Ausgestorbene Reptilien der Neuzeit

Cylindraspis
Cylindraspis ist eine Gattung ausgestorbener Riesenschildkröten auf der Inselgruppe der Maskarenen. Als diese Schildkröten zuerst entdeckt wurden, hatten die Inseln der Maskarenen sehr große Schildkrötenpopulationen. Diese wurden nach Beginn der menschlichen Besiedlung stark genutzt und eventuell dadurch ausgerottet. Andere mögliche Gründe wären eingeschleppte Ratten oder Raubtiere.
Der Panzer der Riesenschildkröten der Maskarenen war teilweise zurückgebildet. Das liegt sicherlich einerseits am größeren Abstand zum Festland, der eine längere eigenständige Evolution erlaubte als auf den Seychellen, andererseits daran, dass diese Inseln raubtierfrei waren und dadurch der Panzer unnötig war.

Eastwood-Geißelschildechse
Die Eastwood-Geißelschildechse war im Woodbush Forest Reserve in der Provinz Limpopo im Norden Südafrikas endemisch. Sie bewohnte offenes montanes Grasland. Das Artepitheton ehrt die südafrikanische Biologin Audrey Eastwood, die 1912 den Holotypus gesammelt hatte.
Die Kopf-Rumpf-Länge des Holotypus beträgt 64 mm und die Schwanzlänge 126 mm. Die Oberseite ist olivbraun. Der Rücken und der Schwanz sind einfarbig oder durch undeutlich markierte dunkle Längslinien, Reihen oder Flecken charakterisiert. Die Unterseite ist hell graubraun. Der Oberkopf weist dunkle Flecken auf. Der Körperbau ist schlangenförmig. Die Gliedmaßen sind sehr klein und die Zehen sind bekrallt. Die 5 mm langen Vordergliedmaßen sind dreizehig. Die mittlere Zehe ist am längsten, die innere Zehe ist länger als die winzige äußere. Die Hintergließmaßen sind mit 6,5 mm etwas länger als die Vordergliedmaßen und zweizehig. Die innere Zehe ist winzig. Die Rückenschuppen sind gefurcht und stark gekielt. Sie sind in 12 Längsreihen sowie in 67 bis 70 Querreihen angeordnet. Die Bauchschilde sind in 6 bis 8 Längsreihen sowie in ungefähr 50 Querreihen aufgeteilt. Der Schwanz ist teilweise erneuert.
Die Eastwood-Geißelschildechse ist nur von zwei Exemplaren bekannt, die 1912 und 1928 gesammelt wurden und heute im Transvaal Museum in Pretoria aufbewahrt werden. Das Grasland wurde durch Brände zerstört und die Region mit Kiefern aufgeforstet.

Guadeloupe-Ameive
Die Guadeloupe-Ameive ist eine vermutlich ausgestorbene Echsenart aus der Familie der Schienenechsen. Obwohl Jean-Baptiste Du Tertre bereits 1667 Ameiven auf Guadeloupe erwähnt hatte, wurde die erste gültige wissenschaftliche Beschreibung erst im Jahre 1915 auf der Basis von drei Exemplaren (ein Männchen, zwei Weibchen) verfasst, die im August 1914 bei Petit-Bourg auf der Insel Basse-Terre gesammelt wurden.
Nach Angaben von Du Tertre waren die Ameiven 1 bis 1,5 Fuß lang. Das 1914 gefangene Männchen hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 150 mm. Die Rücken- und Schwanzschuppen sind gekielt und gerade. 18 bis 20 Bauchschuppen sind in einer Querreihe und 34 bis 38 Bauchschuppen sind in einer Längsreihe angeordnet. An jedem Fuß sind vier Zehen. Unter den Zehen sind 74 bis 78 Schuppen zu erkennen. Es sind 56 bis 63 Femoralporen vorhanden. Der Rücken ist aschgrau bis graugrün und zeigt drei etwas dunklere, unauffällige, längliche Streifen. An jeder Flanke sind zwei weitere seitliche Streifen angedeutet. Die Flanken sind bläulich. Der Kopf und der Schwanz sind olivgrün. Der Bauch ist strohfarben oder milchigweiß.
Die wenigen Aufzeichnungen über die Lebensweise stammen aus dem Werk l’Histoire générale des Antilles habitées par les Français von Du Tertre (1667). Die Tiere verbrachten die Tageshitze unter dem Boden. Sie ernährten sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost.
Der größte Teil der Population ist vermutlich durch Mangusten dezimiert worden. Ausschlaggebend für die Ausrottung war aber offenbar der Okeechobee-Hurrikan, der im September 1928 die Insel Guadeloupe verwüstete.

