Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

14.05.2013, Bundesamt für Naturschutz
Bundesamt für Naturschutz wirbt für den Schutz der Ostsee-Schweinswale
Schweinswale in der Ostsee stark gefährdet
Schallemissionen und Beifänge sind Ursachen für den Rückgang
Bonn, 14. Mai 2013: Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Vertragsstaaten des Abkommens zum Schutz von Kleinwalen (ASCOBANS) wollen den Ostsee-Schweinswal am Pfingstsonntag besonders würdigen. Aus diesem Anlass weist das Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf die ungebrochen starke Bedrohung und den notwendigen Schutz der Ostsee-Schweinswale hin. Das BfN engagiert sich seit langem für den Schutz der Schweinswale, der kleinsten und einzigen heimischen Walart in unseren Gewässern. Diese kleinen Zahnwale werden nur knapp zwei Meter lang und bis zu 80 kg schwer. Sie kommen in Nord- und Ostsee in getrennten Populationen vor, wobei sich die Ostseeschweinswale in zwei weitere Subpopulationen unterteilen lassen.
Obgleich in Europa seit Jahren zahlreiche internationale Schutzbemühungen und Abkommen für den Schweinswal existieren, sind die Bestände noch immer gefährdet, vor allem in der östlichen Ostsee. Im Rahmen des Regionalabkommens ASCOBANS wurden daher bereits vor einiger Zeit Erhaltungspläne für Schweinswale in der Nord- und Ostsee erstellt, auch unter Mitwirkung des BfN. Sie widmen sich vor allem der Verminderung oder Beseitigung der Bedrohungen, denen diese sensiblen Meeressäugetiere ausgesetzt sind, z.B. durch Unterwasserlärm oder unbeabsichtigte Beifänge in der Fischerei.
„Werden Schweinswale in der westlichen Ostsee noch verhältnismäßig häufig gesichtet, so sind sie östlich des Darß kaum noch zu finden. Ihre Population ist stark gefährdet, wenn nicht sogar vom Aussterben bedroht“, so Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, „Hier besteht dringender Handlungsbedarf!“
Schweinswale orientieren sich mit Hilfe von Echoortung. Auch zur Verständigung untereinander und bei der Jagd senden sie Klicklaute aus. Diese können mit stationären Unterwassermikrofonen, so genannten Klick-Detektoren aufgezeichnet werden und erlauben so Rückschlüsse auf in diesem Bereich vorbeischwimmende Schweinswale. Im Rahmen eines groß angelegten internationalen Forschungsprogramms namens SAMBAH wurden 2011 erstmals über 300 (!) solcher Unterwassermikrofone über die ganze Ostsee verteilt ausgebracht. In Deutschland wird SAM-BAH vom Bundesamt für Naturschutz gefördert und von Forschern des Deutschen Meeresmu-seums in Stralsund durchgeführt.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Schweinswale sogar bis hinauf in finnische Gewässer vorkommen, ihre Zahlen aber offensichtlich gering sind. Die Wissenschaftler werden die SAM-BAH-Mikrofone im Mai dieses Jahres zum letzten Mal bergen und die Daten detailliert auswerten. Sie sollen helfen, konkrete Empfehlungen für den Schutz dieser seltenen Wale vorzuschlagen und einen ostseeweiten Dialog mit den Naturschutzbehörden, der Fischerei und den Akteuren der maritimen Wirtschaft zu forcieren.
Auf der Grundlage der Daten aus Monitoring-Programmen des BfN und des SAMBAH-Projektes entwickeln Wissenschaftler in Deutschland gemeinsam mit dem BfN derzeit Managementpläne für die Schweinswalpopulationen in Nord- und Ostsee. Die Minimierung von Gefährdungen steht dabei ebenso im Vordergrund wie die Sicherung von Fortpflanzungs- und Nahrungsgebieten. Diese Art-Managementpläne beziehen sich daher nicht allein auf die Meeresschutzgebiete in der AWZ, sondern sie gelten für den gesamten Meeres- und Küstenbereich. Wirkungsvolle Schutz-maßnahmen sollen die Schweinswal-Bestände stabilisieren, damit diese faszinierenden Tiere auch zukünftig in den deutschen Meeren ihre Heimat haben.
