Festland selbst wurde er nie nachgewiesen.
Das nachweislich letzte Exemplar des Delalande-Seidenkuckucks wurde 1834 von J. A. Bernier für das Muséum national d’histoire naturelle in Paris gesammelt. Zerstörung des Lebensraumes und Überjagung sind vermutlich die Hauptgründe für sein Aussterben. Die Kuckucke wurden ihrer begehrten Federn wegen gejagt, in dem man sie in Schlingen fing. Nachdem in den 1920er-Jahren Gerüchte über die weitere Existenz des Delalande-Seidenkuckucks in den Regionen von Fito und Maroantsetra auftauchten, unternahm der französische Zoologe Louis Lavauden 1932 eine Suchaktion, die jedoch fehlschlug. 1937 wurde die Art schließlich auf Vorschlag des Ornithologen Austin Loomer Rand für „ausgestorben“ erklärt. Heute befinden sich 13 Exemplare in den Museen von London, Paris, Leiden, Liverpool, New York, Cambridge (Massachusetts), Brüssel, Tananarive, Stuttgart und Wien.

Ausgestorbene Vögel seit 1500 – Steißhühner und Laufvögel
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Ausgestorbene Vögel seit 1500 – Lappentaucher, Pelecaniformes, Suliformes, Röhrennasen, Regenpfeiferartige
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