Vom Aussterben bedroht – Ährenfischverwandte

Ordnung: Zahnkärpflinge
Familie: Cyprinodontidae

Mittelmeerkärpflinge
Die Mittelmeerkärpflinge (Aphanius) kommen in Süß- und Brackgewässern in den Küstenebenen Südeuropas und Nordafrikas, rund um das Rote Meer und den Persischen Golf in Binnengewässern Nordafrikas, der Arabischen Halbinsel, Mesopotamiens, des Irans und der Türkei vor. Verbreitungsschwerpunkt, d.h. das artenreichste Gebiet ist die Hochebene von Anatolien.
Von den 22 Arten sind einige vom Aussterben bedroht, darunter A. saourensis, A. sirhani, A. splendens und A. transgrediens. Eine Art, A. opavensis, ist bereits ausgestorben.

Aphanius almiriensis
Aphanius almiriensis erreicht eine Standardlänge von 31 mm. Er besitzt 15 bis 16 Bauchstrahlen. Auf dem Seitenlinienorgan befinden sich 25 bis 28 Schuppenreihen. Das Männchen hat einen gelben Schwanz mit einem breiten, schwachen dunklen Rand. Am Körper des Männchens sind 6 bis 11 (gewöhnlich 6 bis 8) dunkle Bänder zu erkennen, die gewöhnlich breit und regelmäßig geformt sind. Das Weibchen hat 7 bis 11 dunkle rundliche Flecken an den Seiten, die mehr oder weniger durch einen unregelmäßigen dunklen Mittelstreifen verbunden sind.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Aphanius almiriensis umfasst zwei Quellen nahe Almiri und Meligou auf der Peloponnes-Halbinsel. Es sind Süß- und Brackwasserquellen mit einem Salzgehalt von 23 Promille. Die Art wurde in einem Gebiet mit einer langsamen Strömung beobachtet.
Aphanius almiriensis wurde 1997 entdeckt. Während einer Suchaktion im Jahre 2002 wurde sie jedoch nicht mehr in der Almiri-Quelle nachgewiesen. Im Oktober 2003 wurden fünf Larven entdeckt. Nachdem die ehemalige Brackwasserquelle bei Almiri heute zum Meerwasserbereich gehört, gilt die Almiri-Population als ausgestorben. Die Quelle bei Meligou wurde in ein Strandbad umgewandelt, jedoch überlebte eine Population von Aphanius almiriensis in einer benachbarten Lagune.

Familie: Aplocheilidae

Pachypanchax sakaraymi
Pachypanchax sakaramyi bewohnt strömungsreiche Fließgewässer und die Nebengewässer tiefer gelegener Kraterseen des Ambohitra-Massivs im Norden Madagaskars. Exemplare aller Größen halten sich sowohl in schnell strömenden wie auch in ruhigen Bereichen auf, die größere Zahl von Individuen findet sich allerdings in letzteren. Die Heimatgewässer von P. sakaramyi sind klar und mit einem pH-Wert von 7,2 bis 7,5 leicht alkalisch. Sie führen nur wenig gelöste Salze mit sich und sind daher mit zwei bis vier Grad deutscher Härte relativ weich und weisen einen recht geringen Leitwert von etwa 58 bis 75 μS/cm² auf.
Im Habitus entspricht P. sakaramyi dem typischen Erscheinungsbild der Gattung Pachypanchax. Er erreicht eine Gesamtlänge von acht Zentimetern. Die weit hinten stehende Rückenflosse beginnt über dem zehnten und elften Strahl der Afterflosse. Diese beiden Flossen sind hellbraun gefärbt und tragen jeweils ein rauchgraues Band. Die Brustflossen sind farblos und transparent. Bis auf einen beigefarbenen Ansatz sind die Bauchflossen ebenfalls transparent. Die Schwanzflosse trägt ein Muster hellbrauner Flecken.
P. sakaramyi ernährt sich vorwiegend von Anflugnahrung und kleinen wasserbewohnenden Wirbellosen. Da er sein Habitat ursprünglich nicht mit anderen Fischarten teilen musste, sind seine einzigen natürlichen Fressfeinde der Madagaskarzwergfischer, räuberisch lebende Insektenlarven und Großarmgarnelen (Macrobrachium). Junge Exemplare leben im ufernahen Flachwasser in losen Verbänden bis etwa ein Dutzend Tiere. Mit dem Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit suchen sie auch häufig tieferes Wasser abseits des Ufers auf. Im Erwachsenenalter lebt P. sakaramyi solitär. Weibliche Tiere bewegen sich vorwiegend langsam und unternehmen häufige Stopps, die Männchen sind in ständiger Bewegung. Obwohl kein Territorialverhalten beobachtbar ist, deuten die Flossenverletzungen wild gefangener Männchen auf gelegentliche, heftige Auseinandersetzungen hin. Die Laichzeit ist entweder nicht saisonal begrenzt oder äußerst langwierig vom Beginn des Frühjahrs bis in den Herbst. Die mit den gattungsüblichen Ritualen ausgeführte Paarung erfolgt an überspülten Zweigen oder zwischen großen Steinen am Gewässergrund und kann mehrmals in schneller Folge wiederholt werden.
Aus dem größten Teil seines ursprünglichen Lebensraums ist P. sakaramyi verschwunden. Eine der Ursachen ist die Abholzung des Ambohitra-Massivs und deren negative Auswirkungen auf den lokalen Wasserhaushalt. Ehemals ständig bestehende Kleingewässer führen nicht mehr ganzjährig Wasser. Ein ernstes Problem ist auch der auf die Brut von P. sakaramyi ausgeübte Fraßdruck durch eingeführte Fischarten wie Guppys und einen Vertreter der Gambusen, Gambusia holbrooki. Ein großer Teil des ursprünglichen Habitats ging verloren, seit im Jahr 2000 die Quelle des Skaramy zur Trinkwassergewinnung für mehrere Privathäuser und das Gästehaus eines Benediktinerklosters erschlossen wurde.