Kawekaweau-Gecko
Der Kawekaweau-Gecko ist eine ausgestorbene Geckoart aus Neuseeland. Mit einer Gesamtlänge von über 60 cm gilt er als die größte Geckoart, die jemals entdeckt worden ist.
Der Kawkaweau-Gecko ist bisher nur von einem einzigen Belegexemplar, dem männlichen Holotypus bekannt; er trägt die Exemplarnummer MMNH 1985-38 und ist durch Trocknen konserviert worden. Er wurde von Garth Underwood, Anthony Russell und Alain Delcourt in den Sammlungen des Musée d’Histoire Naturelle de Marseille entdeckt, wo der Gecko lange Zeit ohne genaue Beschriftung aufbewahrt wurde. Tatsächlich war das Exemplar jahrelang öffentlich ausgestellt, bis seine Bedeutung erkannt wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte dann 1986 durch Bauer und Russell. Das Artepitheton delcourti ehrt Alain Delcourt.
Wegen der fehlenden Beschriftungen können keine Aussagen über das Fundjahr oder die genaue Herkunft der Art gemacht werden; wahrscheinlich gelangte das Exemplar im 19. Jahrhundert in die Sammlung des Museums.
Genaue Angaben zur Verbreitung sind nicht möglich. Jedoch kommen die anderen, verwandten Hoplodactylus-Arten nur in Neuseeland vor, und in den Geschichten der Maori kommt eine Riesenechse namens kaweaweau vor. Dieser ist vermutlich von Hoplodactylus delcourti inspiriert. Somit kann das Verbreitungsgebiet auf Neuseeland eingegrenzt werden.
Das bisher einzige bekannte Exemplar weist eine Kopf-Rumpf-Länge von 37 cm auf. Der Kopf ist recht kurz und breit, die Schnauze ist flach. Der Rumpf ist kräftig gebaut, der Gecko hatte kurze Beine. Der Schwanz ist 25,2 cm lang und im Querschnitt zylindrisch. Die Schuppen sind recht klein und körnig.
Das Belegexemplar von Hoplodactylus delcourti ist gelblich-braun und ist mit dunklen rötlich-braunen Längsstreifen auf der Körperoberseite gezeichnet. Die Färbung wurde bei der wenig schonenden Konservierungsmethode wahrscheinlich stark verändert – im Leben war der Gecko wohl hellbraun mit dunkelroten Längsstreifen und einer cremefarbenen Körperunterseite.
Die IUCN klassifiziert den Kawekaweau-Gecko in die Kategorie „ausgestorben“ (extinct), da außer dem Typusexemplar keine weitere Exemplare bekannt geworden sind. Das wahrscheinlich in die Mitte des 19. Jahrhunderts fallende Aussterben ist einerseits auf den Verlust der Wälder durch Rodung zurückzuführen, andererseits auf die von europäischen Siedlern in Neuseeland eingeführten Ratten, die den Jungtieren des Kawekaweau-Geckos nachstellten.

