Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

16.06.2013, GEO-MAGAZIN
GEO-Tag der Artenvielfalt bilanziert rund 1.500 Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark Hohe Tauern in Tirol GEO, der Nationalpark Hohe Tauern und das Land Tirol riefen auf zur großen Natur-Inventur
Hamburg (ots) – Rund 90 Experten für Flora und Fauna erforschten gestern das Artenvorkommen im Gschlößtal bis zum Fuße des angrenzenden Großvenediger-Gletschers und im Umbaltal. Sie dokumentierten dabei mit viel Sachverstand eine unglaubliche Naturvielfalt: Rund 1.500 verschiedene Arten sammelten und bestimmten
die Forscher – und das binnen genau 24 Stunden in zwei Untersuchungsgebieten in dem ca. 1.856 km² großen Nationalpark. Der Wert und die Bedeutung des Parks liegen nicht nur in der Sicherung eines großen Erholungs- und Naturerlebnisraumes, sondern ganz wesentlich auch in der Bewahrung vielfältiger und artenreicher Lebensräume.
Besonders erfreut waren die morgens ganz früh zur Inventur ausgerückten Ornithologen von ihren Ergebnissen: Insgesamt konnten rund 50 Vogelarten in den kartierten Gebieten nachgewiesen werden. Es wurden fünf Bartgeier (Gypaetus barbatus) gesichtet, die nachdem sie in freier Natur völlig ausgestorben waren, seit 1986 hier wieder angesiedelt wurden – offenbar erfolgreich. Als besonders erfreulich stuften die Experten auch den Nachweis von Karmingimpeln (Carpodacus
erythrinus) ein – ein Neuling in dieser Region. Ebenso der Fitis (Phylloscopus trochilus), der in Osttirol noch nie als Brutvogel nachgewiesen wurde.
Besonders hervorzuheben bei den Höheren Pflanzen waren die Orchideen-Funde. So wurde erstmals im Nationalpark das Lappländische Knabenkraut (Dactylorhiza lapponica) entdeckt. Außerdem konnten der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), eine europaweit geschützte Orchideenart, und das Mannsknabenkraut (Orchis mascula), in der Regel in tieferen Lagen zu finden, erfasst werden. Ein weiterer Neufund für den Nationalpark Hohe Tauern unter den insgesamt 300 am GEO-Tag
erfassten Pflanzen war der in den Alpen sehr selten zu findende Alpenwimperfarn (Woodsia alpina).
Auch bei den Schmetterlingen gab es besondere Funde. So konnten gestern etwa 110 Schmetterlingsarten bestimmt werden. Dokumentiert wurden unter anderem der nur in den Alpen vorkommende Alpenspanner (Lycia alpina). Außerdem konnte der Schwarzweisser-Weidenröschenspanner (Spargania luctuata) erstmals am GEO-Tag im Nationalpark Hohe Tauern nachgewiesen werden.
Jens Schröder, Stellvertretender Chefredakteur GEO: „Die Täler im Nationalpark Hohe Tauern haben uns mit spektakulären Ansichten begeistert. Aber fast noch wichtiger sind die Ergebnisse zu ihrer spektakulären Lebensvielfalt. Diese wunderbaren Rückzugsräume für empfindliche Ökosysteme haben den guten Schutz verdient, den sie hier schon bekommen. Ihr großer Wert darf nie für selbstverständlich genommen werden.“
Martin Kurzthaler, Nationalpark Hohe Tauern: „Der GEO-Tag der Artenvielfalt hat dazu beitragen, dokumentierte Kenntnisse zu Artenvorkommen und deren Verbreitung zu erweitern und zu ergänzen. Außerdem hoffen wir, durch den GEO-Tag der Artenvielfalt das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Bedeutung der Erhaltung der Biodiversität zu wecken.“
Aufbauend auf den Erkenntnissen dieses Aktionstages werden sich nun die GEO-Reporter weitergehenden Fragen widmen: „Wie reagieren Tiere und Pflanzen auf Veränderungen des Klimas, ganz besonders in Gebirgsregionen? Wie verschieben sich die Lebensräume? Bekommen Artengemeinschaften eine neue Zusammensetzung?“ Denn gerade an den zurückweichenden Gletschern der Alpen zeigt sich der Umbruch in der
Lebenswelt der Pflanzen und Tiere besonders deutlich. Die Ergebnisse dieser großen Recherche, zu der viele Wissenschaftler aus Österreich, Italien und Deutschland ihre Forschungsergebnisse beitragen, werden in der September-Ausgabe von GEO zu lesen sein.

