Ein deutsches Delfinarium weniger

Heute findet die letzte Delfinvorstellung im Delfinarium des Zoo Münster statt. Danach verlassen die Großen Tümmler den Zoo und gehen …wohin eigentlich? Darüber wird geschwiegen, aus Angst vor weiteren Protesten von Tierschützern.
Aber irgendwohin müssen die Tiere und viele Delfinarien entsprechen nicht den Erwartungen der Tierschützer (das Delfinarium in Münster war von den drei derzeitig in Deutschland vorhandenen meiner Meinung nach mit Abstand das Schlimmste, und selbst die oft gepriesene Delfinlagune in Nürnberg erscheint mir immer fragwürdiger, je öfter ich dort vorbeikomme. Aber ich will mich hier nicht über den Sinn und Zweck, bzw. die Fragwürdigkeit von Delfinarien auslassen). Früher oder später wird bekannt werden, wohin die Delfine gegangen sind und dann wird es Proteste geben. Vermutlich werden die Tiere im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms in einen anderen Zoo in Europa gebracht, eine Auswilderung kann ausgeschlossen werden (da es sich um Nachzuchten handelt, die ihr biologisches Grundbedürfnis der eigenen Nahrungsjagd nicht erlernt haben).

Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) äußerte sich bereits am Freitag mit folgender Pressemitteilung zum Ende des Delfinariums:

04.01.2013
Tierschützer freuen sich über Schließung des Delfinariums Münster
Der Allwetterzoo Münster hat auf seiner Internetseite angekündigt, dass die Delfine den Zoo Anfang 2013 verlassen. Sie seien auf jeden Fall noch zum Ende der Weihnachtsferien am Sonntag, den 06. Januar, zu sehen, verlautet es vom Zoo.
Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hatte bereits im Jahr 2008 bauliche Mängel in dem in die Jahre gekommenen Delfinarium in Münster beanstandet und die Aufsichtsbehörden eingeschaltet. Daraufhin erteilte die Stadt Münster dem Delfinarium entsprechende Umbauauflagen. Nach Angaben des Zoos hätte ein Umbau etwa 20 Millionen Euro gekostet, die nicht zur Verfügung standen. Dem WDSF war es demnach durch die Mängelrüge gelungen, eine endgültige Schließung der maroden Anlage herbeizuführen.
Über den letztendlichen Verbleib der drei letzten Delfine in Münster schweigt der Allwetterzoo beharrlich. Das WDSF konnte jedoch nach eigenen Angaben in Erfahrung bringen, dass es seitens des Zoos eine Anfrage in Portugal gegeben habe. Dort kämen die Delfinarien im „Jardim Zoologico“ mit bereits fünf Delfinen oder das „Zoomarine Algarve“ mit 19 vorhandenen Delfinen in Frage. Noch am Freitag hatte das WDSF die Aufsichtsbehörde in Münster gebeten, einen beabsichtigten Transfer genau zu überprüfen, weil die Delfinarien in Portugal „nicht gerade vertrauenserweckend“ erschienen. Für das Wohlbefinden der Münsteraner Delfine wäre eine von Menschen betreute Meereslagune besser geeignet, so die Tierschutz-Organisation.
WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Wir begrüßen die angekündigte Schließung des Delfinariums in Münster als großen Erfolg für den Schutz der Delfine. Delfinarien sind Auslaufmodelle. Wir haben nun nach dem Delfinarium im Heidepark Soltau im Jahr 2008, dem Connyland-Delfinarium in der Schweiz für das Jahr 2013 und verschiedenen Delfinarien in der Türkei seit 2010 eine weitere Schließung veranlassen können. Das alles ist auf das intensive Zusammenwirken von Tierschützern und auf juristische Interventionen zurückzuführen.“
Selbst Zoo-Chef Jörg Adler musste zugeben, dass „Delfinarien nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen“. Ortmüller hätte sich gerne mehr Offenheit bei den Informationen des Zoos gewünscht, denn der Kampf um die Delfine hält an. Nachdem das WDSF im Nürnberger Tiergarten Mitte 2012 nach einer Akteneinsicht aufgedeckt hatte, dass die Delfine fast täglich mit Psychopharmaka behandelt werden, vermutet die Organisation dies auch in Münster. Eine Anfrage an das Münsteraner Delfinarium auf Akteneinsicht blieb nach Angaben des WDSF bisher unbeantwortet. Das WDSF will daher nach Ablauf der gesetzlichen Auskunftspflicht nach dem 10. Januar 2013 Klage gegen den Betreiber des Delfinariums beim Verwaltungsgericht Münster einreichen.
Von den ehemals neun Delfinarien in Deutschland wurden nun mit Münster insgesamt sieben wieder geschlossen. Nur noch der Duisburger Zoo und der Tiergarten Nürnberg bieten die Delfinshows an. Das WDSF fordert auch die Schließung dieser Delfinarien und bittet die Besucher, keine Eintrittskarten für diese Zoos zu kaufen.
Ortmüller kündigte an, bei der Vorstellung in Münster am Sonntag, den 06. Januar um 15:00 Uhr, dabei zu sein und sich von den Delfinen zu verabschieden.

