Neues aus der Wissenschaft

14.01.2013, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Wahl des Lebensraums entscheidet beim Aal über den Fortpflanzungserfolg
„Küsten-Aale“ häufig fitter und gesünder als „Süßwasser-Aale“
Aale, die in Flüssen und Seen leben, haben eine geringere Chance sich fortzupflanzen als ihre Artgenossen, die in Küstengewässern schwimmen. Das haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Hamburg und der University of Prince Edward Island in Charlottetown, Canada, herausgefunden und im Journal of Sea Research publiziert.
Der als gefährdet eingestufte Europäische Aal (Anguilla anguilla) besiedelt während seiner Wachstumsphase sowohl Küsten- als auch Binnengewässer und zeigt eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume. Erst nach etwa 5 – 20 Jahren verlässt er die kontinentalen Gewässer, um zu seinem Laichgebiet in der Sargassosee (Westatlantik) zurückzukehren. Um die dafür erforderliche Schwimmstrecke von bis zu 7.000 km zu bewältigen, müssen die Aale über ausreichend Energiereserven und einen guten Gesundheitszustand verfügen.
Allerdings war bis heute ungeklärt, ob und inwieweit die Besiedlung unterschiedlicher Lebensräume die allgemeine Fitness und damit vermutlich auch den Fortpflanzungserfolg der Fische beeinflusst. Die jetzt im Journal of Sea Research erschienene Studie zeigt, dass Aale, die ihre Wachstumsphase ausschließlich im Süßwasser verbringen, deutlich geringere Energiereserven gespeichert haben als Aale aus Küstengewässern. Gleichzeitig konnte bei „Süßwasser-Aalen“ ein stark erhöhter Befall mit dem aus Asien eingeschleppten Parasiten Anguillicoloides crassus festgestellt werden, einem Fadenwurm, der die Schwimmblasen von Aalen befällt und die Tiere erheblich schwächt.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Zusammensetzung der Spurenelemente kleiner Kalkgebilde, sogenannter Otolithen, aus dem Innenohr der Aale. Damit konnten sie deren individuelle Lebensgeschichte hinsichtlich ihres Wanderverhaltens zwischen Gewässertypen unterschiedlicher Salzgehalte nachzeichnen. Schließlich wurden Fettgehalt und Parasitierung mit den verschiedenen Wandermustern in Beziehung gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahl des Lebensraumes durchaus darüber entscheiden kann, ob ein Aal in der Lage ist, sich erfolgreich fortzupflanzen.
Das ist besonders in Hinblick auf die in Europa weit verbreiteten Besatzmaßnahmen von Binnengewässern mit wild gefangenen Jungaalen von Interesse. Diese oftmals als bestandserhaltene Maßnahme deklarierte Praxis sieht gewöhnlich vor, Jungaale aus Küstengewässern zu entnehmen, um sie dann in oft weit entfernte Binnengewässer zu überführen. Die Autoren zweifeln in ihrer Untersuchung den Nutzen dieser Praxis an, zumal bisher nicht gezeigt werden konnte, dass sich daraus ein positiver Netto-Effekt für den Gesamtbestand des Aals ergibt.
