Neues aus der Wissenschaft

Die erste Wissenschafts-Presseschau des Beutelwolf-Blogs. Neben neuentdeckten Arten, neuentdeckten Populationen und eingebürgerten Tieren finden sich auch einige interessante Museumsausstellungen unter den Pressemitteilungen. Und kleine Ausflüge in die Welt der Pflanzen lassen sich dabei auch nicht vermeiden.
Dadurch wird der Beutelwolf-Blog meiner Meinung nach etwas bereichert, denn auch Museen können einiges über das Verständnis unserer Tierwelt beitragen (und es gibt mehr als eine Tierart, die im Museum unter den Exponaten entdeckt wurde)

10.12.2012, Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland
Zwei neue Kaiserpinguin-Kolonien in der Antarktis entdeckt
André Ancel und Yvon Le Maho vom multidisziplinären Institut Hubert Curien in Straßburg (CNRS und der Universität Straßburg) haben in der Nähe des Mertz-Gletschers zwei neue Kaiserpinguin-Kolonien mit mehr als 6000 Küken entdeckt. Sie leben etwa 250 km von der französischen Antarktis-Forschungsstation Dumont d’Urville, im Adélie-Land [1], entfernt. Satellitenbilder der British Antartic Survey in Cambridge haben diese Entdeckung bestätigt.
Die beiden nun entdeckten neuen Gruppen wurden in der Gegend bereits vermutet, aber nie gesichtet. Winterbedingte Einschränkungen (die Kaiserpinguine kommen nur im antarktischen Winter – ihrer Brutzeit – an Land) und das Verschwinden des Meereises im Sommer (auf denen die Pinguine ihre Kolonien gründen) machten den Zugang zu diesem Standort lange Zeit unmöglich. 2012 war es endlich soweit: alle menschlichen und logistischen Bedingungen waren erfüllt. Dank eines günstigen Wetterfensters, gepaart mit den umfassenden Kenntnissen des Logistik-Teams des IPEV (Polarinstitut Paul Emile Victor) über die dort herrschenden Umweltbedingungen sowie der Navigationsleistungen im Eis und der Unterstützung durch einen Hubschrauber (unerlässlich in dieser Region) konnte die Existenz zweier neuer Populationen von Kaiserpinguinen bestätigt werden.
Ursprünglich lebten beide Kolonien zusammen, wurden jedoch aufgrund eines Bruchs der Mertz-Gletscherzunge im Jahr 2010 getrennt: die eine Gruppe mit rund 2000 Küken lebt etwa 15 km entfernt von der zweiten Population mit ca. 4000 Küken. Da jedes Pinguinweibchen pro Jahr nur ein Ei legt, erhöht sich die Zahl der in diesem Gebiet der Antarktis lebenden Pinguinpopulation auf mindestens 8.500 Paare und hat sich somit verdreifacht.
[1] Gehört seit 1955 zum Territorium der französischen Süd- und Antarktisgebiete.

10.12.2012, Bundesamt für Naturschutz
Von niedlichen Waschbären und gefährlichen Schönheiten
Bonn, 10. Dezember 2012: Seit vielen Jahren werden in Deutschland in der Natur neue Tier- und Pflanzenarten beobachtet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geht von über 800 gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten aus. „Diese Arten wurden in Folge der Globalisierung einge-schleppt oder gar bewusst ausgesetzt. Andere Arten sind hingegen Boten des Klimawandels oder Rückkehrer, die schon einmal früher bei uns heimisch waren“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Die Wahrnehmung und Darstellung von neuen Arten in der Öffentlichkeit sind oft undifferenziert und vielfach negativ: Ihr Erscheinungsbild wird als „exotisch“, „fremdartig“, gelegentlich „bunt“ oder „niedlich“ beschrieben, meist wird aber etwas Bedrohliches suggeriert oder behauptet. „Nicht selten wird von niedlichen Waschbären oder gefährlichen Schönheiten gesprochen. Im Naturschutz spielen solche subjektiven Einschätzungen jedoch im Kern keine Rolle. Sondern hier geht es um die Frage, welche Auswirkungen die neuen Arten auf unser ökologisches Gefüge haben und ob möglicherweise eine Gefahr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt besteht,“ so die BfN-Präsidentin. Das Bundesamt für Naturschutz lässt in Forschungsvorhaben genau dieses prüfen und leitet den Bundesländern entsprechende Informationen zu. Die Bundesländer entscheiden selbst, ob Maßnahmen erforderlich sind. „Hier gilt es, pragmatisch zu handeln“, so Beate Jessel weiter, „speziell bei den eingeschleppten Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge.“
Hintergrund Neue Tier- und Pflanzenarten:
Bei den gemeinhin als „neu“ bezeichneten Arten sind nach Auffassung des BfN tatsächlich fünf Typen zu unterscheiden, die sich nach ihrer Herkunft wiederum in zwei Untergruppen aufteilen lassen:
Natürliche Vorkommen: Die Dynamischen, die Einwanderer und die Rückkehrer
Anthropogene Vorkommen: Die Wiederangesiedelten, die Eingeschleppten/Aus-
gesetzten (Neobiota)
Zu den dynamischen Arten zählt man einheimische Arten, die schon lange in Deutschland vor-kommen, die aber bestimmte Regionen neu oder wieder besiedeln. Die Gründe für die Ausbrei-tung sind erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen oder der Klimawandel. Ein Beispiel ist der Seead-ler. Noch Mitte des letzten Jahrhunderts fast ausgestorben gibt es heute wieder ungefähr 700 Brutpaare. Eine andere Art, die als „Klimawanderer“ sich in Deutschland und darüber hinaus ausbreitet, ist die Stechpalme.
