Elsevier bietet kostenlosen Zugang zu ScienceDirect für von einem unsicheren Arbeitsmarkt betroffene Nachwuchsforscher

Nachfolgende Pressemitteilung hat nichts mit Tieren zu tun, jedenfalls nicht direkt. Aber da sich diverse Studiengängen mit Tieren beschäftigen, sehe ich keinen Grund, warum ich sie nicht auch wiedergeben sollte. Und vielleicht liest das ja auch ein „Betroffener“ und kann mit dem Angebot etwas anfangen:

23.11.2012
Elsevier, ein weltweit führender Anbieter von wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Informationsprodukten und -dienstleistungen, hat den Start des Postdoc-Free-Access-Programms bekanntgegeben. Es handelt sich um eine neue Initiative, die entwickelt wurde, um Nachwuchsforschern, die sich zwischen zwei Anstellungen in der Forschung befinden, dabei zu helfen, in ihrem Fachgebiet auf dem Laufenden zu bleiben.
Für Wissenschaftler, die vor kurzem promoviert haben und derzeit keine Forschungsposition besetzen, bietet das Programm einen Free-Access-Pass, der bis zu sechs Monate kostenfreien Zugang zu Fachzeitschriften und Büchern von ScienceDirect beinhaltet.
Das globale Wirtschaftsklima für die Wissenschaftsförderung hat zu neuen Herausforderungen insbesondere für arbeitssuchende Postdoc-Studenten geführt. Als Antwort auf diese wachsende Tendenz wurde das Programm von Redakteuren und Verlegern bei Elsevier ins Leben gerufen. Viele Postdocs, die sich an Elsevier wandten, betonten den zunehmenden Druck, wettbewerbsfähig zu bleiben und möglichst viel zu veröffentlichen, in den meisten Fällen jedoch ohne Zugriff auf die entscheidenden Quellen.
Professor Stephen Neidle, Chefredakteur von Bioorganic & Medicinal Chemistry, Teil des Chemiezeitschriften-Portfolios Elseviers Tetrahedron, der das Programm mitentwickelte, erklärt: „Postdocs sehen einer großen Herausforderung entgegen, vor allem in Zeiten, in denen Universitäts- und Forschungsbudgets gekürzt werden und die großen Pharma-Unternehmen Projekte in Europa und den USA eingestellt haben. Es ist wichtig, das Interesse und Engagement der jüngeren Generation aufrechtzuerhalten.“
„Das ist für Postdocs eine tolle Möglichkeit, in ihren Fachgebieten auf dem neuesten Stand zu bleiben und die aktivsten Forschungszentren zu identifizieren, bei denen sie sich bewerben können“, so Lenka Stockova, Forschungsassistentin aus Tschechien. „Der Zugang zu publizierten Forschungsergebnissen ist absolut notwendig. Sonst ist es unmöglich, mit der aktuellsten Forschung im jeweiligen Fachbereich mitzuhalten.“
Postdocs können sich für einen Free-Access-Pass bewerben, indem sie vor dem 15. Dezember 2012 ein Formular ausfüllen, das der Prüfung ihrer Qualifikation dient. Nach der Genehmigung erhalten sie einen persönlichen Code für den Zugang zu ScienceDirect.
Qualifizieren kann sich, wer
– innerhalb der letzten zehn Jahre promoviert hat.
– mindestens eine Anstellung nachweist, die in den letzten drei Monaten beendet wurde bzw. die innerhalb der nächsten drei Monate enden wird.
– ein Empfehlungsschreiben des Vorgesetzten und/oder einen Anstellungsnachweis eines Instituts vorlegt.
Für Alicia Wise, Director of Universal Access bei Elsevier, bietet das Programm die Möglichkeit, in die Zukunft der Wissenschaft zu investieren. Vielversprechende Nachwuchsforscher, die sonst keinen Zugang zu Inhalten haben, bleiben so in ihrem Fachgebiet informiert. „Postdocs werden heutzutage vor eine Vielzahl von Herausforderungen gestellt – vor allem einem unsicheren Arbeitsmarkt und der naturgemäßen Kurzlebigkeit von Forschungsprojekten“, sagt sie. „Bei Elsevier wissen wir, dass der Zugang zu publizierten Forschungsergebnissen unerlässlich ist, damit Nachwuchswissenschaftler vernetzt und wettbewerbsfähig bleiben und das nächste Projekt oder den nächsten Job bekommen.“

