Vögel füttern im Winter …aber richtig

Der erste Schnee ist schon gefallen und bald wird man die ersten Meisenknödel und winterliche Vogelhäuschen mit Sonnenblumenkernen und ähnlichen Samen sehen. Und dann wird gefüttert was das Zeug hält, unabhängig von den Temperaturen und den vorherrschenden Bedingungen. Das man dabei aber viele Fehler machen kann, ist vielen nicht bewusst (Tierliebe kann auch negative Seiten haben, vor allem, wenn man mit einer zu menschlichen Denkweise an die Thematik Vogelfütterung herangeht).
Aber es gibt Organisationen/Institutionen/Vereine, die jedes Jahr aufs Neue Hinweise zur korrekten Vogelfütterung geben.

09.11.2012, Tiermedizinportal
Das richtige Vogelfutter für Vögel im Winter – Darauf sollten Sie achten
Rund 15 bis 20 Millionen Euro geben Vogelfreunde in Deutschland jedes Jahr aus, um Vögel im Winter zu füttern. Doch welches Vogelfutter im Vogelhaus ist gut für Amsel, Meise, Rotkehlchen und Co.? Tiermedizinportal.de verrät Ihnen, worauf es beim Vogelfutter für heimische Wildvögel ankommt.
Weichfutter-Fresser oder Körnerfresser?
Unter den Wildvögeln gibt es Weichfutter-Fresser und Körnerfresser. So fressen zum Beispiel Amseln, Drosseln und Rotkehlchen am liebsten weiches Vogelfutter wie:
Äpfel
Rosinen
Getreideflocken, z.B. Haferflocken
Kleie
Bieten Sie den Vögeln Früchte aber möglichst nur im Ganzen an – kleine Stücke frieren im Winter schneller ein und verderben zudem leichter. Weichfutter-Fresser suchen ihr Futter vor allem in Bodennähe. Für sie gibt es spezielle Futterautomaten.
Meisen, Spechte und Kleiber gehören ebenfalls zu den Weichfutter-Fressern. Diese Vögel gelten allerdings als „Allesfresser“, denn sie fressen im Winter auch Körner wie Sonnenblumen-Kerne, Mohn oder Hanfsamen. Finken, Sperlinge und Ammern zählen dagegen zu den sogenannten Körnerfressern. Ihre Schnäbel sind kräftiger als die der Weichfutter-Fresser. Sie fressen Sämereien. Je nachdem, mit welchem Futter Sie Ihr Futterhaus für Vögel im Winter füllen, können Sie damit also unterschiedliche Vogelarten anlocken.
So erkennen Sie gutes Vogelfutter
Vogelfutter darf kein Salz enthalten. Übrig gebliebene Lebensmittel wie Schinken, Käse oder Wurst sind deshalb für Vögel tabu. Auch Brot eignet sich nicht als Vogelfutter, denn es enthält Salz und quillt zudem im Magen der Vögel auf. Reines Fett, zum Beispiel in Form von Butter oder Margarine, bekommt Vögeln ebenfalls nicht.
Gutes Vogelfutter für Vögel im Winter können Sie zu Hause selber machen. Es gibt aber auch kommerzielles Vogelfutter speziell für Wildvögel. Wenn Sie das Vogelfutter kaufen, sollten Sie ein paar Dinge beachten:
Das Vogelfutter sollte möglichst frei von Ambrosia-Samen sein. Diese Beifuß-Art hat sich neu in Deutschland angesiedelt und kann bei Allergikern zu schweren Reaktionen führen. Durch Ambrosia-freies Vogelfutter können Sie dazu beitragen, dass sich die Pflanze nicht noch weiter verbreitet. Vor allem Vogelfutter, das aus Nordamerika oder Ungarn stammt, kann Ambrosia enthalten.
Wählen Sie ein Vogelfutter, das möglichst wenig „Füllmaterial“ wie Getreidespelzen und Getreidehülsen enthält. Vögel fressen nur die Samen, die Füllstoffe bleiben liegen. Wenn Sie einmal ein Vogelfutter erwischt haben, von dem die Vögel im Winter viel übrig lassen, spricht dies für einen hohen Anteil an Füllmaterial. Beim nächsten Mal können Sie sich dann für ein anderes Vogelfutter entscheiden.
Hersteller von gutem Vogelfutter wissen genau, welche Inhaltsstoffe das Futter in welchen Anteilen enthält. Sie können dann auch Angaben zum Energiegehalt des Vogelfutters machen.
Füttern erst bei Frost oder Schnee
Solange die Vögel noch Futter finden können, müssen Sie sie nicht füttern – auch nicht im Winter. Erst bei Frost oder Schnee wir es für die heimischen Wildvögel schwierig und sie freuen sich über Vogelfutter in einem Futterhaus. Aber auch ein „vogelfreundlicher“ Garten hilft den Tieren über den Winter: Vögel knabbern im Winter gerne an heimischen Sträuchern wie Vogelbeere, Holunder oder Kornelkirsche.
Auch die Fruchtstände von Gräsern, Disteln oder Astern gehören zu den natürlichen Futterquellen von Vögeln. Wenn Sie davon viel in Ihrem Garten stehen haben, werden die Vögel Sie im Winter gerne besuchen – und sich auch im Frühjahr, Sommer und Herbst noch daran erinnern und den Garten beleben. Dann dienen die Sträucher und Büsche zum Beispiel als Nistplatz.