Die einwandernden Arten breiten sich auf natürliche Weise aus den Nachbarländern in Deutschland aus, weil sie aufgrund günstiger Erhaltungssituation oder des Klimawandels gute Lebensbedingungen vorfinden. Ein Beispiel ist der Goldschakal, der aus Südost Europa kommend schon mehrfach in Deutschland beobachtet wurde. Ein anderes Beispiel ist der Meerfenchel, der seit einigen Jahren auf Helgoland wächst.
Zu den Rückkehrern zählt man einheimische Arten, die ausgerottet wurden und wieder aus den Nachbarländern nach Deutschland zurückkehren, weil sich die Lebenssituation hier wieder ver-bessert hat. Prominente Rückkehrer sind der Wolf und das Moosblümchen.
Die wiederangesiedelten Arten wurden bewusst und kontrolliert vom Menschen ausgesetzt. Es sind ausgestorbene bzw. verschollene einheimische Arten. Dazu gehört zum Beispiel der Euro-päische Stör, der im Rahmen eines nationalen Aktionsplans wieder angesiedelt wird. Weitere Beispiele sind Luchs, Biber und Würfelnatter.
Unter eingeschleppten/ausgesetzten Arten, auch Neobiota genannt, versteht man gebietsfremde Arten, die ihr Verbreitungsgebiet nicht auf natürliche Weise nach Deutschland ausgedehnt haben. Sie stammen meist aus fernen Ländern wie USA oder China mit ähnlichen klimatischen Verhältnissen wie in Mitteleuropa. Durch den Menschen werden diese Arten aber absichtlich z.B. als Nutzpflanzen importiert oder unabsichtlich z.B. im Ballastwasser von Containerfrachtern oder in Frachtsendungen mittransportiert. Gelangen die gebietsfremden Arten im neuen Gebiet in die Freiheit, können sie sich oft ungestört ausbreiten und dabei oftmals unerwartete Auswirkungen zeigen, weil unter anderen die natürlichen Gegenspieler (Feinde, Konkurrenten) fehlen. Gebietsfremde Arten können dadurch die biologische Vielfalt gefährden und immense öko-nomische Schäden oder gesundheitliche Probleme beim Menschen verursachen. Das BfN geht von über 800 Neobiota-Arten aus, die sich bisher in Deutschland etablieren konnten. Insbesondere in den beiden naturschutzfachlich wichtigen Gruppen, den Gefäßpflanzen und den Wirbel-tieren, haben 432 bzw. 44 Arten überlebensfähige Populationen in freier Natur aufgebaut. Bei-spiele sind die Kermesbeere, das Springkraut, das Heusenkraut, der Chile-Flamingo, der Halsbandsittich und die Schwarzmundgrundel.
Welche Verpflichtungen ergeben sich aus Sicht des BfN für die einzelnen Typen „neuer“ Arten?
Dynamische Ausbreitung, Einwanderung und Rückkehr von Arten bereichern unsere biologische Vielfalt und zeugen von einer natürlichen Dynamik der Fauna und Flora in Deutschland und Eu-ropa. Sie sind als natürliche Prozesse aus Sicht des Naturschutzes zu begrüßen, ggf. auch aktiv zu unterstützen.
