Portrait: Roter Sichler

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pelecaniformes
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)
Gattung: Eudocimus
Art: Roter Sichler (Eudocimus ruber)
Roter Sichler (Tierpark Hellabrunn)

Roter Sichler (Tierpark Hellabrunn)

Der Rote Sichler, auch Scharlachsichler, Roter Ibis oder Scharlachibis genannt, ist ein auffallend gefärbter Vertreter der Ibisvögel.
Die IUCN schätzt den Gesamtbestand des Scharlachsichlers auf 100.000–150.000 Tiere und stuft die Art als nicht gefährdet ein.

Der Rote Sichler erreicht eine Körperlänge von etwa 56,0 bis 61,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 85,0 bis 95,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 500,0 bis 650,0 Gramm. Charakteristisch ist der lange Hals und die langen Beine. Des Weiteren befindet sich zwischen den Zehen eine Schwimmhaut. Das gesamte Gefieder ist einheitlich leutend rot und die Flügelspitzen weisen eine blau-schwarze Färbung auf. Die leuchtend rote Farbe verblasst in der Gefangenschaft, sofern die Vögel nicht eine bestimmte Nahrung erhalten, die aus hohem Protein- und Garnelen-Fleisch besteht. Obwohl das Gefieder der Erwachsenen leuchtend rot gefärbt ist, weisen die Jugendlichen eine stumpfe graubraune Färbung mit einem weiß getönten Bauch auf. Erst nach der zweiten Mauser und wenn die Jugendlichen schon flügge sind, nimmt das Gefieder die leuchtend rote Färbung an. Die rote Färbung beginnt auf dem Rücken und breitet sich dann allmählich über den ganzen Körper aus. Die Farb-Intensität nimmt in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren zu. Zwischen den Männchen und den Weibchen ist die Gefiederfärbung gleich, jedoch ist das Männchen größer und der Schnabel ist auch etwas länger als beim Weibchen. Der sichelförmige, nach unten gebogene Schnabel, ist mit einer schwarzen Spitze versehen.

Der Rote Sichler ist im nördlichen Südamerika verbreitet und erstreckt sich von Venezuela bis nach Ost-Brasilien. Er lebt nomadisch mit saisonalen Verschiebungen und Wanderungsbewegungen zwischen den verschiedenen Küstenregionen und Feuchtgebieten. Der Rote Sichler zieht sumpfige Lebensräume wie Wattflächen und seichte Buchten vor. Er neigt dazu, auf dicht mit Büschen bewachsenen Inseln und Mangroven in der Nähe von Flussmündungen zu reproduzieren und zu nisten. Die gesellig lebenden Vögel sind oft in großen Kolonien anzutreffen. Die rote Gefiederfärbung resultiert aus der Nahrungsaufnahme, insbesondere aufgrund von karotinhaltigen Krebstieren. Junge Sichler haben etwa eine 50 Prozentige Mortalitätsrate. In der Regel leiden Kolonien durch hohe Sterblichkeitsraten aufgrund von Prädation und Mangel an Nahrung.
Der Rote Sichler ist eine sehr kommunale Art und ist sowohl während der Brutzeit als auch bei der Nahrungssuche sozial. Er fliegt in großen Schwärmen zu den verschiedenen Nahrungs- und Ruheplätzen. Im Flug schweben und gleiten die Vögel in großen Höhen und Geschwindigkeiten. Wenn sie gestört werden, dann fliegen alle Vögel von einem Nistplatz auf. Territoriale Streitigkeiten zwischen den Männchen werden nach Größe ausgefochten.

Der Rote Sichler lebt im nördlichen Südamerika vom westlichen Venezuela über die Guyanas bis zur Amazonasmündung in Brasilien, sowie auf der Antilleninsel Trinidad. Er ist in mehr oder weniger großen Kolonien anzutreffen.
Der Rote Sichler bevorzugt als Feuchtraumbewohner tropische Süsswassersümpfe und Mangrovenwälder und lebt in großen Kolonien. Die Lebensräume sind sehr vielfältig und umfangreich, da die Vögel nomadische Bewegungen zwischen den Nist- und Nahrungsplätzen unternehmen. Die Verschiebungen treten zwischen den Feuchtgebieten und den Küstenregionen nördlich von Südamerika auf. Genauer gesagt, die Nahrungsplätze befinden sich zwischen den höheren und niederen Llanos von Südamerika. Das Brüten erfolgt dann im Nordwesten Kolumbiens und entlang der Atlantikküste und in Brasilien, wo sich die Nester entlang der nordöstlichen Küste befinden.

Roter Sichler (Tierpark Hellabrunn)

Roter Sichler (Tierpark Hellabrunn)

Der markante dünne, lang gebogene Schnabel ist optimal für die Nahrungssuche im weichen Schlamm oder unter Pflanzen. Ein großer Teil der Nahrung besteht aus kleinen Fischen, Muscheln und Insekten, von denen die Mehrheit Blatthornkäfer (Scarabaeidae) und Laufkäfer (Carabidae) sind. Jedoch verzehrt der Roter Sichler auch eine große Menge an Garnelen und anderen Krustentieren. Diese enthalten das Astaxanthin, ein Carotinoid, das die rote Pigmentierung bei den Vögeln produziert. In Gefangenschaft wird die Ernährung der Vögel oft durch rote Beete und Karotten ergänzt, um die Farb-Brillanz in ihrem Gefieder zu pflegen. Die Llanos zeichnen sich dadurch aus, dass sich in diesem Feuchtgebiet sieben Ibis-Arten aufhalten. Unter den Ibis-Arten zeichnet sich der Rote Sichler als die aggressivste Art aus, indem er die anderen Arten angreift, um ihre Nahrung zu stehlen.

Der Rote Sichler weist ein koloniales und soziales Brutsystem auf. Die Nester werden in der Regel nahe beieinander auf Bäumen angelegt. Die Männchen locken die Weibchen mit Putzen, Flügen, Reibungen und mit Schaukelbewegungen die Weibchen an. Die Weibchen nähern sich sehr vorsichtig den Männchen, da sie manchmal von den Männchen angegriffen werden. Rote Sichler sind polygyn, d. h., die Männchen paaren sich oft mit mehr als einem Weibchen. In der Regel brütet er auf kleinen Mangroveninseln sowie auf Bäumen und größeren Büschen. Das Baumaterial für das Nest wird vom Männchen herangeschafft und vom Weibchen zu einem Nest verbaut. Rote Sichler suchen Mitte September ihre Nistplätze auf und die Eiablage erfolgt zwischen Anfang November und Dezember. Das erste Ei wird am 5. oder 6. Tag nach der Kopulation gelegt. In der Regel besteht das Gelege aus drei bis fünf Eiern. Die Eier sind nicht glänzend, sondern glatt. Die Eier werden von beiden Elternteilen bebrütet. Die Inkubation dauert zwischen 19 und 23 Tagen. Die Jungen sind nach 35 Tagen flügge und nach 75 Tagen sind sie selbständig. Die jungen Sichler sind Nesthocker. Nach dem Schlüpfen sind die Jungen hilflos und können noch nicht einmal ihre Köpfe halten. Beide Altvögel sorgen sich um den Aufwuchs der Jungen, indem Nahrung herbeischaffen und ihren Jungen auch vor natürlichen Feinden schützen. Nach dem Schlupf haben die Jungvögel ein braunes Dunenkleid. Nach 6 Wochen sind sie flügge. Die rote Gefiederfärbung setzt erst im 2. Lebensjahr ein, nach 3 Jahren sind sie ausgewachsen.

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