Diverses aus Natur und Wissenschaft

Normalerweise bekomme ich ja höchstens pro Tag eine Pressemitteilung von größerem Interesse (für mich und den Blog) in die Finger, aber heute gab es gleich drei davon. Natürlich könnte ich sie auf verschiedene Beiträge aufgliedern, aber nachdem ich mir eine kommentarlose Wiedergabe erlaube, kann ich mir das auch sparen.
Natürlich darf jeder, der sich berufen fühlt einen Kommentar zu den Mitteilungen abgeben, ich werde auch in einer entsprechenden Weise reagieren (was auch immer das bedeuten mag).
Ein paar mehr Meinungen zu dem einen oder anderen Thema fände ich sowieso begrüßenswert, aber ich will nicht meckern, dazu ist dieser Blog das falsche Medium.

30.10.2012
Bund deutscher Tierfreunde e.V.: Garten der Natur überlassen
Jetzt vor Beginn des Winters wird in vielen Gärten kräftig aufgeräumt – dabei wäre ein unaufgeräumter Garten der bessere Natur- und Tierschutz. Darauf weist der überregionale Tierschutzverein Bund Deutschen Tierfreunde e.V. mit Sitz in Kamp Lintfort in Nordrhein-Westfalen hin. Wer also ein Herz für Tiere hat, sollte im Herbst den Garten ruhig der Natur überlassen. Zu viel Ordnung schadet nur. Verblühte Blumen und Pflanzen, Laubreste und Reisigreste sollten beispielsweise nicht völlig beseitigt oder im Abfall entsorgt werden, da sie im Winter vielen Tieren Schutz und Überleben sichern können. Faulheit bei der Gartenarbeit ist besonders im Herbst aktiver Tierschutz, betont der Bund Deutscher Tierfreunde.
Bestes Vogelfutter bieten beispielsweise Blumenreste und viele Stauden besonders mit Fruchtresten oder Nüssen. Finken, Ammern und Zeisige als typische Körnerfresser bedienen sich an den Samen von Blumen. Auch andere Sträucher wie beispielsweise Schneeball oder Heckenrosen sind Nahrung für viele hungrige Vögel, so der Bund Deutscher Tierfreunde.
Und auch die Reste, die beim Beschneiden und Zurückschneiden von Bäumen, Hecken und Sträuchern entstehen, sollten nicht entsorgt werden. Es ist völlig ausreichend, sie zu einem Haufen zusammenzukehren. Schon mit so wenig Anstrengung und Arbeit lässt sich der ideale Überwinterungsplatz für Igel schaffen, betont der Bund Deutscher Tierfreunde. In den Haufen und zwischen den Ästen finden zudem viele Eidechsen und Kröten Schutz und Nahrung und damit Alles was sie zum Überleben brauchen.
Was viele „faule“ Gärtner besonders schätzen werden: Selbst abgemähter Rasen oder Laub kann liegen bleiben: Er bietet viele Bodenlebewesen wie etwa Regenwürmern reichlich Nahrung für die lange Winterzeit, so der Bund Deutscher Tierfreunde. Und noch ein positiver Nebeneffekt für den Gartenfreund: Der Boden und die Wurzeln der Pflanzen werden vor Frost geschützt. „Faule“ Gärtner sind also die wahren Natur- und Tierfreunde.

