Tigerunfall in Köln

Am 25. August tötete in Köln der Sibirische Tiger Altai die erfahrene Pflegerin Ruth K. Daraufhin erschoss der Direktor des Zoos das Tier. Seitdem wird spekuliert und zahlreiche Experten (solche die sich dafür halten, solche, die es gerne wären und diejenigen, die es tatsächlich sind) melden sich zu Wort um teils wissenschaftlich fundiertes Wissen, Verschleierungstechniken oder übliche Tierschutzpropaganda unter das Volk zu bringen.
Als der Vorfall passierte wurde der Zoo evakuiert, auch wenn für den Besucher keine Gefahr bestand. Kurze Zeit später war der Zoo wieder offen, die geplante Sommernacht wurde abgesagt.
Unfälle passieren und manche Unfälle können tödlich enden. Wer mit wilden Tieren arbeitet und die meisten Zootiere sind als wild zu bezeichnen, muss sich der Gefahr bewusst sein. Ein Tiger ist kein Kuscheltier. Ich weiß nicht, ob der Unfall verhindert werden hätte können, ich weiß auch nicht, ob es die richtige Entscheidung war, das Tier zu erschießen. Ich war nicht da und kann über die Situation dort nur Mutmaßungen anstellen. Das überlasse ich aber anderen. Ich halte auch nichts davon gegen Zoodirektor Pagel zu hetzen. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorging und das Erschießen des Tieres war seine Entscheidung und vermutlich in diesem Moment die Richtige.

Bereits kurz nach dem geschehen gab der Zoo eine Stellungnahme ab:
Köln, 25. August 2012.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass eine Tierpflegerin im Kölner Zoo heute von unserem Tigerkater „Altai“ tödlich verletzt worden ist. Bei der getöteten Tierpflegerin handelt es sich um die für Raubkatzen verantwortliche Revierpflegerin Ruth K., die über umfassende und langjährige Erfahrungen im Umgang mit diesen Tieren verfügte.
Nachdem eine Kollegin das Opfer leblos im Tiger-Innengehege gefunden hatte, wurde der Alarmplan umgehend in Kraft gesetzt. Polizei und Feuerwehr waren unverzüglich zur Stelle. Zoodirektor Theo Pagel erschoss den Tiger auf Anweisung der Einsatzleitung sofort. Der Notarzt konnte daraufhin nur noch den Tod der Pflegerin feststellen. Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass diese es vor Beginn der täglichen routinemäßigen Reinigungsarbeiten versäumt hat, den Tiger abzusperren. Vermutlich ist sie dann vom Tiger von hinten angefallen worden, der ihr einen tödlichen Biss in den Hals zufügte, danach aber von ihr abließ. „Wir können uns derzeit nicht erklären, warum der erfahrenen Pflegerin, ein derart verhängnisvolles Versehen unterlaufen konnte“, meint Zoodirektor Theo Pagel.
Für die Besucher und die übrigen Beschäftigten des Kölner ZOOs bestand zu keiner Zeit eine Gefahr, da der Tiger sein Innengehege nicht verlassen konnte. Trotzdem wurde der ZOO aus Sicherheitsgründen zunächst geräumt, was Dank der Umsicht der Zoomitarbeiter und den verständnisvollen Gästen ohne weitere Zwischenfälle ablief. Mittlerweile ist der Zoo wieder geöffnet. Gleichwohl wurde die für heute Abend vorgesehene „Audi-Sommernacht im Zoo“ mit Rücksicht auf die Angehörigen und Beschäftigen abgesagt. Der Zoo bittet hierfür um Verständnis und wird schnellstmöglich auf seiner Internetseite darüber informieren, wie bereits gekaufte Karten zurückgegeben werden können.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in diesem Fall mit Rücksicht auf die Angehörigen keine weiteren Informationen herausgeben. Diesen gilt unser tiefstes Mitgefühl. Der ganze Zoo steht unter Schock und trauert mit den Angehörigen.

