Lebende Fossilien

Kragenhai (A. C. L. G. Günther)

Kragenhai (A. C. L. G. Günther)

Als lebende Fossilien werden biologische Arten oder Artengruppen (Taxa) bezeichnet, die ihren Bauplan seit oftmals Hunderten von Jahrmillionen nur sehr wenig verändert haben. Häufig haben sie einmal weite Bereiche unseres Planeten besiedelt, kommen jedoch heute nur noch in wenigen Regionen vor (Reliktvorkommen). Teilweise galten sie auch als ausgestorben und wurden wiederentdeckt, was auch als Lazarus-Effekt bezeichnet wird. Lebende Fossilien sind Lebewesen, für die es viele, zum Teil sehr alte fossile Belege gibt, auf deren Basis der Vergleich mit den heute lebenden Formen stattfindet. Die gezielte Erforschung vermeintlich ausgestorbener Tiere fällt unter die Kryptozoologie.

Die Bezeichnung lebendes Fossil ist insofern irreführend, als sie die Vorstellung nahelegt, seit der Fossilisation ihrer Vorläufer vor Millionen Jahren habe keine evolutionäre Veränderung der Arten mehr stattgefunden, und die heute lebenden Vertreter würden exakt den fossil belegten Arten gleichen. Doch auch diese sind zwangsläufig evolutionären Veränderungen unterworfen. So waren zum Beispiel die fossilen Quastenflosser Bewohner der Flachmeere und Küsten; die heutigen Arten leben demgegenüber in der Tiefsee und haben sich diesem Lebensraum angepasst. Ebenfalls findet Evolution praktisch ständig auf zellulärer und molekularbiologischer Ebene statt, was aber an Fossilien nicht untersucht werden kann. Der Begriff bezieht sich deshalb ausschließlich auf den morphologischen Bauplan.

Geotria australis, eine Neunaugenart

Geotria australis, eine Neunaugenart

Generell gibt es einige Merkmale, die alle „lebenden Fossilien“ verbinden und zu diesem Namen geführt haben:
Die Organismen sind Angehörige einer erdgeschichtlich alten Tier-/Pflanzengruppe.
Ihre Stellung im System der rezenten Arten ist isoliert.
Im Vergleich zu den vorzeitlichen, verwandten Arten besitzen die lebenden Fossilien eine sehr beschränkte und reliktartige räumliche Verbreitung. Die Verbreitungsgebiete sind häufig geografisch eng umgrenzte Areale wie Inseln oder geschlossene Gebirgstäler.
Ihr Aussehen hat sich im Laufe der Zeit nur gering verändert, sodass sie zahlreiche altertümliche Merkmale besitzen.

Unter stabilen ökologischen Verhältnissen, wie beispielsweise in bestimmten ökologischen Nischen oder in der Tiefsee, leben die Individuen einer Population über viele Generationen hinweg unter konstanten Umweltbedingungen. Tiere, die nahe am Mittelwert der Population liegen, zeigen eine höhere Fitness. Somit führt stabilisierende Selektion zu einer geringeren phänotypischen Variabilität, die Formen verändern sich nicht.

Ein Beispiel für rezente Lebewesen mit alten Bauplänen sind die Stromatolithen. Bei ihnen handelt es sich nur um „lebende Fossilien“ im weiteren Sinne, da die Stromatolithen selbst gar keine Lebewesen sind.

Beispiele für lebende Fossilien im Tierreich sind u. a.:
Perlboote
Pfeilschwanzkrebse
Neunaugen
Lungenfische
Quastenflosser
Kragenhai (auch wenn die Einordnung als lebendes Fossil aufgrund dürftiger Fossilfunde etwas problematisch ist)
Flösselhechte
Knochenhechte
Riesensalamander
Brückenechsen
Kloakentiere
Schlitzrüssler

Im Pflanzenreich gibt es ebenfalls eine Menge lebender Fossilien. Da der Beutelwolf-Blog aber ein Tierblog ist darf ich mir erlauben, die Pflanzen mehr als stiefmütterlich zu behandeln.
Nachdem aber hin und wieder auch Pflanzen den Weg in den Blog finden will ich zwei Vertreter aus dem Pflanzenreich nicht unerwähnt lassen:
Der Ginkgo ist ein sehr bekanntes lebendes Fossil, das sowohl für medizinische Zwecke als auch zur Zierde benutzt wird.
1994 wurde Wollemia nobilis entdeckt. Die Wollemie (oder Wollemia) fand auch schon mehrmals Erwähnung im Beutelwolf-Blog (hier und hier).

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