Wiederansiedlungen können in Einzelfällen und auf der Grundlage strenger Kriterien dazu bei-tragen, einstmals ausgerottete/ausgestorbene Arten wieder heimisch zu machen. Die Entschei-dung über eine Wiederansiedlung erfordert eine strenge einzelfallbezogene Prüfung, wobei neben den naturschutzfachlichen Aspekten in besonderem Maße auch die Akzeptanz bei der be-troffenen Bevölkerung zu berücksichtigen ist.
Eingeschleppte/ausgesetzte Arten (Neobiota) können zur Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen und Arten führen, besonders wenn es sich bei den Neobiota um invasive Arten handelt. Hier ist Vorsorge der beste Schutz. Bei schon in der freien Natur vorhandenen Neobiota sollten sich Maßnahmen am Gefährdungspotenzial der jeweiligen Art und den Erfolgsaussichten orientieren, wie es auch das Bundesnaturschutzgesetz festschreibt.

10.12.2012, Universität Zürich
Galápagos in Zürich bereisen
Galápagos, die völlig isolierten Vulkaninseln im Pazifik, können Naturinteressierte ab dem 11. Dezember vor der Haustüre entdecken. Das Zoologische Museum der Universität Zürich widmet seine neue Sonderausstellung dieser kleinen, für die Evolutionstheorie so wichtigen, Inselgruppe. Ausgestattet mit einem Führer durchreisen Besuchende die Galápagos-Inseln, wo sie deren einmalige Fauna und Flora kennenlernen.
Einst Fluchtburg für Piraten und Proviantstation für Walfänger, sind die Galápagos-Inseln heute ein Eldorado für Naturliebhabende und Biologen. Der wohl bekannteste Biologe, Charles Darwin, machte auf Galápagos Beobachtungen, die ihn später davon überzeugten, dass Arten durch natürliche Selektion entstehen können – eine revolutionäre Erkenntnis. Besuchende der Sonderausstellung «Galápagos» reisen anhand der Exponate von Insel zu Insel und lernen so Darwins «kleine Welt für sich» kennen. Sie können die aussergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt erkunden und erfahren, wie Biologinnen und Biologen der Universität Zürich heute auf dem Galápagos-Archipel forschen und zugleich Naturschutz betreiben.
Endemiten: Zeugen der Evolution
Auf den Galápagos wimmelt es nur so von Arten, die sonst nirgendwo existieren, sogenannte Endemiten. Die Vorfahren dieser Pflanzen und Tiere kamen vom südamerikanischen Festland 1’000 Kilometer übers Meer. Das schafften nur wenige, bei den Tieren einige Wirbellose, Vögel und Reptilien, ganz wenige Säugetiere, aber keine Amphibien. Sie passten sich in ihrer neuen Heimat an andere Lebensräume, Nahrung und an ein anderes Klima an. Ausstellungsbesuchende lernen zum Beispiel Leguane kennen, die am Meeresboden Algen abweiden, Finken, die Seevögel anpicken bis Blut fliesst oder gigantische Riesenschildkröten.
Zahm und doch gestresst
Die Zahmheit der Tiere auf Galápagos beeindruckt alle Besuchenden. Weil es hier Millionen Jahre lang keine Menschen, Hunde, Katzen oder sonstige räuberischen Säugetiere gab, ging das Fluchtverhalten der inselbewohnenden Tiere im Lauf der Evolution verloren. Das wurde gewissen Arten zum Verhängnis. Auch wenn die Tiere nicht vor Menschen und Landraubtieren davonrennen, sind sie trotzdem gestresst. Das wird Ausstellungsbesuchenden anhand eines Fregattvogels veranschaulicht, dessen Herz umso schneller schlägt, je mehr sie sich ihm nähern.