Das BfN veröffentlicht zum Internationalen Tag des Schweinswals einen Kurzfilm von rund 3min Länge, der ab 17.05.2013 auf den Websites des BfN www.bfn.de und www.habitatmare.de zu finden ist. Der Clip wird am Tag des Ostsee-Schweinswals am 19.05.2013 auch an einem Informationsstand im Ozeaneum Stralsund gezeigt.
Hintergrundinformation Gefährdung der Schweinswale:
Zu den Hauptgefährdungen gehört insbesondere Unterwasserschall – durch Schiffsverkehr oder seismische Untersuchungen, neuerdings auch durch Lärm, der beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen ent-steht, die zunehmend in Nord- und Ostsee installiert werden. Das Rammen der Fundamente verursacht erhebliche Schallemissionen, die schädliche Auswirkungen auf Schweinswale haben können. So konnten z.B. bei Rammungen ohne Schallschutz Scheuchwirkungen und Verhaltensänderungen bis in Entfernungen von mehr als 20 km nachgewiesen werden. Ohne einen wirksamen Lärmschutz erleiden die Tiere in der Nähe der Bautätigkeiten zudem schwere Hörschäden oder weitere Schäden die zum Tode führen können. Um Verletzungen bei Schweinswalen zu verhindern, wurden von den Genehmigungsbehörden ein genauer Ablauf des Rammverfahrens sowie Grenzwerte für den Unterwasserschall festgelegt, die bei der Rammung eingehalten werden müssen. Wirkungsvolle Schallminderungsverfahren oder Gründungsformen der Windanlagen ganz ohne intensive Schallemissionen werden in Zukunft eine steigende Bedeutung erlangen.
Eine weitere große Gefahr besteht für Schweinswale vor allem auch durch (unbeabsichtigte) Beifänge in der Schlepp- und Stellnetzfischerei, insbesondere in der Ostsee. Die feinen Netze sind für Schweinswale kaum zu orten. Die Tiere verfangen sich darin und ertrinken. Immer wieder werden auch tote Schweinswale mit Netzmarken gefunden. Eine zunehmende Zahl von Fischern kooperiert mit Wissenschaft und Natur-schutz und meldet die ungewollt gefangenen Kleinwale. Das Bundesamt für Naturschutz fördert seit einigen Jahren Forschungsvorhaben zur Entwicklung alternativer Fanggeräte und den Dialog mit den Fischern.

16.05.2013, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Ausstellung verlängert – „Willkommen aus der Urzeit“ im Museum Koenig bleibt bis Juni
Bonn, (16.05.13) Am 21. Mai sollte die Ausstellung „Willkommen aus der Urzeit“ im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn eigentlich zum letzten Mal öffnen. „Aber wir haben beschlossen, die Ausstellung bis zum 02. Juni, also über das Museumsmeilenfest hinaus, zu verlängern“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Forschungsmuseum Koenig. „Sie wurde einfach zu gut angenommen. Wir sind überglücklich, dass so viele Besucher, die Fossilien sehen wollten. Und auch die Veranstaltungen und Vorträge im Zusammenhang mit der Ausstellung sind auf großes Interesse gestoßen“, freut sich Wägele. Daher wolle man weiteren Interessierten die Chance bieten, einen Blick auf die Besucher aus der Urzeit werfen zu können. „Über ihre wissenschaftliche Bedeutung sagt er: „Sie haben die Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens revolutioniert.“ Die Funde und ihr Erhaltungszustand sind so einzigartig, dass die UNESCO vor 17 Jahren beschloss, die Grube Messel in die Welterbeliste der Menschheit aufzunehmen. Damit ist sie die erste der drei UNESCO-Weltnaturerbestätten Deutschlands.