Publikation:
Marohn, L., E. Jakob, R. Hanel: Implications of facultative catadromy in Anguilla anguilla. Does individual migratory behavior influence eel spawner quality? Journal of Sea Research (2012)

15.11.2013, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Nachts im Museum
Taschenlampenführung durch die Ausstellung „Willkommen aus der Urzeit“
(Bonn, 15.11.13) Wenn nachts in einem Museum das Licht ausgeht, wird es spannend und gelegentlich auch etwas gruselig. Vor allem, wenn überall Fossilien von 47 Millionen Jahren alten Tieren warten. Jetzt bietet das Bonner Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig seinen Gästen die Möglichkeit, ein solches Gefühl am eigenen Leib zu erfahren: Im Dunkeln führt Dr. André Koch durch die Ausstellung und erklärt kleinen und großen Besuchern die Geheimnisse der Urzeit. Die sechsjährige Alina ist begeistert: „Am besten hat ich mir der große Vogel gefallen. Und gefürchtet habe ich mich im Dunkeln eigentlich nicht.“ Am erstaunlichsten findet sie, dass das Urpferdchen so klein war. Sogar den Grund dafür kann Alina jetzt nennen: „Das war besser für das Leben im Wald.“ Der achtjährige Sebastian kann sich nicht entscheiden, was er am spannendsten findet: „Alles war interessant. Und ein bisschen gruselig: Der Frosch im Glas war zum Beispiel eklig.“
Freie Termine für die beliebten Führungen gibt es noch am Freitag, den 25. Januar und am Freitag, den 15. Februar, jeweils um 18:30 Uhr. Eine Führung kostet für Erwachsene 13 Euro (ermäßigt 7 Euro) und dauert eine Stunde. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 20 begrenzt.
Seit dem 13. Dezember gastiert die Ausstellung im Museum Koenig. Sie zeigt die weltberühmten Fossilienfunde aus der Grube Messel bei Darmstadt. Dabei handelt es sich um Millionen Jahre alte Versteinerungen von Tieren und Pflanzen. „Wir ermöglichen unseren Besuchern einzigartige Einblicke in die Welt der sagenhaften Fossilienfunde aus der Grube Messel“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wägele. Der Direktor des Forschungsmuseums Koenig freut sich darüber, diese außerordentliche Zusammenstellung der naturhistorisch wichtigsten Fundstücke präsentieren zu können. Über ihre wissenschaftliche Bedeutung sagt er: „Sie haben die Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens revolutioniert.“ Die Funde sind so einzigartig, dass die UNESCO beschloss, die Grube Messel in die Welterbeliste der Menschheit aufzunehmen. Die Wanderausstellung wurde vom Hessischen Landesmuseums Darmstadt konzipiert und wird vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig zusammen mit der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V. präsentiert. Dabei haben die Verantwortlichen auch darauf geachtet, dass die Ausstellung auch für jüngere Besucher interessant ist. Familien mit wissenshungrigem Nachwuchs ab acht Jahren können unter anderem mit einer Rallye gemeinsam und spielerisch Fragen zur Ausstellung beantworten. „Willkommen aus der Urzeit“ gastiert bis zum 21. Mai 2013 im Museum Koenig. An Silvester bleibt auch das Museum Koenig geschlossen. In der restlichen Zeit der Weihnachtsferien gelten die regulären Öffnungszeiten.
Veranstaltungsort:
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Museumsmeile Bonn, Adenauerallee 160, 53113 Bonn
Internet: www.zfmk.de

15.01.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt das Phänomen
Kuscheln gegen die Kälte
Wenn es so richtig kalt ist, hilft auch im Tierreich nur eins: Kuscheln gegen die Kälte! Dann rücken selbst Einzelgänger unter den Vögeln wie der Gartenbaumläufer zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen.
Sie bilden Schlafgemeinschaften und trotzen in Gruppen eng aneinander gekuschelt der Kälte. Damit alle davon profitieren können, werden regelmäßig die Plätze getauscht: Jeder rückt einmal in die warme Mitte. Dieses Phänomen wurde auch bei Zaunkönigen und den kleinsten heimischen Singvögeln, den Wintergoldhähnchen, beobachtet. Die Überlebensstrategie „Kuscheln“ ist wichtig, denn in einer einzigen Winternacht kann ein etwa meisengroßer Vogel bis zu zehn Prozent seines Körpergewichtes verlieren! Das Tier muss viel Energie verbrauchen, um die Körpertemperatur zu halten. „Der Gewichtsverlust muss tagsüber durch Fressen schnell wieder ausgeglichen werden, damit die kleinen Vögel die nächste Nacht überleben“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Deshalb ist das Füttern von Vögeln durch den Menschen eine willkommene Hilfe.“
Nicht nur Vögel nutzen die Kuschel-Strategie gegen die Kälte. Bienen bilden bei Frost mit ihren Körpern eine Art Kugel, in deren Mitte die Königin bei mindestens 25 Grad in der Wärme hockt. Die Bienen am äußeren Rand der sogenannten Wintertraube erzeugen durch das Vibrieren mit ihrer Muskulatur Wärme. Auch Säugetiere wie Fledermäuse und Wildschweine „rotten“ sich zusammen. Während die Wildschweine in ihrem Kessel eng zusammenliegen, verschlafen Fledermäuse dicht gedrängt die kalte Jahreszeit. Sie haben ihren Stoffwechsel heruntergefahren, um Energie zu sparen, und hängen mit ihren Körpern von der Decke ihrer Winterquartiere in Höhlen oder Gewölben.

