Unterarten des Braunbären

Europäischer Braunbär (Wildpark Poing)

Europäischer Braunbär (Wildpark Poing)

Innerhalb des großen Verbreitungsgebietes der Braunbären gibt es beträchtliche Unterschiede hinsichtlich der Größe und des Gewichtes, der Schädelform, der Fellfärbung und anderer morphologischer Merkmale. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Unterarten beschrieben, über deren Anzahl große Meinungsunterschiede bestehen. Im Lauf der Forschungsgeschichte wurden dutzende Unterarten beschrieben, eine Zahl, die heute wieder nach unten korrigiert wurde.
Mittels Vergleichs der mitochondrialen DNA (mtDNA) wurden mehrere Abstammungslinien der Braunbären festgestellt, mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen: So gibt es in Europa zwei Abstammungslinien – eine umfasst die Tiere in Skandinavien und in Südeuropa, die zweite die Tiere in Osteuropa und Sibirien. Die Kodiakbären gehören zur selben Linie wie die weit kleineren Exemplare im Landesinneren Alaskas, und die Population auf dem Alexanderarchipel vor der Südostküste Alaskas repräsentiert eine gänzlich eigene Linie, die genetisch den Eisbären nähersteht als den Tieren auf dem Festland.

Kamtschatkabär (Zoo Brno)

Kamtschatkabär (Zoo Brno)

In modernen Systematiken werden meist folgende Unterarten unterschieden:
Der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos) umfasst die Bestände in den Alpen, den Pyrenäen, in Ost- und Südeuropa sowie in Skandinavien.  Zu dieser Unterart gehört auch der Kantabrische Braunbär.
Der Syrische Braunbär (U. a. syriacus) ist relativ kleinwüchsig und hat eine hellbraune Färbung. Ob es sich bei diesem in der Kaukasusregion und Vorderasien heimischen Vertreter um eine eigenständige Unterart oder um eine lokale Variante des Europäischen Braunbären handelt, ist umstritten.
Der Sibirische Braunbär (U. a. beringianus) lebt im asiatischen Teil Russlands und ist ein großgewachsener Vertreter. Der Kamtschatkabär ist ein auf der Halbinsel Kamtschatka beheimateter besonders großgewachsener Vertreter des Sibirischen Braunbären. Er wird manchmal als eigene Unterart (U. a. piscator) aufgeführt. Er ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 2,5 Meter und einem Gewicht von 600 Kilogramm der zweitgrößte heute lebende Großbär.
Der Grizzlybär (U. a. horribilis) bewohnt Nordamerika. Er ist kräftiger und schwerer als europäische Braunbären und gilt als aggressiver. „Grizzly“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „gräulich“.
Der Isabellbär (U. a. isabellinus) ist nach seinem isabellfarbenen Fell benannt, er ist in Nordindien, im Himalaya und in Zentralasien beheimatet. Der taxonomische Status des Gobibären war lange unklar. 1992 wurde er von Sokolov and Orlov als Unterart Ursus arctos gobiensis beschrieben und 2007 nach genetischen Untersuchungen als Reliktpopulation des Isabellbären identifiziert.
Der Mandschurische Braunbär (U. a. manchuricus) kommt im Nordosten Chinas und in der Mongolei vor.
Der Kodiakbär (U. a. middendorffi), lebt auf der Insel Kodiak und benachbarten Inseln vor der Südküste Alaskas. Er ist mit einem Gewicht von bis zu 750 Kilogramm und einer Körperlänge (Kopf – Rumpf) von bis zu 2,70 Metern der größte der heute lebenden Großbären.
Der Tibetische Braunbär (U. a. pruinosus) ist in Tibet und Sichuan beheimatet und durch sein blaugraues Fell gekennzeichnet. Vermutlich sind zahlreiche vermeintliche Sichtungen des Yetis auf Verwechslungen mit diesem Tier zurückzuführen.
Der Hokkaido-Braunbär (U. a. yesoensis) lebt auf der japanischen Insel Hokkaidō.

