Neues aus der Wissenschaft

13.03.2013, Leibniz Universität Hannover
Der Luchs in Niedersachsen
Online-Befragung zur Wahrnehmung des Luchses in der Bevölkerung und Jägerschaft
Heimlich, still und leise besiedelt der Luchs verschiedene Gegenden in Niedersachsen. Im neuen Jahrtausend wurde die ehemals in diesem Landstrich ausgestorbene Tierart innerhalb eines Projekts des Landes und der Jägerschaft wieder angesiedelt. Inzwischen sind einzelne umherstreifende Luchse bereits vom Harz in den Deister vorgedrungen – eine aus Artenschutzsicht erfreuliche Entwicklung, doch wie wird sie innerhalb der niedersächsischen Bevölkerung wahrgenommen? Ergeben sich insbesondere für die Jägerschaft messbare Konsequenzen durch die Präsenz des Luchses im Revier?
Eine Online-Befragung des Instituts für Umweltplanung (IUP) der Leibniz Universität Hannover in Kooperation mit der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. und dem Luchsprojekt im Nationalpark Harz soll dazu beitragen, diese Fragen zu beantworten. „Es gibt so gut wie keine Kenntnis darüber, wie die Bevölkerung und insbesondere die Jägerinnen und Jäger dem Luchs gegenüber eingestellt sind“, erläutert Dr. Eick von Ruschkowski vom IUP, verantwortlich für Konzeption und Durchführung Befragung. Um qualifizierte Daten erheben zu können, sind die Projektbeteiligten auf die Kooperation der Öffentlichkeit angewiesen. Eine anonyme Teilnahme an der Online-Befragung ist unter http://www.unipark.de/uc/IUP_Luchs/ bis Dienstag, 30. April 2013, möglich.
Die Erkenntnisse, die aus der Befragung gewonnen werden, können beispielsweise als Entscheidungshilfe für die Entwicklung von Monitoring- oder Managementprogrammen von Bedeutung sein. Darüber hinaus kann durch den Luchs verursachtes Konfliktpotential identifiziert und entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet werden.

14.03.2013, Georg-August-Universität Göttingen
Größe kontra Lebenserwartung: Warum große Hunde jung sterben
Große Hunde haben eine niedrigere Lebenserwartung als kleine, weil sie schneller altern. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Universität Göttingen, in die Daten von mehr als 50.000 Hunden einflossen, die 74 verschiedenen Rassen angehörten. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift American Naturalist veröffentlicht.
Wissenschaftler analysieren Daten von mehr als 50.000 Hunden aus 74 Rassen
Große Hunde haben eine niedrigere Lebenserwartung als kleine, weil sie schneller altern. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Universität Göttingen, in die Daten von mehr als 50.000 Hunden einflossen, die 74 verschiedenen Rassen angehörten. Der negative Zusammenhang zwischen Größe und Lebenserwartung ist von verschiedenen Tierarten bekannt, unter anderem auch von Mäusen, Ratten und Pferden. Unklar war bislang jedoch, wann – das heißt in welchem Lebensabschnitt – Dogge & Co. für ihre Größe mit Lebensjahren zahlen müssen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift American Naturalist veröffentlicht.
Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen der Größe und dem rassespezifischen Verlauf der Mortalitätskurve, also der Abhängigkeit des Todesrisikos vom Alter. „Große Hunde altern schneller als kleine. Im Vergleich zu ihren kleineren Artgenossen scheint es, als ob ihr Erwachsenenleben im Zeitraffer abläuft“, erläutert Dr. Cornelia Kraus von der Abteilung Soziobiologie/Anthropologie der Universität Göttingen. „Dies kann jedoch nur eine erste Antwort auf die Frage sein, warum große Hunde jünger sterben als kleine. Wir vermuten, dass die niedrigere Lebenserwartung großer Rassen die Folge eines übermäßig schnellen Wachstums sein könnte. Zukünftige Studien müssen sich unter anderem mit den Todesursachen und physiologischen Mechanismen beschäftigen, die diesen größenabhängigen Mortalitätskurven zugrundeliegen.“
Der negative Zusammenhang zwischen Größe und Lebenserwartung lässt sich nach Ansicht der Wissenschaftler nirgendwo so gut untersuchen wie beim Hund: Durch künstliche Selektion wurden Rassen geschaffen, deren Spannweite in der Körpergröße vom 2 Kilogramm schweren Chihuahua bis zum 80 Kilogramm schweren Englischen Mastiff reicht. Große Hunderassen sterben durchschnittlich im Alter von 5 bis 8 Jahren, während kleine Rassen ein durchschnittliches Alter von 10 bis 14 Jahren erreichen. Und noch eine Frage ist bislang unbeantwortet: Während die Regel „große Exemplare sterben früher“ für verschiedene Tierarten gilt, zeigt ein Vergleich der Tierarten miteinander, dass größere Säugetiere in der Regel länger leben als kleine.
Originalveröffentlichung: Cornelia Kraus et al. The Size-Life Span Trade-Off Decomposed – Why Large Dogs Die Young. The American Naturalist 2013.