17.06.2013, Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22
Hufeisennase gesichtet? Bitte melden!
Wien (OTS) – In Wien leben 22 verschiedene Fledermausarten. Mit ihren vielfältigen Lebensräumen und Schutzgebieten ist die Stadt eine der fledermausreichsten Großstädte Europas.
Einige Arten wie z. B. der Große Abendsegler sind häufig im nächtlichen Wien unterwegs und zu sehen, andere Arten wie z. B. die Kleine Hufeisennase werden nur ganz selten beobachtet. Die Hufeisennase kommt vor allem in den Randbezirken Wiens nahe dem Wienerwald vor, dort bewohnt sie gerne Dachböden. Leider gehen die
Bestände dieser seltenen Fledermaus zurück. Die ExpertInnen der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22 und der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung (KFFÖ) bitten nun im Rahmen einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme der Kleinen Hufnase die Wienerinnen und Wiener, ihre Sichtungen zu melden und die ExpertInnen bei der Erfassung der Tiere zu unterstützen.
Die Kleine Hufeisennase geht vor allem im Wienerwald auf nächtliche Insektenjagd. Da sie nur kurze Strecken zurücklegt, bewohnt sie überwiegend Dachböden in Wohngebieten nicht allzuweit von einem Waldgebiet entfernt. Die Tiere hängen mit dem Kopf nach unten, ihr Körper ist von Kopf bis Fuß rund 8 cm lang, die Flügelspannweite beträgt bis zu 25 cm.
Gesichtete Vorkommen der Kleinen Hufeisennase können der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung telefonisch oder per E-Mail gemeldet werden: Ulrich Hüttmeir, Tel: 0676 7530645, Mail: ulrich.huettmeir@fledermausschutz.at
Nähere Informationen und eine genaue Beschreibung der Kleinen Hufeisennase bietet die MA 22 auf ihrer Seite: www.umweltschutz.wien.at
Fledermäuse sind Säugetiere, die in der Nacht auf Insektenfang gehen – eine Fledermaus verspeist im Jahr bis zu 1 kg Insekten. Eine von der Wiener Umweltschutzabteilung in Auftrag gegebene Studie, die von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung durchgeführt wurde, stellt dem Fledermausbestand in Wien ein sehr gutes Zeugnis aus. 22 der 28 in Österreich vorkommenden Fledermausarten wurden in Wien nachgewiesen.
Die Wiener Umweltschutzabteilung hat für die bedrohten Säugetiere ein Schutzprogramm im Rahmen des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogrammes Netzwerk Natur gestartet. So werden z. B. naturnahe Lebensräume mit Altholzbeständen bewusst erhalten oder Nistkästen an geeigneten Orten in ganz Wien angebracht.
„Es ist einfach, etwas beizutragen, um Fledermäusen das Leben in der Stadt leichter zu machen: Ein Baum mit Höhlen oder bewusst offen gelassene Spalten zwischen Dachsparren bieten für die Tiere einen idealen Unterschlupf. Und Garteln ohne giftige Spritzmittel erhält das Nahrungsangebot für die kleinen Insektenjäger“, so Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung.
Hilfe für verletzte oder kranke Fledermäuse bieten die ExpertInnen der MA 60 – Veterinärdienste Tierschutz der Stadt Wien.
Tierschutz-Helpline: 01-4000-8060
Bei den alljährlich stattfindenden Fledermausnächten mit Fledermaus-ExpertInnen können die kleinen „Nachtschwärmer“ beobachtet werden und man erfährt viele interessante Details über das Leben dieser geschützten Tiere. Nach Einbruch der Dunkelheit werden die Fledermäuse mit sogenannten „Bat-Detektoren“ geortet. Geübte
ExpertInnen können anhand dieser Geräusche sogar einzelne Arten identifizieren und unterscheiden.
