Ein Blick in die deutschen Zoos

Die Zoopresseschau kommt diese Woche spät und sehr abgespeckt, nachdem sich ein Großteil der Pressemitteilungen mit Aktionen des vergangenen Wochenendes befasste. Übrig geblieben ist nicht viel, aber deswegen ist es nicht weniger interessant.
Zoo Osnabrück, 05.05.2012
Die Affen rasen durch den Tempel
Der neue Affentempel Angkor Wat im Zoo Osnabrück ist so gut wie fertig. Deswegen durften heute auch schon seine Bewohner, die asiatischen Schweinsaffen, die Tempelruine erobern, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Offizielle Eröffnung ist am 21. Mai. Der Umzug der insgesamt 18 Tiere in ihr neues Heim hat sehr gut geklappt. Die acht Männchen mussten wir narkotisieren, denn sie sind sehr stark und haben ein Jaguar-Gebiss, berichtete Tierarzt Thomas Scheibe. Die Weibchen haben wir vorsichtig mit Netzen einfangen und rüber tragen können. Die Schweinsaffen hatten während des 18 Monate dauernden Umbaus ihres alten Affenfelsens in einen Affentempel in der ehemaligen Schimpansenanlage gelebt. Am gestrigen Donnerstag ging es dann für die Gruppe in ihr altes Innengehege im Affenhaus. Mit zwei Tierärzten und sechs Tierpflegern haben wir insgesamt zweieinhalb Stunden gebraucht, dann waren alle Tiere drüben das war tolle Teamarbeit. Die bis zu 20 Kilo schweren Männchen mussten erst noch in den Transportkisten ihren Rausch ausschlafen, während die Weibchen gleich in ihre altbekannte Innenanlage konnten, so Scheibe weiter. Auch wenn diese anfangs noch ein wenig unsicher gewesen seien, so hätten sie schnell wieder ihre alten Lieblingsplätze gefunden. Auch zwei Jungtiereaus dem letzten Herbst sind mit umgezogen, sicher und fest am Bauch ihrer Mütter. Bei der Gelegenheit haben wir allen Tieren gleich eine Wurmkur verabreicht und falls notwendig einen Chip eingesetzt. Der Chip kennzeichnet das Tier, sodass wir wissen, wer wer ist, so Scheibe. Freitagvormittag konnten die Affen endlich ihren 14 Meter hohen Affentempel erobern: Um zehn Uhr gingen die Schieber auf. Chef Hubert schickte einen Stellvertreter vor, um die Lage zu überprüfen. Als dieser Entwarnung gab, schoss die Gruppe blitzschnell nach draußen.

Zoo Leipzig, 07.05.2012
Giraffennachwuchs im Zoo Leipzig, Wildpferdhengst eingelebt
Zuwachs in der Giraffenherde: Giraffe Andrea (geb. 05.08.2006 in Givskud) hat am 26. April ein männliches Jungtier, 54 kg schwer und 1,68 m groß, geboren. Von der Herde getrennt, haben die beiden die ersten Tage gemeinsam verbracht, um eine enge Bindung aufbauen zu können. Jetzt sind sie in der Herde zu sehen. Der Nachwuchs hat heute die elfköpfige Herde von Giraffenbulle Max (geb. 27.09.1995 in Leipzig) kennengelernt. Neben dem jüngsten Spross gehören weitere zwei weibliche und drei männliche Nachkommen von Max zur Herde. Mit der erfolgreichen Zucht vermeldet der Zoo Leipzig in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal Nachwuchs bei den vom Aussterben bedrohten Rothschildgiraffen (Giraffa camelopardalis rothschildi). Auch im Wildpferdgehege gibt es einen Neuzugang: Der achtjährige Przewalski-Hengst Lucky ist im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms aus Meppen in den Zoo Leipzig gekommen. Er soll in der bestehenden Herde mit vier Stuten für Nachwuchs sorgen. Nach seiner Ankunft am 20. April hat er sich zunächst eingewöhnt, bevor er nun gemeinsam mit den anderen Przewalskipferden im Zoo Leipzig zu sehen ist.

Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, 07.05.2012
Zwei seltene Stirnrinder im Berliner Tierpark geboren
Das Stirnrind, auch Gayal und ihrer Heimat bisweilen auch Mitahn genannt, ist eine sehr ursprüngliche Hausrinderform aus Assam und Myanmar und entstammt dem Gaur, jenem größten Wildrindes aus den Wäldern Südostasiens. Gayale sind etwas kleiner und kompakter im Körperbau als ihre Stammform, zeigen aber genauso wie der Gaur den mächtigen Schulterkamm und starke Hörner. Die Hörner des Gayal wachsen nicht nach oben gebogen wie die des Gaurs, vielmehr wachsen Gayal-Hörner zur Seite und haben eine kegelförmige Form. In der Färbung ähnelt der Gayal seiner wilden Stammform sehr. Da es sich aber um Hausrinder handelt, gibt es neben wildfarbigen Tieren auch weiße oder gescheckte Gayale. Im Tierpark Berlin wird der mächtige Gayal seit nunmehr fast 50 Jahren gehalten. Die ersten Tiere kamen 1963 in den Berliner Tierpark. In diesem Jahr wachsen gleich zwei Kälbchen auf: am 31. März kam das Bullkalb „Timo“ und am 17. April das Kuhkalb „Frieda“ zur Welt. Besonders gefreut haben wir uns über die Geburt von der kleinen „Frieda“, trägt sie doch eine schöne weiße Blesse und eine weiße Schwanzspitze. Damit bringt „Frieda“ etwas Farbe in die wildfarbige Gayal-Gruppe des Berliner Tierparks. Die Gayal-Gruppe im Tierpark Berlin umfasst nunmehr 10 Tiere und ist die einzige in Deutschland. Im Zoo Berlin wird eine schöne Gruppe Indischer Gaur gezeigt, so dass der interessierte Zoobesucher in Berlin den Gayal im Tierpark mit seiner Stammform, dem Gaur, im Zoo direkt vergleichen kann.

Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Leipzig, Osnabrück, Zoo, Zoopresseschau abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.