14.03.2013, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dem Ursaurier Beine machen
Evolutionsbiologe von der Universität Jena erhält ein Stipendium der Daimler und Benz Stiftung
Vor gut 300 Millionen Jahren kroch ein etwa einen Meter langes Reptil im heutigen Thüringer Wald über lehmigen Boden. Der Ursaurier Orobates pabsti hinterließ deutliche Spuren, die allmählich versteinerten. Zusätzlich zu den schon länger bekannten Fährten, wurde im Jahre 1998 ein erstaunlich gut erhaltenes Skelett der Echse auf dem Bromacker bei Tambach-Dietharz gefunden.
Dr. John Nyakatura von der Universität Jena möchte den kleinen Ursaurier wieder zum Laufen bewegen. Ziel des Wissenschaftlers und seiner Kooperationspartner ist es, einen biomimetischen Roboter zu bauen, der sich genau wie Orobates pabsti fortbewegt. Nyakatura kann sein Forschungsvorhaben dank eines Post-Doc-Stipendiums der „Daimler und Benz Stiftung“ in Angriff nehmen. Er wurde als einer von zehn Stipendiaten ausgewählt. Insgesamt hatten sich über 200 Nachwuchswissenschaftler aus allen Wissenschaftsdisziplinen beworben. Die Stiftung fördert das Projekt für die Dauer von zwei Jahren mit insgesamt 40.000 Euro.
Der Ursaurier Orobates pabsti sei etwas Besonderes, sagt John Nyakatura. Steht er doch entwicklungsgeschichtlich genau an der Schwelle zu den Amnioten, den Nabeltieren. Das sind Wirbeltiere, die den Schritt von der im Jugendstadium aquatischen Lebensweise der Amphibien hin zur weitgehenden Unabhängigkeit von offenen Gewässern vollzogen haben. Möglich wurde das, weil sich die Entwicklung der Jungtiere in einem geschlossenen Ei vollzieht, womit die enge Verbindung zum Wasser nicht mehr nötig ist. Nyakatura geht davon aus, dass sich der Bewegungsapparat der Tiere bei der Eroberung des Landes veränderte. „Amphibien müssen Kompromisse eingehen, weil sie im Wasser und auf dem Land unterwegs sind. Dieses Dilemma fällt bei den Amnioten weg“, sagt Nyakatura.
Um das Geheimnis der Bewegungen von Orobates pabsti zu entschlüsseln, untersucht John Nyakatura mit seinen Kollegen zunächst rezente Arten. „In einem ersten Schritt erstellen wir ein Bewegungsprofil von heutigen Arten, die sich wie Orobates im Spreizgang fortbewegen“, sagt er. Erforscht werden deshalb die Laufstile von Krokodil, Grünem Leguan, Blauzungenskink und Tiger-Salamander. Die Fortbewegung lässt sich mit Hilfe einer der schnellsten Röntgenvideoanlagen der Welt studieren. Diese Anlage an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigt das Skelett der Echsen während sie gehen. Außerdem lässt Nyakatura die Tiere über feuchte Tonplatten laufen. So können ihre Fußspuren mit denen Orobates‘ verglichen werden.
John Nyakatura kooperiert mit verschiedenen Partnern. Dr. Vivian Allen aus London hilft bereits seit 2011 bei der Entschlüsselung biomechanischer Bewegungsprinzipien der heute lebenden Tiere. Für den Bau des Roboters konnte der Jenaer Wissenschaftler Dr. Kostas Karakasiliotis gewinnen. Der Forscher von der Technischen Universität Lausanne entwickelte bereits den „Pleurobot“, der sich exakt wie ein Salamander fortbewegt. Mit den Daten aus Jena soll nun ein auf Pleurobot basierender neuer Roboter den Ursaurier Orobates pabsti wieder zum Laufen bewegen. Wenn das gelingt, wird der Roboter Spuren hinterlassen, die mit der Fährte des Ursauriers identisch sein werden. Der Roboter und die seltene Verbindung von Fährte und Skelettfossil werden erstmals erlauben, die angenommenen Fortbewegungsmuster eines vor Jahrmillionen verstorbenen Ursauriers experimentell zu testen.