Das Delfinarium wird (nach Umbau) zu „Robbenhaven“ und statt Großen Tümmlern werden „Kalifornische Seelöwen“ ihre Kunststücke präsentieren.

Update (11.01.2012): Neues vom WDSF:
10.01.2012, WDSF
Delfinschützer verklagen Münsteraner Delfinarium
Mehrfach hatte der Allwetterzoo Münster mit seinem Delfinarium die Schließung und den Transfer der Delfine angekündigt aber nicht realisiert. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hat jetzt Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster eingereicht.
Das Hin und Her um die mehrfach angekündigte Delfinariumsschließung und das beharrliche Schweigen über den Zielort der drei Münsteraner Delfine wurde dem WDSF nun zu viel. Die Tierschutz-Organisation legte heute gegen die „Delphinarium Münster GmbH“ Klage ein und stellte darüber hinaus einen Antrag auf Einstweilige Anordnung. Das WDSF befürchtet, dass die Akten über die Haltungsbedingungen und die Transferumstände zusammen mit den Delfinen verschwinden. Das WDSF verlangt eine uneingeschränkte Akteneinsicht und fragt sich, warum der Transfer der Delfine nicht schon in den letzten beiden Jahren sorgfältig vorbereitet wurde.
WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Wir führen seit dem Jahr 2008 einen intensiven Schriftverkehr mit der Stadt Münster als Aufsichtsbehörde für das Delfinarium. Unsere Mängelrüge aufgrund der Lebensgefahr für die Delfine in den maroden Delfin-Hallen wurde damals von der Stadt sofort aufgegriffen und der Zoo hätte rund 20 Millionen Euro investieren müssen, um die von uns bemängelten und für die Delfine überlebenswichtigen Lichtverhältnisse, den Luftaustausch und die Beckengröße zu ändern.“
Die Mängel wurden bisher nur provisorisch behoben und die Betriebsgenehmigung für das Delfinarium wäre zum 30.11.2013 abgelaufen.
Ortmüller: „Uns reicht es jetzt. Das Delfinarium hat laut Bilanz des letzten veröffentlichten Jahres einen Gewinn von knapp 260.000 Euro erzielt und verfügt über ein Eigenkapital aus Gewinnen und stillen Reserven von über 1 Million Euro. Da wird der Delfinbesitzer und Geschäftsführer Henk Hiddingh wohl in der Lage sein, die Delfine an einem besseren Ort als bisher unterzubringen. Wir fordern den Transfer in eine betreute Lagune und die volle Kostenübername durch das Delfinarium, das mit den Mäzchen-Shows der verbleibenden acht Kalifornischen Seelöwen weiterhin Geld scheffeln will. Aber das werden wir auch noch überprüfen.“

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Eine Antwort auf Ein deutsches Delfinarium weniger

  1. Veronika sagt:

    Hey,

    ich freue mich immer total wenn ich solche Nachrichten lese. Delfine und Wale haben überhaupt nichts in Gefangenschaft verloren. Erschreckend wenn ich lese welche Gewinne mit Tierquälerei erzielt werden … wobei die Hauptschuld die Besucher trifft die so etwas mit ihren Eintrittsgeldern finanzieren.

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