Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.09.2013, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Forschung zu Naturschutz, Klimawandel und Gesundheit Dank internationalem biologischem Datennetzwerk
150 Biologen und Informatiker aus 38 Ländern und Organisationen werden vom 4. bis 10. Oktober 2013 in Berlin beim Delegiertentreffen des internationalen biologischen Datennetzwerks Global Biodiversity Information Facility (GBIF) erwartet. Gastgeber sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Am Mi.,den 9.10.13 um 11 Uhr wird die neue GBIF-Webseite erstmalig vorgestellt. Im englischsprachigen „Science Symposium“ ab 13.30 Uhr verdeutlichen hochkarätige Vorträge, dass aktuelle Forschung zu Naturschutz, Klimawandel, Artenvielfalt und Gesundheit nur mittels der Daten aus dem internationalen Netzwerk erfolgen kann.
Die Organisatoren vor Ort sind das Museum für Naturkunde Berlin und der Botanische Garten und das Botanische Museum der Freien Universität Berlin.
Das GBIF Datenportal verwaltet und vernetzt Daten über lebende, gestorbene und ausgestorbene Lebewesen der Erde. Es ist die weltweit größte Datenbank über Tiere, Pflanzen, Pilze und Fossilien. Das Portal vereint eine unvorstellbare Wissensmenge, die die Kapazität eines menschlichen Gehirns und Buches um Potenzen übersteigt. Derzeit sind über 400 Millionen Biodiversitätsdaten über GBIF von nahezu 500 Institutionen weltweit verfügbar. Das GBIF Datenportal ist nachweislich das relevanteste Arbeitstool für alle Wissenschaftler, die zur Artenvielfalt regional oder global arbeiten.
Daten, die über GBIF zugänglich sind, finden in vielen Bereichen der Wissenschaft und bei Entscheidungsträgern Verwendung, um den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen. Beispielsweise lässt sich die potenzielle Verbreitung von eingewanderten Arten unter aktuellen und zukünftigen Umweltbedingungen modellieren. So konnten anhand der Daten der allergenen Pflanzenart Ambrosia artemisiifolia oder von Krankheitsüberträgern wichtige Forschungsfragen zur Verbindung zwischen Biodiversität und der Gesundheit der Menschheit geklärt werden. Bereits über 600 wissenschaftliche Studien basieren auf den von GBIF bereitgestellten Daten.
Im öffentlichen „Science Symposium“ am 9.10.2013 ab 13.30 Uhr veranschaulichen Vorträge die Bedeutung der Datensammlung für unterschiedlichste Forschungsfragen. Der Vortrag des kolumbianischen Wissenschaftlers Julian Ramirez-Villegas stellt die Ergebnisse einer 2012 in Journal for Nature Conservation veröffentlichter Studie vor. Mehr als eine halbe Millionen Verbreitungsdaten von über 16.000 Pflanzenarten in Südamerika wurden über das GBIF Portal konzentriert und ausgewertet. Die Studie zeigt auf, dass der Lebensraum für etwa 30 % der seltenen und gefährdeten Pflanzenarten Südamerikas bisher noch nicht unter Schutz steht. Konkrete Empfehlungen werden gegeben, welche Gebiete als Schutzgebiet neu ausgewiesen werden sollten. Der Vortrag des US-amerikanischen Wissenschaftlers Kenneth J. Feeley modelliert dagegen, ob tropische Regenwälder ihre Verbreitung verändern, um vor der zunehmenden Hitze bedingt durch den Klimawandel davon zu rennen. Die Konsequenzen des Klimawandels für die Vielfalt von der einzelnen Art bis hin zu globalen Auswirkungen lassen sich dank der Datensammlung über GBIF vorhersagen.
Die „Global Biodiversity Information Facility“ (GBIF) ist ein internationales, biologisches Datennetzwerk. Die internationale Initiative wurde 2001 von mehreren Staaten gegründet und über Mitgliedsbeiträge finanziert. GBIF besteht derzeit aus 57 Mitgliedsstaaten und 47 internationalen Organisationen.
