Portrait: Okapi

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Giraffenartige (Giraffidae)
Gattung: Okapia
Art: Okapi (Okapia johnstoni)
Okapi (Zoo Frankfurt)

Okapi (Zoo Frankfurt)

Das Okapi ist erst sehr spät von der Wissenschaft entdeckt worden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wusste man nichts Sicheres über seine Existenz. Erst als der Afrikaforscher Henry Stanley die Beschreibungen von Eingeborenen in den Regenwäldern des Kongo hörte, wurde gerätselt. Nachdem man Fellstücke zur „Königlichen Zoologischen Gesellschaft“ nach London geschickt hatte, glaubte man, es handele sich um ein Urwald-Pferd. Das geheimnisvolle Wesen bekam den Namen Equus johnstoni, also „Pferd Johnstons“ (nach dem Gouverneur von Uganda, Sir Henry Johnston). Als man später Schädelknochen fand, wurde ersichtlich, dass es kein Verwandter des Pferdes sein konnte. Stattdessen ähnelten die Knochen denen einer ausgestorbenen Kurzhals-Giraffe, die vor mehr als zehn Millionen Jahren in Europa und Asien gelebt hatte.Angelehnt an den Namen, den die Eingeborenen-Stämme dem Tier gegeben hatten, wurde es in „Okapi johnstoni“ umgetauft. Erst 1918 (knapp 20 Jahre nach seiner Entdeckung), gelang es, ein Okapi in einen europäischen Zoo zu bringen.

Okapis erreichen im Schnitt eine Länge von 2,5 m, eine Schulterhöhe von 1,5 m und ein Gewicht von 250 kg. Weibchen sind geringfügig größer als Männchen. Die Männchen besitzen auf der Stirn zwei bis zu 15 cm lange, behaarte und stumpfe Hörner. Den Weibchen fehlen diese Hörner, oder sie sind nur rudimentär ausgebildet. Anatomisch ähneln Okapis dem primitiven Grundbauplan der Giraffidae, sie teilen also zum Beispiel den vergleichsweise langen Hals und die lange Zunge mit der Giraffe.
Die äußere Erscheinung des Okapis ist unverwechselbar. Die Grundfarbe ist rötlich-braun bis fast schwarz. Im Kontrast dazu stehen weiße Wangen, eine weiße Kehle, die weißen unteren Teile der Beine sowie die weiß-schwarz gestreiften oberen Hälften der Beine. Die dunkle (blaue), bis zu 25 cm austreckbare Zunge kann neben der Nahrungsaufnahme auch benutzt werden, um Augen, Nasenlöcher oder den Rest des Körpers zu reinigen.

Okapi von hinten (Zoo Berlin)

Okapi von hinten (Zoo Berlin)

Das Verbreitungsgebiet des Okapis ist auf den Regenwald im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo beschränkt. Das Vorkommen der Okapis beschränkt sich auf äquatoriale Regenwälder im Norden, Zentrum und Osten der Demokratischen Republik Kongo. Hauptsächliches Verbreitungsgebiet ist der Ituri-Wald mit dem in ihm gelegenem Wildtierreservat Okapi.Im Virunga-Nationalpark wurden 2006 erstmals seit 1959 wieder Okapi-Spuren gesehen, 2008 gelangen erste Kamera-Aufnahmen von Okapis.
Okapis kommen generell nicht unter 500 m über NN vor, und fehlen somit in den Sumpfwäldern im Westen des Landes. Im Osten wird das Verbreitungsgebiet durch montanen Wald, im Norden durch Savanne und im Süden durch offene Wälder begrenzt. Okapis sind am häufigsten zwischen 500 und 1000 m Höhe, kommen aber in Ausnahmefällen bis in 1450 m Höhe vor.

Das Okapi ist vorrangig tagaktiv, gelegentlich wird es auch in der Nacht beobachtet. Okapis sind Einzelgänger und wurden nur selten als Paare oder in kleinen Gruppen beobachtet. Männchen bewegen sich in einem Aktionsraum von etwa 10,5 km² und legen täglich etwa 4 km zurück; Weibchen und jüngere Tiere sind weniger aktiv und besetzen nur kleinere Aktionsräume. Die Männchen markieren ihre Aktionsräume offenbar mit Urin, genauere Erkenntnisse zum Sozialverhalten liegen jedoch nicht vor.

Okapis suchen auf eingelaufenen, regelmäßig genutzten Pfaden nach Nahrung. Okapis ernähren sich hauptsächlich von den Blättern von mehr als 100 Arten von Regenwaldpflanzen. Sie reißen die Blätter meist mit ihrer langen, greiffähigen Zunge von Ästen ab. Gemieden werden Monokotyledonen, die meisten häufigen Pflanzen des Unterholzes sowie junge Pflanzen von Bäumen, die ausgewachsen das Regendwalddach bilden.

Die Fortpflanzung des Okapi ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Der Östrus des Weibchens dauert üblicherweise etwa 15 Tage. Die Männchen finden die Weibchen offenbar über olfaktorische Reize. Das Weibchen bringt nach 414-493 Tagen Tragzeit ein einzelnes Jungtier zur Welt; es hat bei der Geburt eine Schulterhöhe von 72-83 cm und wiegt 14-30 kg. Die Jungtiere stehen etwa eine halbe Stunde nach der Geburt auf. Nachdem sie 1-2 Tage der Mutter folgen, suchen sie sich ein Versteck und bleiben dort während der nächsten 2 Monate. Sie sind derweilen wenig aktiv, bleiben in der Nähe des Verstecks, und werden von der Mutter gesäugt und mit Fußtritten verteidigt. Nach 3 Wochen können sie feste Nahrung fressen. Die Jungtiere werden nach meist etwa 6 Monaten entwöhnt, und sind mit 3 Jahren ausgewachsen. Die Geschlechtsreife trat bei Weibchen in Gefangenschaft schon mit 1 Jahr und 7 Monaten ein.

Der bedeutendste natürliche Feind des Okapis ist der Leopard.
In Gefangenschaft werden Okapis üblicherweise 15-20 Jahre alt, aus der Natur liegen zur Lebenserwartung keine Erkenntnisse vor. Der Rekord in Gefangenschaft beläuft sich auf 33 Jahre.

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