Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

20.05.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Wiesen werden jetzt zu Wildtier-Friedhöfen
Überall in Deutschland hat jetzt auf landwirtschaftlich genutzten Grünlandflächen die Mähsaison begonnen. Für den Nachwuchs vieler Tierarten ist das der Beginn des großen Sterbens: Knapp die Hälfte der rund fünf Millionen Hektar Grünland werden ausschließlich als Wiesen genutzt, auf denen Heu und Grassilage als Futter geerntet werden. Diese Flächen werden in den nächsten Wochen zum größten Wildtier-Friedhof Deutschlands!
Unter den rotierenden Messern der Mähwerke finden neben stark bedrohten Wiesenvögeln wie Kiebitz, Uferschnepfe und Großer Brachvogel, auch Rehkitze und Junghasen ein grausames Ende. „Denn gerade mitten in der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten liegt die erste Mahd“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Scharfe Messer des Mähwerks zerschmettern die Gelege der am Boden brütenden Vogelarten, verstümmeln oder töten Rehkitze und junge Feldhasen, die sich vor der heran nahenden Gefahr ducken.“
Landwirte und Agrarpolitiker müssen endlich handeln, um diesen unerträglichen Verstoß gegen den Tierschutz zu beenden. „Statt Agrarsubventionen per Gießkanne zu verteilen, sollten gezielt Landwirte gefördert werden, die bei der Mahd von Wiesen auf den Arten- und Wildtierschutz Rücksicht nehmen“, fordert Goris. Das sicherste Mittel ist nach wie vor, den Zeitpunkt der ersten Mahd auf Ende Juni oder Anfang Juli zu verschieben. Damit verbundene Einbußen sollten den Landwirten honoriert werden. Das Wirtschaften mit der Natur funktioniert, zeigt die Deutsche Wildtier Stiftung in Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern. Die Mahd auf dem Gut wird kompromisslos gehandhabt: Wiesen werden konsequent erst nach dem 1. Juli gemäht. „Damit haben am Boden brütende Vögel, Junghasen und Rehkitze die Chance, ihre ersten Lebenswochen ungefährdet zu verbringen“, sagt Eva Goris. Darüber hinaus wird auf dem Gut nicht flach am Boden gemäht, um Amphibien zu schonen. Außerdem werden die Wiesen von innen nach außen gemäht, um dem Wild die Flucht zu erleichtern. Wie sonst durchaus üblich wird in Klepelshagen nie bei Dunkelheit gemäht.
Landwirte können helfen, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Tipps für den Wildtierschutz hat die Deutsche Wildtier Stiftung im Praxis-Ratgeber „Stoppt den Mähtod“ zusammengefasst.
Der Praxis-Ratgeber „Stoppt den Mähtod“ ist bei der Deutschen Wildtier Stiftung erhältlich. Informationen sind auf www.DeutscheWildtierStiftung.de verfügbar.

