Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

27.Mai 2013, Nationalpark Hohe Tauern
Neue Steinwildbroschüre beim Steinwildsymposium vorgestellt
Matrei in Osttirol (TP/OTS) – Im Rahmen des diesjährigen Steinwildsymposiums in Heiligenblut wurde am Wochenende die auch für Laien höchst interessante Broschüre „Der Alpensteinbock“ präsentiert.
Das 32seitige, mit Bildern und Grafiken ausführlich gestaltete populärwissenschaftliche Heft, porträtiert das Steinwild in all seinen Facetten und geht besonders auf ein interessantes Forschungsprojekt über das Steinwild im Nationalpark Hohe Tauern ein.
Seit 2005 untersucht ein Forschungsprojekt das Verhalten der königlichen Tierart im Nationalpark Hohe Tauern. Neben der biologischen Daten und Fakten zu dieser Tierart präsentiert die Broschüre die aktuellen Ergebnisse der Studie, welche 2012 abgeschlossen wurde.
Im Rahmen des Projektes wurden viele interessante Daten über das Steinwild erfasst. Etwa die Raumnutzung der Steinböcke mit bis zu 13.600 ha großen Streifgebieten, oder dass es einen Zusammenhang der Populationen rund um den Großglockner gibt, und dass die Steinböcke lieber über den Gletscher wandern als durch ein Tal. Die Steinböcke
sind hauptsächlich in Höhenlagen zwischen 1.900 m (im Frühjahr) und 3.200 m (im Spätsommer) unterwegs. Von den Aktivitäten ist der Steinbock hauptsächlich ein tagaktives Wild mit langen Ruhepausen zu Mittag in der Sommerhitze und Aktivitätsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Dies und noch vieles mehr finden Interessierte in dem Nachschlagewerk, welches bei jeder Nationalparkverwaltung bestellt werden kann. (Kärnten: 04825 6161, Salzburg: 06562 40849, Tirol: 04875 5161-10)
Das Projekt zeigte auch auf, dass die Steinböcke in den Hohen Tauern aber wesentlich aktiver unterwegs sind als im Schweizerischen Nationalpark, wo es schon seit längerem eine intensive Beobachtung der Wildart gibt. Das „WARUM“ soll zukünftig wissenschaftlich untersucht werden.
In den Nationalparkländern Kärnten, Salzburg und Tirol wird jedes Jahr ein Steinwildsymposium veranstaltet, das heuer in Heiligenblut abgehalten wurde. Dabei geht es in erster Linie um einen Erfahrungsaustausch derjenigen, die sich seit 1960 – seit der Wiedereinbürgerung des Steinwildes in den Hohen Tauern – um die edle Wildart kümmern. Über 60 JägerInnen, Wildtiermanager und Naturschutzvertreter aus Kärnten, Salzburg und Tirol nutzen dieses Jahr die Gelegenheit.
Die Erforschung des Steinwildes wäre ohne die tatkräftige Unterstützung seitens der Jägerschaft nicht möglich. Da die Steinböcke keine Nationalpark- oder Landesgrenzen kennen und sich die Tiere vor allem in den Wintermonaten auch außerhalb der Nationalparkgrenzen aufhalten, ist ein umfassendes Management von Jagd, Naturschutz und Politik notwendig, um den Lebensraum der Tiere zu schützen.

29.05.2013, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Vom Watt bis zu den Seevögeln
Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt neues Verbundprojekt zur Küstenforschung an der Universität Kiel

„Vom Sediment zum Top-Prädator“ heißt das neue Forschungsprojekt, das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste (FTZ) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Büsum in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Tönning (NPA) initiiert wurde.
Untersucht werden soll, ob und wie man über die Zusammensetzung und Verteilung des Watt-Sedimentes und der darin lebenden Tiere und Pflanzen Rückschlüsse auf die Qualität eines Gebietes für Vögel ziehen kann. „Das Sediment wird unter anderem mit hydroakustischen sowie modernsten Labormethoden analysiert“, erklärt Dr. Klaus Ricklefs, Leiter der Arbeitsgruppe Küstengeologie am FTZ, der eng mit Dr. Klaus Schwarzer vom Institut für Geowissenschaften der CAU zusammenarbeiten wird.
„Zur Bestimmung der Aufenthaltsorte von Löfflern, Möwen, Austernfischern und weiteren Vogelarten werden wir GPS-Telemetrie einsetzen“, fügt Privatdozent Dr. Stefan Garthe, Leiter der Arbeitsgruppe Seevogelforschung am FTZ Westküste, hinzu, der sich wichtige Ergebnisse für die Umsetzung verschiedener Meeresschutzstrategien verspricht. Er ergänzt, dass die Ergebnisse zukünftig auch für andere Gebiete genutzt werden können.
Beteiligt sind an dem Projekt außerdem das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Sylt, sowie das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), Flintbek. Der Bund fördert das Projekt seit April dieses Jahres für drei Jahre mit insgesamt 1,2 Millionen Euro. Insgesamt wurden lediglich fünf von 38 Anträgen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligt.
Hintergrundinformationen:
Unter der Leitung von Dr. Stefan Garthe beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Seevogelökologie“ seit mehr als zehn Jahren mit den Themen Verbreitung, Habitatwahl und Beständen von Seevögeln. Zudem werden die Einflüsse menschlicher Aktivitäten auf Meeresvögel untersucht, zum Beispiel die Stellnetzfischerei als Todesursache für Vögel durch Ertrinken in Netzen, die Aufnahme und Folgen von auf dem Meer treibendem Müll, Veränderung des Nahrungsangebots durch Fischerei und Fischereiabfälle sowie die Beurteilung des Einflusses geplanter Offshore-Windenergieanlagen. Garthe erarbeitete zudem Vorschläge für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee, die durch das Bundesamt für Naturschutz vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurden.
Dr. Klaus Ricklefs beschäftigt sich als Leiter der Arbeitsgruppe Küstengeowissenschaften am FTZ seit fast 25 Jahren mit Fragen zum Wassermassen- und Sedimenttransport im Wattenmeer. Dabei geht es mehrheitlich um angewandte Fragestellungen wie Küstenschutz, Sedimenttransport auf Schifffahrtswegen oder Meeresbodenstabilität in Bereich von Bauwerken. Daneben werden Themen bearbeitet, die Fragen nach der Bedeutung der Meeresbodenzusammensetzung für küstennahe Ökosysteme nachgehen.
Dr. Klaus Schwarzer ist als Wissenschaftler am Institut für Geowissenschaften an der CAU tätig. Seit über 18 Jahren kartiert er in internationalen Gewässern (Andaman See, Südchinesisches Meer, Südatlantik), vor allem aber in Nord- und Ostsee den Meeresboden. Dabei geht es neben Fragen zur Küstenentwicklung, zum Sedimenttransport, Küstenschutz und den Auswirkungen von Extremereignissen verstärkt um die Klassifizierung des Meeresbodens als Lebensraumtyp für Flora und Fauna. Hier rücken Forschungsthemen zur automatischen Erkennung von Lebensgemeinschaften am Meeresboden immer mehr in den Vordergrund.