Auch VIER PFOTEN gibt Hinweise zur winterlichen Vogelfütterung (Quelle: Homepage):

Bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke empfehlen wir eine sachgemäße Zufütterung, um Nahrungsengpässe bei der heimischen Vogelwelt zu vermeiden. Die Tiere benötigen ausreichend Futtermengen um den kältebedingten Energieverlust ihrer kleinen Körper auszugleichen. Die Winterfütterung trägt dazu bei, das Überleben einzelner Individuen zu sichern – vorausgesetzt, Vogelfreunde greifen auf das richtige Futter zurück und sorgen für einen hygienisch einwandfreien Futterplatz.
Richtig füttern
Generell gilt: Speisereste sind zur Fütterung ungeeignet. Die Futtervielfalt ist entscheidend und sollte auf die Bedürfnisse der Vögel abgestimmt werden. Entsprechend hochwertige Futtermischungen gibt es im Handel. Körnerfresser wie Spatzen oder Meisen bevorzugen Sonnenblumenkerne und Hanfsamen. Weich- und Insektenfresser wie z.B. Amsel, Drosseln oder Rotkehlchen mögen getrocknete Beeren, gemahlene Nüsse oder zerkleinerte Äpfel. Feuchtes Futter wie Obst sollte nicht in größeren Mengen ausgelegt werden, da es gefrieren könnte.
Um viele Vogelarten anzusprechen sollten unterschiedliche Futterplätze angelegt werden. Empfehlenswert sind Futtersäulen oder -trichter – darin rutscht das Futter nach und bleibt sauber. Im klassischen Futterhäuschen können Obst, Sämereien oder Fettfutter angeboten werden – auch hier muss auf Sauberkeit geachtet werden. An einer verunreinigten Futterstelle können sich schnell Infektionskrankheiten verbreiten. Deshalb müssen Restfutter und Kot täglich entfernt und der Platz vor Witterungseinflüsse geschützt werden. Zum Schutz vor natürlichen Feinden sollten die Vögel außerdem die Futterstelle im Umkreis von drei Metern überblicken können.
Auch Wasservögel haben bei Dauerfrost Probleme bei der Nahrungssuche und können durch geeignete Futtergaben wie Getreide, Eicheln, Hühnerfutter, Obst, kleine Brotmengen oder spezielles Wasservogelfutter unterstützt werden. Allerdings müssen die gesetzlichen Regelungen wie Fütterungsverbote der Gemeinden berücksichtigt werden.
Natürliche Nahrungsquellen bewahren
Eine wohldurchdachte Vogelfütterung hilft einzelnen Tieren über den Winter zu kommen und bietet dem Beobachter ein spannendes Naturerlebnis. Um nachhaltig den Artenrückgang zu stoppen ist aber die Bewahrung der natürlichen Nahrungsgrundlagen unerlässlich. Naturnahe Gärten mit Beerensträuchern, abgefallenem Obst, Büschen und Laubhaufen als Unterschlupf für Kleintiere garantieren auch in harten Zeiten einen vollen Magen.