22.05.2013, Universität Regensburg
„Genbank Bayern Arche“ erhält Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt
Das Projekt „Genbank Bayern Arche“ wurde heute als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Die Auszeichnung wurde vom Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Gesundheit Dr. Marcel Huber im Namen der Geschäftsstelle der UN-Dekade übergeben. Die Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.
Im Oktober 2009 wurde das Projekt „Genbank Bayern Arche“ durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit ins Leben gerufen. Ziel ist der Aufbau einer Genbank für seltene und gefährdete Wildpflanzenarten in Bayern. Dabei werden auch Pflanzenarten berücksichtigt, für die Bayern aufgrund seiner naturräumlichen Ausstattung innerhalb Deutschlands besondere Verantwortung trägt. Ex-situ-Sammlungen stellen für die betroffenen Pflanzenarten eine „Lebensversicherung“ dar. Die Betreuung des Projekts durch Prof. Dr. Peter Poschlod, PD Dr. Christoph Reisch, Martin Leipold und Simone Tausch vom Institut für Botanik der Universität Regensburg ermöglicht es zudem, die vielfach noch unerforschte Keimungsbiologie und -ökologie der Arten genau zu untersuchen. Nach einer Projekt-Laufzeit von mehr als drei Jahren sind mittlerweile über 400 Arten erfolgreich in die Genbank eingelagert worden.
Mit dem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland gesetzt. Dieser Einsatz hat auch die Juroren und Jurorinnen des UN-Dekade-Wettbewerbs sehr beeindruckt. „Wenn alles auf Rot steht hilft die Genbank – so auch nun im Artenschutz!“ weiß Ralph Caspers, UN-Dekade Botschafter und Moderator. „Genmaterial von Pflanzen der roten Liste zum Überleben einzufrieren und später aufzutauen – dadurch konnten in Bayern nun schon die Hälfte der vom Aussterben bedrohten Pflanzen gesichert werden. Dies kann die Feuerwehrlösung für die weltweit drohende Verarmung der genetischen Vielfalt sein. Ich wertschätze die Arbeit der Projektmitarbeiter, und wünsche uns allen, dass diese Lebensversicherung die Pflanzenvielfalt bewahren kann.“ „Die Genbank ist ein hochmodernes Archiv der größten Schätze der Flora von Bayern. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt“ sagte Umweltminister Huber über das Projekt. Bayern investiert knapp eine halbe Million Euro in die Genbank Bayern Arche.
Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „Genbank Bayern Arche“ einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für den bunten Reichtum und die einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung das Projekt einen wertvollen Beitrag leistet. Ab sofort wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de vorgestellt.
Das Projekt „Genbank Bayern Arche“ hatte an dem Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt teilgenommen; eine namhafte Jury entschied über die Qualität der eingereichten Projekte. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Osnabrück ausgerichtet. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden.
Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen.
Informationen zur „Genbank Bayern Arche“ unter:
www.uni-regensburg.de/biologie-vorklinische-medizin/botanik/einrichtungen/genbank-bayern-arche/

22.05.2013, Naturschutzbund Deutschland e. V.
Von Alexandersittich bis Zwergtaucher
40.000 Teilnehmer beobachten mehr als eine Million Gartenvögel
Bei der Stunde der Gartenvögel wurde zum offiziellen Teilnahmeschluss mit 27.800 Meldungen und über 41.000 Teilnehmern fast das Vorjahres-Endergebnis erreicht. In den nächsten Tagen werden nun noch weitere per Post eingegangene Meldecoupons in die Datenbank eingetragen. Das Endergebnis wird voraussichtlich Ende des Monats vorliegen.
Erstmals seit 2007 wurden wieder mehr als eine Million Vögel beobachtet. Dabei zeigten sich pro Garten oder Park 37,4 Vögel und damit sechs Prozent mehr als im Vorjahr. An der Spitze steht wie erwartet weiterhin der Haussperling, gefolgt von Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Star.
Während die Werte von Rauch- und Mehlschwalbe noch doch ungefähr auf Vorjahresniveau liegen, muss der Mauersegler unverändert deutliche Verluste hinnehmen. Leider setzt sich damit der Trend der Vorjahre fort. Die Gründe hierfür können vielfältig sein: Nahrungsmangel im Brutgebiet – Mauersegler sind auf Fluginsektenfang spezialisiert –, anhaltender Verlust von Brutmöglichkeiten und möglicherweise auch eine erhöhte Sterblichkeit während des Zugs aufgrund klimatischer Änderungen.
Die größten absoluten Zuwächse haben Grünfink, Feldsperling und Buchfink zu verzeichnen, relativ zu den Ausgangswerten wuchsen bei den häufigen Arten Buntspecht, Feldsperling und Gimpel am stärksten. Dabei dürfte beim Gimpel ein Gutteil des Zuwachses auf das Konto von nordischen Wintergästen gehen, die ihren Aufenthalt bis weit ins Frühjahr verlängert haben. Das gilt erst recht für Kernbeißer und Bergfinken, die sogar sechs beziehungsweise zwölf Mal häufiger beobachtet wurden als 2012.
Eine ganze Reihe der 217 gemeldeten Arten sind zwar keine typischen Siedlungsbewohner, können dort aber durchaus beobachtet werden. Austernfischer etwa brüten nicht nur an der Küste, sondern gelegentlich auch auf geschotterten Parkplätzen oder auf flachen Garagendächern. Zu den 2013 erstmals gemeldeten Arten gehört mit dem Schneesperling eine äußerst seltene Art, die bei uns nur in den Alpen vorkommt. Genau von dort hat sie denn auch ein Bewohner eines hoch gelegenen Weilers gemeldet.
Zum festen Bestand gehören zudem exotische Papageien, die in milden Lagen beständige Populationen ausgebildet haben, so die Gelbkopfamazonen in Stuttgart, der Große Alexandersittich in Wiesbaden und vor allem der Halsbandsittich entlang der Rheinschiene von Mannheim bis Düsseldorf.