Informationen zum Thema Fledermäuse und zu den aktuellen Fledermausnächten der Wiener Umweltschutzabteilung unter www.umweltschutz.wien.at.
Der von der MA 22 herausgegebene Folder „Fledermäuse in Wien. Eine Nachtgeschichte“ kann hier ebenfalls kostenlos bestellt werden bzw. steht als Download zur Verfügung.
Eine aktuelle Ausstellung „Fledermäuse in Wien“ im Nationalparkhaus Lobau zeigt noch bis zum 27. Oktober 2013 Einblicke in die Welt der Fledermäuse.
Nationalparkhaus Wien-Lobau, 1220 Wien, Dechantweg 8
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Infos Nationalparkhaus Lobau

17.06.2013, WWF Österreich
WWF: Schluss mit der Hetze auf geschützte Tierarten
Illegale Wolfsaussiedlungen durch Tierschützer sind Nonsens
Wien (OTS) – Der WWF reagiert mit Empörung auf die Behauptung der steiermärkischen Jägerschaft, dass Tierschutzorganisationen illegal Wölfe aussetzen würden. „Landesjägermeister Gach sollte eigentlich wissen, dass es nicht notwendig ist, Wölfe auszusetzen. Sie kommen von selbst zurück, weshalb man Wege des Zusammenlebens finden und geeignete Maßnahmen treffen muss, statt diesen Wildtieren ihr Daseinsrecht abzusprechen“, erklärt Christian Pichler vom WWF.
Der WWF erinnert die steirische Jägerschaft auch daran, dass sie immer wieder betont, auf dem natürlichen Weg zuwandernde Beutegreifer wie Wolf und Bär seien willkommen.
Immerhin haben Vertreter der Jägerschaft mit dem WWF, Behörden und
Interessensvertretern im Jahr 2012 einen Wolfmanagementplan erstellt. Dieser gemeinsame Aktionsplan soll auf die Wiederkehr des Wolfes vorbereiten und regelt unter anderem auch die behördliche Abgeltung von Schäden an Nutz- und Weidetieren.
„Illegale Aussiedelungen in den Raum zu stellen und dabei auf den WWF zu schielen verletzt die zuletzt mühevoll aufgebaute Kooperation von Jägern, Landwirten und Naturschützern“, so Pichler. Der Jagdverband solle vielmehr den selbst unterzeichneten Kompromiss verstärkt an seine Mitglieder kommunizieren und sachliche Information etwa zum Schutz der Nutz- und Weidetiere weitertragen, regt der WWF an.
Die natürliche Einwanderung des Wolfes nach Österreich erfolgt aus drei verschiedenen Richtungen – nämlich aus der Schweiz und Italien, den Karpaten und dem slowenisch-kroatischen Raum. So ist der slowenische Wolf „Slavc“ im Jahr 2012 über Kärnten, die Steiermark und Salzburg bis nach Italien gewandert und hat sich nun in der Nähe von Verona niedergelassen. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass Wölfe immer und überall in Österreich auftreten können.
Dass seit einigen Jahren verstärkt Wölfe auftreten, ist typisch für die Lebensweise des Wolfes und seine Anpassungsfähigkeit. Außerdem zeigt sich dadurch, dass noch immer geeigneter Lebensraum für die Art in Österreich vorhanden ist. Daher sollten die Wölfe wieder als Bestandteil der heimischen Tierwelt akzeptiert werden.
Zur allfälligen Gefährdung von Hunden durch Wölfe ist anzumerken, dass Hunde im Wald grundsätzlich an der Leine geführt werden sollten. Dies ist auch im Interesse aller freilebenden Wildtiere.
Der Wolf ist sowohl im internationalen Naturschutz, als auch im Rahmen der österreichischen Naturschutz- und Jagdgesetzgebung eine geschützte Tierart.

18.06.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Weltpremiere des Kinofilms „Die Verwüstung des Himmels“ in England
Der Kampf des Komitees gegen den Vogelmord für einen besseren Zugvogelschutz in Europa ist Thema eines neuen Kinofilms, der am vergangenen Wochenende auf dem Filmfestival in Sheffield Weltpremiere hatte. Unter dem Titel „Emptying the skies“ (deutsch: Die Verwüstung des Himmels) zeigen der New Yorker Bestsellerautor Jonathan Franzen und Regisseur Roger Kass, wie unter dem Deckmantel alter Traditionen und „nachhaltiger Nutzung“ jedes Jahr Millionen europäischer Singvögel im Kochtopf landen.
