Schluss mit der Einzelhaft: Vergesellschaftung von Kaninchen

von Luisa Dziki (mit Bildern von Luisa Dziki)

Kaninchen sind hochsoziale Tiere, die möglichst niemals alleine gehalten werden sollen. Wildkaninchen leben in Familienverbänden von 1 – 3 Rammlern (Männchen) und 1 – 6 Zibben (Weibchen) plus deren Nachwuchs. Gemeinsames Schlafen, Belecken und Kuscheln gehören zu den Grundbedürfnissen der Kaninchen, weswegen die Haltung eines Einzeltieres als nicht artgerecht angesehen werden kann.

Meerschwein und Kaninchen?

Im Zoofachhandel hört man leider immer noch viel zu oft, dass Kaninchen und Meerschweinchen gemeinsam gehalten werden können. Es stimmt, dass Sie eine Kaninchen- mit einer Meerschweingruppe vergesellschaften können, aber bitte dann immer mehrere Tiere einer Tierart. Meerscheinchen und Kaninchen sprechen nämlich eine andere „Sprache“ und verstehen den jeweils anderen nicht. Wenn sie dann kein Tier der eigenen Tierart um sich haben, fehlt ihnen der dringend benötigte Sozialkontakt. Darüber hinaus haben Meerschweinchen ganz andere Bedürfnisse und Angewohnheiten als Kaninchen:

Kaninchen Meerschwein
Grundbedürfnis:  enger Körperkontakt, Ablecken, Kuscheln Leben eher auf Distanz
Haben gerne den Überblick, sitzen auf Erhöhungen Sind Fluchttiere, verstecken sich in Nischen und Ecken
Graben ein ausgefeiltes Höhlensystem Leben in kleinen Mulden
Dämmerungs- und Nachtaktiv Tagaktiv
Zeigen Lebensfreude mit Hakenschlagen und wilden Sprüngen Sind sehr schreckhaft und trippeln nur von Unterschlupf zu Unterschlupf
Schlafen oft mit Körperkontakt Schlafen meist alleine

Ein friedliches Zusammenleben dieser beiden Tierarten ist zwar möglich, allerdings kann ein Kaninchen sein Grundbedürfnis nach Nähe mit einem Meerschwein nicht erfüllen. Im Gegenteil: Dieses fühlt sich von dem Kaninchen vielleicht sogar bedrängt oder erschrickt sich, wenn das Kaninchen wild durchs Zimmer hoppelt.

Apropos wild hoppeln…

…. Wussten Sie, dass ein Kaninchen eine Geschwindigkeit von knapp 38 km/h erreichen kann? Natürlich kann es diese Geschwindigkeit nicht in einem handelsüblichen 80cm x 120cm langen Heimtierkäfig entwickeln. Bedenkt man, wie gerne Kaninchen sprinten, Männchen machen und Haken schlagen, dann will man diese Tiere auch gar nicht nonstop in einem Käfig halten. Zur Verdeutlichung kann man sich den Platzbedarf einzelner Verhaltensweisen ansehen:

Liegen in Bauch- und Seitenlage 1 Kaninchenlänge + 10cm
Wälzen 1 Kaninchenlänge + 10 cm
Männchen machen 1 Kaninchenlänge + Ohrenlänge + 10 cm
1 Hoppler 2,1 Kaninchenlängen
Sprinten 30 – 100 Kaninchenlängen
Hakenschlagen Fläche: ca. 5 x 8 Kaninchenlängen

Nimmt man für eine mittlere Kaninchenlänge 30cm an, dann entsprechen 40 Kaninchenlängen ungefähr 12 Metern. Natürlich hat nicht jeder die Möglichkeit, seinen Kaninchen ein so großes Gehege zu bauen, jedoch empfiehlt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz mindestens 150 cm x 60 cm x 50 cm, jedoch unbedingt zuzüglich täglichem Freilauf, damit die Kaninchen ihren Bewegungsdrang ausleben können. Weitere Angaben zur Kaninchenhaltung (auch zur artgerechten Fütterung!) können Sie im Merkblatt der TVT finden.
Den Freilauf kann man seinen Kaninchen in der Wohnung bieten, indem man sie zum Beispiel im Wohnzimmer laufen lässt. Jedoch bitte immer unter Aufsicht, weil die Tiere nicht nur Holz annagen, sondern leider auch Stromkabel und ähnliches. Sie können auch einzelne Zimmerabschnitte mit einem Laufgitter für Babys abteilen, wenn Sie nicht ein komplettes Zimmer den Kaninchen als Auslauf zur Verfügung stellen wollen. Die Trenngitter können Sie im Sommer auch im Garten aufstellen und den Kaninchen so Freilauf an der frischen Luft ermöglichen, übrigens lieben sie frisches Gras! Achten Sie nur bitte darauf, dass dieses vorher nicht mit Unkrautvernichter oder Dünger behandelt wurde und frei von Giftpflanzen ist. Im Zoofachhandel finden Sie auch extra Trenngitter und Auslaufställe für Kaninchen, die mit einem Deckel gegen Greifvögel schützen. Übrigens: Vergleichen Sie am besten bei allen Einkäufen vorher online die Preise und checken Sie auch vorher Gutscheinportale, aktuell gibt es z.B. gerade beim Gutscheinsammler einen Zooplus-Gutschein für 10% oder 5 Euro Rabatt.