30.10.2012, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Testosteron steuert Sologesang bei tropischen Vögeln
Bei Singvogel-Männchen unserer Breiten steigt im Frühling die Geschlechtshormonkonzentration, was zu einem Anstieg der Gesangsaktivität in der Brutzeit führt. In den Tropen ist ein solch klarer Zusammenhang wegen der schwächer ausgeprägten jahreszeitlichen Änderungen kaum bekannt. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie haben nun an duettsingenden Mahaliwebern herausgefunden, dass der Sologesang der dominanten Männchen mit erhöhten Testosteronwerten in Verbindung steht. Dazu konnte bei Weibchen der männchentypische Sologesang durch Testosteronbehandlung aktiviert werden. Die Studie zeigt einen komplexen Zusammenhang zwischen Gesangsverhalten und Hormonen auch bei tropischen Vögeln.
Bei Tieren der gemäßigten Zonen steuert die saisonale Änderung der Tageszeitenlänge die Jahresrhythmik. Die zunehmende Tageslänge im Frühling löst bei Vögeln einen Anstieg der Konzentration der Geschlechtshormone aus und läutet damit den Brutbeginn ein. Damit verbunden ändert sich auch das Verhalten: Bei Singvogel-Männchen findet sich dann ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und Komplexität ihrer Gesänge und der Testosteronkonzentration im Blut. In den tropischen Regionen bietet sich ein anders Bild. Dort singen die Vögel oft das ganze Jahr über, und günstige Brutbedingungen finden sich über einen viel längeren Zeitraum im Vergleich zur gemäßigten Zone. Darüber hinaus sind die Testosteronwerte während des gesamten Jahres bei vielen Arten auf einem sehr niedrigen Niveau. Deshalb ist es noch unklar, durch welche Mechanismen das Gesangsverhalten bei tropischen Vogelarten gesteuert wird.
Cornelia Voigt und Stefan Leitner vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen konnten nun an afrikanischen Mahaliwebern zeigen, dass Testosteron auch in den tropischen Habitaten eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Gesangsverhaltens spielt. Diese Vögel leben in Gruppen von zwei bis zehn Tieren und zeichnen sich durch ein status-abhängiges Gesangsverhalten aus, bei dem nur die dominanten Männchen einen sogenannten Sologesang singen. Weibchen und subdominante Männchen singen lediglich einen abwechselnden Duettgesang. In einer Langzeitstudie an Mahaliweber-Gruppen im Südwesten von Simbabwe fanden die Forscher bei männlichen Tieren tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Hormongehalt und Sologesang. So hatten dominante Männchen sowohl während der frühen Brutzeit von Oktober bis Dezember als auch während der späten Brutzeit von Januar bis März höhere Testosteronspiegel als subdominante Tiere.