Naturschutz und Forschung
Die eingeschleppten Tiere und Pflanzen sowie ein grassierendes Bevölkerungswachstum bedrohen die einzigartige Lebenswelt von Galápagos. Dieser Bedrohung haben Naturschutz und Forschung den Kampf angesagt, u.a. mit Schutzprogrammen für die Riesenschildkröten, mittels Rattenbekämpfung zum Schutz des Galápagos-Sturmvogels oder durch die Neuansiedlung vom Aussterben bedrohter Spottdrosseln. Letzteres ist ein Projekt von Biologinnen und Biologen der Universität Zürich. Für einen erfolgreichen Schutz des ersten UNESCO-Weltnaturerbes sind ein öffentliches Interesse sowie Forschung und Naturschutz unverzichtbare Voraussetzungen. «Deshalb und weil die Galápagos-Inseln in der Geschichte der Naturwissenschaften so wichtig sind, widmen wir ihnen eine Ausstellung», erklärt die Leiterin des Zoologischen Museums, Marianne Haffner. Und Lukas Keller, Museumsdirektor, ergänzt: «Nur mit einem breit abgestützten Verständnis für die Einzigartigkeit von Galápagos werden diese Inseln auch weiteren Generationen erhalten bleiben.» Die Sonderausstellung soll deshalb auch in anderen Museen gezeigt werden und die Begeisterung für die aussergewöhnliche Lebenswelt von Galápagos wecken.

Sonderausstellung «Galápagos»
Öffnungszeiten:
11. Dezember 2012 bis 8. September 2013, Di­enstag bis Freitag: 9 – 17 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen.

11.12.2012, Universität Hohenheim
Kranke Bienenvölker: Knapp ein Viertel könnte den Winter nicht überleben
Krankmachende Parasiten: Bundesweit sind alle Bienenvölker von Varroa-Milben befallen, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Die winzigen Spinnentiere ernähren sich als Blutsauger von Bienen und übertragen so Krankheiten zwischen den Tieren. Die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Bienenständen sind jedoch groß, so eine Erhebung von Bienenforschern aus ganz Deutschland. 23 Prozent der Völker könnten den Winter nicht überleben, schätzen Forscher der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim.
Erstmals haben Forscher von acht bienenforschenden Instituten diesen Herbst bundesweit stichprobenartig 2.050 Bienenvölker an 223 Bienenständen untersucht. Ab einem Varroa-Befall von etwa sechs Prozent, also 6 Milben auf 100 Bienen, droht Bienenvölkern ein deutlich erhöhtes Risiko, den Winter nicht zu überleben. Knapp 23 Prozent der untersuchten Völker sind von dem erhöhten Befall betroffen. Viele dieser Völker könnten den kommenden Winter nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht überleben.
Große Unterschiede zwischen Bienenständen und einzelnen Bienenvölkern
Der durchschnittliche Befall an verschiedenen Bienenständen liegt zwischen null und 41 Prozent, einzelne Völker waren sogar bis zu 76 Prozent befallen.
Dringend empfehlen die Bienenforscher Imkern in der brutfreien Zeit eine sogenannte Restentmilbung mit einem geeigneten Behandlungsmittel. Nur so können die überlebenden Völker im kommenden Frühjahr mit einem niedrigen Varroa-Befall in die neue Saison starten.
Hintergrund
Die Europäische Union, und die beteiligten Bundesländer fördern diese Untersuchungen im Rahmen eines Pilotprojektes(EuBiMo) mit insgesamt 17 EU-Staaten. Zusätzlich fließen die Ergebnisse des von Bund und Ländern geförderten und von der Universität Hohenheim koordinierten Deutschen Bienenmonitorings (DeBiMo) mit ein. Die Projektpartner in Deutschland sind LAVES Celle, MLU Halle, LIB Hohen Neuendorf, LLH Kirchhain, DLR Mayen, FLI Riems und LWG Veitshöchheim.

14.12.2012, Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig
Willkommen aus der Urzeit – Museum Koenig präsentiert einzigartige Fossilien der Grube Messel
Am 13. Dezember war es soweit. Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, öffnete die Sonderausstellung „Willkommen aus der Urzeit“ mit 125 phantastisch gut erhaltenen, einzigartigen Fossilien aus der Grube Messel bei Darmstadt.
„Wir ermöglichen unseren Besuchern Einblicke in die sagenhafte Welt der berühmten Fossilienfunde aus der Grube Messel bei Darmstadt“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wägele, „denn jetzt gastieren 125 der berühmten Fossilien im Museum Koenig, das zu den fünf bedeutendsten Ausstellungshäusern in Bonn gehört. Die Originalexponate nehmen die Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigen, wie die Bewohner unserer Welt vor rund 47 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte. Die Ausstellung verschafft Einblicke in die tropisch-subtropischen Lebensräume von damals und in das Leben ihrer Bewohner. Der Besucher kann sich aus erster Hand einen Eindruck verschaffen, wie die Vorfahren der heute lebenden Tiere und Pflanzen einst aussahen. So lebten damals in der Zeit, als die Pole ohne Eis waren, alleine 8 verschiedene Krokodile im Rhein und das Meer begann direkt am Ende der Kölner Bucht.