GBIF hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Daten und Informationen zur weltweiten Artenvielfalt in digitaler Form über das Internet frei und dauerhaft verfügbar zu machen. GBIF hat die Entwicklung von Biodiversitätsinformatik-Standards, von Protokollen und Infrastruktur angeregt und unterstützt. Diese bieten mittels der GBIF-IT-Infrastruktur Zugang zu weltweit über 400 Millionen primären Biodiversitätsdaten. Die Aktivitäten von GBIF werden von einem unabhängigen Sekretariat mit Sitz in Kopenhagen koordiniert. Deutschland gehört zu den Gründungsmitgliedern der Global Biodiversity Information Facility (GBIF). Den deutschen Beitrag finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die deutsche Gesamtkoordination erfolgt am Botanischen Garten und Botanischen Museum der Freien Universität Berlin.

24.09.2013, Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung Primatologin Julia Fischer erhält den Grüter-Preis 2013
Verhaltensforscherin Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen erhält den Preis der Grüter-Stiftung zur Förderung der Wissenschaftsvermittlung 2013. Sie bekommt ihn unter anderem für ihr populärwissenschaftliches Buch „Affengesellschaft“, das sie 2012 im Suhrkamp Verlag veröffentlicht hat. Am 4. November wird der Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie des DPZ in München auf Schloss Nymphenburg der Preis verliehen.
Der jährlich ausgelobte Preis der Grüter-Stiftung zur Förderung der Wissenschaftsvermittlung geht 2013 an Julia Fischer, Leiterin der Abteilung für Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen. Der Preis wird ihr öffentlich am 4. November um 18.30 Uhr im Münchener Museum Mensch und Natur im Schloss Nymphenburg verliehen.
„Frau Professor Fischer verknüpft hochkarätige wissenschaftliche Forschung mit dem Bestreben, Wissenschaftsvermittlung an breite Bevölkerungsschichten als fundamentale Pflicht aktiver Forschung zu betreiben“, so begründet die Jury unter der Leitung des Biologen Professor Dr. Jürke Grau ihre einstimmige Entscheidung.
Den Preis erhält Julia Fischer für ihre populärwissenschaftlichen Aktivitäten, insbesondere ihr Buch „Affengesellschaft“ (Suhrkamp Verlag) mit interessanten Einblicken in ihre Feldforschung sowie einer verständlichen Beschreibung der Sozialstrukturen, des Denkens und der Kommunikation bei unseren nächsten Verwandten. Evolution und Ökologie bleiben dabei immer im Blickfeld. Frau Fischer wird so zu einer idealen Preisträgerin im Sinne des Stiftungszwecks und ein Vorbild für jüngere Forscher.
„Wir freuen uns sehr, dass Frau Fischer den Grüter-Preis erhält, denn mit ihrem außergewöhnlichen Engagement in der Wissenschaftsvermittlung ist sie nicht nur ein Vorbild für alle Wissenschaftler, sondern auch eine hervorragende Botschafterin der Forschung, die am Deutschen Primatenzentrum gemacht wird“, kommentiert Stefan Treue, wissenschaftlicher Direktor des DPZ, die Entscheidung der Jury.

24.09.2013, Institut für Wildtierforschung
Scheue Wildkatze auch außerhalb des Elms sicher bestätigt
Niedersächsische Landesforsten und Institut für Wildtierforschung bestätigen Wildkatzenvorkommen nördlich der A2

Region WF / BS / HE / WOB (agrar-PR) – Was Förster lange Zeit vermutet haben, wird nun durch das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITAW) und dem Niedersächsischen Forstamt Wolfenbüttel sicher bestätigt: Die Wildkatze ist nicht nur im Elm heimisch, sondern lebt auch in den umliegenden Waldgebieten des Braunschweiger Landes! Rund anderthalb Jahre legten sich die Wildbiologen und Förster auf die Lauer, um mit Fotofallen und DNS –Analysen den eindeutigen Beweis zur Rückkehr der Wildkatze in die Waldgebiete unserer Region zu erbringen. Erstmals gelang dabei auch der genetische Nachweis von Wildkatzen nördlich von Helmstedt an der Bundesautobahn A2, die bisher als schwer zu überwindende Ausbreitungsbarriere galt. Diese Beobachtungen sind eindeutige Hinweise darauf, dass sie sich weiter auf ihrem Weg in Richtung Norden befindet. Finanziert wurde das Gemeinschaftsprojekt vom Forstamt Wolfenbüttel aus dem Naturschutzhaushalt unter finanzieller Beteiligung der Stiftung „Zukunft Wald“ der Niedersächsischen Landesforsten.