Familie: Valenciidae

Valencia
Valencia ist eine Gattung der Zahnkärpflinge. Die Gattung ist die einzige der Familie Valenciidae. Es gibt zwei Arten. Der Valenciakärpfling lebt in Spanien in stehenden und langsam fließenden Süßgewässern entlang der Mittelmeerküste von Gibraltar bis zu den Pyrenäen. Die Art geht auch ins Brackwasser. Die zweite Art, Valencia letourneuxi, lebt nur an wenigen, wenige Quadratmeter großen Örtlichkeiten entlang der Küste im äußersten Nordwesten Griechenlands und in der Butrint-Lagune im Süden Albaniens. Die Populationen auf Korfu und Lefkas sind möglicherweise erloschen.
Beide Arten erreichen eine Länge von acht Zentimetern, ihr Körper ist zylindrisch, langgestreckt, mit einem etwas abgeflachten Rücken. In der Rückenflosse haben sie acht bis elf Flossenstrahlen, entlang des Seitenlinienorgans 28 bis 34 Schuppen.
Beide Arten werden etwa drei Jahre alt, ernähren sich von kleinen, wirbellosen Tieren, sind eierlegend und durch die Einfuhr gebietsfremder Fische, die Verschmutzung ihrer Heimatgewässer sowie durch die Entnahme von Wasser zum Zweck der Bewässerung gefährdet.

Ordnung: Hornhechtartige
Familie: Reisfische

Gestreckter Poso-Kärpfling
Der Gestreckte Poso-Kärpfling ist endemisch im Danau Poso (Poso-See) auf Sulawesi. Der Gestreckte Poso-Kärpfling erreicht eine Länge von 17,1 cm. Damit gehört er zu den größten Arten der Reisfische. Die Kiefer sind fast gleich lang. Die Augen sind auffällig kleiner als die Nase. 75 bis 85 Schuppen sind in Seitenreihen angeordnet. Es gibt 11 bis 13 verzweigte Dorsalstrahlen und 24 bis 27 Analstrahlen. Die Färbung des Körpers ist bräunlich gelb. Der Oberkopf ist dunkelbraun.
Der Gestreckte Poso-Kärpfling bewohnt den uferfernen Freiwasserbereich des Poso-Sees. Zur Laichzeit zwischen November und Januar bilden die Poso-Kärpflinge große Schwärme in 12 bis 15 m Tiefe. Die Eier sind am Körper zwischen den Bauchflossen angeheftet. Die Jungen schlüpfen nachdem die befruchteten Eier ins Wasser abgestoßen werden.
Der Gestreckte Poso-Kärpfling ist durch Wasserverschmutzung, Überfischung sowie durch die Konkurrenz und Nachstellung durch eingeführte Fischarten vom Aussterben bedroht.