Weitere Informationen über das Programm sowie das Antragsformular finden Sie unter www.elsevier.com/postdocfreeaccess

Über ScienceDirect
Auf dem Wissenschaftsportal ScienceDirect (www.sciencedirect.com) stehen mehr als ein Viertel aller Volltextartikel zur Verfügung, die in Wissenschaft, Technik und Medizin von angesehenen Autoren geschrieben, von namhaften Verlagen veröffentlicht und von Wissenschaftlern und Forschungsmitarbeitern auf der ganzen Welt gelesen wurden.

Die umfangreiche Volltextsammlung von Elsevier umfasst maßgebliche Titel der wissenschaftlichen Literatur. Insgesamt sind mehr als zehn Millionen Artikel online verfügbar, möglich ist zudem der Zugriff auf erst kürzlich angenommene Manuskripte. ScienceDirect beinhaltet mehr als 2.500 Zeitschriften, die von Elsevier herausgegeben werden, und bietet via CrossRef die Verlinkung mit rund 2.000 Wissenschafts-, Technik- und Medizinverlagen. Die Ausweitung auf große Online-Nachschlagewerke, Handbücher, Buchreihen und mehr als 10.000 E-Books aus allen Bereichen der Wissenschaft verbindet nahtlos die Primärrecherche in Zeitungsartikeln.

Für diejenigen, die mit Elsevier nichts anfangen können nachfolgend ein paar Hintergrundinformationen, die nicht Teil der Pressemitteilung sind, sondern von wikipedia stammen:

Elsevier ist ein ursprünglich niederländischer Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher.
Zum Kerngeschäft des Verlags zählen die wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Publikationen. Elsevier veröffentlicht jährlich rund 1.800 wissenschaftliche Journale und 2.200 Bücher. Insgesamt sind rund 20.000 Werke und Titel lieferbar.
Durch kommerzielle Online-Publikationen wird das gedruckte Angebot des Verlags ergänzt. Dazu gehören neben dem Online-Portal ScienceDirect die Datenbanken MDConsult und Embase sowie die Suchmaschine Scirus, die auf wissenschaftliche Themen spezialisiert ist.