„Die naturnahe Waldbewirtschaftung der Landesforsten nach dem LÖWE – Programm wirkt sich positiv auf die Wildkatzenpopulation aus“, erklärt Dr. Gunter Sodeikat vom Institut für Wildtierforschung, „die Wildkatze fühlt sich in den bewirtschafteten, aber doch abwechslungsreichen Laub- und Mischwäldern offensichtlich wohl!“ Weiterhin bevorzugen sie die Nähe zu Wiesen, Waldrändern sowie gewässerbegleitende Strukturen und meiden in der Regel die menschlichen Siedlungen und Straßen. Diese Lebensraum-Voraussetzungen werden von vielen Waldgebieten der Region erfüllt.
Von der gezielten Gestaltung abwechslungsreicher Wald- und Waldrandstrukturen sowie dem Belassen von alten Bäumen und ausreichend Totholz in den Wäldern profitieren neben der Wildkatze noch viele – oftmals seltene – Tier- und Pflanzenarten. Auch das Vernetzen von Wildkatzenlebensräumen und der Bau von Wildbrücken zum gefahrlosen Überqueren von vielbefahrenen Straßen hilft.
Um die scheue und zudem nachtaktive Wildtierart zu entdecken und nachzuweisen wurde ein einfacher Trick angewendet: Besonders während der Paarungszeit im Winter lassen sich Wildkatzen mit Hilfe von Baldrian magisch anlocken. Deshalb stellt man raue Holzpflöcke in den vermuteten Streifgebieten auf und besprüht diese mit der stark duftenden Tinktur! Die Tiere können dem Geruch nicht widerstehen, reiben sich an diesen Lockstäben und hinterlassen im günstigen Fall dabei einige Haare. Gleichzeitig löst die Wildkatze eine Fotofalle aus, die zusätzlich ihr Verhalten am Lockstab dokumentiert. Die Haare werden dann bei den ein- bis zweiwöchentlichen Kontrollen vorsichtig mit Pinzetten abgesammelt und zur genetischen Analyse verschickt. Erst dann hat man die echte Gewissheit. Auf diese Weise konnten insgesamt 14 verschiedene Wildkatzen-Individuen eindeutig in den Waldgebieten Asse, Dorm, Schieren, Lappwald, wiederholt im Elm sowie an der Grünbrücke im Oderwald bei Flöthe nachgewiesen werden.
Nun bleibt zu hoffen, dass sich die Wildkatzen noch weiter in Richtung Norden ausbreiten. Hier kann nur ein Netzwerk von Wanderungskorridoren, Querungshilfen wie Grünbrücken und Untertunnelungen die weitere Ausbreitung fördern und gleichzeitig die Verkehrsverluste gezielt reduzieren.
Wildkatzen sind nicht etwa davongelaufene Hauskatzen. Sie wirken größer, sind kräftiger und sind tatsächlich wilder als unsere Stubentiger. Prähistorische Knochenfunde belegen, dass schon unsere steinzeitlichen Vorfahren Wildkatzen recht gut gekannt haben müssen. Heute ist die Wildkatze allerdings für die meisten Menschen ein unbekanntes Wesen. Dabei ist sie im Gegensatz zur Hauskatze, die vermutlich von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde, eine echte Europäerin.
Von einer grau getigerten Hauskatze unterscheidet sie sich in der Regel durch dunkle Streifen im Nacken- und Schulterbereich sowie einem dunklen Aalstrich auf dem Rücken. Besonders charakteristisch sind die vier bis fünf deutlich abgesetzten dunklen Bänder am buschigen Schwanz.
Informationen zu den niedersächsischen Landesforsten finden Sie auf unserer Homepage unter www.landesforsten.de.