30.10.2012
Lockige Katzen: Spontane Genmutation begründet neue KatzenrasseKatze der Rasse Selkirk Neben vielen Hunderassen gab es bisher auch drei traditionelle Katzenrassen mit gelocktem Haar. Eine vierte Rasse mit dem Namen Selkirk Rex wurde 1987 in den USA begründet, nachdem dort ein Muttertier gänzlich unerwartet ein Junges mit gekräuseltem Fell zur Welt gebracht hatte. Serina Filler und Gottfried Brem von der Vetmeduni Vienna konnten jetzt zeigen, dass sich Selkirk Rex auch genetisch deutlich von den drei bisher bekannten Rassen mit lockigem Fell unterscheidet. Ihre Ergebnisse zeigen zudem, dass die Locken der Katzenrasse Selkirk Rex auf eine einzige spontane Mutation zurückgehen. Ihre Arbeit wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Journal of Heredity“ veröffentlicht.
Im Jahr 1987 brachte eine Katze aus einem Tierheim in Montana, USA, ein Junges zur Welt, das zur Überraschung der dortigen Tierpfleger ein vollständig gekräuseltes Fell hatte. Erwachsen geworden, paarte sich das Tier mit einem Perserkater und bekam Junge, von denen einige ein glattes, andere wieder ein gekräuseltes Fell hatten. Das bedeutete für Züchter, dass die Genmutation, die für die Locken sorgte, dominant war: Es genügte, dass eines der beiden Genkopien im Genom der Tiere (väterlich oder mütterlich) mutiert war, um das Fell des Trägertieres zu kräuseln.
Genmutation erstmals beschrieben
Die kraushaarigen Katzen fanden bei Katzenfreunden viel Zuspruch und wurden rasch als neue Rasse mit dem Namen Selkirk Rex eingeführt. Die Tiere der mittlerweile auf der ganzen Welt registrierten Züchter von Selkirk Rex sind heute überaus beliebt. Bisher ist die genetische Grundlage für diese neue Rasse jedoch noch nicht erforscht worden. Gemeinsam mit Kollegen an der University of California in Davis unter Leitung von Leslie A. Lyons und vom Veterinärdiagnostischen Labor Agrobiogen in Deutschland haben Serina Filler und Gottfried Brem von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) die neue Katzenrasse untersucht und erstmals die Genmutation beschrieben, die für das gekräuselte Fell sorgt.
Gleichheit bringt Nachteile
Weil die Mutation dominant ist, genügt es, wenn entweder nur der väterliche oder nur der mütterliche Chromosomensatz die Fellmutation trägt („heterozygot“). Auch wenn beide, väterliche und mütterliche Chromosomensätze des Trägertieres, die Mutation tragen („homozygot“), ist sein Fell gekräuselt. Es stellte sich jedoch heraus, dass die heterozygoten Tiere (die jeweils das ursprüngliche und das mutierte Gen tragen) beliebter sind, da sie kürzere Ohren, einen rundlicheren Kopf und zudem ein stärker gelocktes Fell haben als die homozygoten Tiere (die das mutierte Gen doppelt tragen). Zudem tendieren die homozygoten Tiere dazu, in ihrer Jugend eine große Menge der Fellhaare zu verlieren, jedoch ohne deshalb völlig nackte Hautstellen zu bekommen.
Vor neun Generationen mutiert
Serina Filler untersuchte bei mehr als 150 Katzen, wie sich all die Rassemerkmale vererben, und untersuchte zudem die Erbsubstanz (DNS) bei fast all diesen Tieren. Sie fand heraus, dass die Mutation bei Selkirk Rex tatsächlich eine völlig andere ist als die bei den anderen anerkannten Katzenrassen mit lockigem Fell. Sie nannte die neue Mutation SADRE (Selkirk autosomal dominant Rex). Aus Fillers Genanalysen ging zudem hervor, dass diese Mutation vor etwa acht oder neun Generationen passiert sein muss, was sehr gut mit der Entstehungsgeschichte der Selkirk-Rex-Katzen übereinstimmt.
Gesunde Mischung
Die Zuchtrichtlinien erlauben ein Kreuzen von Selkirk Rex nicht nur mit Tieren derselben Rasse, sondern auch mit Perserkatzen und mit den Rassen Exotisch Kurzhaar, Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar. Deshalb weist die Katzenrasse Selkirk Rex eine hohe genetische Variabilität und niedrige Inzuchtkoeffizienten auf. Am nächsten scheint Selkirk Rex mit Perserkatzen und Britisch Kurzhaar verwandt zu sein, was darauf hindeutet, dass diese beiden Rassen in der Vergangenheit oft eingekreuzt wurden. Filler konnte zudem den Eindruck bestätigen, dass sich insbesondere Britisch Kurzhaar, aber auch andere Outcrossrassen genetisch wenig bis gar nicht von den Selkirk-Rex-Katzen unterscheiden lassen.
Relativ unkomplizierte Zucht
Die Studie bestätigt also, dass die Katzenrasse Selkirk Rex aus einer einzigen spontanen Mutation hervorgegangen ist, die vor etwa 25 Jahren passiert sein muss. Weil diese Mutation dominant vererbt wird, ist es vergleichsweise einfach, sie in der Zucht zu erhalten. Die Rasse hat allgemein ein vorteilhaftes Maß an genetischer Vielfalt, da in der Vergangenheit mehrmals andere Rassen eingekreuzt wurden. Serina Filler dazu: „Wir nehmen an, dass das hohe Maß an genetischer Diversität bei Selkirk Rex uns erlaubt, die Zahl der zur Einkreuzung freigegebenen Katzenrassen auf einige wenige zu beschränken. Das würde dabei helfen, bei Selkirk Rex eine einzigartige Kopf- und Körperform zu züchten und sie damit noch deutlicher von anderen Katzenrassen unterscheidbar zu machen.“

Veröffentlichung: “Selkirk Rex: Morphological and Genetic Characterization of a New Cat Breed” von Serina Filler, Hasan Alhaddad, Barbara Gandolfi, Jennifer D. Kurushima, Alejandro Cortes, Christine Veit, Leslie A. Lyons und Gottfried Brem, „Journal of Heredity“ (J Hered (2012) 103 (5): 727-733)

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