Neue Pandas für Berlin?

Im August 2012 starb der bekannte und beliebte Berliner Bambusbär Bao Bao (siehe hier). Inzwischen wird wohl wieder darüber nachgedacht neue Pandas nach Berlin zu holen, jedenfalls wenn man der Berliner Zeitung Glauben schenken mag. Die schwarz-weißen Riesen aus China wären nicht nur gut fürs Hauptstadt-Image, sondern auch Kassenfüller, ist dort u. a. zu lesen.
Die Chinesen vermieten ihre Pandas mittlerweile für 1 Million Dollar pro Jahr. „Die Kosten kommen durch höhere Besucherzahlen wieder rein“, argumentiert Thomas Ziolko (41), Chef des Fördervereins der Hauptstadtzoos. Eisbär Knut etwa brachte im ersten Jahr 500.000 zusätzliche Besucher. Zoo- und Tierpark-Direktor Blaskiewitz (59) ist ebenfalls davon überzeugt, dass ein Panda für die Hauptstadt attraktiv ist: „Allerdings müssten wir vorher eine neue Anlage hinstellen – eine der Bedingungen der Chinesen.“
Peking verhandelt Panda-Deals allerdings nur über die politische Ebene, z.B. bei Staatsbesuchen.
„Der Zoo muss sich im Einvernehmen mit der Bundesregierung wieder um einen Bären bewerben“, fordert deshalb der Berliner CDU-Abgeordnete Alexander J. Herrmann, „Berlin wäre der richtige Ort, um in Deutschland wieder Pandas zu präsentieren.“

Das kann man so oder so sehen. Prinzipiell wäre eine neue Pandaanlage durchaus etwas tolles, allerdings wäre sowohl Zoo, als auch Tierpark mehr damit geholfen, das Geld, das Anlage und Tiere kosten würden, sinnvoller einzusetzen: Neue Anlagen für die bestehenden Tiere z. B. Vor allem der Tierpark leidet unter starker Vernachlässigung. Das Sammeln von Tieren bringt nicht nur Prestige. Und ob die Anschaffung eines Pandas Zoo und Tierpark hilft, Ansehen zu gewinnen, ist fraglich, schließlich schaffen es Direktor Blaskiewitz, Zoo und Tierpark gerade in letzter Zeit gehäuft negativ in den Schlagzeilen zu erscheinen.
Für Berlin mag der Panda ein Prestigeobjekt sein, dem Zoo wird er nicht viel bringen. Und dem Tierpark wird dadurch auch nicht geholfen.

Auch die Tierrechtsorganisation EndZOO äußert sich zu den Plänen des Zoos.
EndZOO weist auf eine Artikel der englischen Tageszeitung „The Mail on Sunday“ hin, der im Oktober 2012 erschien und kritisch über die weltweite Zucht der Großen Pandas berichtet.
Darin berichten zwei langjährige wissenschaftliche Mitarbeiter der chinesischen Zuchtstation Chengdu, dass das chinesische Regime mit dem Verleih von Pandas an ausländische Zoos Millionen verdient, aber die Millionenzahlungen nicht in den Erhalt der immer schneller schrumpfenden Lebensräume investiert würden.
Ich habe den Eindruck, dass China mit Pandas in Gefangenschaft mehr Geld macht, das Geld aber anderweitig verwendet und sich kaum um den Erhalt der Lebensräume kümmert.

Und was hat der Bambusbär davon? Nichts. Die Zucht in Gefangenschaft gestaltet sich als schwierig, die Tiere können nicht mehr ausgewildert werden und die Zahl wildlebender Pandas bleibt rückläufig.
2006 wurde zum ersten Mal ein in menschlicher Obhut geborener Großer Panda (Xiang Xiang) ausgewildert. Das Tier war 3 Jahre lang darauf vorbereitet worden. Doch schon im Februar 2007 wurde Xiang Xiang tot aufgefunden.
Ein Bambusbär in einem deutschen Zoo könnte helfen, auf die Problematik der Tiere in ihrer Heimat und in Gefangenschaft hinzuweisen. Aber wie schon gesagt: Das Geld, das der Panda kosten würde, ist anderweitig besser genutzt.

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Ein Kommentar zu Neue Pandas für Berlin?

  1. R. Renz sagt:

    Ich bin ein großer Panda Fan und habe mich bis heute über jede neue Geburt der in Zoos gehaltenen und den chinesischen Naturreservaten Großen Pandas gefreut. Seit Jahren verfolge ich die Haltung und das Aufwachsen neuer Pandas über Webcam und spende schon viele Jahre für den Erhalt der Pandas. Natürlich habe ich auch Fu Long und Fu Hu im Wiener Tiergarten regelmäßig besucht. Als ich aber gestern den schockierenden Artikel von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern in Chengdu über die Realität der in China gehaltenen Pandas sowie den wirklichen Verbleib der Spendengelder gelesen habe, kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass Pandas für die Chinesen nur eine Geldmaschine darstellen und es ihnen gar nicht um den Erhalt der in der Wildnis lebenden Pandas geht, sondern dass die Spenden in anderen Kanälen münden. Der „Panda-Tourismus“ in den wenigen Naturreservaten ist erschreckend, denn die noch wenigen wildlebenden Pandas werden verstört und flüchten…. ja, wohin? Denn die dringend notwenigen Korridore, die die einzelnen Naturreservate miteinander verbinden, gibt es nicht, da immer mehr Wald gerodet wird, wo sich immer mehr Chinesen niederlassen und für immer mehr Nachwuchs sorgen können.
    Widerwärtig war mir auch die Vorstellung, dass vor allem für die chinesischen Touristen der Kleine Panda nunmehr auf jeder Speisekarte erscheint, da es wieder ein neuer Gaumenkitzel für die Chinesen ist. Als ob nicht schon genug Tiere ihr Leben unter grausamsten Umständen nicht nur für die mehr als fragwürdige TCM, sondern auch für die eigenartigen kulinarischen Genüsse der Chinesen lassen müssten. Der „Kick“, in europäischen Zoos Große Pandas zu halten, ist ohne Zweifel sehr kostspielig. Diese Investition würde anderen Zootieren mehr helfen. Allmählich meine ich, dass sich jeder Zoo sehr gut überlegen sollte, ob er das „Panda-Spiel“ der Chinesen weiterhin unterstützt.

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