Unterarten des Wildschweins

Mitteleuropäisches Wildschwein (Bergtierpark Blindham)

Mitteleuropäisches Wildschwein (Bergtierpark Blindham)

Neben der Nominatform des Wildschweins wurden eine Reihe von Unterarten beschrieben. Diese werden anhand der Basilarlänge des Schädels und der Größenverhältnisse des Tränenbeins differenziert. Die Länge des Tränenbeins nimmt von Westen nach Osten ab und seine Höhe nimmt zu. Der gesamte Schädel wird dabei kürzer und höher. Die nördlicheren und nordwestlicheren Arten haben außerdem eine zunehmend dichtere und längere Behaarung. Auf Inseln lebende Wildschweine sind generell kleiner.

Folgende Unterarten werden unterschieden:
Sus scrofa scrofa – die Nominatform, die in West- und Mitteleuropa bis zu den Pyrenäen und Alpen sowie bis zum Nordwesten der Slowakei verbreitet ist. Die Unterart ist mittelgroß, dunkel mit rostbraunem Fell.
Sus scrofa castillianus – ist die auf der iberischen Halbinsel verbreitete Unterart.
Sus scrofa meridionalis – war die auf Korsika und Sardinien beheimatete Unterart. Sie gilt mittlerweile als ausgerottet.
Sus scrofa majori – die auf der italienischen Halbinsel verbreitete Unterart. Sie ist verhältnismäßig klein und dunkel. Im Norden Italiens ist sie mittlerweile von der Nominatform verdrängt.
Sus scrofa reiseri – aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.
Sus scrofa barbarus – die mittlerweile selten gewordene Unterart, die ursprünglich in Marokko, Algerien und Tunesien verbreitet war.
Sus scrofa sennaarensis – war in Ägypten und im Sudan beheimatet, ist inzwischen ausgestorben.
Sus scrofa libycus – war von der Südtürkei bis nach Israel und Palästina verbreitet, ausgestorben.
Sus scrofa attila – ist die im Kaukasus, in Südosteuropa, Kleinasien, Nordpersien und entlang der Nordküste des Kaspischen Meeres beheimatete Unterart, die größer und schwerer als die mitteleuropäische Unterart wird. Das Fell ist dagegen etwas heller.
Sus scrofa nigripes – ist die mittelasiatische Unterart, die in Kasachstan, Südsibirien, dem östlichen Tianshan, der Westmongolei und möglicherweise in Afghanistan und dem Südiran verbreitet ist. Die Unterart ist im Durchschnitt recht groß, zeigt aber diesbezüglich eine große Variationsbreite. Die helle Fellfarbe kontrastiert mit den schwarzen Beinen.
Sus scrofa sibiricus – die im Baikalgebiet sowie der nördlichen Mongolei lebende Unterart. Sie gilt als eine verhältnismäßig kleine Unterart. Die Fellfärbung ist dunkelbraun, beinahe schwarz.
Sus scrofa ussuricus – das so genannte „Ussurische Wildschwein“, das zu den größten Unterarten zählt. Die Grundfärbung ist variabel, meist aber dunkel, vom Maul zum Ohr zieht sich ein weißes Band. Bewohnt das Amur- und Ussurigebiet.
Sus scrofa leucomystax – ist das in Japan lebende Wildschwein.
Sus scrofa riukiuanus – das als gefährdet eingestufte Wildschwein der Ryukyu-Inseln im Südwesten Japans.
Sus scrofa cristatus – das Indische Wildschwein ist die in Indien und Indochina lebende Unterart, die einen verkürzten Gesichtsschädel hat.
Sus scrofa vittatus – auf den Sunda-Inseln verbreitet.
Sus scrofa timorensis – auf Timor verbreitet.
Sus scrofa nicobaricus – von den Nicobaren.
Sus scrofa andamanensis – von den Andamanen.
Sus scrofa chirodontus – aus Südchina und Hainan.
Sus scrofa taivanus – aus Taiwan.
Sus scrofa moupinensis – aus Zentral-China.
Sus scrofa papuensis – aus Neuguinea.

In freilebenden Wildschweinpopulationen treten immer wieder Individuen auf, die schwarzbraune bis schwarze Flecken unterschiedlicher Größe auf hellerem Grund aufweisen. Gelegentlich werden sogar schwarzweiß gefleckte Wildschweine beobachtet. Bei Untersuchungen in der DDR in den 1970er Jahren traten Fleckungen bei etwa drei von hundert Wildschweinen auf. Die Fleckung wird rezessiv vererbt. Diese Färbungen werden darauf zurückgeführt, dass Hausschweine lange Zeit als Weideschweine gehalten wurden und es dabei zu Kreuzungen zwischen Wild- und Hausschweinen kam.
Polnische Untersuchungen aus demselben Zeitraum haben gezeigt, dass stark schwarzweiß gefärbte Wildschweine im Vergleich zu ihren normal gefärbten Artgenossen eine höhere Sterblichkeitsrate haben, da bei ihnen die Wärmeregulation weniger gut funktioniert.

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