15.01.2013, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Knapp 500 neue „Senckenberger“ – Neu entdeckte Arten in den Jahren 2011 und 2012
Frankfurt, den 15.01.2013. In den zurückliegenden zwei Jahren haben Wissenschaftler der Senckenberg-Forschungsinstitute knapp 500 neue Arten entdeckt und beschrieben. Taxonomie und wissenschaftliche Sammlungen gehören zu den wichtigsten Schwerpunkten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
Ob in der antarktischen Tiefsee, in den Regenwäldern von Laos oder in heimischen Auenlandschaften – überall entdecken Wissenschaftler der zehn Senckenberg-Standorte neue Tier- und Pflanzenarten. Selbst in vermeintlich bekannten Sammlungsschränken machen sie immer wieder Neuentdeckungen – sei es wegen bisher fehlender Klassifizierung oder dem Einsatz von neuen Bestimmungsmethoden. „Ziel ist dabei immer, die Vielfalt des Lebens auf der Erde, die Biodiversität, zu erfassen und zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
489 neue Arten wurden in den letzten beiden Jahren von Senckenberg-Wissenschaftlern weltweit beschrieben. Die Palette der Neuentdeckungen reichte dabei von farbenfrohen Inselkrabben über abfärbende Frösche und fossile Spechte bis hin zur ersten augenlosen Riesenkrabbenspinne. Manche der Tiere sind kaum entdeckt und schon wieder vom Aussterben bedroht. „Taxonomie dient auch dazu, Tierarten schützen zu können“, erklärt Dr. Peter Jäger, Arachnologe bei Senckenberg und selbst Entdecker von 46 neuen Spinnenarten in den Jahren 2011 und 2012. „Nur wer die Artenvielfalt kennt, kann entsprechende Schutzprogramme entwickeln.“ Denn täglich sterben immer noch über 100 Tierarten aus – aller Neuentdeckungen zum Trotz.
In den Jahren 2011 und 2012 entdeckten Senckenberger Forscher 402 heute lebende und 87 fossile Arten, 414 davon leben an Land und 75 in den Weltmeeren. Das Gros der neuen Arten (324) stammt aus Asien, immerhin 96 Arten aus Europa. Die Gliederfüßer, zu denen die Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und Tausendfüßer gehören, waren aufgrund ihrer schon bekannten Artenvielfalt erwartungsgemäß mit über 300 Arten auch bei den Neubeschreibungen führend, danach folgten Schnecken und Muscheln (64) und Pflanzen (30). Es wurden sowohl molekulare als auch traditionelle Methoden, wie morphologische Untersuchungen, eingesetzt. „Das Jahr 2012 war mit 329 neuentdeckten Arten der bisherige Senckenberg-Spitzenreiter“, ergänzt Mosbrugger und fährt fort: „Demnach haben wir etwa zwei Prozent der weltweit neu entdeckten Arten beschrieben.“
In den letzten 5 Jahren kommen die Senckenberger Wissenschaftler auf über 1.100 Artneubeschreibungen. Doch auf ihrem Erfolg ausruhen wollen sich die Biologen und Paläontologen nicht. „Bisherige Schätzungen zur globalen Artenvielfalt gehen weit auseinander: Experten sehen die Zahl zwischen drei und 100 Millionen Arten“, erläutert Jäger. Sicher ist, dass der Mensch einen Großteil davon noch nie zu Gesicht bekommen hat.