Online gibt es auch einen Ratgeber zur Vogelfütterung (Stand: November 2011).
Dieser Ratgeber enthält auch folgenden Hinweis:
Im Frühjahr absoluter Fütterungsstopp
Spätestens bevor die Vögel zu brüten beginnen, muss auf jeden Fall mit der Fütterung aufgehört werden. Die Jungen aller Singvögel müssen mit Insekten gefüttert werden, da sie pflanzliche Nahrung nur schwer verdauen können. Die Elterntiere müssen für ihre Brut selbständig auf Nahrungssuche gehen. Bietet man noch Futter an, so versuchen sie, ihre Brut damit großzuziehen, was misslingt. Jungvögel benötigen für ihren Wachstum tierisches Eiweiß von Würmern, Spinnen, Insekten und ihren Larven. Streufutter, Haferflocken, Fettfutter, u.a. sind für junge Vögel kaum verdaulich. Entwicklungsstörungen bis hin zum Tod können die Folge durch falsche Ernährung sein.

Im Januar 2012 jedoch rät die Organisation zur ganzjährigen Vogelfütterung:

Hamburg, 12.01.2012: Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist darauf hin, dass das Füttern von Vögeln nicht nur bei frostigen Temperaturen und dauerhafter Schneedecke sinnvoll ist.
Eine regelmäßige, artgerechte Fütterung könne den Tieren das ganze Jahr hindurch helfen. Denn der Lebensraum und damit die Nahrungsgrundlage der heimischen Singvögel ist durch den Menschen stark eingeschränkt worden. Bei der Fütterung ist laut VIER PFOTEN die Futtervielfalt entscheidend. Sie sollte auf die Bedürfnisse der Vögel abgestimmt werden.
„Private Gärten sind heutzutage überwiegend frei von Unkraut und Beerensträuchern. Und in der landschaftlichen Nutzung kommen Herbizide zum Einsatz, welche Disteln und andere Futterquellen für Vögel vernichten“, erklärt Vogelexpertin Martina Schnell von VIER PFOTEN. „Da wir den Vögeln so viel von ihrem natürlichen Lebensraum genommen haben, steht der Mensch jetzt in der Verantwortung.“ Wichtig ist, die Futterplätze sauber zu halten und sie vor Fressfeinden, wie zum Beispiel Katzen zu schützen.
Die Fütterung sollte regelmäßig ohne Pause erfolgen. „Legen Sie getrennte Futterplätze für die Vögel an“, rät Schnell. Denn jeder Vogel hat einen eigenen Geschmack: Spatzen oder Meisen bevorzugen als Körnerfresser Sonnenblumenkerne und Hanfsamen. Amseln, Drosseln oder Rotkehlchen mögen dagegen gerne getrocknete Beeren, gemahlene Nüsse oder zerkleinerte Äpfel. „Sparen Sie nicht beim Futter. Legen Sie lieber weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Nahrung aus. Achten Sie bei den Sonderangeboten im Supermarkt aufs Verfalldatum“, empfiehlt die VIER PFOTEN-Expertin.
„Der beste Weg, um die einheimischen Vogelarten zu schützen, ist aber einen naturnahen Garten anzulegen“, so Martina Schnell. „Beerensträuchern, Obstbäume, Büsche und Laubhaufen als Unterschlupf für Kleintiere garantieren einen vollen Speiseplan für die Vögel.“
Literatur-Tipp: Hans Egidius, „Vögel füttern rund ums Jahr“, Ulmer-Verlag 2011