14.03.2013, Universität Regensburg
Ein Nilhecht als Zitterwels? Fisch gibt Rätsel auf. Eine Art verzichtet auf Vorteile der Evolution
Nilhechte haben sich an ihre Umgebung evolutionär angepasst. Sie verfügen über elektrische Organe und nutzen ihre – normalerweise – schwachelektrischen Entladungen für die Kommunikation und aktive Elektroortung. Nicht so die Nilhecht-Art Mormyrus hasselquistii (Valenciennes, 1846): Ihre elektrischen Entladungen sind so stark, dass eine Berührung für den Menschen durchaus schmerzhaft sein kann. Diese Beobachtung machte Prof. Dr. Bernd Kramer vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg. Warum der Fisch damit scheinbar auf zahlreiche Vorteile verzichtet, will der Biologe nun klären.
Kramer machte seine Entdeckung im Rahmen einer Studie zum Körperbau verschiedener Nilhecht-Arten in Afrika. „Die elektrischen Entladungen dieser besonderen Nilhecht-Art erinnerten mich eher an die Energie eines Elektrozauns als an die bekannten Eigenschaften anderer, schwachelektrischer Nilhechte“, so Kramer. Dabei erscheinen die starken Entladungen von Mormyrus hasselquistii auf den ersten Blick kontraproduktiv zu sein. Weder eine „private“ Kommunikation mit Artgenossen noch eine diskrete Elektroortung in der Umgebung sind auf diese Weise möglich. Auf der anderen Seite sind die Entladungen wiederum nicht stark genug, um sie bei der Jagd auf andere Fische als tödliche Elektroschocker einzusetzen.
Normalerweise achten Nilhechte sehr genau darauf, nicht durch auffälliges Verhalten potentielle Räuber in der Umgebung anzulocken. Sie sind zumeist nachtaktiv und weichen so dem Druck von tagaktiven Feinden aus. Kramer vermutet, dass die starken Entladungen von Mormyrus hasselquistii in diesem Zusammenhang als Abschreckung dienen, wobei die Nilhecht-Art mit einer Größe von bis zu 50 cm selbst verhältnismäßig kräftig gebaut ist. Die Nilhecht-Art könnte davon profitieren, für den starkelektrischen Zitterwels (Malapterurus electricus Gmelin, 1789) gehalten zu werden, der schon als Winzling gefährliche Schläge austeilt und bis zu 120 cm lang wird. Er kommt in denselben Gewässern Westafrikas vor wie Mormyrus hasselquistii.
Was es genau mit dem „Zitter-Nilhecht“ auf sich hat, will Kramer in einer weiteren Untersuchung erforschen.
Die ersten Beobachtungen sind vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „African Journal of Aquatic Science“ veröffentlicht worden (DOI:10.2989/16085914.2012.745806).