Es bleibt demnach viel zu tun und es gibt weiterhin Spannendes zu entdecken für die Taxonomen im Hause Senckenberg.

16.01.2013, Universität Siegen
Wisente sind bereit für die Freisetzung
Im Wittgensteiner Land läuft mit wissenschaftlicher Begleitung der Universität Siegen die Wiederansiedlung der Tiere in freier Wildbahn. Voraussichtlich im Frühjahr 2013 wird die Herde freigesetzt.
Nach dreijähriger Forschungsarbeit hat das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen nun die Genehmigung erteilt, eine Herde von derzeit acht Wisenten im Privatwald des Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg freizusetzen. Die Tiere werden sich voraussichtlich ab dem Frühjahr 2013 frei in den Wittgensteiner Wäldern bewegen können. Diese Herde wird somit seit über 150 Jahren die erste wild lebende Rinderherde Deutschlands sein.
Im Wittgensteiner Land wurden seit Jahren Anstrengungen unternommen, den Weg zur Wiederansiedlung der Tiere frei zu machen. Eine Vorstudie stellte die generelle Eignung des Gebietes sowie den Grad der Akzeptanz in der Bevölkerung fest. 2010 startete das E + E-Vorhaben mit der wissenschaftlichen Begleitforschung von drei Universitäten, der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein sowie einem Gutachterbüro. Prof. Dr. Klaudia Witte, Biologie, Fakultät IV der Universität Siegen, koordiniert die Begleitforschung. Die Universität ist dabei mit zwei Promotions- und mehreren Abschlussarbeiten involviert. Der Bereich Sozioökonomie wird von Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein, Lehrstuhl für Marketing, Fakultät III, und von Kim-Kathrin Kunze, Doktorandin, abgedeckt. Philip Schmitz, Doktorand aus der Fachgruppe Ökologie und Verhaltensbiologie bearbeitet unter Leitung von Prof. Dr. Klaudia Witte sämtliche verhaltensbiologischen und einige ökologischen Aspekte im E + E-Projekt.
Dies ist ein einmaliges Artenschutz-Projekt in Westeuropa mit internationaler Sichtbarkeit. Der World Wide Fund For Nature (WWF) hat kürzlich das Projekt besucht und betrachtet es als „wegweisenden Schritt für den Naturschutz in Deutschland“. Das Projekt wird Vorbildcharakter haben und gewissermaßen als Pilotstudie für andere ähnliche Projekte in dicht besiedelten Regionen dienen. So werden bereits in Dänemark Anstrengungen unternommen, ebenfalls Wisente freizusetzen.
Zwischen dem Trägerverein des Projektes und dem Umweltministerium des Landes NRW wurde im Vorfeld ein Katalog erarbeitet, der sämtliche Fragestellungen umfasst, die bis zu einer Freisetzung der Wisente beantwortet sein mussten. Nach dreijähriger Forschung konnte dieser Fragenkatalog im Herbst 2012 abgeschlossen werden und das Ministerium genehmigte die Freisetzung der Wisente auf der Grundlage der geleisteten Studien. Jedoch ist die wissenschaftliche Arbeit an dieser Stelle nicht beendet, denn die Tiere sollen weiterhin untersucht werden, Verhaltensänderungen frühzeitig erkannt und auch die Erweiterung ihres Areals intensiv verfolgt werden. Ebenso soll die sozioökonomische Begleitforschung weiter fortgeführt werden.
