Neues aus der Wissenschaft

Ab nächsten Sonntag wird es (wieder mal) eine kleine Änderung geben.
Es hat sich gezeigt, dass die Beiträge zum Thema „Neues aus der Wissenschaft“ hauptsächlich auf neue Publikationen hinweisen, die Beiträge, die das nicht tun, lassen sich an einer Hand abzählen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich kaum PMs für meinen Beitrag zusammen bekomme.
Deswegen habe ich beschlossen (ziemlich spontan) „Neues aus der Wissenschaft“ nach diesem Beitrag nicht mehr weiterzuführen. Ich denke, dass das durchaus verschmerzbar ist. Und wenn es interessante Neuigkeiten gibt, bringe ich diese auch in anderer Form im Beutelwolf-Blog unter.
Dafür wird es jetzt regelmäßig „Neues vom Naturschutz“ geben, Themen also, die zwar oft im wissenschaftlichen Bereich auftauchen, aber doch irgendwie fehl am Platz sind. Trotzdem gehören sie auch in den Beutelwolf-Blog und bekommen jetzt auch die verdiente Eigenständigkeit.
Und noch etwas wird neu sein, aber nachdem das nichts mit Wissenschaft zu tun hat, übe ich mich vorerst in Schweigen und werde zu gegebener Zeit mehr verraten. Soviel kann man sich aber denken: Es geht um Tiere.
So, nach langer Vorrede (mit geringem Informationsgehalt), die „Wissenschafts-Presseschau“ der vergangenen Woche…
17.04.2013, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Noch mehr Stress für den Kabeljau?
Meeresbiologen starten neues Forschungsprojekt zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den begehrten Speisefisch
Bremerhaven, den 17. April 2013. Seit wenigen Jahren wissen Forscher, dass der Kabeljau die Flucht Richtung Arktis ergreift, wenn ihm das Wasser in seinem angestammten Lebensraum zu warm wird. Die Schwärme aus dem Atlantischen Ozean zum Beispiel ziehen im Sommer inzwischen bis nach Spitzbergen und dringen dort in das Revier des Polardorsches ein. Biologen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, wollen in den kommenden zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kiel, Bremen, Düsseldorf und Münster herausfinden, welche Folgen diese klimabedingte Wanderung für den Bestand beider Speisefischarten hat, wie die Fische auf das wärmer und saurer werdende Wasser reagieren und in welchen Lebensstadien ihnen die Veränderungen am gefährlichsten werden. Die ersten Untersuchungen laufen bereits als Teil des gemeinsamen Großprojektes BIOACID. Im Fokus steht dabei der Fischnachwuchs.
Dass Flemming Dahlke, Fischereibiologe am Alfred-Wegener-Institut (AWI), eines Tages zur Angel greifen müsste, um seine Doktorarbeit voranzutreiben, hätte er sich bis vor kurzem auch nicht vorstellen können. Aber nach mehreren vergeblichen Anläufen, an laichbereiten Kabeljau – in der Ostsee „Dorsch“ genannt – zu gelangen, erwies sich ein Angelausflug als ertragreichste Methode. Flemming Dahlke strich seinem Fang die Eier ab, befruchtete diese mit Dorschsperma und konnte endlich mit seiner eigentlichen Forschungsarbeit beginnen.
Der AWI-Fischereibiologe beobachtet, dokumentiert und misst in den Laboren der schwedischen Forschungsstation Kristineberg, wie sich Dorscheier bei unterschiedlichen Wassertemperaturen entwickeln. Er möchte wissen: Schlüpfen aus Eiern, die in zwölf Grad warmem Meerwasser gereift sind, ebenso viele Larven wie aus Eiern, die in sechs Grad kaltem Wasser gehältert wurden? Und wie beeinträchtigt die Menge des gelösten Kohlendioxids im Wasser die Überlebenschance des Fischlaichs?
Diese zwei Fragen gehören neben anderen zu den Forschungsschwerpunkten des BIOACID-Fischkonsortiums unter der Leitung des AWI-Biologen Dr. Felix Mark. In diesem Forschungsprojekt untersuchen Meeresbiologen des Alfred-Wegener-Institutes, des GEOMAR sowie der Universitäten Bremen, Düsseldorf und Münster gemeinsam mit Partnern aus Norwegen und Schweden, wie empfindlich die zwei Speisefischarten Kabeljau und Polardorsch auf die zunehmende Erwärmung und Versauerung des Meerwassers reagieren. In neun eng miteinander verknüpften Teilprojekten nehmen sie dabei alle Lebensstadien der Fische sowie deren genetische Muster unter die Lupe: vom Laich und der Larvenentwicklung, über die Jungfische und deren Lieblingsbeute, den Ruderfußkrebsen, bis hin zu den ausgewachsenen Elterntieren.
„Wie alle anderen Lebewesen auch, fühlen sich Kabeljau und Polardorsch in einem ganz bestimmten Temperaturbereich am wohlsten. Während der Laichsaison bevorzugt der Kabeljau zum Beispiel Temperaturen zwischen drei und sieben Grad Celsius. Der Polardorsch dagegen pflanzt sich bei null bis vier Grad Celsius fort. Erwärmt sich nun das Meer aufgrund des Klimawandels, geraten die Tiere unter Stress, der durch die zunehmende Ozeanversauerung maßgeblich verstärkt wird. Wir vermuten, dass diese neuen Umweltbedingungen dazu führen werden, dass sich der Wohlfühl-Bereich beider Arten verkleinert und sich die Lebensräume der Fische zunehmend überschneiden. Das heißt, der Kabeljau wird dem Polardorsch voraussichtlich ernsthaft Konkurrenz machen“, sagt Dr. Daniela Storch, Biologin am Alfred-Wegener-Institut.
Welche Fischart in diesem Kampf die wohlmöglich besseren Überlebenschancen hat, wollen die Projektteilnehmer mit aufwändigen Verhaltensexperimenten sowie auf einer vierwöchigen Expedition untersuchen. „Von Mitte August bis Mitte September dieses Jahres werden wir mit dem Forschungsschiff Heincke die Fjorde an der Nord-, West- und Südküste Spitzbergens befischen. Dabei wollen wir zum einen dokumentieren, wo wir zu dieser Zeit welche Art finden. Zum anderen wollen wir jede Menge Fische fangen, die wir lebend nach Bremerhaven zurückbringen und anschließend in den mehr als 100 neuen Becken unserer Aquariumsanlage studieren können“, sagt Felix Mark.
Zu den geplanten Untersuchungen gehören unter anderem Leistungsanalysen im hochmodernen Strömungskanal und den beiden Magnet-Resonanz-Tomographen des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven. „Mithilfe dieser Geräte können wir dem Fisch nicht nur in sein Gehirn, sondern sogar in einzelne Zellen schauen. Wir erkennen zum Beispiel, wie sich sein Stoffwechsel innerhalb der Zellen verändert, wie Herz und Blutkreislauf des Fisches auf die steigende Wassertemperatur reagieren, bei welchem pH-Wert des Wassers der Fisch seine Leistungsgrenze erreicht hat oder auf welche Weise Temperatur und Säuerungsgrad seine Sinne beeinflussen“, erklärt Felix Mark.
Von Untersuchungen an tropischen Fischen wissen die Forscher zum Beispiel, dass deren Nachwuchs weniger gut riechen kann, wenn die Versauerung des Wassers steigt. Die Folge: Die Jungfische finden schlechter in ihre Heimat zurück und könnten Räubern leichter zur Beute fallen. Ob dem wärmescheuen Kabeljau und seinem Arktis-Verwandten, dem Polardorsch, im Zuge des Klimawandels ein ähnliches Schicksal droht? Flemming Dahlkes erste Ergebnisse zumindest lassen aufhorchen. „Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass die Wassertemperatur bei der Fortpflanzung des Dorsches eine entscheidende Rolle spielt. In jenen Eiern, die im zwölf Grad warmen Meerwasser befruchtet wurden, regte sich anschließend so gut wie kein Leben “, berichtet der Doktorand.