Bereits vor dem ersten Öffnungstag durften mehr als 200 Gäste die Ausstellung in einer Feierstunde in Augenschein nehmen. Prof. Dr. Bernard Misof, stellvertretender Direktor des Museums Koenig, drückte in seiner Begrüßung seine Freude aus, die zahlreichen Exponate der Grube Messel im Museum Koenig ausstellen zu können. „Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig erforscht die Biodiversität der Tiere und geht der Frage nach, wie die Artenvielfalt entstanden ist. Ihr Schutz ist für uns von größter Bedeutung. Es liegt nahe, Funde auszustellen, mit denen die Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens revolutioniert wurden. Uns Museumswissenschaftlern ist vor allem an der Vermittlung gelegen, die das Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht“, begründete Misof den inhaltlichen Bezug der Ausstellung zur Forschungsarbeit des Museum Koenig.
Der stellvertretende Generalsekretär und Pressesprecher der UNESCO-Kommission, Dieter Offenhäußer, betonte in seinem Grußwort die besondere Stellung der Grube Messel als erstes Weltnaturerbe Deutschlands. Messel ist nicht nur ein Juwel für Paläontologen, es spielt auch in der Champions League der Welterbestätten.
Rüdiger Wagner, der Umweltdezernent der Stadt Bonn, erläuterte in seinen Grußworten die gute Kooperation zwischen dem Museum und der Wissenschaftsstadt Bonn. Bonn ist die Stadt der UN und die Stadt der Wissenschaften. Nirgendwo in Deutschland gibt es eine so hohe Forschungs- und Technologiedichte wie im Dreieck von Aachen, Köln und Bonn.
„Die Grube Messel ist von großer Bedeutung, weil die Tiergruppen von heute vor 47 Millionen Jahren gerade im Entstehen waren“, betonte Prof. Dr. Wighart von Königswald, Paläontologe am Bonner Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie in seinem einführenden Vortrag. „Die Ausstellung „Willkommen aus der Urzeit“ eröffnet einen Blick in die verschiedenen Entwicklungsstadien der Tiere. Manche Fledermäuse waren damals schon so weit entwickelt, dass man sie für moderne Tiere halten könnte. Andere Gruppen hatten nur ursprünglich ausgebildete Merkmale“, erläuterte von Königswald, der selbst 10 Jahre in der Grube Messel gegraben hat.
Um die Verbindung zu den heute lebenden Tieren zu zeigen, sind in der Ausstellung auch verwandte Nachfahren der versteinerten Tiere zu sehen. Damit der Besuch zu einem einzigartigen Erlebnis wird, sorgt das Museum für die richtige Atmosphäre. Farne und Bäume sind als Computeranimation auf meterhohe Leinwänden projiziert. Die Fossilien werden in ein mystisches Dämmerlicht gerückt; Soundinstallationen simulieren das Summen von Insekten, das Zwitschern exotischer Vögel und das Gebrüll von Raubtieren.
Dr. Uwe Schäkel, Präsident der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V., Mitveranstalter der Ausstellung, dankte in seiner Rede noch einmal allen an der Ausstellung Beteiligten und stellte die Bedeutung heraus. „Messel fügt sich hervorragend in unsere Reihe von Ausstellungen zur Entwicklungsgeschichte “, sagte er. Vor zwei Jahren präsentierte das Museum „Dinosaurier, die Giganten Argentiniens“, im letzten Jahr zeigte es eine Ausstellung über den britischen Naturforscher Charles Darwin. „Das Besondere an Messel ist, dass hier ausschließlich Originale zu sehen sind“ betonte Schäkel den besonderen Wert der Ausstellung.
Im Anschluss tauschten die Gäste sich bei Wein und Finger-Food in angeregten Gesprächen bei der Betrachtung der 125 beeindruckenden Exponate aus.
