Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.07.2013, Deutsche Wildtierstiftung
Ein Schlammbad, viel hecheln und dann schlafen!
Die Deutsche Wildtier Stiftung verrät Tricks, mit denen Wildtiere „cool“ durch den Sommer kommen

Hamburg (ots) – Sonne satt! Mit Hoch „Yasmine“ erlebt Deutschland ein Sommermärchen mit Temperaturen von über 30 Grad. Die Hitzewelle rollt bundesweit, vom „Sahara-Sommer“ ist die Rede. Manche mögen’s heiß, doch manche eben auch nicht. Herz und Kreislauf laufen jetzt auf Hochtouren, man fühlt sich schlapp und träge. Da hilft nur eins: Sonne und Stress vermeiden, entspannt im Schatten abhängen und schwimmen gehen. „So oder ähnlich reagieren auch unsere Wildtiere auf die tropische Hitze“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Doch sie haben noch andere Tricks drauf, um „cool“ zu bleiben.
Wer Fell und Federn hat, kann nicht richtig schwitzen. „Viele Tiere haben keine oder nur sehr wenige Schweißdrüsen“, sagt die Pressesprecherin. Das ist bei Hitze durchaus von Nachteil, denn Schweiß sorgt für Kühlung. „Der Fuchs macht es wie der Haushund: er hechelt“, erläutert Eva Goris. „Dabei verdampft Speichel über die Zunge, und die verdunstende Feuchtigkeit kühlt den Körper ab.“ Auch Vögel hecheln, wenn ihnen zu heiß wird. Außerdem suchen sie Wasserstellen auf. „Vogelfreunde stellen deshalb jetzt im Garten und auf dem Balkon Vogeltränken als Bade- und Trinkgelegenheit auf.“ Der Storch hat einen „anrüchigen“ Klima-Trick: Er bekotet seine Beine! Die Verdunstung der Ausscheidung bewirkt den Kühleffekt.
Ansonsten verhalten sich Wildtiere bei hohen Temperaturen wie der Mensch: Sie meiden die pralle Sonne und gehen baden! „Bei Rothirschen und Wildschweinen spricht man vom Suhlen, wenn sie sich im Schlamm wälzen“, erläutert Eva Goris. Die Schlammpackung wehrt obendrein lästige Parasiten wie Mücken, Bremsen und Zecken ab. Rotwild nimmt an heißen Tagen auch gern ein Vollbad. Rehe hingegen meiden selbst bei allergrößter Hitze das Wasser. Dafür halten sie ausgiebig Siesta und werden erst gegen Abend wieder aktiv.

25.07.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
BirdLife International und EBCC unterstützen „Wildlife-Comeback“-Studie
2011 startete die Zoologische Gesellschaft London (ZSL) im Auftrag von Rewilding Europe eine „Wildlife-Comeback“-Studie zu vorwiegend allgemein bekannten Säugetier- und Vogelarten aus verschiedenen Erdteilen und Lebensräumen. BirdLife International und der European Bird Cencus Council (EBCC) haben sich dieser Studie, die u.a. die Wiedereinbürgerung und Rückkehr verschiedener Vogelarten in Europa dokumentiert, nun angeschlossen. Ziel der von der Schwedischen Lotterie Svenska Postkod Stiftelsen sowie dem niederländischen Liberty Wildlife Fund und ARK Nature finanzierten Untersuchung ist ein Überblick über Veränderungen in der Häufigkeit und Verbreitung im Zeitraum 1960 bis 2010 von Arten, denen eine eindrucksvolle Rückkehr nach Europa gelungen ist.
Rewilding Europe ist besonders daran interessiert, die Rückkehr der Tierarten aufrecht zu erhalten und weiter zu fördern. Die Populationen einiger Arten in Europa haben heute die höchsten Werte seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten erreicht. Zu diesen Arten zählen beispielsweise Reh, Elch, Wildschwein, Gämse, Steinbock, Weißstorch, Weißwangengans, Kranich und Seeadler. Durch intensiven Schutz und Wiedereinbürgerungsmaßnahmen haben Arten wie Biber, Fischotter, Uhu, Wanderfalke sowie Bart- und Mönchsgeier profitiert.
Ein erster, vorläufiger Ergebnisbericht zu 18 Säugetierarten ist von der ZSL vorbereitet worden und wird nun von Artspezialisten aus ganz Europa bewertet. BirdLife und der EBCC beschreiben und analysieren derzeit die Entwicklungen von 20 Vogelarten, deren Bestände innerhalb der letzten 40 bis 50 Jahre eine bedeutende Erholung gezeigt haben. Der DDA unterstützt den deutschen BirdLife-Partner NABU dabei durch Bereitstellung von Bestandszahlen und -trends aus den Programmen des Vogelmonitorings.
Der Ergebnisbericht der „Wildlife-Comeback“-Studie wird Ende September 2013 auf einem Seminar in London vorgestellt. Die Resultate werden außerdem am 4. Oktober 2013 auf dem 10. Welt-Wildnis-Kongress (WILD10) in Salamanca, Spanien, präsentiert.