22.05.2013, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Auf den Spuren der letzten Neandertaler
Rund 250.000 Jahre lang beherrschte der Neandertaler Europa, doch vor rund 40.000 Jahren verliert sich derzeit seine Spur. Manche Experten machen besonders kühle Abschnitte innerhalb der letzten Eiszeit für sein Verschwinden verantwortlich, andere vermuten, dass der nach Europa einwandernde Homo sapiens seinen Verwandten verdrängt hat. Funde auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer widersprechen diesen Thesen, denn dort lebten Neandertaler und moderner Mensch lange Zeit nebeneinander – darauf weisen zahlreiche Indizien hin. Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) folgt jetzt den Spuren der Vormenschen am Schwarzen Meer.
Ihr Ziel ist es, Lücken im Wissen über die letzten Neandertaler durch Feldforschungen zu schließen.
„Von der Krim stammen außerordentlich spät datierte Fundstellen des Neandertalers“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Uthmeier vom Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der FAU, der die Untersuchungen leitet. Gleich an mehreren Plätzen haben Wissenschaftler typische Werkzeuge, Reste von Jagdbeute und Feuerstellen ausgegraben, die sich durch Bestattungen mit identischen Funden unmittelbar mit dem Neandertaler verknüpfen lassen. Bisherige Altersbestimmungen mit der Radiokarbonmethode haben ergeben, dass diese Überreste etwa 10.000 Jahre jünger sind als alle anderen bekannten Funde des Vormenschen in seinem gesamten Verbreitungsgebiet – das erstreckte sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Sibirien.
Außerdem haben Forscher Werkzeuge des Neandertalers und des modernen Menschen in denselben Schichten gefunden. Dies deutet darauf hin, dass sich beide Menschenformen innerhalb von sehr kurzen Zeiträumen nacheinander oder sogar gleichzeitig auf der Krim aufgehalten haben. Hatte man bisher angenommen, Neandertaler und moderne Menschen hätten sich nur einmal vor zirka 60.000 Jahren im Vorderen Orient vermischt, so könnte dies auch wesentlich später auf der Krim passiert sein – ein europaweit einzigartiges Szenario. „Doch bisher wurde der Krimregion wenig Beachtung geschenkt, wenn es um die Frage ging, wohin sich die Neandertaler möglicherweise zurückgezogen haben, als der moderne Mensch nach Europa kam. Hier möchten wir ansetzen“, erklärt Uthmeier.
Wann trafen sich Neandertaler und Homo Sapiens?

In diesem Sommer beginnen die Forscher des Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der FAU in enger Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften an mehreren Fundstellen mit insgesamt auf drei Jahre angelegten Geländearbeiten. Dabei sollen Ausgrabungen an einem Jagdlager und einem Felsdach – Orte, die von Neandertalern genutzt wurden – und an einer Fundstelle des frühen modernen Menschen neue Erkenntnisse zum Verschwinden der Vormenschen liefern. Unterstützt wird das Team der FAU durch Geowissenschaftler der Universitäten Bayreuth, Greifswald und Zürich. Die Forscher wollen die bereits ergrabenen Fundstellen von Neandertaler und Homo sapiens erneut untersuchen. Ihr Ziel ist es, die Zeiträume einzugrenzen, in denen sich Neandertaler und moderner Mensch begegnet sein könnten. Der technische Fortschritt spielt ihnen dabei in die Hände: Heute lassen sich zum Beispiel Knochen mit der Radiokarbonmethode viel präziser datieren als noch vor wenigen Jahren. Außerdem wollen die Wissenschaftler Holzkohleproben untersuchen und deren Alter bestimmen.
Einmalige Erkenntnisse über den Neandertaler erhoffen sich die Forscher von einem besonderen Umstand: Auf der Krim lebten Homo sapiens und Vormensch zur gleichen Zeit in einem geographisch eng begrenzten Gebiet – und waren damit denselben Umweltbedingungen ausgesetzt. Wie gingen die beiden Verwandten damit um? Mit Hilfe von Steinwerkzeugen und der Jagdbeuteresten sollen die Wirtschafts- und Lebensweisen beider Menschenformen rekonstruiert werden. Aufgrund der Rahmenbedingungen erwarten die Projektteilnehmer eine Beantwortung der Frage, ob Neandertaler aufgrund einer grundsätzlich anderen, möglicherweise weniger effektiven oder nachhaltigen Nutzung ihrer Umwelt einen Wettbewerbsnachteil hatten, der zu ihrem Aussterben beigetragen hat, oder ob andere – etwa physische oder soziale – Gründe eine Rolle gespielt haben. Insgesamt hofft das Team der FAU zusammen seinen deutschen und ukrainischen Kooperationspartnern, nach Ablauf des Projektes neue Erkenntnisse zum Überleben und Aussterben der letzten Neandertaler sowie zur Ausbreitung des modernen Menschen in das westliche Eurasien beitragen zu können.

22.05.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Pitschnass und nackt im Nest!
Deutsche Wildtier Stiftung: Jungvögel leiden unter dem Starkregen
Der Starkregen der letzten Woche – in Hamburg fielen beispielsweise 50 Liter auf einen Quadratmeter — macht es den Jungvögeln schwer. Obendrein ist es viel zu kalt für den `Wonnemonat` Mai. Pitschnass hocken viele Küken jetzt noch nackt im Nest. Bei anderen zeigen sich zwar schon die ersten Federansätze, doch isolieren diese noch nicht so gut wie das Gefieder der Altvögel. Nur Höhlenbrütern wie Meisen, Rotschwänze, Spatzen und Spechte sitzen etwas trockner. „Besonders Nestflüchter wie der Nachwuchs des Kiebitz leiden unter der Nässe“, sagt Peer Cyriacks, Ornithologe der Deutschen Wildtier Stiftung. „Sie sind dem Regen direkt ausgesetzt. Zum Aufwärmen schlüpfen sie dann bei den Eltern unter die Fittiche, die Küken werden „gehudert“.
Gerade jetzt in der Hochsaison der Brutzeit sind sintflutartige Regenfälle für alle Vogelarten fatal, die jetzt ihren Nachwuchs aufziehen müssen. „Es ist nicht nur die Nässe, sondern besonders die Nahrungsknappheit“, erläutert Peer Cyriacks. Tierisches Eiweiß ist wichtig für den Aufbau des Vogelkörpers – deswegen werden die meisten Jungvögel mit Insekten gefüttert. Doch diese sind derzeit schwer zu finden. Fluginsekten fliegen bei Regen nicht und selbst Raupen verkriechen sich. Nur ein Vogel hat es etwas leichter: Die Amsel frisst am liebsten Regenwürmer und die sind vor der Überschwemmung im Boden an die Oberfläche gekrochen und werden dort von den Amsel-Eltern eingesammelt.

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