Leiocephalus eremitus
Leiocephalus eremitus ist eine ausgestorbene Echsenart aus der Familie der Glattkopfleguane (Leiocephalidae). Sie war endemisch auf der unbewohnten Karibikinsel Navassa und ist nur von einem einzigen Weibchen bekannt, das im Jahre 1868 beschrieben wurde. Ein zweites Individuum, das 1917 von Rollo Beck gesammelt wurde, entpuppte sich bei einer späteren Untersuchung durch den Herpetologen Richard Thomas als Exemplar der Art Leiocephalus melanochlorus.
Die Länge des Holotypus wird mit 64 mm angegeben. Die Kopfschuppen und die Bauchschuppen sind glatt. Die Rückenschuppen sind größer als die Flankenschuppen oder die Bauchschuppen. Der Rücken ist dunkelgrau mit 9 dunklen Diagonalbändern. Der Schwanz ist in der vorderen Hälfte hell mit Diagonalbändern und in der hinteren Hälfte einheitlich dunkelgrau bis schwarz. Kehle, Brust, Bauch und die Extremitäten sind braun mit hell umrandeten Schuppen.
Über die Lebensweise und die Aussterbeursachen ist nichts bekannt.

Leiocephalus herminieri
Leiocephalus herminieri ist eine ausgestorbene Echsenart aus der Familie der Glattkopfleguane (Leiocephalidae). Benannt ist sie nach dem französischen Naturforscher Félix Louis L’Herminier. Es gibt fünf Museumsexemplare, von denen drei in Paris, eines in London und ein weiteres in Leiden aufbewahrt werden. Obwohl als Verbreitungsgebiet heute allgemein Martinique vermutet wird, so gab es in der Vergangenheit einige Verwirrung um die Herkunft der wenigen bekannten Exemplare. Während André Marie Constant Duméril und Gabriel Bibron in ihrer Erstbeschreibung im Jahre 1837 Martinique und Trinidad und Tobago als Herkunftsorte nannten, gab George Albert Boulenger im Jahre 1885 lediglich Trinidad und Tobago als Terra typica an. Lebensweise, Aussterbeursachen und genauer Zeitpunkt des Aussterbens von Leiocephalus herminieri sind unbekannt. Diese Leguanart wurde zuletzt in den 1830er Jahren gesammelt.
Von den drei in Paris befindlichen Museumsexemplaren ist das größte Weibchen 139 mm und das größte Männchen 126 mm lang. Die großen Kopfschuppen sind mehr oder weniger deutlich gestreift. Die großen Rückenschuppen sind kielförmig und bilden diagonale durchgehende Reihen. Die kleineren Flanken- und Bauchschuppen sind ebenfalls kielförmig. Der Rücken ist grünlichbraun mit mehr oder weniger auffälligen gelben Querstreifen. Der Kopf ist gelblich mit vier bis fünf senkrechten schwarzen Strichen auf jeder Seite. Der Bauch ist gelblich. Die Kehle weist diagonale schwarze Bänder auf.

Mauritius-Boa
Die Mauritiusboa ist vermutlich ausgestorben und war endemisch auf der kleinen Insel Round Island bei Mauritius. Sie darf nicht verwechselt werden mit der heute noch auf Round Island vorkommenden Round-Island-Boa.
Die Mauritiusboa erreichte eine Länge von 100 cm und hatte ein längsgeripptes Schuppenkleid. Im Gegensatz zu anderen Boas fehlte bei ihr der Beckengürtel. Sie war durch eine spitze Schnauze und einen zylinderförmigen Körper und Kopf gekennzeichnet. Die Färbung war bräunlich.
Die Mauritiusboa hatte ein extrem eingeschränktes Verbreitungsgebiet von nur 1,5 km². Ihr Lebensraum bestand aus Hartholzwäldern und Palmsavannen. Sie lebte auf Steinfeldern und in Felsspalten und ernährte sich vermutlich von Skinken und Geckos. In der Vergangenheit war Bolyeria auch von Mauritius bekannt. Hier wurde die Schlange vermutlich durch Schweine ausgerottet.
Bereits 1949 galt die Mauritiusboa als sehr selten. 1975 wurde sie zuletzt gesehen. Als Grund für ihr Verschwinden wird Lebensraumverlust aufgrund der Bodenerosion angenommen, die durch die Überweidung durch Ziegen und Kaninchen verursacht wurde.