Drei Unterarten des Braunbären sind bereits ausgestorben:

Der Atlasbär (U. a. crowtheri) war der einzige einheimische Bär in Afrika. Er bewohnte das nordafrikanische Atlasgebirge und die umliegenden Gebiete von Marokko über Algerien bis Libyen und lebte in Höhlen. Heute wird angenommen, dass er seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben ist.
Abgesehen von Berichten aus römischer Zeit gibt es kaum Quellen, in denen Bären aus Nordafrika erwähnt werden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand man fossile und subfossile Überreste, die belegen, dass dort eine Bärenart gelebt hat. Anhand der Knochen stellte man fest, dass er eine Unterart des Braunbären war, allerdings war der Atlasbär so unterschiedlich zu den anderen Unterarten, dass selbst der Status als Unterart fraglich ist, er war vermutlich sogar eine eigene Art (Ursus crowtheri).
Tausende dieser Bären wurden von Tierfängern eingefangen und an die Römer verkauft, die die Tiere in Tierhetzen im Circus Maximus, dem Kolosseum, anderen Amphitheatern und kleinen Arenen in römischen Feldlagern zur Belustigung des Publikums von Venatoren oder anderen Tieren töten ließen. Weiter wurden Atlasbären in Damnatio ad bestias (lat. „Verurteilung zu den Bestien“) dazu benutzt, um Verurteilte zu töten, oder einfach als Sport gejagt.
Der letzte sichere Beleg ist ein Weibchen, das 1840 an den Ausläufern des Petuan-Gebirges in Algerien geschossen wurde. Nach unbestätigten Berichten des französischen Naturforschers Jules René Bourguignat (1829–1892) soll es jedoch 1867 im Edough-Massiv im östlichen Algerien noch Bären gegeben haben. Vermutlich wurde der Atlasbär etwa im Jahr 1869 ausgerottet, als das letzte bekannte Exemplar von Jägern in Nordmarokko getötet wurde. Der genaue Zeitpunkt seines Aussterbens ist unbekannt.

Der Mexikanische Grizzlybär (U. a. nelsoni) bewohnte die nördlichen Territorien Mexikos, insbesondere die gemäßigte Grasländer und Pinienwälder der Berge. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte von Arizona über New Mexiko bis Mexiko.
Bereits die Conquistadoren im 16. Jahrhundert kamen mit ihm in Kontakt, als Francisco Vásquez de Coronado im Jahre 1540 von Mexiko-Stadt auf seiner Suche nach den sieben goldenen Städten von Cibola nach New Mexico und zu den Buffalo Plains in Texas und Kansas marschierte. In den 1930er Jahren war er schon so stark geschossen, in Fallen gefangen und vergiftet, dass er nur noch im Bundesstaat Chihuahua in den isolierten Berginseln Cerro Campano, Santa Clara und Sierra del Nido 80 Kilometer nördlich von Chihuahua vorkam. Um das Jahr 1960 gab es nur noch 30 Exemplare. Während die mexikanische Regierung den gesetzlichen Schutz für diese Bären proklamierte, wurde er weiterhin von den Farmern getötet. Um das Jahr 1964 galt der Mexikanische Grizzlybär als ausgestorben. Nachdem angeblich im Jahre 1968 ein paar Exemplare auf einer Ranch am Oberlauf des Rio Yaqui in der Provinz Sonora gesichtet wurden, startete der US-amerikanische Zoologe Dr. Carl Koford eine dreimonatige Suchaktion, die jedoch scheiterte.

Der Kalifornische Braun- oder Grizzlybär (U. a. californicus)  wurde aufgrund seiner Fellfärbung im Englischen als „Golden Bear“ bezeichnet und lebte im US-Bundesstaat Kalifornien sowie auf der Halbinsel Niederkalifornien.

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