25.09.2013, Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
Zoologen vom Museum Koenig, Bonn, entdecken neue Vielfalt am Horn von Afrika
Gemeinsam mit Zoologen von der Washington Universität in den USA und aus Tschechien hat der Reptilienspezialist Dr. Philipp Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der herpetologischen Sektion der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz Insitut für Biodiversität der Tiere in Bonn, gleich zwei neue Echsenarten aus der Familie der Agamen in Somalia und Äthiopien entdeckt und jetzt in der führenden europäischen Fachzeitschrift für Herpetologie Amphibia-Reptilia unter dem wissenschaftlichen Namen Agama somalica und Agama lanzai beschrieben (early view: 23.September 2013).
Schon auf den ersten Blick wirken die neuen afrikanischen Echsenarten durch ihre blaue und rote Färbung spektakulär. Vor allem wurden sie aber in einer Region entdeckt die durch ihre politisch instabilen Verhältnisse schwer zu bereisen ist. „Darum haben wir auch zu einem großen Teil auf Tiere zurück gegriffen die wir in Forschungssammlungen gefunden haben. Auch das stellt eindeutig hervor, wie wichtig diese Sammlungen für die heutige Forschung sind.“, sagt Dr. Philipp Wagner vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig.
Der Fund selber ist gar keine so große Überraschung. „Schon 2011 und auch schon in diesem Jahr haben wir neue Agamenarten aus Äthiopien beschrieben und wir ahnen mittlerweile, dass wir es hier innerhalb dieser Gruppe mit einem ‚Hotspot‘ der Artenvielfalt zu tun haben“ stellt Wagner heraus. Ein Hotspot ist eine Region in der die Artenvielfalt besonders hoch ist und viele Arten vorkommen die auf diese Region beschränkt sind.
Das Horn von Afrika, zu dem Äthiopien und Somalia gehören, ist in vielen Gruppen als ein solcher Hotspot bekannt und wurde daher schon früh von europäischen Wissenschaftlern bereist. Einer von ihnen ist der Italiener Benedetto Lanza, zu dessen 80. Geburtstag eine der Arten ihm zu Ehren Agama lanzai genannt wurde. Er war einer der Wissenschaftler, denen wir heute die hohe Qualität der Forschungssammlungen zu verdanken haben und sich somit die Artenvielfalt in diesem Krisengebiet bearbeiten lässt. „Wie viele Echsenarten dort genau vorkommen wissen wir aber noch lange nicht.“, sagt Wagner und führt weiter aus, „und die naturhistorischen Sammlungen sind natürlich eine wichtige Grundlage für unsere Arbeit. Trotzdem kommen wir nicht umhin auch solche Länder zu bereisen. Gerade wenn wir mehr über die Ökologie der Arten erfahren wollen.“
„Die Beschreibung der Art in Kooperation mit internationalen Wissenschaftlern zeigt die herausragende Bedeutung der Herpetologie am Museum Koenig“ meint Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Museum Koenig. „Es zeigt sich immer wieder, dass auch heute noch spektakuläre Arten beschrieben werden können und die Biodiversität noch lange nicht erfasst ist“ ergänzt Dr. Dennis Rödder, Leiter der Sektion Herpetologie am Museum. Dem Horn von Afrika und dessen Artenvielfalt kommt eine besondere Rolle zu. Die dortigen Wüstengebiete werden als erstes vom Klimawandel betroffen sein und gelten zudem als Rückzugsraum vieler Echsenarten in der klimatisch wechselnden Erdgeschichte. „Dies führte nicht nur dazu, dass in Somalia und Äthiopien besonders viele Echsenarten vorkommen, sondern auch, dass diese nun durch den Klimawandel bedroht sein werden.“ ergänzt Wagner.
„Insgesamt,“ sagt Dr. Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe am Museum Koenig, „stellen die neuen Arten nur kleine Stücke in einem Puzzle dar, an dem wir nun schon gut zehn Jahre arbeiten.“

25.09.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Tagung zum Vogelmonitoring in Niedersachsen am 9. November
In Niedersachsen engagieren sich ehrenamtlich tätige Vogelkundler und die Staatliche Vogelschutzwarte schon seit vielen Jahren gemeinsam für eine systematische Erfassung von Vogelarten. Die laufenden Programme liefern unentbehrlich gewordene Kenntnisse über die Verbreitung, die Bestände und die Trends von Brut- und Gastvögeln. Mit besonderer Spannung wird so auch der neue niedersächsische Brutvogelatlas erwartet, der noch in diesem Jahr erscheint. Wie es beim vielfältigen Vogelmonitoring Niedersachsens weitergehen soll, wo bis heute Erfassungslücken bestehen, die geschlossen werden sollen, und an wen sich an Bestandserfassungen Interessierte wenden können, steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die am 9. November in Soltau (Lüneburger Heide) stattfindet.