Im Zentrum des Films steht eine Gruppe von Aktivisten des Bonner Komitees gegen den Vogelmord, die jeden Frühling und Herbst in die Hochburgen der Wilderei reisen, um illegale Jagd und Vogelfang zu bekämpfen. Mehr als zwei Jahre haben Franzen und das Filmteam die als „Vogelschutzcamps“ mittlerweile international bekannten Aktionen begleitet, um die Geschichte vom Kampf gegen die Vogel-Wilderer auf die große Leinwand zu bringen. Drehorte waren Spanien, Italien, Frankreich, Zypern und Deutschland.
Neben eindrucksvollen Aufnahmen, die dem Zuschauer Umfang und Zerstörungskraft der Wilderei vor Augen führen, zeigt der Film, wie italienische, deutsche und britische Mitglieder des Komitees ihr Leben riskieren, um seltene Zugvögel vor dem Ende im Kochtopf zu bewahren. Auf Zypern, wo das Filmteam und die Vogelschützer auf riesige Fanggärten mit Netzen und Leimruten stießen, entkam Franzen selbst nur knapp einer Attacke wütender Wilderer, die zwei Komiteemitglieder krankenhausreif prügelten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in eine Art Kriegsgebiet geraten würde“, so der Schriftsteller.
Jonathan Franzen, der als Autor von Romanen wie „Freiheit“ oder „Die Korrekturen“ Weltruhm erlangt hat, ist seit Jahren ein begeisterter Vogelbeobachter und -schützer. „Die Verwüstung“ des Himmels ist eine Adaption eines mehr als 20 Seiten langen Essays über die Zugvogeljagd, das Franzen für das Magazin „The New Yorker“ geschrieben hat und das Anfang des Jahres auf deutsch in seinem Buch „Weiter weg — Essays“ (Rowohlt-Verlag) erschienen ist.

19.06.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Achtung: Mücken im Anflug! Die Deutsche Wildtier Stiftung rät zum Verzicht auf Duftstoffe
Wochenlange Regenfälle und die Flutkatastrophe mit flächendeckenden Überschwemmungsgebieten haben ideale Brutplätze für Mücken geschaffen. Die hohe Luftfeuchtigkeit, hervorgerufen durch die plötzlich einsetzende Hitzewelle, wirkt wie ein Katalysator für die Produktion der Plagegeister.
In kurzen Abständen legt ein Mücken-Weibchen zwischen 80 und 200 Eier in stehende Gewässer wie große Pfützen und überschwemmte Wiesen ab. Nach einem zweiwöchigen Larvenstadium schlüpft die nächste Generation. An lauen Sommerabenden müssen wir uns dann auf die Stechangriffe vorbereiten.
Die Blutgruppe, das Alter und Geschlecht der Opfer scheint bei der Auswahl der „Blutspender“ für Mücken bedeutungslos. „Parfüm und andere Duftstoffe hingegen locken die Plagegeister geradezu an“, erläutert Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wer auf Düfte verzichtet, hat bessere Chancen, den Mückenweibchen zu entgehen.“ Doch auch der Atemgeruch des Menschen ist für Mückenweibchen – und nur diese stechen – ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Opfer. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen mit erhöhten Kohlendioxidausdünstungen eher gestochen werden“, sagt Goris. Wer beispielsweise viel Reis isst, atmet auch vermehrt Kohlendioxid aus. Der Verzehr von Kohlgemüse hingegen scheint Mücken fern zu halten.