Auch auf Wildvogelhilfe.org werden Tipps zur richtigen Winterfütterung gegeben und auch das Für und Wider zur Ganzjahresfütterung genauer erläutert.
Solange die Fütterung (egal ob das ganzen Jahr über oder nur im Winter) artgerecht erfolgt, erleiden die Nutznießer keinen Schaden.
Der Naturschutzbund Deutschland gibt ebenfalls Tipps für die richtige Winterfütterung.

Das sind nur einige Beispiele, zahlreiche andere Webseiten mögen ebenfalls hilfreich sein, aber ich mache mir jetzt nicht die Arbeit alle zu suchen.
Wer Vögel im Winter (oder ganzjährig) füttern will, dürfte durch diesen Artikel und die weiterführenden Links bestens bedient und beraten sein.

Nachtrag (14.12 2012): Inzwischen hat sich auch die Deutsche Wildtierstiftung zum Thema Vogelfütterung im Winter mit einer Pressemitteilung geäußert:

14.12.2012, Deutsche Wildtier Stiftung
Schöne Bescherung…?! Weiße Weihnacht ist für Wildtiere eine schwere Zeit
Im Winter trägt das Hermelin weiß. Mit seinem prächtigen Winterpelz ist es so bei Schnee perfekt getarnt. Ein schneereicher Winter ist für viele Wildtiere zwar eine gefährliche und nahrungsarme Zeit, doch einige Arten kommen überraschend gut zurecht. „Hermeline jagen Mäuse sogar in Gängen unter der Schneedecke“, sagt Peer Cyriacks, Biologe der Deutschen Wildtier Stiftung.
„Wo das Hermelin fehlt, bietet die Schneedecke den Mäusen Schutz vor Feinden wie dem Mäusebussard. Er sitzt jetzt oft stundenlang auf Pfählen und hofft auf Beute. So kann es vorkommen, dass viele Mäuse nach schneereichen Wintern überlebt haben, aber Greifvögel müssen bei geschlossener Schneedecke häufig darben. „Zur ausgedehnten Nahrungssuche fehlt ihnen obendrein die Thermik und ohne aufsteigende warme Luft können die Vögel kaum segeln“, erklärt Cyriacks. Dem Fuchs hingegen macht Schnee bei der Mäusejagd nichts aus. Er verlässt sich auf seinen dichten Pelz und sein feines Gehör, ortet Mäuse unter der Schneedecke und stößt dann gezielt zu.
Das einsetzende Tauwetter und die von Meteorologen angekündigte „grüne Weihnacht“, ist vor allem für kleinere Vögel ein Segen. Für sie ist die Futtersuche in verschneiter Landschaft ein Problem. Oft fliegen sie in die Stadt ans Futterhaus, um ihren Hunger zu stillen. Wenn Seen und Teiche zugefroren sind, kommen auch die farbenprächtigen Eisvögel in die Stadt und versuchen an Kanälen und anderen offenen Wasserstellen zu fischen. Finden sie dort keine Fische in ausreichenden Mengen, sterben gerade Eisvögel im Winter oft in großer Zahl. „Auch wenn Enten und andere Wasservögel hungrig erscheinen – sie dürfen keinesfalls mit Brot gefüttert werden“, warnt der Biologe der Deutschen Wildtier Stiftung. „Brot kann bei Wasservögeln zu schmerzhaften Gelenkentzündungen führen.“
Vögel dürfen generell nicht mit altem Brot und Speiseresten gefüttert werden. Salz und Gewürze können für sie sogar tödlich sein. Sie brauchen hochwertiges Vogelfutter.

Nachtrag (31.01.2013): Vögel füttern im Winter, die zweite (vom Bund deutscher Tierfreunde)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.