Portrait: Varis

Varis sind die größten Mitglieder der Familie der Gewöhnlichen Makis. Die zwei Farbvarianten, Roter Vari und Schwarzweißer Vari, wurden traditionell als Unterarten geführt, in jüngerer Literatur werden sie aber meist als eigene Arten bezeichnet.

Schwarzweißer Vari (Zoo Schmiding)

Schwarzweißer Vari (Zoo Schmiding)

Schwarzweiße Varis erreichen eine Kopfrumpflänge von 43 bis 57 Zentimetern, ihr Schwanz wird 60 bis 65 Zentimeter lang. Ihr Gewicht beträgt 2,6 bis 4,1 Kilogramm. Der Kopf ist durch die lange, hundeähnliche Schnauze mit der langen Zunge sowie durch die Ohrbüschel und die Halskrause charakterisiert. Der lange Schwanz ist dicht behaart. Ihr Fell ist schwarz-weiß gemustert, die Färbung ist nach Verbreitungsgebiet variabel. Generell sind der Schwanz, die Hände und Füße, die Innenseite der Gliedmaßen, die Schultern, das Gesicht und die Oberseite des Kopfes schwarz, während Teile des Rückens, die Flanken und die Außenseite der Hinterbeine weiß sind. Weiß sind auch die Ohrbüschel und die Halskrause. Von Norden nach Süden nimmt der Weißanteil am Rücken zu und der Schwarzanteil ab, diese Unterschiede haben zur Beschreibung dreier Unterarten geführt, deren taxonomischer Stand aber umstritten ist. Bei der nördlichen Unterart, Varecia varecia subcincta, ist der Rücken überwiegend schwarz, nur die Schulterregion ist weiß. Bei der mittleren Unterart, V. v. editorum, ist der Rücken bis auf eine sattelförmige Zeichnung an den Schultern überwiegend weiß, und bei der südlichen Unterart V. v. variegata sind nur kleine Flecken an den Schultern schwarz und der Rest des Rückens und Rumpfes weiß.
Rote Varis erreichen eine Kopfrumpflänge von 50 bis 55 Zentimetern, wozu noch ein 60 bis 65 Zentimeter langer Schwanz kommt. Ihr Gewicht beträgt etwa 3,5 bis 4 Kilogramm. Ihr Fell ist am Rücken und an den Beinen rot bis rotbraun gefärbt, der Bauch, die Füße, der Schwanz und das Gesicht sind schwarz. Der Nacken ist weiß, ebenso können bei einigen Tieren weiße oder hellgelbe Flecken an den Knöcheln, am Rumpf oder an der Schnauze vorhanden sein. Ihr Kopf ist durch die lange, hundeartige Schnauze mit der langen Zunge und die roten Ohrbüschel charakterisiert.

Schwarzweiße Varis bewohnen die Regenwälder im Osten Madagaskar. Sie kommen vom Meeresspiegel bis in 1300 Meter Seehöhe vor, ihr Verbreitungsgebiet ist heute stark verkleinert und zersplittert.
Rote Varis kommen ausschließlich auf der Masoala-Halbinsel im nordöstlichen Madagaskar vor. Ihr Lebensraum sind primäre Regenwälder, wo sie bis zu 1000 Meter Seehöhe vorkommen.

Die Varis sind Baumbewohner, die vorwiegend am Tag, insbesondere am frühen Morgen und am späten Nachmittag aktiv sind. Sie bewegen sich im Geäst eher langsam fort, können Distanzen aber auch springend überbrücken. Das Sozialverhalten ist variabel, in manchen Gebieten leben sie vorwiegend in Familiengruppen aus 2 bis 5 Tieren, manchmal bilden sie aber auch größere Gruppen aus bis zu 16 Tieren. Sie kommunizieren mit lauten Rufen, die überwiegend abends zu hören sind.

Die Nahrung der Varis besteht vorwiegend aus Früchten, daneben nehmen sie aber auch Blätter und Nektar zu sich. Bei der Nahrungssuche klammen sie sich manchmal mit den Füßen fest und hängen kopfunter in den Bäumen, um an schwer erreichbare Früchte heranzukommen. Mit ihren langen Zunge lecken sie auch Nektar, dabei spielen sie eine wichtige Rolle bei der Bestäubung, etwa beim Baum der Reisenden. Bei der Nahrungsaufnahme hängen sie manchmal kopfunter an den Ästen und halten sich nur mit den Hinterbeinen fest.

Roter Vari (Tierpark Hellabrunn)

Roter Vari (Tierpark Hellabrunn)

Weibliche Varis haben im Gegensatz zu anderen Gewöhnlichen Makis drei Paar Zitzen. Nach einer 90- bis 100-tägigen Tragzeit bringt das Weibchen im September oder Oktober meist Zwillinge, in manchen Fällen aber bis zu vier Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt in einem gut versteckten Nest in den Bäumen, später werden die Jungen dort auch „geparkt“, wenn die Mutter auf Nahrungssuche geht. Nach vier bis fünf Monaten werden sie entwöhnt, nach zwei bis drei Jahren sind sie geschlechtsreif.

Schwarzweiße Varis zählen zu den bedrohten Arten, die Gründe dafür liegen einerseits in der Zerstörung ihres Lebensraumes durch Brandrodungen, Abholzungen und den Bergbau. Andererseits zählen sie zu den am häufigsten bejagten Lemurenarten, ihre großen Ausmaße, ihre Tagaktivität und ihre lauten Rufe machen sie zu einem leichten Ziel für Jäger. Die IUCN schätzt, dass die Gesamtpopulation in den letzten 27 Jahren um über 80 % zurückgegangen ist und listet die Art als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered).
Auch Rote Varis zählen zu den bedrohten Arten. Die Hauptgefahr stellt die Zerstörung ihres Lebensraumes dar, hinzu kommt die Bejagung wegen ihres Fleisches. Mit der Errichtung des Masoala-Nationalparks 1997 ist zumindest ein Teil ihres Verbreitungsgebietes geschützt worden. Die IUCN listet die Art als „stark gefährdet“ (endangered).

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