Seit Dezember letzten Jahres gastieren 125 der berühmten Fossilien im Museum Koenig, das zu den fünf großen Museen Bonns gehört. „Sie nehmen ihre Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigen ihnen, wie die Bewohner unserer Welt vor rund 47 Millionen Jahren aussahen“, erläutert Wägele. Die Ausstellung verschaffe Einblicke in die tropisch-subtropischen Lebensräume von damals und das Leben ihrer Bewohner. Der Besucher kann sich aus erster Hand einen Eindruck verschaffen, wie die Vorfahren der heute lebenden Tiere und Pflanzen einst aussahen. Seien es die verschiedensten Säugetiere, Krokodile, Schildkröten, Frösche, Beuteltiere, Vögel oder Pflanzen. Die Wanderausstellung wurde vom Hessischen Landesmuseums Darmstadt konzipiert und wird vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig zusammen mit der Alexander-Koenig-Gesellschaft e.V. präsentiert.
Veranstaltungsort:
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Museumsmeile Bonn, Adenauerallee 160, 53113 Bonn
Internet: www.zfmk.de
Telefon: 0228/9122-227
Öffnungszeiten
Di bis So: 10:00 bis 18:00 Uhr, letzter Einlass: 17:00 Uhr
Mi: bis 21:00 Uhr, letzter Einlass: 20:00 Uhr
Montags nur an gesetzlichen Feiertagen

16.05.2013, Bundesamt für Naturschutz
10 Jahre „Grünes Band Europa“ – Ein lebendes Denkmal im zusammenwachsenden Europa
Überstaatliche Koordinationsstruktur gefordert
Süd-Korea an europäischen Erfahrungen für die Demilitarisierte Zone interessiert
Berlin/Bonn, 16. Mai 2013: Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Initiative „Grünes Band Europa“ trafen sich heute Akteure aus 24 europäischen Ländern in Berlin. Auf der internationalen Fachtagung diskutierten sie über die Erfahrungen, Herausforderungen und die Zukunft des ein-zigartigen Lebensraumverbunds entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Während bereits viele (grenzüberschreitende) Projekte und Aktivitäten auf verbandlicher und behördlicher Ebene am Grünen Band Europa erfolgreich umgesetzt werden, wünschen sich viele Beteiligte eine stärkere und nachhaltigere politische Unterstützung in ihren Ländern und von der Europäischen Uni-on. Die Etablierung einer offiziellen und länderübergreifenden Koordinationsstruktur für das Grüne Band Europa wäre dazu ein maßgeblicher Schritt. Großes Interesse an den Erfahrungen mit dem 12.500 km langen europäischen Grünen Band zeigen Vertreter aus Süd-Korea, die auch ihre Anstrengungen bezüglich der Demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nord-Korea auf der Tagung präsentierten.
Veranstalter der Fachtagung waren das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit der EuroNatur Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND). „Wir sind uns als Initiatorin und deutsche Fachbehörde unserer zentralen Verantwortung für dieses europäische Projekt bewusst. Aus Sicht des Naturschutzes bietet das ‚Grüne Band Europa‘ die besten Voraussetzungen zur Entwicklung einer internationalen „grünen Infrastruktur“. Es ist das Rückgrat eines europäischen Biotopverbundes, so wie ihn jüngst als sogenannte ‚Grüne Infra-struktur‘ auch die Europäische Kommission gefordert hat“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel auf der Tagung. Die Präsidentin von EuroNatur, Christel Schroeder, wies auf die Gefähr-dungen durch zerstörerische Infrastruktur-Großprojekte und industrielle Landwirtschaft hin: „Wenn das europäische Grüne Band nicht als Gesamtidee berücksichtigt wird, droht seine Zerstückelung und damit seine Auflösung. Wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass diese friedensstiftende Idee keinen Partikularinteressen geopfert wird.“ Nach Ansicht von Prof. Hubert Weiger, Vorsitzendem des BUND Deutschland, ist das Grüne Band ein wichtiger Impulsgeber für eine nachhaltige ländliche Entwicklung: „Der ökologische Reichtum kann nur dann langfristig erhalten werden, wenn sein Wert von den Menschen auch geschätzt wird. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie das Grüne Band zur natur-touristischen Entwicklung strukturschwacher Grenzregionen beitragen und wirtschaftlichen Mehrwert generieren kann.“
EU-Umweltkommissar Janez Potočnik, der selbst nur wenige Kilometer vom Grünen Band entfernt aufgewachsen ist, meldete sich auf der Konferenz in einer Videobotschaft zu Wort: „Das Grüne Band überwindet Grenzen und verbindet Natur und Menschen. Es trifft damit das Herz dessen, wofür Europa und nachhaltige Entwicklung stehen. Es hilft zudem eine Verbindung her-zustellen zwischen europäischer Politik und der praktischen Umsetzungsebene. Diese Konferenz ist dabei ein exzellentes Beispiel wie Mitgliedsstaaten, Nicht-Regierungsorganisationen und andere Stake Holder effektiv zusammen arbeiten.“
Hintergrund: Grünes Band Europa
Im Jahr 2003 hat die europäische Initiative für ein europäisches Grünes Band ihre Anfänge in Deutschland genommen und seither wird die Erhaltung und Entwicklung des über 12.500 Kilometer langen ökologischen Korridors durch Europa von zahlreichen Akteuren vorangetrieben.