14.03.2013, Deutsche Wildtierstiftung
Die Deutsche Wildtier Stiftung beobachtet Frühlingsstimmung am Himmel
Trotz Eis und Schnee herrscht am Himmel Frühlingsstimmung: Die Kraniche kommen. Der erneute Kälteeinbruch macht den eleganten Vögeln nicht viel aus. „Sie können mit niedrigen Temperaturen ganz gut umgehen“, sagt Peer Cyriacks, Biologe der Deutschen Wildtier Stiftung. „Ein Problem gibt es dennoch: Die Schneeschicht bedeckt die Nahrung der Kraniche auf den Äckern.“
Kraniche sind am Himmel leicht an ihren langen Hälsen und der Keilform der Flugformation zu erkennen. „Hinten im Windschatten sind die besten Plätze“, erläutert der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. Für den führenden Vogel an der Spitze ist der Flug am anstrengendsten, aber er wird nach einer gewissen Zeit von anderen Kranichen an der Spitze abgewechselt. „Man kann sie leicht an ihrem typischen Trompetenruf erkennen“, sagt Peer Cyriacks. „Die Rückkehrer aus den Überwinterungsgebieten in Spanien und Südfrankreich kommen, um auf unseren Feldern zu rasten und zu fressen.“ Sie übernachten allerdings meist im Wasser flacher Seen, wo sie den wasserscheuen Fuchs nicht fürchten müssen. Ihr großes Nest bauen sie aus diesem Grund ebenfalls bevorzugt im Wasser. Sie benötigen dafür sumpfige stille Waldgebiete. Doch nicht alle Kraniche kommen, um zu bleiben. „Nur ein relativ kleiner Teil brütet in Deutschland“, sagt Peer Cyriacks. „Die meisten ziehen weiter nach Skandinavien, Polen und die baltischen Staaten.“
In Japan gelten Kraniche als Glücksvögel, in Deutschland steht ihre Rückkehr für den Beginn des Frühlings. „Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen in der letzten Woche waren ideal für die Thermikflieger“, sagt der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. Rund 70.000 Tiere sind insgesamt in einem Zug-Streifen aus den Überwinterungsgebieten von Luxemburg über Nordrhein-Westfalen und weiter gen Nord-Osten im Anflug. „Für den Naturschutz sind Kraniche eine Erfolgsstory: Ihr Bestand war Anfang des 20. Jahrhunderts dramatisch gesunken und hat sich seither wieder kräftig erholt“, sagt der Biologe. „Das liegt an Renaturierungen und Wiedervernässungen von Mooren, aber auch am erhöhten Anbau von Mais, den Kraniche gern fressen.“ Peer Cyriacks rät allen Spaziergängern, die das Winterwetter satt haben: „Kopf hoch, die Kraniche bringen den Frühling mit!“

15.03.2023, Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow
Wie viele Aale schwimmen in der Havel?
Aktuelle Untersuchungen des Institutes für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow belegen, dass dem Aussetzen von jungen Aalen die größte Bedeutung bei der Sicherung der natürlichen Verbreitung der Art und der Bestandserhaltung in unseren Binnengewässern zukommt.
Potsdam: Um den Ursachen für den drastischen Bestandsrückgang des Aals auf den Grund zu gehen, führte das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) umfangreiche Untersuchungen im Flusseinzugsgebiet der Havel durch. In einem mehrjährigen Forschungsprojekt wurden dabei alle wichtigen Einflussfaktoren auf den Aalbestand erfasst. Die Wissenschaftler stellten zum Beispiel fest, dass derzeit jährlich nur etwa 30.000 Jungaale den Unterlauf der Havel auf natürlichem Wege erreichen. Wesentlich mehr Nachwuchs, nämlich 4,5 Millionen Stück, wird jährlich durch Besatz in die Havel eingebracht. Während ihres Lebens in der Havel sterben die meisten Aale aus natürlichen Gründen, wie z.B. durch Krankheiten und als Beute von Raubtieren. Andere Sterblichkeitsfaktoren wie Fischerei und Wasserkraftanlagen folgen mit deutlichem Abstand. Derzeit wird der Aalbestand in der Havel auf etwa 17 Millionen Tiere geschätzt, wobei 44.000 geschlechtsreife Aale jährlich die Havel verlassen, um zur Vermehrung über Elbe und Nordsee in den westlichen Atlantik abzuwandern. Mindestens 3/4 der Blankaale aus der Havel verfügen über ausreichende Fettreserven für den langen Wanderweg und eine erfolgreiche Vermehrung.
Auf Basis der Daten wurde ein Modell vom Aalbestand in der Havel erstellt. Beim Vergleich verschiedener Modellszenarien stellte sich heraus, dass der Aal ohne Besatz aus der Havel weitgehend verschwinden und damit wichtige Teile seines natürlichen Verbreitungsgebietes verlieren würde. Gleichzeitig erfolgt der heutige Besatz ausnahmslos mit an europäischen Küsten gefangenen Wildtieren, was zu kontroversen Diskussionen führt.
Hintergrund:
Der heimische Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist eine Wanderfischart. Sein Laichgebiet ist die Sargassosee im Atlantik. Zweimal in ihrem Leben überqueren die Aale auf einer Reise von circa 6.000 Kilometer den Atlantik: Als Jungtiere auf dem Weg zu den Europäischen Küsten und als geschlechtsreife Aale, um ihr Laichgebiet in der Sargassosee zu erreichen.
Nach Einschätzung des Internationalen Rates zur Erforschung der Meere (ICES) befinden sich die Aalbestände „außerhalb sicherer biologischer Grenzen“. Deshalb hat die Europäische Union ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl abwandernder geschlechtsreifer Aale aus den Binnengewässern zu erhöhen und so den Aalbestand zu stützen.

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