Vor der Vergesellschaftung

Wie bereits am Anfang erwähnt, sind Kaninchen sehr soziale Tiere, die unbedingt mindestens zu zweit gehalten werden sollten. Damit eine Gruppe aber auch „funktioniert“ können Sie bereits bevor Sie die Tiere zu sich holen, auf einige Dinge achten:

  • Am einfachsten vergesellschaften lassen sich Wurfgeschwister
  • Bei Zweiergruppen ist die ideale Partnerwahl 1 kastrierter Rammler + 1 Zibbe, auch möglich sind 2 kastrierte Rammler. Zwei Weibchen können funktionieren, die Zusammenführung ist aber oft problematisch. Je länger die Zibben vorher alleine gelebt haben, desto schwieriger wird die Vergesellschaftung. Unkastrierte Männchen können nur in absoluten Ausnahmefällen gemeinsam gehalten werden.
  • Bei größeren Gruppen ist es laut diebrain besser, wenn die Rammler in der Überzahl sind, obwohl dies der natürlichen Lebensweise widerspricht.
  • Das Alter der Einzeltiere sollte ähnlich sein: Ein 4 Monate alter, sehr aktiver Rammler wird mit einer 7 Jahre alten, sehr ruhigen Partnerin nicht glücklich.
  • Der Charakter der Tiere sollte auch zueinanderpassen.

Die Zusammenführung

Eine Vergesellschaftung ist teilweise nichts für sanfte Gemüter, nur sehr selten laufen sie harmonisch ab. Meistens kommt es zu heftigen Rangordnungskämpfen mit wilden Jagden, Beißereien, gegenseitigem Berammeln und Geknurre. Dabei fliegen auch schon mal Haarbüschel durch die Wohnung. Eingreifen sollten Sie als Besitzer erst, wenn ein Kaninchen…

  • über mehrere Tage keinen Sozialkontakt bekommt und ausgegrenzt wird
  • noch nach Wochen Bissverletzungen hat
  • stark blutet
  • 1 – 2 Tage in einer Ecke hockt
  • nicht mehr frisst
  • sichtlich leidet

Eine Zusammenführung kann über mehrere Tage bis hin zu Wochen dauern. Hier müssen Sie sich in Geduld üben und dürfen auf keinen Fall die Tiere immer wieder trennen und neu zusammensetzen

Vergesellschaftungsort

Früher hat man die Tiere in Käfigen nebeneinandergestellt und immer wieder die Streu ausgewechselt. Von dieser Art der Vergesellschaftung in man inzwischen abgekommen. Stattdessen bereitete man einen neutralen Ort vor, an dem noch keines der Kaninchen vorher war, zum Beispiel das Badezimmer oder die Küche. Es sollten dabei mindestens 6m² zur Verfügung stehen. Das Zimmer sollten Sie dann vorab mit ausreichend Heu und Knabbereien in Form von Karotten oder Obstästen versehen. Verteilen Sie diese Beschäftigungsmöglichkeiten aber im ganzen Raum, an mehreren Orten. Außerdem sollten Sie auch mindestens 2 Wassernäpfe aufstellen und mindestens so viele Häuser oder Kartons, wie Kaninchen bereitstellen. Die Unterschlüpfe müssen immer 2 Eingänge haben, die sich möglichst gegenüber liegen, so dass die Häuser nicht zur Fallen mutieren können, wenn ein Kaninchen auf der Flucht ist. Beim Futter sollten Sie darauf achten, dass ihre Kaninchen in der Zeit der Vergesellschaftung einen erhöhten Energiebedarf haben, sie also unter Umständen etwas Kraftfutter füttern müssen.

Die Vergesellschaftung

Setzen Sie die Kaninchen dann gleichzeitig in diesen so präparierten Raum und beobachten Sie sie. Im Idealfall beschnuppern Sie sich und lecken sich dann gegenseitig an den Ohren und am Kopf ab, allerdings läuft eine Zusammenführung nur in den seltensten Fällen so problemlos ab. Normalerweise jagen sich die Kaninchen und springen sich zuweilen sogar gegenseitig in der Luft an. Das ist alles normal! Solange ein Kaninchen nicht sichtbare Verletzungen hat, sollten Sie sie nicht drinnen. In der Regel schlafen die Kaninchen nach einigen Tagen gemeinsam und belecken sich gegenseitig. Sobald dies auftritt können Sie sie gemeinsam in das alte Kaninchengehege setzen. Dieses sollten Sie aber vorher gründlich mit Essig gereinigt haben und auch die Einrichtung umgestellt haben. Erfahrungsgemäß kommt es dann wiederum zu kleineren Rangkämpfen, die sich aber nach einigen Tagen gelegt haben sollten.

 

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