Der Kölner Stadtanzeiger veröffentlichte eine Chronologie des Geschehens:

9 Uhr: Der Zoo öffnet. Wie immer ist bis 18 Uhr der normale Betrieb geplant. Von 19 bis 24 Uhr soll die „Audi Sommernacht“ mit Artisten, Musikgruppen und Nachtführungen stattfinden.
vor 12 Uhr: Raubtierpflegerin Ruth K. (43) betritt den überdachten Innenbereich des Tigergeheges – laut Zoo vermutlich, um routinemäßig die Käfige zu reinigen. Das Innengehege ist ein Flachbau, der für Besucher nicht zugänglich ist. Durch das Gebäude führt ein Gang. Rechter Hand gehen mehrere Käfige ab, die durch massiv vergitterte Schiebetüren sowohl untereinander verbunden sind als auch mit dem Außengehege. Die Klappen lassen sich manuell mit Stangen öffnen und schließen, die in Führungsschienen verlaufen.
Als die erfahrene Tierpflegerin Ruth K. einen Käfig betritt, soll eine der Klappen geöffnet gewesen sein – mutmaßlich eine, die die Box mit einem Nebenkäfig verbindet, in dem sich der Sibirische Tigerkater Altai aufhält. Bemerkt Ruth K. ihn nicht? Oder übersieht sie, dass die Klappe nicht geschlossen ist? All das ist noch unklar. Sicher ist: „Eine Tür, die hätte zu sein müssen, war nicht zu“, wird Zoodirektor Theo Pagel später sagen, konkreter wird er nicht. „Die Pflegerin war an einer Stelle, wo sie nicht hätte sein dürfen, wenn das Tier drin ist.“ Altai fällt Ruth K. von hinten an. Er beißt ihr in den Hals, sie stürzt. Dann lässt er von ihr ab.
12.00 Uhr: Eine zweite Tierpflegerin betritt das Innengehege. Sie erschrickt, als sie Ruth K. in ihrem Blut liegen sieht, neben ihr sitzt Tigermännchen Altai. Die Pflegerin holt Hilfe, die Feuerwehr wird alarmiert. Auch Zoodirektor Pagel erhält einen Anruf auf seinem Handy, als er gerade zufällig an der Riehler Straße vorbei fährt. Seit 21 Jahren arbeitet er mit Ruth K. im Kölner Zoo zusammen.
12.10 Uhr: Die Feuerwehr informiert die Polizei. „Zu diesem frühen Zeitpunkt war nicht ganz klar, wo sich der Tiger aufhält, ob er auf das Besuchergelände oder sogar außerhalb des Zoos laufen könnte“, berichtet Polizeisprecher Casten Möllers. Streifenbeamte mit Maschinenpistolen eilen zum Tierpark nach Riehl. Die Einsatzleitung fordert ein Spezialeinsatzkommando (SEK) mit großkalibrigen Waffen an. Die Zooleitung entscheidet, das Gelände sofort zu evakuieren. Alle Besucher müssen raus, sicher ist sicher. Lautsprecherdurchsagen ertönen, Mitarbeiter auf Fahrrädern fordern die Menschen zum Verlassen auf, ohne ihnen den Grund mitzuteilen. Eine Massenpanik soll verhindert werden. Die Evakuierung verläuft schnell und reibungslos.