Bereits seit den 1970er Jahren starteten in mehreren Bereichen Aktivitäten zum Schutz der einzigartigen Natur, die sich im Schatten der Grenzanlagen entwickeln konnte. Etablierten sich nach 1989 einige regionale Projekte, konnte vor zehn Jahren die europaweite Initiative aus der Taufe gehoben werden. 10 Jahre später arbeiten hier Menschen über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg in zahlreichen Projekten und Aktivitäten zusammen. Beispielhaft zu nennen wären hier drei trans-nationale Interreg-Projekte in Zentraleuropa und entlang der Ostseeküste, Vorbereitung grenzüberschreitender Schutzgebiete in Fennoskandien und auf dem Balkan sowie grenzüberschreitende Vorhaben zum Schutz der großen Grenzflüsse wie Drau und Mur als auch gezielte Artenschutzprojekte wie für den Balkanluchs. All diese Bemühungen lassen die europäische Idee Wirklichkeit werden: „Grenzen trennen. Natur verbindet“ lautet der Leitspruch. Dies ist auch konkret im politischen Sinne zu verstehen, denn das Grüne Band Europa bietet die einmalige Chance, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern und den Prozess der europäischen Einigung weiter voranzutreiben.
Das Grüne Band Europa hat für den pan-europäischen Biotopverbund eine herausragende Bedeutung. Diese spiegelt sich in der Häufung von großflächigen Schutzgebieten wider. Allein 40 Nationalparke liegen direkt entlang des früheren Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis ans Schwarze Meer; 16 davon sind grenzüberschreitende Nationalparke. Mehr als 3200 Schutzgebiete befinden sich innerhalb eines 50 Kilo-meter breiten Korridors. Zudem finden zahlreiche Arten der Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinie der EU einen Lebensraum im Grünen Band, wie die gefährdete Bechstein-Fledermaus, der stark gefährdete Mausschläfer, die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel und die Zwerggans. Alle diese Arten stehen auf den Roten Listen Europas.
Weitergehende Informationen:
http://www.bfn.de/0311_gruenes_band.html
http://www.gruenesband.info
http://www.euronatur.org/Gruenes-Band-Europa
http://www.europeangreenbelt.org/

Der NABU informiert
16.05.2013 – Neues Naturschutzprojekt im Tien Shan – Durch effektives Management die Heimat des Schneeleoparden bewahren
Noch sind die „Himmlischen Berge“ zwischen Kasachstan und Kirgistan eines der artenreichsten Ökosysteme weltweit. Schneeleoparden, Luchse, Braunbären, Steinböcke, Wildschafe und viele andere seltene Tierarten leben im Tien Shan. Doch noch nie war die Artenvielfalt in dem malerischen Hochgebirge so gefährdet wie heute. Die wirtschaftliche Not der Bevölkerung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte zu illegalem Holzeinschlag, schrankenloser Wilderei und Überweidung. Der Schneeleopard und seine Hauptbeutetiere stehen heute kurz vor der Ausrottung.