Auf Schweißgeruch reagieren Stechmücken wie Eisenspäne auf Magneten: Dieser Duft zieht die Insekten förmlich an. In Füße stechen sie besonders gern! Es sind Ammonium und Buttersäure, die Zerfallsprodukte von Schweiß, auf die Mücken besonders abfahren. Sie schaffen es sogar mit ihrem hauchdünnen Stechrüssel, den sie wie eine Injektionsnadel benutzen, durch dicke Jeans zu stechen. Auch dann, wenn die Haut unter dem Stoff mit Anti-Mückenmitteln eingerieben ist. Da Mücken mit ihren Füßen „riechen“, landen sie problemlos auf unbehandelter Kleidung und stechen dann durch die Fasern. „Dagegen hilft nur, die Jeans mit einem eigens für Kleidung hergestellten Repellent einzusprühen“, rät die Pressesprecherin. So kommt man ohne Stich-Wunden leichter durch den Sommer.

19.06.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Vögel im arktischen Dauertag zeigen unterschiedlichste Aktivitätsmuster
Die innere circadiane Uhr reguliert bei Mensch und Tier tagtägliche Lebensvorgänge und wird von äußeren Faktoren synchronisiert, den sogenannten Zeitgebern. Der wichtigste Zeitgeber ist dabei der Licht/Dunkelzyklus, der in extremen Lebensräumen wie der Arktis während des Polarsommers nur eine schwache Wirksamkeit besitzt. Ein Team aus Forschern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie aus Seewiesen und Radolfzell hat bei vier Zugvogelarten in Alaska mithilfe von Mini-Sendern verschiedenartigste Aktivitätsmuster entdeckt, die durch unterschiedliche Paarungssysteme und Lebensweisen erklärt werden können.
In Polarregionen ist es während der Sonnenwenden jeweils entweder rund um die Uhr hell oder dunkel. Bei der Abwesenheit eines geeigneten Zeitgebers entwickeln viele Organismen einen eigenen Tagesrhythmus, der oft beträchtlich von einem 24-Stunden-Tag abweicht. Dies wurde bei Tieren und auch am Menschen unter kontrollierten Bedingungen im Experiment nachgewiesen. In extremen Lebensräumen wie der Polarregion könnten sich die Lebewesen also andere Zeitgeber als das Licht suchen, um ihre innere Uhr wieder einzustellen. Diese sind jedoch aufgrund der Komplexität der Faktoren im Freiland recht schwer zu bestimmen.
Einen Versuch, diese Faktoren zu entschlüsseln, hat nun ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Ornithologie an vier in der Arktis in Alaska lebenden Vogelarten gestartet: an drei Watvogel-Arten, dem Sandstrandläufer, dem Graubruststrandläufer und dem Thorshühnchen, sowie an einer Singvogel-Art, der Spornammer. Sie alle besitzen jeweils unterschiedliche Paarungssysteme. Während der Sandstrandläufer streng monogam lebt, zeigt die Spornammer neben monogamer Lebensweise auch gelegentliche Polygynie, d.h. ein Männchen kann sich mit mehr als einem Weibchen gleichzeitig verpaaren, was auch den Normalfall beim Paarungssystem des Graubruststrandläufers darstellt.
Eine Besonderheit ist das Thorshühnchen, da es polyandrisch lebt, d.h. ein Weibchen besitzt mehrere Männchen. Zudem sind bei dieser Art die Geschlechterrollen vertauscht. Diese vier Arten wurden alle in einem nur zwei Quadratkilometer großen Tundraabschnitt in der Nähe der Ortschaft Barrow im Norden von Alaska untersucht. Insgesamt statteten die Forscher 142 Vögel mit Radiotelemetrie-Transmittern aus und bestimmten das tägliche Aktivitätsmuster.
Bei der Analyse der Aktivitätsdaten fanden die Forscher nahezu das gesamte Spektrum an biologischen Rhythmen. Die Spornammer zeigte einen strikten 24-Stunden-Tagesrhythmus mit einer Wach- und einer kurzen Schlafphase, während die Watvögel, abhäNging vom Geschlecht und dem Brutzyklus entweder strikt rythmisch, „arhythmisch“, also konstant aktiv waren, oder einen freilaufenden Zyklus zeigten. Diese starken Unterschiede in einem identischen Lebensraum sind in der Lebensweise der Vögel begründet. Die Verfügbarkeit von Futter könnte bei der Spornammer und demjenigen Geschlecht der Watvögel, das gerade die Gelege ausbrütet, für einen normalen 24-Stunden-Zyklus verantwortlich sein. Selbst im arktischen Dauertag gibt es tageszeitliche Temperaturschwankungen besonders in Bodennähe und “nachts“ stehen bei sehr kalten Temperaturen keine Insekten als Nahrung zur Verfügung. Zudem müssen die Bodengelege ständig bebrütet werden, da die Gelege sonst schnell auskühlen würden.