Und damit die Reise in die Vergangenheit auch für jüngere Besucher interessant ist, hat sich der Veranstalter für diese ein besonderes Programm ausgedacht. Das Museum Koenig bietet einen Mal- und Aktionsbereich für Kinder, in dem sie sich mit der Urzeit auseinandersetzen können. Familien mit Kindern ab acht Jahren können mit einer Rallye gemeinsam und spielerisch Fragen zur Ausstellung beantworten. Hinzu kommt ein museumspädagogisches Begleitprogramm mit Führungen für Erwachsene, Kinder und Schulklassen, mehrere buchbare Kinder-Workshops, Taschenlampenführungen und einem Osterferienprogramm. Ein Rahmenprogramm, in Kooperation mit dem Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Uni Bonn und dem Universitätsclub Bonn, rundet das Programm ab: Eine Vortragsreihe, eine Podiumsdiskussion und geplante Exkursionen bilden ein anspruchsvolles Gesamtprogramm. So wird ein Besuch der Ausstellung, die vom 13.12.2012 bis zum 21. Mail 2013 gezeigt wird, zu einem Abenteuer für Jung und Alt.
Mit auf Tour sind natürlich auch die fossilen Stars aus Messel. So fehlt das „Messeler Urpferdchen“, das nicht größer als ein Hund war, ebenso wenig wie die Versteinerung einer trächtigen Stute mitsamt ihrem ungeborenen Fötus. Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind der seltene Ameisenbär oder der Urtapir. Beide gelangten zu Berühmtheit, weil sie Schlüsselfunktionen in Fragen der Entstehung und Verbreitung dieser betreffenden Tiergruppen einnehmen. Mit „Willkommen aus der Urzeit“ öffnet sich ein „Fenster“, das einen Blick in die evolutionäre Entwicklung von Tieren und Pflanzen erlaubt. Eine Besonderheit der Fossilien aus der Grube Messel ist die Tatsache, dass sie unglaublich gut erhalten sind. Selbst Haare, Hautschatten und Inhalte eines Magens sind erhalten geblieben. Das macht die Funde geradezu einzigartig. Um die Verbindung zu den heute lebenden Tieren zu zeigen, sind in der Ausstellung auch verwandte Nachfahren der versteinerten Tiere zu sehen.
Wasserpflanzen, Farne und Bäume als Computeranimation auf meterhohen Leinwänden sorgen für ein stimmungsvolles, mysthisches Ambiente. Die Fossilien werden in das Dämmerlicht der Uferzonen ihrer damaligen Lebensräume gerückt. Soundinstallationen simulieren das Summen von Insekten in den Baumkronen oder Bodenregionen des Dschungels sowie das Zwitschern exotischer Vögel und das Gebrüll von Raubtieren. So fühlt sich der Besucher in den Regenwald vor 47 Millionen Jahren zurückversetzt.
Die Wanderausstellung wurde vom Hessischen Landesmuseums Darmstadt konzipiert und wird vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig zusammen mit der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V. präsentiert.
Nach Einstellung des Ölschieferabbaus war ursprünglich geplant, die Grube Messel mit Müll zu füllen. Es hagelte Proteste und zahlreiche Bürgerbegehren formierten sich. Unter anderem engagierte sich auch Joschka Fischer, damaliger Umweltminister Hessens, gegen eine Nutzung der Grube als Mülldeponie und setzte sich für deren Bewahrung als Fossilienfundstätte ein. Dafür benannte die Welterbe Grube Messel GmbH ein gefundenes Schlangenfossil nach ihm. Es erhielt den Namen Palaeopython fischeri.

Veranstaltungsort:
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Museumsmeile Bonn, Adenauerallee 160, 53113 Bonn
Telefon: 0228/9122-102

Öffnungszeiten
Di bis So: 10:00 bis 18:00 Uhr, letzter Einlass: 17:00 Uhr
Mi: bis 21:00 Uhr, letzter Einlass: 20:00 Uhr
Montags nur an gesetzlichen Feiertagen
Geschlossen
Montags (außer an gesetzlichen Feiertagen)
Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester

Eintritt: 4,50 Euro, reduziert 2,- Euro

14.12.2012, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
FAU-Forscher entdeckt ungeahnte Artenvielfalt von Gliederfüßern auf einem Hektar Regenwald
Auf 6,000 Hektar Regenwald leben rund 25,000 Arten von Gliederfüßern – mehr als 60 Prozent davon kommen sogar bereits auf einem Hektar vor. Das ist eines der Ergebnisse des internationalen Projekts „Investigating Biodiversity of Soil and Canopy Arthropods – IBISCA“, in dem ein Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit Spezialisten aus verschiedenen Nationen im Team die Diversität und Verteilung von sogenannten Gliederfüßern (Arthropoden) in tropischen Wäldern und Wäldern gemäßigter Breiten untersuchten. Die Forschungsresultate werden am 14. Dezember 2012 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.