ca. 12.30 Uhr: Noch immer hockt der Tigerkater neben der lebensgefährlich verletzten Ruth K. So lange können die Rettungskräfte den Käfig nicht betreten, um der 43-Jährigen zu helfen. Dabei zählt jetzt jede Sekunde. Nach Rücksprache mit Zoodirektor Pagel entscheidet die Einsatzleitung, dass er Altai erschießen soll. Pagel ist ausgebildeter und geprüfter Jäger. „Er hat die entsprechende Waffe und weiß genau, wo und wie man ein Tier treffen muss“, erklärt ein Polizeibeamter. Pagel klettert auf das Dach des Innengeheges. Durch eine Dachluke hat er freie Sicht auf den Tiger. Altai soll sich zwischenzeitlich ein Stück von Ruth K. entfernt haben, doch jetzt ist er wieder direkt neben ihr. Der Schuss ist bis zur Zoobrücke zu hören. „Der Tiger war sofort tot“, berichtet Pagel später. Sanitäter und ein Notarzt kümmern sich um die 43-Jährige, können aber nichts mehr ausrichten. Die Verletzung am Hals ist zu schwer. Beamte der Kriminalpolizei beginnen mit der Spurensicherung im Käfig. Die Bezirksregierung Köln sendet Experten vom Dezernat für Arbeitsschutz hinzu.
ca. 13 Uhr: Der Zoo öffnet wieder. Viele Besucher, die jetzt erst kommen, wissen gar nicht, was geschehen ist. Doch die Nachricht spricht sich schnell herum. Vor dem Tigergehege bildet sich eine Menschentraube. Viele lesen auf ihrem Smartphone die ersten Eilmeldungen im Internet. Tigerweibchen Hanya und ihre drei Jungen ziehen ihre Runden durch das Außengehege. Eine junge Mutter sagt: „Wir sollten eigentlich nicht hier sein. Das ist kein Tag für einen fröhlichen Zoobesuch.“ Unterdessen informiert der Zoo seine Mitarbeiter über das Geschehen.
13.45 Uhr: Vor dem Haupteingang tritt Theo Pagel vor die Presse. Er ist um Fassung bemüht, wirkt sichtlich betroffen. „Das ist der schwärzeste Tag in meinem Leben“, beginnt Pagel. „Wir haben gerade eine Tierpflegerin verloren durch einen Tiger.“ Seine Stellungnahme dauert nur eine Minute. Fragen möchte der Zoodirektor nicht beantworten, er bittet um Verständnis. Dann dreht er sich doch noch einmal um: „Die Sommernacht heute Abend fällt aus. Über unsere Homepage erfahren die Besucher, wie sie ihre Eintrittskarten zurückgeben können.“
13.55 Uhr: Durch eine Nebenzufahrt verlässt ein Leichenwagen das Zoogelände.
16.30 Uhr: Der Tiger wird in einem Lieferwagen weggebracht.
16.48 Uhr: In einer Pressemitteilung schreibt der Zoo, Ruth K. habe „versäumt, den Tiger abzusperren“. Pagel fügt hinzu: „Wir können uns derzeit nicht erklären, warum der erfahrenen Pflegerin ein derart verhängnisvolles Versehen unterlaufen konnte.“ Ihren Hinterbliebenen gelte das tiefste Mitgefühl. „Der ganze Zoo steht unter Schock und trauert mit den Angehörigen.“
16.55 Uhr: Die Polizei informiert per Presseerklärung, sie habe ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, um den genauen Hergang des Geschehens zu klären.
18.00 Uhr: Der Zoo schließt. Nahezu alle Besucher, die von der Absage der Sommernacht noch nichts wissen und allmählich eintreffen, reagieren verständnisvoll. „Für die Mitarbeiter ist das ja wie ein Todesfall in der Familie, eine Friede, Freude, Eierkuchen-Veranstaltung geht da nicht“, sagt die Kölnerin Sandra, die mit Tochter Jule gekommen ist.
Sonntag, 12 Uhr: Der Zoo ist geöffnet. Vor dem Haupteingang stehen Kerzen, Besucher haben Zettel mit Nachrichten an die Angehörigen von Ruth K. niedergelegt. Sie wünschen der Familie Kraft und viel Zuversicht.