Entenschnabelkärpfling
Der Entenschnabelkärpfling ist extrem selten oder bereits ausgestorben. Er ist endemisch im Poso-See (Danau Poso) auf der indonesischen Insel Sulawesi.
Der Entenschnabelkärpfling erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 11 Zentimetern und eine Maximallänge von 16 Zentimetern. Der Körper ist länglich und leicht abgeflacht. Er hat 14 bis 16 Dorsal-Strahlen und 24 bis 25 Analstrahlen. Das charakteristischste Merkmal des Entenschnabelkärpflings ist sein überhängender Oberkiefer, der Ähnlichkeiten mit einem Entenschnabel aufweist und dem die Art ihren Trivialnamen verdankt. Die großen Augen stehen oberhalb des Kopfprofils hervor, wenn man sie von den Seiten betrachtet.
Über die Lebensweise des Entenschnabelkärpflings ist kaum etwas bekannt. Er lebt in den tiefen Bereichen des Poso-Sees. Von einem Exemplar wurde berichtet, dass es ein Hermaphrodit war.
Die letzte Nachweis des Entenschnabelkärpflings war im September 1983, als zwei Exemplare gesammelt wurden.. Eine Untersuchung der Fischfänge im Poso-See im Jahre 1986 konnte eine weitere Existenz der Art nicht mehr bestätigen. Manche lokale Fischer stellten einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Entschnabelkärpflings und dem Ausbruch des Vulkans Colo auf der Insel Una Una in der Tomini-Bucht im Jahre 1983 her. Dies wird jedoch als haltlose Behauptung angesehen, da der Ascheregen, der auf den Satellitenfotos des Vulkanausbruches zu sehen ist, nach Westen geblasen wird, anstatt in südlicher Richtung, wo sich der Poso-See befindet. Eher wahrscheinlich ist, dass eingeführte Fischarten wie der Quergestreifte Schlangenkopf (Channa striata) und der Mosambik-Buntbarsch (Oreochromis mossambicus) sowie deren Parasiten den Entenschnabelkärpfling und zwei weitere im Poso-See endemische Fischarten – Adrianichthys poptae und Weberogobius amadi – an den Rand der Ausrottung gedrängt oder bereits ausgerottet haben. Bis zur Roten Liste von 1994 wurde der Entenschnabelkärpfling von der IUCN als „stark gefährdet“ klassifiziert. Nach dem der Schweizer Ichthyologe Maurice Kottelat 1996 in einer Studie schrieb, dass die Art vermutlich ausgestorben sei, wurde der Entenschnabelkärpfling im selben Jahr in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ hochgestuft.

Ordnung: Ährenfischartige
Familie: Regenbogenfische

Wanam-Regenbogenfisch
Der Wanam-Regenbogenfisch ist in einem kleinen See im nordöstlichen Papua Neuguinea endemisch. Er wurde 1975 zuerst von C. Ellway gesammelt und 1979 von Gerald R. Allen und Patricia Kailola wissenschaftlich beschrieben.
Die Männchen des Wanam-Regenbogenfisches sind kräftig grünlich gefärbt, wobei die obere Körperhälfte oft metallisch schimmert. Die Analflosse ist sehr groß und lang ausgezogen. Die kleineren Weibchen sind grau-grün gefärbt und haben kürzere, braungrüne Flossen. Die Art wird etwa acht bis zehn Zentimeter lang und vier bis fünf Zentimeter hoch.
Die Art kommt nur im etwa 3 Kilometer breiten, 19 Meter tiefen Wanam-See vor. Der See liegt am südlichen Rand des Markham-Flusstals in der Nähe von Oomsis in der Provinz Morobe, etwa 25 Kilometer landeinwärts vom Huon Golf. In dem See kommt noch ein weiterer Regenbogenfisch, Chilatherina fasciata, vor.
Die Fische halten sich im flachen, klaren, sonnenbeschienenen Wasser in der Nähe von Ufer- bzw. Unterwasservegetation oder versunkenen Ästen auf. Die Temperaturen betragen 28 °C und die pH-Werte liegen im Bereich von 7,0 bis 7,8. Die einzige Verbindung des Sees zu anderen Gewässern ist ein meist trockenliegender Kanal zum Oomsis-Fluss.

Die Rote Liste der IUCN

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