Graubruststrandläufer hingegen balzen und kämpfen nahezu rund um die Uhr. Dass sich dieses Verhalten lohnt, wurde in einer früheren Studie gezeigt, als diejenigen Vögel, die am wenigsten schliefen, die meisten Nachkommen hatten. Beim Sandstrandläufer wiederum synchronisierten sich beide Partner zu einem gemeinsamen freilaufenden Rhythmus der Bebrütungsphasen des Geleges. „Diese vergleichende Studie hat eine erstaunliche Plastizität des circadianen Systems bei Zugvögeln im kurzen arktischen Sommer aufgedeckt. Diese innere Uhr kann durch soziale und Umweltfaktoren eingestellt werden“, sagt Bart Kempenaers, der Leiter der Studie.

21.06.2013, WWF Deutschland
Ameisen-Demo des WWF erhält den „Oscar der Werbebranche“
Der Protestmarsch von 500.000 Blattschneiderameisen hat die internationale Werbebranche in Cannes begeistert. Die ungewöhnliche Demonstration im Kölner Zoo gegen die Abholzung des Regenwaldes wurde auf dem weltweit wichtigsten Werbefestival mit einem Goldenen Löwen und einem Bronzenen Löwen prämiert. Der Goldene Löwe gilt als der „Oscar der Werbebranche“.
„Wir sind sehr stolz über diese Auszeichnungen“, sagt Christian Mommertz, Geschäftsführer Kreation der Werbeagentur BBDO Proximity Düsseldorf, von der die Idee stammt. „Die Aktion hat jetzt auch in Cannes für große Aufmerksamkeit gesorgt. Sie zeigt, wie man Menschen auf überraschende Weise auf die Probleme aufmerksam machen kann, die durch die Abholzung der Regenwälder entstehen.“
Ameisen sammeln Spenden für den WWF
Die Jury aus internationalen Top-Werbern zeigte sich von der BBDO Proximity-Idee beeindruckt: Hunderttausende von Blattschneiderameisen sind Anfang März 2013 durch ihr Terrarium im Kölner Zoo marschiert und haben die Besucher mit Aufrufen wie „Help“ oder „Save the Tree“ um Unterstützung gebeten. Der Clou: Die Protestparolen waren aus echten Blättern geformt, die von den Insekten durch das Terrarium getragen wurden. Der WWF hat mit der Ameisen-Demo zugleich um Spenden für den Erhalt des Regenwaldes geworben. Er finanziert Projekte zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes, die Heimat der Blattschneiderameise.
„Ich freue mich, dass der Oscar der Werbebranche an die Ameisenkampagne geht. Der Regenwald verschwindet. Zwischen 1990 und 2010 wurden 125 Millionen Hektar Regenwald durch legale und illegale Entwaldung vernichtet. Das entspricht der 3,5-fachen Fläche der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Dirk Reinsberg, Mitglied der Geschäftsleitung WWF Deutschland.