Der NABU realisiert nun gemeinsam mit kirgisischen und kasachischen Projektpartnern und mit Unterstützung des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein grenzübergreifendes Naturschutzprojekt im nördlichen Tien Shan. Es verbindet auf fast 5.000 Flächenkilometern die Schutzgebiete Almatinsky Zapovednik, Ile-Alatau, Kolsai-Seen und Chon-Kemin. Sie alle haben einen hohen Schutzstatus (IUCN-Kategorie 1 oder 2), denn die ausgedehnten Fichtenwälder in der Region und die Obstbaumwälder mit den letzten Beständen des Asiatischen Wildapfels (Malus sieversii) sind besonders wichtig für den Klima- und Naturschutz sowie den Erhalt der genetischen Vielfalt.
„Die lokale Bevölkerung soll ebenfalls von dem Projekt profitieren, unter anderem durch Ökotourismus und nachhaltiges Weidemanagement“, sagt NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt. „Wir erarbeiten erstmals eine länderübergreifende Schutzgebietsstrategie, die Naturschutz und Tourismus in Einklang bringt”, so Tennhardt weiter. Ein Wegesystem für Trekking soll die vier Schutzgebiete verbinden, so dass bald wieder grenzübergreifende Wanderungen stattfinden können. Langfristig wird die Ernennung als UNESCO-Weltnaturerbegebiet oder Biosphärenreservat angestrebt.
Der NABU ist seit etwa 20 Jahren in der Region aktiv und unterstützt die Naturschutzarbeit im Rahmen von Regierungsabkommen mit der kirgisischen Agentur für Umweltschutz und Forstwirtschaft und dem kasachischen Komitee für Jagd- und Forstwirtschaft bis mindestens zum Jahr 2021. Im Rahmen des neuen Projekts wird innerhalb der kommenden vier Jahre eine Fördersumme von rund 800.000 Euro in die Region investiert.
Kontakt
Raquel Nerger (Raquel.Nerger@NABU.de)

16.05.2013 – Tödliche Falle für Seevögel
Studie von BirdLife International schätzt 400.000 tote Vögel durch Stellnetze
Eine heute veröffentlichte Studie des NABU-Dachverbandes BirdLife International zeigt, dass weltweit jährlich bis zu 400.000 Seevögel als ungewollter Beifang in den Stellnetzen der Fischerei enden. Allein in der Ostsee sterben jährlich etwa 76.000 Vögel, insbesondere Meeresenten, aber auch Tauchenten und Säger. Der NABU fordert daher seit Langem, dass die für Seevögel gefährlichen Stellnetze in den bekannten Konfliktregionen und in Schutzgebieten schnellstmöglich durch alternative, umweltschonende Techniken ersetzt werden und führt dazu aktuell ein eigenes durch das Bundesamt für Naturschutz gefördertes Forschungsprojekt durch.
Über mehrerer Jahre trug der Autor der Studie, der bekannte Meeresbiologe Ramunas Zydelis, Daten zu Seevogelbeifängen zusammen. Im Mai 2012 organisierten der NABU, die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB, UK) und BirdLife International eine begleitende Fachveranstaltung in Berlin, bei der Wissenschaftler aus aller Welt Forschungsprojekte und neue Beifangzahlen vorstellten und Lösungsansätze diskutierten. Mit der jetzt veröffentlichten Studie: „The incidental catch of seabirds in gillnet fisheries: a global review“ liegen erstmalig vergleichbare wissenschaftliche Zahlen vor, die den dringenden Handlungsbedarf noch einmal deutlich machen.
Im November 2012 hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten zu einem Aktionsplan verpflichtet, welcher den sinnlosen Tod der Vögel in der Fischerei beenden soll. Der Plan sieht neben der weiteren Datenerfassung und der Schulung von Fischern auch die Umsetzung von Sofortmaßnahmen vor. Während sich in der Langleinenfischerei einfache Maßnahmen wie mit Gewichten beschwerte Leinen oder Scheuchvorrichtungen auf den Schiffen bereits bewähren, müssen Maßnahmen zur Vermeidung von Beifängen in der Stellnetzfischerei noch weiter entwickelt werden. Nach Meinung des NABU müssen die positiven Ansätze des Aktionsplans jetzt zu verbindlichen Regeln und Programmen im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU führen.