29.05.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.
Wandern und Alpenvögel beobachten – ein neues Projekt des LBV in Kooperation mit DAV und DDA
kMit dem Projekt „Faszination Alpenvögel“ startet der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) ein spannendes Pilotprojekt in den Allgäuer Hochalpen und im Karwendelgebirge. In Kooperation mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) und dem DDA sowie den Gebietsbetreuern für die Allgäuer Hochalpen und das Karwendel ruft der LBV alle Naturfreunde dazu auf, ihre beim Wandern beobachteten Alpenvögel zu melden. Durch die Mitmachaktion sollen Lücken über die Verbreitung seltener Vogelarten wie Steinadler und Zitronenzeisig in den bayerischen Alpen geschlossen werden.
Trotz der hohen Bedeutung der bayerischen Alpen sind die Kenntnisse über Bestände, Vorkommen und Verbreitung der Gebirgsarten, darunter viele gefährdete Brutvogelarten, immer noch lückenhaft. Das geht aus dem Atlas deutscher Brutvogelarten (ADEBAR) hervor. Und das, obwohl jährlich Tausende von Menschen in den bayerischen Alpen unterwegs sind. Hier setzt das Projekt „Faszination Alpenvögel“ an. Dabei sollen 2013 möglichst viele Wanderer und Besucher motiviert werden, in den Projektgebieten Allgäuer Hochalpen und Karwendel ausgewählte Alpenvögel zu melden, um die Grundlagen für das Ergreifen effizienter Maßnahmen zum Schutz unserer Alpenvögel zu verbessern. Angesprochen werden sollen Menschen, die ihre Beobachtungen bislang noch nicht dem LBV und dem DDA z.B. via ornitho.de zu Verfügung gestellt werden.
„Alpenvögel faszinieren und begeistern jeden Wanderer. Jeder, der uns seine Beobachtungen meldet, hilft mit, wichtige Informationen für die Wissenschaft und den Vogelschutz zu liefern“, so Diplom-Biologin Brigitte Kraft von der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Schwaben. Dazu wurden umfangreiche Informationsmaterialien für Wanderer erstellt, die es auch weniger geübten Vogelbeobachtern ermöglichen, Alpenvögel zu bestimmen und zu melden. Darüber hinaus werden die LBV-Gebietsbetreuer im Rahmen ihrer Tätigkeit Führungen mit dem Schwerpunkt Alpenvögel anbieten. Außerdem freut sich der LBV sehr, mit dem Deutschen Alpenverein einen kompetenten Partner gewonnen zu haben, der ihn in beiden Projektgebieten unterstützt. So werden Wanderer an ausgewählten DAV-Hütten an bestimmten Terminen gezielt betreut, um ihnen vor Ort einen faszinierenden Einblick in die Welt der Alpenvögel zu ermöglichen.
Ausgewählte, im Rahmen des Projektes gesammelte Beobachtungsdaten werden von den Gebietsbetreuern des LBV in ornitho.de eingetragen. So stehen die Daten direkt für wissenschaftliche und naturschutzfachliche Auswertungen zur Verfügung.
In den Alpen gibt es etwa 200 Vogelarten. Etwa ebenso viele weitere Arten nutzen sie als Durchzugs- oder Rastgebiet. Lediglich 50 Vogelarten sind oberhalb von 2.000 Metern zuhause. Es leben dort Vogelarten, die weltweit nur in Europa vorkommen, und dabei ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen haben, so wie der Zitronenzeisig. Die Alpen sind auch Rückzugsgebiet für ehemals in Europa weiter verbreitete Arten, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv verfolgt wurden, wie der Steinadler. An den Alpen treffen unterschiedliche Klimabereiche zusammen: das mediterrane, kontinentale und atlantische Klima. Somit können alpine Lebensräume sowohl wärmeliebende Arten als auch solche aus gemäßigten Bereichen und sogar kälteliebende Arten beherbergen, was die Alpen zu einem Hotspot der Artenvielfalt macht.

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