21.06.2013, WWF Österreich
Xayaburi-Damm ist Todesstoß für Mekong-Riesenwels
Wien/Vientiane. (OTS) – Der 3,5 Milliarden Euro teure Xayaburi-Staudamm in Laos ist eine existenzielle Bedrohung für einen der größten und seltensten Süßwasserfische der Welt, den Mekong-Riesenwels. Das ergab eine neue Studie des WWF. „Den schon heute vom Aussterben bedrohten Riesenwelse droht mit dem neuen Megadamm der Todesstoß“, warnt der WWF-Experte Georg Scattolin. Die österreichische Firma Andritz AG hält dennoch an der Lieferung von acht Kaplanturbinen im Wert von 300 Millionen Euro für dieses naturzerstörende Monsterprojekt fest. Im Mekong werden bis zu einem Viertel aller Süßwasserfische weltweit gefangen. Der 820 Meter breite und 30 Meter hohe Damm am Mekong-Hauptstrom im nördlichen Laos wäre eine unpassierbare Barriere für den großen Fisch, der dadurch nicht mehr zu seinen Laichplätzen wandern kann. „Ein Fisch mit einer Größe von drei Metern und mehr als 300 Kilogramm Gewicht kann diesen Damm nicht mehr überwinden und damit wäre diese Art zum Aussterben verdammt“, so Scattolin. Die Titanen der Flüsse brauchen große Strecken, die nicht unterbrochen sind sowie eine spezielle Wasserqualität und Strömungsbedingungen um ihren Lebenszyklus von Nahrungssuche, Laichplätzen und Brüten aufrechtzuerhalten“, so Zeb Hogan, Studienautor und Professor an der Universität von Nevada. Es wäre auch möglich, dass die Riesenwelse in dem Gebiet laichen wo der Xayaburi-Damm geplant ist. Die Mekong-Riesenwelse sind seit Jahren durch Überfischung und Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht und deren Zahl nimmt ständig ab. „Die letzten Riesenwelse würden in den gewaltigen Kaplanturbinen zermahlen werden. Die Firma Andritz AG würde so zum Totengräber für eine der seltensten Fischspezies der Welt“, so Scattolin. Der WWF
ruft daher die Andritz AG zum sofortigen Rückzug aus dem Geschäft mit dem Artensterben auf.Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Riesenwelse noch sehr häufig in Kambodscha, Laos, Thailand, Myanmar bis nach Südchina vor. Zu dieser
Zeit wurden jährlich noch tausende Exemplare gefangen. In den 1990er Jahren waren es nur mehr wenige Dutzend und heute gibt es nur mehr einzelne Fänge. Obwohl der Fisch unter strengem Naturschutz steht, wird er weiterhin illegal gefischt oder geht den Fischern zufällig in die Netze. Der WWF fordert auch für die zufälligen Fänge ein genaues
Beobachtungssystem, das die Fänge registriert um die illegale Fischerei zu bekämpfen.
2011 hatten die Umwelt- und Wasserwirtschaftsminister der Mekong Flusskommission beschlossen die Entscheidung über den Dammbau zu verschieben, solange keine ausreichenden Umweltverträglichkeitsprüfungen vorliegen. Im November 2012 wurde
dieser Beschluss auf Drängen der laotischen Regierung einfach verworfen. Der WWF und andere Umweltorganisationen kritisieren den Dammbau seit Jahren weil über die Folgen nur ungenügende Studien zu den Auswirkungen auf die Fischwelt und die Sedimentflüsse vorhanden sind. Die finnische Firma Pöyry meint zwar, dass Fischpassagen um die Turbinen herum gebaut werden könnten, aber bisher scheiterte dies an der Umsetzung. „Wir wissen noch viel zu wenig über diese Fischart um sicher sagen zu können, dass die Welse die Fischleitern auch benutzen würden.
Der Riesenwels ist ein wichtiger Indikator für die ökologische Stabilität des Mekong. Die Erholung dieser Art ist ein wichtiger Teil für ein nachhaltiges Flussmanagement“, sagt Lifeng Li, der Direktor des internationalen Flüsseprogramms. „Der Mekong-Riesenwels kann gerettet werden. Aber dazu braucht es das Bekenntnis der Anliegerstaaten und die Hilfe von internationalen Organisationen und Sponsoren“, so Li abschließend.

21.06.2013, Dachverband Deutscher AviFaunisten
State of the world′s birds 2013 — Vögel als Indikatoren einer sich verändernden Welt
Etwa jede achte Vogelart weltweit ist vom Aussterben bedroht. Diese und weitere Ergebnisse wurden nun auf der Jahrestagung von BirdLife International im kanadischen Ottawa im Statusbericht „State of world’s birds 2013“ veröffentlicht. Bei zahlreichen Vogelarten gehen die Bestände seit langem zurück. Betroffen sind selbst häufige Arten. In Asien sind, vorwiegend aufgrund der Zerstörung geeigneter Lebensräume, bei mehr als der Hälfte aller Wasservogelarten Rückgänge zu verzeichnen. In Europa gibt es heute etwa 300 Millionen weniger Agrarvögel als noch vor 30 Jahren. Mehr und mehr Arten geraten an den Rand des Aussterbens, ein Achtel aller Vogelarten gilt mittlerweile als global bedroht.