In der Stellnetzfischerei werden für Meerestiere nahezu unsichtbare Netzwände aus Nylonmaschen Kilometer lang am Meeresboden verankert. Neben Fischen verenden jedoch immer wieder Seevögel und auch Schweinswale in den Netzen, da sie sich bei der Nahrungssuche darin verfangen und ersticken. Da viele der betroffenen Arten bedroht und streng geschützt sind, steht diese Form der Fischerei vielerorts im Konflikt mit dem nationalen und europäischen Arten- und Naturschutzrecht. Deutschland hat seit 2008 etwa 45 Prozent seiner Meeresgebiete in Nord- und Ostsee unter den Schutz des Natura-2000-Netzwerks gestellt. Aktuell werden für die insgesamt zehn Gebiete der Ausschließlichen Wirtschaftszone (200-Seemeilen-Zone) Schutzgebietsverordnungen und Managementpläne entwickelt.

17.05.2013 – „Die letzten 300“ brauchen unsere Hilfe
Kreativwettbewerb zum Internationalen Tag des Ostseeschweinswals
Wussten Sie, dass es in Deutschland Wale gibt? Viele Menschen sind verblüfft, wenn Sie hören, welche außergewöhnlichen Wildtiere direkt vor ihrer Haustür anzutreffen sind. Doch der Ostseeschweinswal ist vom Aussterben bedroht – lediglich 300 sind in der zentralen Ostsee noch zu Hause. Gründe dafür sind vielfältig, doch am meisten machen ihm Lärm und Fischerei zu schaffen: Unterwasserlärm vertreibt die Tiere aus ihrem Lebensraum, und in den Stellnetzen der Fischer verenden sie als ungewollter Beifang.
Um auf die besorgniserregende Situation der Tiere aufmerksam zu machen, rufen das Schutzabkommen für Kleinwale in Nord- und Ostsee (ASCOBANS), NABU, Whale and Dolphin Conservation (WDC) und OceanCare anlässlich des Internationalen Tag des Schweinswals am 19. Mai zu einem Kreativwettbewerb auf. Unter dem Motto „Die letzten 300 – Was ist ein Wal wert?“ sind Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich mit dem heimischen Schweinswal kreativ auseinanderzusetzen. Was bedeutet Ihnen der Schweinswal? Sagen Sie es uns auf künstlerische Art, als Video, Illustration, Animation, Foto, Skulptur oder Musik – alles ist erlaubt! Machen Sie auf kreative Art auf die Not des Ostseeschweinswals aufmerksam. Den Siegern winken tolle Preise, zudem werden sie in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.