Und natürlich meldet sich auch PETA zu Wort.

PETA übt heftige Kritik an Tigerhaltung nach Tragödie im Kölner Zoo
Stand: 25. August 2012
Köln / Gerlingen, 25. August 2012 – Nach der heutigen Attacke eines Tigers im Kölner Zoo, bei dem eine Zoowärterin sowie der Tiger getötet und alle Zoobesucher evakuiert wurden, übt die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. heftige Kritik an der Haltung von Großkatzen in zoologischen Einrichtungen. In diesem Jahr sind bereits bei drei Mal Geparden aus dem Kölner Zoo und dem Tiergarten Nürnberg ausgebrochen. Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen nutzen die Raubkatzen jede sich bietende Möglichkeit, ihrem Gefängnis zu entkommen. Ausbrüche und tödliche Unfälle sind daher vorprogrammiert. PETA fordert die zuständige Bundesministerin Ilse Aigner auf, die Haltung von Großkatzen in zoologischen Einrichtungen aus Gründen des Tier- und Menschenschutzes zu verbieten.
„Tragödien wie diese können zukünftig nur verhindert werden, wenn Menschen es nicht mehr als Freizeitspaß ansehen, Wildtiere mit einem enormen Freiheitsdrang in qualvoll engen Gehegen anzugaffen. Dafür muss ein Paradigmenwechsel her“, sagt Diplom-Zoologe Peter Höffken, Zoo-Experte bei PETA. „Bestimmte Tierarten wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen leiden immens unter der Gefangenschaft und müssen aus den Zoos verschwinden“.
Erst im Juli 2012 entkam der Zoo Hannover nur knapp einer Katastrohe, als 5 Schimpansen ausbrachen und zwischen den Besuchern umherliefen. Im Juni ist ein Gepard aus seinem Gehege im Tiergarten Nürnberg ausgebrochen. Ebenfalls im Juni flüchteten zwei Geparden aus dem Zoo Salzburg. Im März 2012 entkam ein Gepard im Kölner Zoo seinem viel zu kleinen Gehege. Im Januar 2012 stürzte sich ein Gepard im Tiergarten Nürnberg auf ein Pony, bevor das Tier nach zwei Stunden mittels Betäubungsgewehr wieder eingefangen werden konnte.
Während Tiger in freier Wildbahn ein Revier von ca. 300 Quadratkilometer bewohnen, sind die Tiere in Zoo-Gefangenschaft zu einem qualvollen Leben auf wenigen Quadratmetern verdammt. Die Tierrechtsorganisation spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung von Wildtieren in Zoos aus. Artwidrige Haltungsbedingungen und schwere Verhaltensstörungen sind dort eher die Regel als die Ausnahme. Die Besucher lernen nichts über die Bedürfnisse und Lebensverhältnisse von Tieren, wenn diese ihr Dasein in qualvoller, beengter Gefangenschaft fristen. PETA fordert, dass die Millionen an Steuergeldern, die derzeit für die Aufrechterhaltung der Zoobetriebe aufgebracht werden, in konkrete Projekte zum Schutz der letzten natürlichen Lebensräume der Tiere fließen.

Ich lass das einfach mal so stehen, soll sich jeder selber ein Bild davon machen und versuchen sachlich zu bleiben. Man kann in der Anonymität des WWW viel schreiben, aber wem hilft es, den Tod des Zoodirektors zu fordern, weil er einen Tiger getötet hat. Und nein, DAS war kein Racheakt.
Und deswegen den Zoo (oder die Zoos im Allgemeinen) zu verteufeln bringt auch nichts. Natürlich haben Zoos nicht nur positive (oder negative) Seiten, ein Tier in der freien Natur ist auch nicht unbedingt im Paradies.
Die Geschehnisse in Köln werden wohl noch lange Diskussionen nach sich ziehen, aber sie sollten sachlich bleiben …und das vermisse ich oft bei dem, was man derzeit zu lesen und zu hören bekommt.

Neue Erkenntnisse und Verbesserungsvorschläge kann ich aber auch nicht bieten. Altai und Ruth bringen sie auch nicht mehr zurück.

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