26.07.2013, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Asiatische Buschmücke nun auch in Niedersachsen
Aedes japonicus in Deutschland weiter auf dem Vormarsch
Nach dem überraschenden Fund einer Population der Asiatischen Buschmücke Aedes japonicus in Westdeutschland im Sommer des vergangenen Jahres konnten dieselben Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg, und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Greifswald – Insel Riems, diese invasive Stechmückenart nun auch in Niedersachsen nachweisen.
Auf die Spur kamen die Forscher der Asiatischen Buschmücke abermals durch Bürgerbeteiligung im „CitizenScience“–Projekt „Mückenatlas“. Ende 2012 war in einer Einsendung aus einem Ort nahe der niedersächsischen Hauptstadt Hannover ein Mückenexemplar als Weibchen der Asiatischen Buschmücke identifiziert worden. Mit dem Beginn der Mückenaktivitätsperiode im Frühjahr 2013 untersuchte das Team um die Biologen Dr. Doreen Werner (ZALF) und Dr. Helge Kampen (FLI) Wasserbrunnen von Friedhöfen zahlreicher Ortschaften Niedersachsens und Ostwestfalens zwischen Hannover, Hildesheim, Minden und Detmold auf die aquatischen Entwicklungsstadien von Aedes japonicus. Auf 25 von 129 inspizierten Friedhöfen in beiden Bundesländern wurden die Forscher fündig. Die weit verbreitete Anwesenheit von Larven und Puppen im Frühjahr belegt zweifelsfrei eine Etablierung der Mückenart, die mindestens auf eine Einschleppung im Jahr 2012 zurückgehen muss. Ob die Mücke aus dem westlichen Nordrhein-Westfalen eingewandert ist oder es sich um eine Neueinschleppung handelt, wird aktuell durch genetische Verwandtschaftsanalysen überprüft.
Die Asiatische Buschmücke zeichnet sich nicht nur durch ein aggressives Stechverhalten aus, sondern könnte auch verschiedene, z.Zt. noch nicht in Deutschland heimische Krankheitserreger übertragen, sollten diese den Weg hierhin finden. Darüber hinaus scheint Ae. japonicus einheimische Mückenarten zu verdrängen.
Um die Verbreitung der Mückenarten in Deutschland flächendeckend erfassen zu können, hatten die Wissenschaftler des ZALF und des FLI im Jahr 2012 das „Citizen Science“-Projekt „Mückenatlas“ ins Leben gerufen. Das Forscherteam bittet um die Einsendung von Stechmücken aus allen Teilen Deutschlands. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen, tiefgefroren und anschließend an das ZALF geschickt werden.
Weltweit gibt es rund 3.500 Stechmückenarten, 50 davon wurden bisher in Deutschland nachgewiesen. Da sie wissenschaftlich lange vernachlässigt wurden, fehlt grundlegendes Wissen über ihr Vorkommen und ihre regionale Verbreitung. Faktoren wie Globalisierung und Klimaveränderung begünstigen zudem die Einschleppung und Ansiedlung nicht-einheimischer Stechmückenarten, von denen einige Krankheitserreger übertragen können. So traten in Südeuropa in den letzten Jahren erstmalig lokal verursachte, aber durch die neu angesiedelte asiatische Tigermücke vermittelte Infektionen mit dem Dengue-Virus und dem Chikungunya-Virus auf.
Alle Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken finden Sie unter www.mueckenatlas.de.

26.07.2013, Naturschutzbund Deutschland
Pflanzen- und Tierwelt im (Klima-)Wandel
Dem Verlust heimischer Arten durch umweltpolitische Maßnahmen entgegenwirken
Infolge des Klimawandels wird Deutschland als Standort wärmeliebender Arten immer attraktiver. Zum Beispiel für den Bienenfresser: Er war ursprünglich ausschließlich im südlichen Europa beheimatet. Mittlerweile fühlt er sich auch in Deutschland äußerst wohl. 2010 wurden allein in Sachsen-Anhalt mehr als 500 Brutpaare gezählt. Doch der Bienenfresser ist kein Einzelfall: Auch Wiedehopf, Gottesanbeterin und die aus Südeuropa stammende Giftspinne Ammen-Dornfinger verbreiten sich weiter in Richtung Nordeuropa. Betroffen ist aber nicht nur die Tier-, sondern auch die Pflanzenwelt: Stechpalme, Edelkastanie oder die allergieauslösende Ambrosia breiten sich in nördlichen Gefilden weiter aus.
Einen Mehrwert für die Artenvielfalt stellt das allerdings nicht dar. Denn der Klimawandel verursacht einen zusätzlichen Verlust von wildlebenden Pflanzen- und Tierarten in Deutschland, Experten schätzen diesen auf rund 30 Prozent. Über Jahrhunderte und Jahrtausende haben sich die Beziehungen zwischen Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten aufeinander eingespielt. Diese drohen nun zu kippen. Das zeigt sich deutlich am Beispiel der Stieleiche: Nimmt die Trockenheit zu, verschwindet die Baumart nicht nur selbst, sondern mit ihr auch Insektenarten, die von ihr abhängig sind, zum Beispiel der Eremit, ein sehr seltener Käfer ursprünglicher, mitteleuropäischer Waldgesellschaften. Auch Lebensraum-Spezialisten wie das in den Alpen lebende und karge Landschaften bevorzugende Schneehuhn haben es besonders schwer, da sie wenig flexibel auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren können. Wenn sich durch wärmere Durchschnittstemperaturen Bäume auch über die derzeitige Wachstumsgrenze von 1800 Metern über Seehöhe ansiedeln, wird es für den seltenen Vertreter der Rauhfußhühner immer schwieriger, ein geeignetes Habitat zu finden.
Schutz vor diesem Szenario können umweltpolitische Maßnahmen geben, die rechtzeitig ergriffen werden müssen. Dazu gehören die Senkung der Klimaemissionen, der Schutz und die Förderung naturnaher Wälder und Moore, die Vernetzung Vernetzung isolierter Biotope sowie die Renaturierung von Flüssen. Diese Maßnahmen sind unbedingt notwendig, um die Anpassung der heimischen Flora und Fauna an sich verändernde Umweltbedingungen zu unterstützen.

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