Ausführliche Informationen zum Wettbewerb und Hintergrundinformationen finden Sie ab dem 19. Mai auf der Website www.schweinswal.eu

17.05.2013, Universität Leipzig
Welt-Schildkröten-Tag: Viele Arten gefährdet – Haustiere brauchen Pflege
Schildkröten sind wechselwarme, eierlegende Kriechtiere und waren bereits auf der Erde, bevor sich Dinosaurier entwickelten. Durch ihre enorme Anpassungsfähigkeit haben sie bis heute überlebt. Jährlich am 23. Mai ist Welt-Schildkröten-Tag. Viele Arten sind akut gefährdet. Sie werden gejagt, weil ihr Fleisch begehrt ist. Zudem bevölkern Menschen die Strände, an denen sie ihre Eier legen, sodass eine Reproduktion unmöglich wird. Auch die Haltung von Schildkröten als Haustiere ist laut Dr. Michael Pees, Veterinärmediziner an der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig, problematisch: „Es ist leider ein großes Missverständnis, dass sie wenig Pflege benötigen.“
Insbesondere die artgerechte Haltung der europäischen Landschildkröten sei sehr kompliziert. „Die richtigen klimatischen Bedingungen sind lebensnotwenig. Dazu gehören Wärme im Sommer und die Möglichkeit einer sicheren Überwinterung im Winter“, erklärt Pees. Hauptproblem sei, dass den Tieren oft die falsche Nahrung angeboten werde. Sie benötigen energiearmes Gräserfutter. „Dauerhaft saftiges Gras im Sommer ist zu energiereich. Wenn man so etwas das ganze Jahr füttert, bekommen die Tiere zu viel Energie und wachsen zu schnell. Dann werden ihre Knochen weich, sie deformieren, die Tiere können nicht mehr richtig laufen, haben Schmerzen und sterben, wenn man sie nicht richtig behandelt.“
Gerade Landschildkröten sind „reine Individualisten und besonders ausgeprägte Charaktere“, so der Veterinärmediziner. Das mache ihren Reiz aus, aber eine Schildkröte passe deshalb auch nicht zu jedem. „Was ihren Habitus und ihren Körperaufbau angeht, hat sie sich vieles erhalten, was in unsere heutige, schnelllebige Zeit nicht mehr so gut reinpasst. Durch ihre Ruhe könnten sich Halter dennoch gut vom hektischen Alltag ablenken.
Hohes Alter dank niedriger Stoffwechselintensität
Landschildkröten in Europa können ein Alter von 60 bis 70 Jahren erreichen. Eine 2006 im Zoo von Kairo verstorbene Galápagos-Riesenschildkröte war nach Angaben des Zoodirektors 270 Jahre alt. Zu den ältesten Individuen gehörte auch Timothy, eine weibliche Maurische Landschildkröte. Das ehemalige Maskottchen der britischen Marine wurde 160 Jahre alt, obwohl es die ersten 40 Jahre seines Lebens, an Bord eines Kriegsschiffes, vermutlich nicht artgerecht gehalten wurde. Ein Grund für das hohe Alter ist die niedrige Stoffwechselintensität von Schildkröten. Je niedriger sie ist, umso älter werden die Tiere. Ein Chamäleon zum Beispiel arbeitet sehr stoffwechselintensiv und ist mit fünf bis sechs Jahren schon relativ alt. „Schildkröten verbringen ein Großteil des Jahres in Winterruhe. In dieser Zeit wird ihr Stoffwechsel sehr stark heruntergesetzt. Sie altern definitiv nicht so schnell wie Hunde oder Katzen“, erklärt Michael Pees.
Die Invasion der Sumpfschildkröten
Die Rotwangen-Schmuckschildkröte, eine Sumpfschildkröte aus Amerika, wird in Deutschland ebenfalls gern als Haustier gehalten. Doch mittlerweile hat sich daraus ein Problem entwickelt, denn die Tiere sind immer häufiger in der freien Natur zu sehen oder Angler ziehen sie aus Bächen und Teichen. Weil sie unsere Fauna und Tierwelt verfälschen, herrscht sogar ein Einfuhrverbot. „Diese Faunenverfälschung bedeutet, dass einheimische Tierarten wie etwa Lurche, Fische und Welse, die möglicherweise schon sehr selten sind, durch diese durchsetzungsfähigen importierten Tierarten in der Natur verdrängt werden. Auch die europäische Sumpfschildkröte ist betroffen“, weiß Pees. „Diese ohnehin sehr seltene Schildkröte ist eigentlich in Deutschland heimisch. Ihr Lebensraum wird dadurch weiter eingeengt.“
Wassersumpfschildkröten sind Jäger. Sie fressen zwar Gras und Grünzeug, aber sie machen auch Jagd auf Fische, Kleintiere und Insekten und sind dementsprechend schnell unterwegs. Ihr Jagdverhalten wird mit dem von Krokodilen verglichen. „Wenn sie so groß wären wie Krokodile, hätte ich Angst vor ihnen“, sagt der Experte. Denn Wasserschildkröten können durchaus beißen und aggressiv sein. Ein Biss ist schmerzhaft und kann auch bluten.

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