Die Staatliche Vogelschutzwarte, die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung (NOV) und die Alfred Toepfer Akademie (NNA) laden an diesem Wochenende herzlich dazu ein, sich ein aktuelles Bild über das Geleistete, die Methoden der Erfassungen und künftige Entwicklungen zu machen. Neben einem spannenden Vortragsprogramm erfahren Sie an zahlreichen Infoständen, wie und wo Sie sich an den Erfassungsprogrammen beteiligen können. Auch der DDA wird mit einem Stand vertreten sein, an dem sich die Besucher über ornitho.de informieren und Publikationen erwerben können. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.
Kontakt: Dr. Markus Nipkow, Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN, Tel. 0511-3034-3214

25.09.2013, Bundesamt für Naturschutz
Seltene Bechsteinfledermaus bekommt größeren Lebensraum im Taunus
Berlin/Bonn (agrar-PR) – Zum Schutz der seltenen Bechsteinfledermaus sollen die Fledermauskolonien im Naturpark Rhein-Taunus miteinander vernetzt werden. Das ist der Kern eines neuen Projekts im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird.
Das Projekt „Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus“
soll zunächst die Anforderungen an den Lebensraum dieser seltenen Fledermausart erfassen. Dazu werden die Wochenstubenkolonien in den Baumhöhlen gesucht und die Wanderungen zwischen den Baumhöhlen im Lebensraum mit Fledermaus-Detektoren beobachtet. Die Ergebnisse ermöglichen Rückschlüsse für die anschließende Entwicklung und Pflege der Lebensräume.
Das Bundesumweltministerium stellt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt rund 710.000 Euro zur Verfügung. Das Bundesamt für Naturschutz begleitet das Naturschutzprojekt als Bewilligungsbehörde fachlich.
Durchgeführt wird das dreieinhalbjährige Projekt gemeinsam vom Naturpark Rhein-Taunus, der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis.
„Die Bechsteinfledermaus ist eine rein europäische Art mit einem Verbreitungsschwerpunkt in Zentral- und Westeuropa. Ein erheblicher Anteil der gesamten Weltpopulation lebt in Deutschland. Daraus resultiert eine besondere Verantwortung unseres Landes für die Erhaltung und Förderung dieser Art“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.
Mit dem Projekt werden auch weitere Arten gefördert, die ebenfalls vom Schutz von Lebensräumen wie Wäldern oder Streuobstwiesen profitieren.
Naturnahe Wälder mit zahlreichen Baumhöhlen und üppigem Pflanzenwuchs befördern eine vielfältige Lebensgemeinschaft mit seltenen Arten wie der Wildkatze oder dem Hirschkäfer.
Bereits 1992 hat sich die Europäische Union im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) verpflichtet, besondere Arten wie die Bechsteinfledermaus streng zu schützen und ihre Populationen zu erhalten. Die Bechsteinfledermaus wurde daher im „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ in eine Liste mit 40 Arten aufgenommen, für deren Schutz die Bundesrepublik international eine besondere Verantwortung trägt. Der Erhalt dieser sogenannten „Verantwortungsarten“ ist ein Förderschwerpunkt des Bundesprogramms.

26.09.2013,Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz
Thüringer Auerwildprojekt gewinnt an Fahrt
Umweltminister Reinholz wildert 19 Auerhühner im Forstamt Gehren aus

Gehren (agrar-PR) – Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz hat heute zusammen mit Vertretern der Landesforstanstalt insgesamt 19 junge Auerhähne und ‑hennen im Bereich des Forstamtes Gehren ausgewildert. „Das Auerhuhn gehört in Thüringen zu den Tierarten mit dem höchsten Schutzstatus. Ich freue mich, dass ThüringenForst so engagiert für den Erhalt des Vogels arbeitet“, sagte Reinholz nach der Auswilderung im Revier Unterweißbach.