18.04.2013, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Dicker Fisch: warmes Wasser lässt Tilapien besser wachsen
DBU förderte Forschungen für eine hormonfreie Aufzucht von Buntbarschen mit 209.000 Euro
Göttingen. Warmes Wasser statt Hormonen im Futter – nachhaltige Aquakultur lässt Buntbarsche schneller wachsen und sogar größer werden als ihre hormonbehandelten Artgenossen. Zu diesem Ergebnis kommt die Georg-August-Universität Göttingen in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 209.000 Euro geförderten Forschungsprojekt. „Da männliche Buntbarsche wegen ihres besseren Wachstums besonders begehrt sind, werden die Larven in einigen Ländern mit Hormonen gefüttert, um männliche Bestände zu erzeugen. Dass 36 Grad warmes Wasser denselben Effekt hat, konnten wir bereits belegen“, sagte Gabriele Hörstgen-Schwark von der Abteilung Aquakultur und Gewässerökologie. „Da die Hormone über das Futter in die Gewässer gelangen können und so andere Lebewesen beeinträchtigen, ist es wichtig, auf eine gleichwertige, aber nachhaltige Fischproduktion umzusteigen. Diese überzeugt – wie nun bewiesen – auch aus ökonomischer Sicht“, so DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde.
Um die Menschen mit tierischem Eiweiß zu versorgen, werden in einigen Ländern junge Tilapien mit Hormonen gefüttert, um möglichst viele Männchen zu erzeugen, so Hörstgen-Schwark. Die wachsen doppelt so schnell, weil weibliche Buntbarsche dieser Art Maulbrüter sind und während der Brutpflege kein Futter zu sich nehmen können. Aus diesem Grund haben männliche Tiere einen Wachstumsvorteil. Vor allem in tropischen Ländern werde das Geschlecht der Fische in den ersten Lebenswochen durch ein hormonhaltiges Futter beeinflusst.
Tilapien seien robust und tolerierten auch überwiegend pflanzliche Komponenten im Futtermittel. Deshalb seien sie besonders gefragt. Hauptproduktionsland ist derzeit China gefolgt von Ägypten. Seit einigen Jahren steige die Nachfrage auch in Europa. Um den hohen europäischen Standards von Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit zu entsprechen, sei es wichtig, eine gleichwertige Methode für die Fischproduktion ohne Zugabe von Hormonen zu entwickeln, betonte Brickwedde.
„Wir konnten in früheren Untersuchungen nachweisen, dass eine Wassertemperatur von 36 Grad die Geschlechtsausbildung frisch geschlüpfter Larven beeinflusst“, so Hörstgen-Schwark. In der Kreislaufanlage des Kooperationspartners Fisch und Wasser Oelzschau (Sachsen) sind nun hormonbehandelte, genetische und temperaturbehandelte Männchen miteinander verglichen worden. „Es hat sich herausgestellt, dass die temperaturbehandelten Männchen schneller wachsen und sogar größer werden als die hormonbehandelte Vergleichsgruppe. Diese Methode hat demnach nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen wirtschaftlichen Vorteil.“ Derzeit arbeiten die Forscher weiter an der Optimierung einer Aquakulturanlage mit integrierter Wärmebehandlung.

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