Elsevier ist in den letzten Jahren aufgrund seiner aggressiven Preispolitik, vor allem im Zeitschriftenbereich, in die Schlagzeilen geraten. Robert Darnton wies darauf hin, dass ein Jahresabonnement der Elsevier-Zeitschrift Tetrahedron beispielsweise derzeit 39.082 US-Dollar kostet und der Publikationsbereich von Elsevier im Jahr 2009 einen Profit von 1,1 Milliarden US-Dollar machte, während Universitätsbibliotheken mit drastischen Budgetkürzungen zu kämpfen hatten.
Diese für die Bibliotheken sehr ungünstige Entwicklung wird allerdings auch von anderen großen Verlagen vorangetrieben. Das Geschäft mit wissenschaftlichen Zeitschriften gilt als sehr lukrativ; im Jahr 2005 erzielte Elsevier eine Umsatzrendite von 31 %.
Wissenschaftler und Bibliothekare haben mehrfach einen Boykott von Elsevier-Zeitschriften gefordert. So wurde beispielsweise eine u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Petition gestartet, in der ein freier Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen gefordert wird. Einzelne Universitäten wie Stuttgart und Karlsruhe haben bereits in Boykottaktionen sämtliche Zeitschriften dieses Verlages zeitweilig abbestellt, mussten aber letztlich doch den Forderungen der Wissenschaftler nach diesen nachgeben. An der TU-München wurde am 2. Mai 2012 öffentlich bekannt gegeben, dass das Direktorium des Zentrums Mathematik beschlossen hat „Aufgrund unzumutbarer Kosten und Bezugsbedingungen […] alle abonnierten Elsevier-Zeitschriften ab 2013 abzubestellen.“ Insgesamt geht es dabei nicht nur um das Abbestellen überteuerter Titel, sondern es werden auch (etwa in Resolutionen des Senats der University of California, Santa Cruz von Ende 2003 und des Senats der Stanford-Universität vom Februar 2004) Forscher dazu aufgerufen, keine Artikel mehr bei Elsevier-Magazinen einzureichen, sich nicht mehr zur Peer Review eingereichter Artikel zur Verfügung zu stellen und die Mitarbeit in Herausgebergremien zu beenden.
2004 kündigten erstmals renommierte US-Universitäten wie Cornell, Harvard und das MIT einen großen Teil ihrer Elsevier-Zeitschriftenabonnements sowie Online-Pakete wie ScienceDirect, mit Verweis auf die Preispolitik des Unternehmens.
Ein weiterer Punkt der Kritik an Elsevier und anderen Wissenschaftsverlagen ist seit langem, dass sie von den Autoren die vollständige Übertragung des Copyrights an den eingereichten Arbeiten verlangen. (Dies bezieht sich auf das angelsächsische Copyright; im Urheberrecht, wie es im deutschen Sprachraum gilt, können nur Nutzungsrechte übertragen werden.) Unter anderem verliert der Wissenschaftler dabei das Recht, den publizierten Artikel in digitaler Form im Internet zum Download anzubieten.
Seit dem Sommer 2004 reagiert Elsevier darauf mit der Zusicherung, dass Autoren ihre Arbeiten unter Auflagen auch in der publizierten, zitierfähigen Form auf eigenen Homepages und denen ihrer Institute verwenden dürfen. Allerdings bleibt das Einstellen bei Open-Access-Archiven wie dem ArXiv oder PubMed Central weiterhin untersagt. Dennoch wird diese Änderung auch von vielen Kritikern als ein wesentliches Zugeständnis gesehen. Allerdings hat sich der Verlag mit den Pressemitteilungen nicht rechtlich gebunden; wie ein Mitarbeiter des Verlags deutlich machte, ist das auch nicht vorgesehen. Die neue Regelung kann also jederzeit wieder zurückgenommen werden.
Im Mai 2009 wurde bekannt, dass die australische Tochter-Firma von Elsevier zwischen 2003 und 2005 sechs medizinische Marketingjournale im Auftrag von Pharmafirmen publiziert hat, die wie Fachzeitschriften wirkten und nicht als Auftragsarbeiten gekennzeichnet waren. Die Firmenzentrale bedauerte dies und sprach von einer Panne.
Im Januar 2012 veröffentlichte der bekannte Mathematiker William Timothy Gowers einen Aufruf an alle Wissenschaftler, die Journale der Elsevier-Gruppe zu boykottieren. Gowers kritisierte u.a. Elseviers Praxis, wissenschaftliche Journale nur als Gesamtbündel abzugeben. Um benötigte Journale abonnieren zu können werden Bibliotheken mit dieser Bündelung gezwungen, auch jene Journale zu beziehen, welche für sie nicht von Interesse sind. Weiterer Kritikpunkt war, dass der Verlag die US-Gesetzgebung unterstützt. Der Research Works Act (RWA) verbiete beispielsweise öffentlichen US-Forschungseinrichtungen, ihre Ergebnisse frei zu veröffentlichen. Elsevier sei nicht der einzige Verlag, der sich „schuldig“ mache, so Gowers, aber er sei der agressivste („worst offender“). Die Initiative gab sich den Namen The Cost of Knowledge.

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