Die Wisente (wieder) als Wildart zu etablieren wird vielfältige positive Folgen für das Ökosystem haben. So besetzen die Tiere die seit Jahrhunderten vakante Position des großen Gras- und Raufutterfressers. In ihrem Kot können sich eine Vielzahl an koprophagen Wirbellosen entwickeln, von denen einige einerseits selbst auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen und andererseits Nahrungsgrundlage für bedrohte Insektenfresser sind. Durch Tritt und Beweidung schaffen die Tiere offene Flächen in ansonsten geschlossenen Vegetationsdecken, die essenziell für manche Konkurrenz schwache (und daher heutzutage seltenen) Pflanzen sind. Weiter bewahren sie kleinräumig bedrohte Wiesenbereiche vor Verbuschung. Darüber hinaus verspricht man sich natürlich auch eine Attraktivitätssteigerung der ganzen Region für Naturliebhaber, Tierfreunde, Wanderer oder Tierfotografen. Dass von diesen Tieren eine Faszination ausgeht, beweist der bisherige Erfolg des kürzlich eröffneten Geheges „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“.
Die Tiere im Wittgensteiner Wald sollen zunächst auf eine Gruppengröße von 25 Individuen anwachsen. Die Herde soll weiterhin unter menschlicher Obhut verbleiben und einen gemanagten Bestand bilden. Ähnliche Systeme sind auch für andere große Wildarten (Hirsche, Mufflon) etabliert. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Ver-braucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und durch das Bundesamt für Naturschutz.

17.01.2013 Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Frankfurt am Main, 17.1.2013. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf alle Lebewesen und Ökosysteme, unter anderem bedroht er die genetische Vielfalt innerhalb von Arten. Das ist das Ergebnis einer im Fachjournal Molecular Ecology veröffentlichten Übersichtsstudie. Forscher des Biodiversität und Klima Forschungszentrums, der Frankfurter Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung haben darin die möglichen Folgen der genetischen Verarmung zusammengefasst. Außerdem zeigen sie in einer Methodenstudie in der Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology auf, wie die genetische Vielfalt künftig besser in Untersuchungen der Auswirkungen des Klimawandels einbezogen werden kann.
Genetische Variationen innerhalb von Arten sind das Rohmaterial der Evolution, ohne sie können sich Populationen nicht an ihre Umwelt anpassen und keine neuen Arten entwickeln. Die Vielfalt im Erbgut von Arten und Populationen ist daher die Grundlage für künftige evolutionäre Entwicklungen. Sie spielt zudem eine entscheidende Rolle für die Fitness von Individuen einer Art und für die Stressresistenz ganzer Populationen. Wenn alle Mitglieder einer Population die gleichen Gene haben, ist die Gefahr groß, dass alle gemeinsam einer Krankheit oder widrigen Umweltverhältnissen zum Opfer fallen, oder schnell an den Rand ihrer Überlebensfähigkeit kommen. Aus den Agrarwissenschaften etwa ist seit langem bekannt, dass die Fokussierung auf wenige Sorten mit untereinander nah verwandten Individuen deren Anpassungspotential an Umweltbedingungen und deren Resistenz gegenüber Parasiten und Krankheitserregern gefährlich verringert. „Ein zu kleiner Genpool kann für eine Art oder eine Population problematisch werden, wenn etwa neue Krankheitserreger erscheinen“, so Markus Pfenninger, Professor für Molekulare Ökologie an der Goethe-Universität und am Biodiversität und Klima Forschungszentrum.
Für die Übersichtsstudie hat das Frankfurter Team ca. 200 wissenschaftliche Artikel und Datensammlungen zu den Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die genetische Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten ausgewertet. Die Studie belegt, dass der Klimawandel die genetische Vielfalt beeinflusst und in vielen Fällen bedroht – etwa, wenn ganze Populationen in neue Lebensräume abwandern müssen. „Unser Review belegt, dass die Berücksichtigung genetischer Vielfalt ganz zentral ist, wenn wir die Folgen des Klimawandels für die Biodiversität verstehen und abschätzen wollen“, sagt Steffen Pauls (BiK-F), einer der Autoren der Studie.