Als schwerwiegendsten Faktor stellt der Report die nicht nachhaltige Landwirtschaft heraus. Das massive Wachstum von Ackerland im letzten Jahrhundert und die Ausweitung der intensiv genutzten Monokulturen in den letzten Jahren haben sich sehr negativ auf die Vogelbestände ausgewirkt. Doch auch der Klimawandel bringt weit reichende Auswirkungen mit sich. Die Habitate der Vögel verändern sich und viele Arten haben keine Möglichkeit sich dieser Entwicklung ausreichend schnell anzupassen.
Mehr als 12.000 der wichtigsten verbliebenen Gebiete haben BirdLife-Partner auf der ganzen Welt zu so genannten „Important Bird and Biodiversity Areas“ (IBAs) erklärt. Gerade in den marinen Bereichen gab es dabei jüngst wichtige Fortschritte. Die IBAs stellen das größte systematisch erarbeitete Netzwerk für Biodiversität dar. Trotzdem sind nur 28% der Gebiete unter vollständigem Schutz.
Ein positives Signal des Berichts sind die Ergebnisse verschiedener Schutzmaßnahmen zu sehen. Wo Bedrohungen durch gezielte Maßnahmen entgegengewirkt wird, können der Schutz und die Erhaltung der Arten gelingen. Einige Vogelarten wurden durch umfangreiche Aktionen vor dem Aussterben bewahrt und ihre Lebensräume gerettet und wiederhergestellt.

21.06.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Bundesamt für Naturschutz stellt neues Internetangebot Neobiota.de vor
Vielfältige Informationen zum Auftreten gebietsfremder Arten in der freien Natur stellt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) jetzt im neuen Internetangebot Neobiota.de bereit. Schwerpunkt des Angebotes sind die invasiven Arten, d.h. diejenigen Arten, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten oder Lebensräume haben können. Neben Angaben zu ihrer Biologie, Verbreitung, Einführungs- und Ausbreitungswegen werden die bisher durchgeführten naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertungen präsentiert. Über Links zu www.floraweb.de können zusätzliche Informationen (einschließlich einer Bildergalerie) abgerufen werden.
Die Neobiota kamen vielfach zufällig als blinde Passagiere an Schiffsrümpfen, im Ballastwasser oder in Holzpaletten, oft aber auch gezielt als neue Gartenpflanzen, Forstbäume oder Nutztiere für Aquarien, Gartenteiche, die Fischerei oder Jagd nach Deutschland. Über 800 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten (Neobiota), konnten sich in den letzten 500 Jahren durch das Wirken des Menschen in Deutschland, sei es absichtlich oder unabsichtlich, ansiedeln. Die allermeisten davon blieben selten oder passten sich in die hiesigen Ökosysteme ein. Einige aber verhalten sich invasiv,d.h. sie verdrängen andere Arten, verändern dadurch Ökosysteme oder gefährden sogar die Gesundheit (wie Riesen-Bärenklau und Beifußblättrige Ambrosie). Mit dem sich ändernden Klima werden diese Prozesse zunehmen. „Wir wollen die bisher sehr allgemein geführte und von Polarisierungen geprägte Diskussion um neue Arten auf die wirklich problematischen invasiven Arten fokussieren“, sagt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel.
Schwerpunktmäßig richtet sich Neobiota.de an die interessierte Öffentlichkeit und Akteure des praktischen Naturschutzes aus Behörden und Verbänden. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz betont, dass man Arten nicht pauschal als „gut“ oder „schlecht“ beurteilen könne, sondern artspezifische, von den jeweiligen Naturschutzzielen und räumlichen Gegebenheiten abhängige Einzelfallentscheidungen treffen müsse. „Hierfür gibt Neobiota.de Handlungsempfehlungen, ob bzw. unter welchen Rahmenbedingungen Maßnahmen angebracht sind, und wenn ja, wie eine möglichst effiziente Vor- und Nachsorge erfolgen kann“, so Professorin Jessel weiter.

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft/Naturschutz abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen