Wissenswertes über Terrorvögel

Phorusrhacos longissimus (Charles R. Knight)

Phorusrhacos longissimus (Charles R. Knight)

Terrorvögel oder Riesenkraniche waren große bis sehr große, bodenbewohnende und meist flugunfähige Vögel, deren Fossilien vor allem in Südamerika gefunden wurden. Sie nahmen während des Paläogen und des Neogen in Südamerika die Rolle der Topräuber ein. Die einzigen rezenten Vögel, die mit ihnen näher verwandt sind, sind die südamerikanischen Seriemas. Die älteste Art ist Paleopsilopterus itaboraiensis aus dem mittleren Paläozän (Itaboraium) von Rio de Janeiro (Brasilien).

Der erste Terrorvogel Phorusrhacos longissimus wurde 1887 durch den argentinischen Naturforscher Florentino Ameghino nach einem Fund in der argentinischen Provinz Santa Cruz beschrieben. Später erfolgten Funde in anderen Teilen Argentiniens, in Bolivien und Brasilien. Von der antarktischen King-George-Insel sind zwei einzelne, dreizehige 18 cm lange Fußabdrücke aus der Zeit von vor 55 Millionen Jahren bekannt, die entweder einem Terrorvogel oder einem Laufvogel zugeordnet werden. Außerdem wurde in 40 Millionen Jahren alten Schichten auf der Seymour-Insel der Vorderteil eines Phorusrhacoidenschnabels gefunden. Auch aus dem aquitanischen Becken in Frankreich wurde mit dem 38 bis 35 Millionen Jahre alten Ameghinornis ein Phorusrhacoide vermeldet, der nur so groß wie ein Seriema war und offenbar noch fliegen konnte. Allerdings schließen Alvarenga und Höfling (2003) diesen Fund aus der Gruppe der Phorusrhacidae aus, und die Familie enthält in dieser Auffassung nur Taxa aus Südamerika sowie Titanis walleri aus dem Oberen Pliozän und Unteren Pleistozän von Nordamerika. Heute werden Ameghinornis und seine Verwandten in eine separate Familie die Ameghinornithidae gestellt. 2011 wurde anhand eines einzelnen Oberschenkelknochens die Gattung Lavocatavis beschrieben, ein Phorusrhacide aus dem frühen oder mittleren Eozän von Marokko.

Mit der Entstehung des Isthmus von Panama, d. h. der Bildung einer Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika breiteten sich die Terrorvögel daher auch nach Nordamerika aus. Als stratigraphisch jüngster Fund galt lange Zeit der bereits erwähnte 2,5 bis 1,5 Millionen Jahre alte Titanis walleri aus Nordflorida. 2010 publizierte eine Forschergruppe um Herculano Alvarenga Phorusrhaciden-Reste aus Uruguay, die ein absolutes Alter von nur 17.620±100 Jahre haben. Dies entspricht chronostratigraphisch dem obersten Pleistozän.

Terrorvögel hatten einen kräftigen Rumpf, einen hohen, an fleischliche Nahrung angepassten Schnabel, einen relativ langen Hals und lange, muskulöse Hinterbeine. Ihre Stummelflügel dürften bei den meisten Arten nur noch dazu gedient haben, beim Rennen das Gleichgewicht zu halten. Die flugunfähigen Tiere erreichten ein Körpergewicht von etwa 45 bis zu 350 kg, wurden einen bis drei Meter hoch und erzielten Laufgeschwindigkeiten von über 50 km/h.
Kelenken guillermoi ist mit über 3 m Höhe der größte bisher bekannte Vertreter. Der Holotyp, bestehend aus einem Schädel ohne Unterkiefer, einem Tarsometatarsus (die zusammengewachsenen Mittelfußknochen der Vögel) und einem Zehenknochen wurden in der argentinischen Provinz Río Negro im nordwestlichen Patagonien gefunden.

Die Terrorvögel nahmen in Südamerika zusammen mit den fleischfressenden Beutelsäugern der Ordnung Sparassodonta und den terrestrischen Krokodilen der Familie Sebecidae die Rolle der hier fehlenden Raubtiere ein. Während die beiden anderen Gruppen aber eher langsam waren, spezialisierten sich die meisten Terrorvögel auf schnelle Beute in den vor 27 Millionen Jahren zunehmend offener werdenden Trockenwäldern und Savannen Südamerikas. Gleichzeitig begann auch ihr Riesenwuchs. Vor fünf Millionen Jahren hatten sie die räuberischen Beutelsäuger völlig aus den Savannen verdrängt. Die größeren Arten konnten mit Fußtritten Beutetiere von der Größe einer Antilope töten. Bei einem Angriff gebrauchten die Vögel außerdem ihren Kopf mit dem großen Schnabel wie eine Axt. Anstatt sich in das Opfer zu verbeißen, setzten sie schnelle und präzise Hiebe. Es gab allerdings auch plump gebaute und langsame Terrorvögel, die sich wahrscheinlich von Aas ernährten. In Südamerika starben die Terrorvögel zum Ende des Pliozäns aus. Über die Ursache ihres Aussterbens ist nur sehr wenig bekannt. Man vermutet, dass die Phorusrhaciden den neu einwandernden Säbelzahnkatzen und Hunden nicht gewachsen waren.

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