Portrait: Heiliger Ibis

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pelecaniformes
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)
Gattung: Threskiornis
Art: Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus)

Der Heilige Ibis ist ein Vertreter der Unterfamilie Ibisse innerhalb der Familie Ibisvögel. Im alten Ägypten wurde der Heilige Ibis als Inkarnation des Gottes Thot verehrt. Daher stammt auch sein Name. Er wurde oft in künstlerischen Arbeiten dargestellt. In Sakkara sind Ibisfriedhöfe mit vielen, zum Teil gut erhaltenen Mumien gefunden worden.

Heiliger Ibis (Tierpark Gotha)

Heiliger Ibis (Tierpark Gotha)

Der Heilige Ibis erreicht eine Größe von 65 bis 75 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 115 bis 125 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.200 bis 1.500 Gramm. Das Gefieder ist hauptsächlich weiß gefärbt. Lediglich der Hals, der Kopf und die Schmuckfedern in der Schwanzgegend und die Schwanzspitzen sind schwarz. Die Schmuckfedern weisen je nach Lichteinfall einen blau schimmernden Glanz auf. Hals und Kopf sind unbefiedert. Die Unterseite der Flügel ist weiß. Hier zeigt sich jedoch ein breites bräunliches Band. Wie bei allen Ibissen ist der Schnabel recht lang und deutlich nach unten gebogen. Er ist wie die Extremitäten und die Zehen schwarz gefärbt. Die Geschlechter weisen keinen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Weibchen sind lediglich unwesentlich größer als die Männchen.

Der Heilige Ibis ist in Afrika südlich der Sahara heimisch. Seine nächsten Verwandten sind der der Molukkenibis und der Schwarzkopfibis.
Die Vögel leben meist in Gewässernähe. Die Bestände in Ägypten, wo er einst als heiliger Vogel verehrt wurde, sind heute erloschen.
In Frankreich hat sich beginnend in den 1970er Jahren eine Population aus freifliegenden Tieren des Vogelparks von Branféré etabliert. Im Jahr 1984 gab es etwa 100 Tiere, 1995 etwa 400 und 2005 bereits etwa 3.000 in insgesamt 17 départements. Besonders verbreitet ist er in den départements Loire-Atlantique, Vendée und Morbihan. Man findet ihn aber auch an der französischen Mittelmeerküste. Auch in Nordwestitalien sind bereits Bruten erfolgt. Die Vögel werden zunehmend auch in Belgien und den Niederlanden beobachtet, wo es ebenfalls bereits erste Bruten gab. In Deutschland sind manchmal Gefangenschaftsflüchtlinge zu finden, eventuell auch Tiere der französischen Population, vor allem am Niederrhein.

Der Heilige Ibis ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist und ernährt sich von Reptilien, Fischen, Krebstieren, großen Insekten, Schnecken sowie gelegentlich auch Aas. Müllkippen werden regelmäßig nach Fressbarem durchsucht. An der Küste kann er sich aber auch auf Eier und Nestlinge spezialisieren. Damit hat er sogar z.B. in Südafrika einen größeren Einfluss auf den Bruterfolg der dortigen Kapscharben-Kolonien gewonnen als die Dominikanermöwe. Die französischen Kolonien werden mittlerweile als eine akute Bedrohung besonders für Seeschwalbenkolonien angesehen.

Heiliger Ibis (Tiergarten Wels)

Heiliger Ibis (Tiergarten Wels)

Der Heilige Ibis ist ein geselliger Vogel, der vor allem nachts die Nähe zu Artgenossen sucht. Sie schlafen in der Regel gemeinsam in Schlafbäumen. Die Schlafgemeinschaften können durchaus einige hundert Tiere umfassen.
Die Paarungszeit erstreckt sich in den subtropischen Verbreitungsgebieten über die Regenzeit. Der Heilige Ibis brütet in zum Teil großen Kolonien auf Bäumen und höheren Sträuchern. Gelegentlich befinden sich die Nester aber auch an geschützter Stelle auf dem Boden. Pro Saison kommt es zu einer Brut. Über eventuelle Nachgelege ist nichts bekannt. In den Brutkolonien können sich durchaus auch andere Vögel wie Störche oder andere Ibisarten befinden. Heilige Ibisse sind da recht verträglich. Ein einmal errichtetes Nest wird in der Regel über mehrere Jahre genutzt und ständig ausgebessert. Das Weibchen legt zwischen drei und vier Eier, die über einen Zeitraum von 25 bis 28 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungvögel erhalten vorverdaute Nahrung aus dem Schlund der Altvögel. Nach bereits drei Wochen verlassen die Jungvögel das Nest, bleiben aber noch bis zu zwei Wochen in der Kolonie, ehe sie selbständig sind.

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