Die Übersichtsstudie verdeutlicht auch, dass die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die genetische Diversität bislang noch viel zu wenig im Fokus der Wissenschaft stehen – und dies, obwohl die durch den Klimawandel ausgelösten Prozesse die genetische Ausstattung vieler Arten reduzieren oder zumindest in einzelnen Populationen stark verändern. „Dies wird durch weitere Eingriffe des Menschen in die Ökosysteme noch verstärkt“, betont Markus Pfenninger. „Deshalb muss der Schwund an innerartlicher Vielfalt künftig besser erforscht werden“.
Genetische Vielfalt ist nicht nur von akademischem Interesse, sie hat auch direkte Konsequenzen für das Wohlergehen von Menschen. Der globale ökonomische Wert aller jährlich durch die Ökosysteme erbrachten Dienstleistungen wie Nahrungsmittel, Medikamente, sauberes Wasser und Atemluft liegt bei etwa 25 Billionen Euro. Allerdings kann die Natur diese Leistungen nur zur Verfügung stellen, wenn sie Schädlingen, Krankheiten oder anderen Störungen weitgehend zu trotzen vermag – und dies ist nur durch eine vielfältige genetische Ausstattung gewährleistet.
Um den Verlust genetischer Diversität einzelner Arten künftig besser absehen zu können, stellt das BiK-F-Forscherteam in einem kürzlich in der Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology erschienenen Artikel eine neue Methode vor, die den möglichen Rückgang statistisch valide abschätzbar macht. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie nicht nur für künftige Studien anwendbar ist, sondern dass auch vorhandene Datensätze entsprechend ausgewertet werden können. Dadurch lässt sich besser beurteilen, welche Arten von einem Klimawandel-induzierten Verlust an genetischer Diversität besonders betroffen sein werden. Für diese Arten können dann gezielt Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Publikationen:
Pauls SU, Nowak C, Bálint M, Pfenninger M: The impact of global climate change on genetic diversity within populations and species (2013). Molecular Ecology, doi: 10.1111/mec.12152
Pfenninger M, Bálint M, Pauls SU: Methodological framework for projecting the potential loss of intraspecific genetic diversity due to global climate change (2012). BMC Evolutionary Biology 12:224

17.11.2013, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Welterbe Vulkankrater – Der geologische Rahmen der Grube Messel
Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Willkommen aus der Urzeit“
(Bonn, 17.01.2013) Am 23. Januar hält Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim vom Steinmann Institut der Universität Bonn den zweiten Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Willkommen aus der Urzeit“. Im Hörsaal des Museum Koenig spricht er ab 19 Uhr über das „Welterbe Vulkankrater – Der geologische Rahmen der Grube Messel“. Der Vortrag ist kostenlos; das Museum bittet um eine Spende zugunsten der Regenwaldausstellung.
Die Fossil-Lagerstätte Messel besteht aus einem räumlich abgetrennten Vorkommen von Ölschiefer, das zur Zeit des Tertiärs, vor etwa 47 Millionen Jahren, entstand. Dieser Ölschiefer ist von viel älteren Kristallingesteinen, Granit und Ähnlichem, umgeben. Diese sind mit einer feinen Schicht eines Gesteins bedeckt, das man als „Rotliegend“ bezeichnet. Geologen haben lange Zeit über die Entstehung des isolierten Vorkommens diskutiert: Erst eine Bohrung in den Untergrund der Grube brachte Klarheit: Unter den tertiären Ablagerungen folgen Lapilli-Tuffe von Vulkanausbrüchen und darunter ein Diatrem – ein Gesteinsgemisch, wie es durch die Zertrümmerung des Untergrundes bei Maarvulkan-Explosionen entsteht. Im Vortrag stellt Prof. Dr. Froitzheim die geologische Entwicklung des Raums um Messel vor und erklärt, wie es durch das Zusammenwirken von geologischen Prozessen des Untergrundes und Umweltbedingungen zur Bildung der Fossil-Lagerstätte kam.
Veranstaltungsort:
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Museumsmeile Bonn, Adenauerallee 160, 53113 Bonn
Internet: www.zfmk.de

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