Am Projekt beteiligten sich über das Kernteam hinaus insgesamt 102 Forscher. Sie sammelten von 2003 bis 2005 insgesamt 24.354 Personentage lang Gliederfüßer nach einem definierten Protokoll und identifizierten seitdem ganze 129.494 Arthropoden aus diversen Ordnungen. Die aktuellen Ergebnisse stützen sich auf die Untersuchungen im San Lorenzo National Park in Panama. Bisher wurden solche Projekte in Panama, Australien, Vanuatu, Frankreich und gerade aktuell in Papua Neuguinea durchgeführt, daneben laufen zahlreiche Teilprojekte in weiteren Ländern. Vom Boden bis in die Baumkronen erfassten die Forscher jeden Quadratzentimeter auf zwölf Probeflächen innerhalb des Regenwalds, jede davon 400 Quadratmeter groß – die Größe eines kleinen Einfamilienhausgrundstücks. Dabei machten die Wissenschaftler exakt 6.144 Arten von Gliederfüßern aus. Mittels verschiedener Rechenmodelle ergab sich auf dieser Basis eine Summe von etwa 25.000 Arthropodenarten im gesamten 6.000 Hektar großen Wald. Erstaunlich dabei: Mehr als 60 Prozent dieser Arten kommen nach den Hochrechnungen schon auf einem einzigen Hektar vor, das bedeutet eine immense Vielfalt auf kleinstem Raum. Dennoch warnt der FAU-Wissenschaftler Dr. Jürgen Schmidl vor Fehlschlüssen, die man vermeintlich daraus ableiten könnte: „Wiewohl wir hier eine ungeheure Artenvielfalt auf nur einem Hektar Regenwald beobachten, würde es nicht etwa ausreichen, einen Hektar Regenwald zu schützen, um diese Diversität zu erhalten: Im Laufe der Zeit treten die individuellen Arten in unterschiedlichen Arealen innerhalb der gesamten Waldfläche auf, weil sie beispielsweise ihrem Nahrungsangebot folgen“, erklärt der Forscher. „Wie die Säugetiere brauchen auch die Gliederfüßer ein so genanntes Minimalareal – abhängig von den Ressourcen, die sie benötigen. Es muss also die gesamte Waldfläche für ihr Überleben erhalten bleiben.“
Diese Artenvielfalt der Arthropoden lässt sich in Rechenmodellen hervorragend mit der Pflanzenvielfalt der jeweiligen Probeflächen erklären, das gilt sowohl für die pflanzenfressenden als auch für die nicht pflanzenfressenden Arten: Die Wissenschaftler konnten im Rahmen des Projekts zeigen, dass es – um verlässliche Zahlen zur Artenvielfalt zu erzielen – zwingend notwendig ist, die verschiedensten Gliederfüßer-Gruppen zu erfassen, da die einzelnen Gruppen (Käfer, Zikaden, Spinnen etc.) unterschiedliche Muster der Vielfalt aufweisen. So sind Käfer bekanntermaßen eine megadiverse Gruppe mit sehr vielen verschiedenen Spezies – würde man sich bei der Hochrechnung auf diese Gruppe beschränken, würde dies zu einer Überschätzung der Vielfalt führen.
Spannend auch das Verhältnis zu Pflanzen und anderen Tiergruppen: Auf lokaler Ebene kommen im San Lorenzo Nationalpark auf jede der 1,294 Arten von Gefäßpflanzen mindestens 17 und höchstens 20 Arthropodenarten. Bei den Vögeln ist das Verhältnis 306 zu mindestens 71 bzw. höchstens 83 Gliederfüßer. Auf 81 Säugetierarten kommen dagegen 270 bis 312 Arthropodenarten. Auf globaler Ebene stützen die Ergebnisse des Forschungsprojekts derzeitige Hochrechnungen der Arthropodendiversität auf etwa 6,1 Millionen Arten, welche auf Modellen mit vergleichbaren Mustern der Beta- und Gildendiversität basieren.
Der Originalartikel “Arthropod Diversity in a Tropical Forest” von Yves Basset et al. wurde in der Fachzeitschrift Science 338, 1481 (2012) veröffentlicht.

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