Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

09. September 2013, NABU
Invasive Arten besser kontrollieren!
Gemeinsame Regelung für ökologische Zeitbomben ist überfällig

Der NABU und sein Dachverband BirdLife International haben die heute von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge für eine Verordnung zu invasiven Arten begrüßt, fordern aber Nachbesserungen. Die Verordnung soll dazu beitragen, gebietsfremde Arten besser zu kontrollieren und einzudämmen, etwa durch Verbote der bewussten Ausbringung und Aktionspläne zur Beseitigung bereits eingewanderter Arten. „Weltweit gehören invasive Arten zu den größten Bedrohungen der biologischen Vielfalt. Es handelt sich um ökologische Zeitbomben“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Der Vorschlag für eine EU-Verordnung sei mehr als überfällig, zumal sich die Vertragsstaaten der Biodiversitäts-Konvention (CBD), darunter alle EU-Mitgliedstaaten, bereits 1992 dazu verpflichtet hätten, die Einwanderung neuer invasiver Arten zu verhindern sowie bereits eingewanderte Arten besser zu kontrollieren.
In Europa gibt es inzwischen über 12.000 gebietsfremde Arten, von denen mindestens 15 Prozent als invasiv gelten. Diese invasiven Arten (Englisch: „Invasive Alien Species“), können sich sehr negativ auf die biologische Vielfalt auswirken, wenn sie zum Beispiel einheimische Arten aus ihrem Lebensraum verdrängen. Ein bekanntes Beispiel sind amerikanische Flusskrebse, die eine Pilzinfektion eingeschleppt haben („Krebspest“), die fast zur Ausrottung des europäischen Edelkrebses führte. Andere Arten können erhebliche ökonomische Schäden anrichten wie beispielsweise die pazifische Auster in Miesmuschelbänken im Wattenmeer. Manche Arten stellen auch eine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar, so etwa der aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau oder die nordamerikanische Beifuß-Ambrosie, deren Pollen für Allergiker gefährlich sind.
Eingeschleppt durch Schiffe
Die ökonomischen und medizinischen Folgekosten invasiver Arten werden EU-weit auf mindestens zwölf Milliarden Euro jährlich geschätzt. Invasive Arten werden häufig durch das Ballastwasser von Schiffen oder Rumpfanhaftungen eingeschleppt, sowohl auf See als auch auf Flüssen. Andere Arten wie der Riesenbärenklau oder das im Himalaya beheimatete Drüsige Springkraut wurden gezielt von Menschen importiert, zum Beispiel für den Gartenbau. Die Ausbreitung vieler Arten wird inzwischen auch durch den Klimawandel begünstigt, etwa des Asiatischen Tigermoskito, der Gelbfieber und andere Krankheiten überträgt und inzwischen in südeuropäischen Ländern bis nach Norditalien festgestellt wurde.
Claus Mayr, NABU-Experte in Brüssel, kritisierte, dass der Vorschlag der Kommission viel zu kurz greife: „Angesichts der enormen ökologischen und ökonomischen Folgen von mehr als tausend invasiven Arten ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die EU-Kommission sich in ihrem Vorschlag auf nur fünfzig Arten beschränken will.“ Zudem hätte die Kommission das Verursacherprinzip stärker berücksichtigen müssen. „Wer bewusst invasive Arten einführt oder diese in die Natur ausbringt, muss dafür zur Verantwortung gezogen werden. Im deutschen Naturschutzrecht ist dies schon seit einigen Jahren verankert“, so Mayr. Der NABU und BirdLife fordern jetzt Nachbesserungen durch den Ministerrat und das Europäische Parlament, die den Entwurf in den kommenden Monaten beraten und voraussichtlich am Jahresende verabschieden werden.