Phelsuma gigas
Phelsuma gigas ist eine als verschollen geltende Taggeckoart. Er bewohnte die Maskarenen-Inseln und die Insel Frégate in der Nähe von Rodrigues. Der Rodrigues-Riesengecko gilt mit einer Gesamtlänge von über 40 cm als die größte Taggeckoart, die jemals entdeckt worden ist.
Der Rodrigues-Riesengecko wurde erstmals im Jahr 1708 von François Leguat auf Rodrigues im Indischen Ozean entdeckt. Dabei beschrieb François Leguat die neue Taggeckoart in seinen Tagebuchaufzeichnungen. Fast 140 Jahre nach der Erstbeschreibung entdeckt François Liénard de la Mivoye den Rodrigues-Riesengecko zum zweiten- und gleichzeitig letzten Mal im Jahr 1842 auf der Insel Frégate, welche sich ebenfalls im Indischen Ozean befindet. Später wurde François Liénard de la Mivoye mit dem Artepitheton „Liénard“ als offizieller Entdecker benannt und geehrt, weil er als Naturforscher über mehr biologisches Wissen verfügte als François Leguat als Abenteurer.
Der Rodrigues-Riesengecko bewohnte vor allem die Maskarenen, die Insel Rodrigues und einige weitere umliegende Inseln. Überlieferten Angaben zufolge lebte er sehr versteckt vor allem auf Felsen und größeren Bäumen in tropischen Wäldern. Zuletzt wurde er im Jahr 1842 auf vorgelagerten Inseln von Frégate gesichtet. Der ursprüngliche Lebensraum wurde durch den Menschen und die Ansiedlung von Katzen und Ratten zum größten Teil zerstört und führte wahrscheinlich zum Aussterben dieser Art. Da Phelsuma gigas seit 1842 und auch in späteren Expeditionen nicht mehr gesichtet wurde, ist davon auszugehen, dass diese Art heute nicht mehr existiert.
Der Rodrigues-Riesengecko ist mit einer Gesamtlänge von bis zu 44 cm und einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 19 cm die größte bekannte Taggeckoart. Seine Körperfarbe war blau-gräulich bis graubraun. An der Oberseite soll er schwarze, dunkle Flecken gehabt haben und sein Schwanz soll gestreift und dunkelgrau bis braun gefärbt gewesen sein. Die Bauchseite von Phelsuma gigas hatte eine hellgelbe bis weiße Färbung. Sein Körperbau und seine Färbung ähneln sehr dem Phelsuma guentheri, der auch eine tagaktive Geckoart ist. Ein Hinweis darauf, dass Phelsuma gigas nachtaktiv gewesen sein muss, sind seine schmalen, vertikalen und elliptischen Augen, welche sonst nur bei nachtaktiven Geckoarten zu finden sind. Die meisten Beschreibungen von Phelsuma gigas beruhen auf Aufzeichnungen des 19. Jahrhunderts, da es heute keine Präparate dieser Art mehr gibt. Ein maßstabsgetreues Modell dieser Art ist allerdings im Naturkundemuseum der Île aux Aigrettes zu finden. Ebenfalls existieren noch wenige subfossile Knochen von Phelsuma gigas, die aber nicht auf ein vollständiges Skelett schließen lassen. Diese Tatsache ließ George Albert Boulenger schon seinerzeit zweifeln, ob die generische Einordnung Phelsuma gigas in die Gattung Gekko (die, der nachtaktiven Geckos) richtig ist, denn auch ihm lag nicht das komplette Skelett vor, sondern nur einzelne Teile und Knochen von Phelsuma gigas.
Der Rodrigues-Riesengecko gilt zwar als eine Taggeckoart, soll aber überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv gewesen sein und sehr scheu und versteckt gelebt haben. In seinem Verhalten ähnelte er stark Phelsuma guentheri. Da Phelsuma gigas die für Taggeckoarten typischen reduzierten inneren Zehen hat, wird er in die Gattung Phelsuma eingeordnet.
Der Rodrigues-Riesengecko soll sich überwiegend von verschiedenen Insekten und anderen Wirbellosen ernährt haben. Seine Zunge war auch gut geeignet um süße Früchte, Pollen und Nektar aufzunehmen.

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