12.09.2013, WWF
Mit einem Huf im Grab
In Südostasien sieht es nicht gut aus für alles was Hufe trägt. Der Bestand an Wasserbüffeln, Wildrindern, Hirschen und anderen Huftieren geht rapide zurück. Zu diesem Fazit kommt der WWF in einem jetzt vorgelegten Report. Demnach ist die Mekong-Region besonders betroffen. Dazu gehören Teile von Südchina, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. Mit dem Schumburgk Hirsch, einem ehemaligen Bewohner der offenen Gras- und Sumpflandschaften Thailands und dem einst in Trockenwäldern heimischen Kouprey seien im vergangenen Jahrhundert zwei Arten aus der Familie der Hornträger ausgestorben.
Der WWF befürchtet, dass eine Reihe von verwandten Arten dieses Schicksal bald teilen könnten, wenn es nicht gelingt den Druck auf die Wälder zu reduzieren. Seit 1973 fiel etwa ein Drittel des Waldes den Kettensägen und der Brandrodung zum Opfer. Mit dem Wald schrumpfte der Lebensraum für viele Tiere. Besonders gefährdet ist das Saola, ein erst 1993 entdecktes Wildrind. „Es ist nahezu unmöglich, diesen extrem scheuen Waldbewohner zu Gesicht zu bekommen“, berichtet Stefan Ziegler vom WWF Deutschland. Entsprechend unsicher seien die Bestandszahlen. Die Schätzungen schwanken zwischen einem Dutzend bis hin zu wenigen 100 Exemplaren.
Die Risikoliste des WWF nennt weitere Kandidaten: darunter findet sich z.B. der Blatthirsch. Die Art wurde ebenfalls erst kürzlich entdeckt und gehört zu den kleinsten Hirschen der Welt. Ausgewachsene Exemplare werden nicht viel größer als ein Schäferhund. Ein weiterer Kandidat für die Todesliste der Huftiere ist das Burma-Banteng, ein Rind, das unter dem Verlust des Lebensraumes leidet und zudem wegen seiner Hörner gejagt wird. Ebenfalls eine beliebte Jagdbeute: der der zottelige Leierhirsch. Sein Überleben in Laos, Myanmar und Kambodscha ist gefährdet.
Der Niedergang der Huftiere bleibt nicht ohne Folgen, auch für andere Arten. So sank die Zahl der Tiger entlang des Mekongs seit 1989 von 1200 auf 350 Tiere. Ein Grund dafür ist, dass ihnen schlicht das Futter fehlt. Ähnlich geht es einigen extrem seltenen Geierarten, die weiter westlich auf dem indischen Subkontinent bereits verschwunden sind.
Der WWF versucht das Überleben der Huftiere zu sichern, nicht zuletzt weil sie ein Indikator für den Zustand der Natur in der gesamten Region sind. „Wir verfolgen eine Doppelstrategie“, so Stefan Ziegler. „Neben einer Ausweisung von Schutzgebieten und deren Vernetzung müsse der rechtliche Rahmen so gestalten werden, dass der Schutz nicht nur auf dem Papier bestehe. Eine nachhaltige Forstwirtschaft sei ein weiterer Baustein, der zum Erhalt der einzigartigen Artenvielfalt Südostasiens beitragen könne.

12.09.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Eine Unterschrift für die Rettung des Schreiadlers
Ägypten unterzeichnet das internationale Greifvogelschutzabkommen in Abu Dhabi
Ägypten hat als 45. Land das internationale Greifvogelschutzabkommen der Bonner Konvention unterzeichnet. Das „Verwaltungsabkommen zur Erhaltung der wandernden Greifvögel in Afrika und Eurasien“ will ziehende Greifvögel wie den hochbedrohten Schreiadler unter besonderen Schutz stellen. Denn auf ihrem Zug in die Winterquartiere, der in diesen Tagen begonnen hat, sind die Vögel vor allem über der Krisenregion im Nahen Osten durch Wilderer und illegale Abschüsse bedroht. Die Verluste sind nicht nur in Ägypten groß: vor allem in der östlichen Türkei, in Syrien und dem Libanon gilt der Abschuss eines Adlers bei jungen Männern auch heute noch als „Heldentat“.
„Wir freuen uns, dass Ägypten das Abkommen unterzeichnet hat“, sagt Dr. Andreas Kinser. Der Schreiadlerexperte und Projektleiter des Schreiadler-Schutzprogrammes der Deutschen Wildtier Stiftung ist dennoch verhalten. „Die Unterschrift ist zwar ein positiver Schritt zum Schutz ziehender Greifvögel, doch keine Garantie für das Überleben der Tiere.“ Kinser kritisiert mangelnde Kontrollen und das fehlende Bewusstsein. „Papier ist geduldig – und eine Unterschrift ist noch keine Schutzgarantie für eine bedrohte Art.“ Selbst in EU-Staaten, genauer auf Malta, werden Greifvögel wie der Schreiadler noch immer illegal abgeschossen. „Wir fordern daher intensivere Forschungsarbeit, wo die Regionen mit der stärksten Wilderei entlang der schmalen Zugroute liegen und verstärkte Aufklärungsarbeit, um die Menschen für die Konsequenzen von Wilderei auf ziehende Greifvögel zu sensibilisieren“, sagt Dr. Andreas Kinser.
Die Deutsche Wildtier Stiftung hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf Verluste von Schreiadlern durch Wilderer aufmerksam machen müssen: 2007 wurde der Schreiadler „Siegmar“ auf Malta angeschossen und musste später in einer Berliner Tierklinik eingeschläfert werden. 2009 wurden von acht besenderten männlichen Schreiadlern vier illegal abgeschossen, 2010 wurde ein Schreiadler östlich von Ankara mit Schrotschüssen getötet. Neben diesen bekannt gewordenen Verlusten ist die Dunkelziffer jedoch wesentlich höher: Etwa 75 Prozent aller Jungvögel sterben während ihres ersten Winterzuges.
„Bei einem Bestand von wenig mehr als 100 Brutpaaren in Deutschland, kommt der Verlust jedes einzelnen Tieres einer Katastrophe gleich“, betont Kinser. Der Schreiadler gehört zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten überhaupt – sein trauriger Stammplatz auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Brutvögel, wird ihm auch in den nächsten Jahren noch sicher sein.

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