Das Auerwild ist auch in Thüringen akut in seinem Bestand gefährdet, gerade einmal fünf bis zehn Tiere in freier Wildbahn werden von den Experten geschätzt. Mit der Nachzucht und Auswilderung durch die Landesforstanstalt soll mittelfristig eine stabile Population von bis zu 100 Tieren aufgebaut werden. Dazu hat ThüringenForst 2012 in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald für rund 400.000 Euro im Bereich des Forstamtes Paulinzella eine neue Auerwildaufzuchtstation errichtet. Sie ist bundesweit die einzige staatliche Einrichtung dieser Art.
Neue Technologien wie etwa Überwachungskameras in den insgesamt elf Volieren erlauben es, die Tiere bei der Bruttätigkeit und der Aufzucht störungsfrei zu beobachten und schnell reagieren zu können, sollte sich Unvorhersehbares ereignen. Um eine artgerechte „sanfte“ Aufzucht der überaus menschenscheuen Tiere zu gewährleisten, wird bewusst auf eine öffentliche Zurschaustellung und wirtschaftliche Vermarktung des Artenschutzprojektes verzichtet. In diesem Jahr wurde das Konzept mit 19 prächtig wachsenden Auerwildküken belohnt.
Nach der Aufzucht schaffen die Förster dem größten Waldvogel Thüringens einen angenehmen Lebensraum. Auerhühner lieben lichte und krautschicht­reiche Nadelmischwälder mit Mauserplätzen, Schlafbäumen und einem hohen Altholzanteil, die sich mit naturnaher Forstwirtschaft realisieren lassen. Ein straffes Jagdmanagement sorgt dafür, dass die natürlichen Widersacher des Auerwilds, wie etwa Wildschwein, Fuchs und Waschbär, auf ein ökosystemverträgliches Maß reduziert werden. Von der Ökowald­wirtschaft profitieren nicht nur die Auerhühner. Auch andere seltene Arten wie Sperlings- und Rauhfußkauz, Schwarzspecht, Ziegenmelker und Kreuzotter finden hier vermehrt geeignete Habitate.

26. September 2013, NABU
„Comeback“ gefährdeter Tierarten
Naturschutz in Europa trägt Früchte

Trotz des voranschreitenden Artensterbens gibt es Hoffnung: In den vergangenen fünfzig Jahren haben sich die Bestände vieler, in Europa fast ausgerotteter Tierarten, dank intensiver Naturschutzbemühungen deutlich erholt. In einer bisher einmaligen Zusammenstellung zeigt dies eine Studie des NABU-Dachverbands BirdLife International, der London Zoological Society sowie des European Bird Census Council, die am heutigen Donnerstag in London vorgestellt wird. In der Studie wird die eindrucksvolle Rückkehr von fast 40 Säugetier- und Vogelarten untersucht. Für Deutschland wurden gute Ergebnisse für Biber, Kranich und Seeadler erzielt. Auch Schwarzstorch, Uhu und Wanderfalke haben von europäischen Naturschutzbemühungen erheblich profitiert. Weiterhin Handlungsbedarf sieht der NABU jedoch unter anderem bei Wiesenvögeln.
Als Gründe für diese zum Teil spektakulären „Comebacks“ der untersuchten Arten machen die Autoren der Studie in erster Linie den gesetzlichen Schutz der Arten vor Verfolgung, aktive Artenschutzmaßnahmen und die Unterschutzstellung der wichtigsten, von diesen Arten besiedelten Gebiete, aus. Vor allem die ab 1979 erlassenen Naturschutzrichtlinien der EU, mit denen sich die Mitgliedstaaten auf Mindeststandards zum Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume verpflichtet haben, zeigen Wirkung.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Es gibt wieder mehr Biber, Kraniche und Seeadler, die Bestände konnten sich erholen. Die Ergebnisse der Studie sind ein klares Signal, insbesondere die Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien zu verstärken. Dann können wir auch andere bedrohte Arten retten.“ Vor allem die nach den EU-Richtlinien ausgewiesenen Natura-2000-Schutzgebiete, die in Deutschland 15 Prozent der Landesfläche ausmachten, müssten besser gemanagt und ausreichend finanziert werden.
In Deutschland stand der Biber (Castor fiber) Mitte des vorigen Jahrhunderts mit wenigen Dutzend Exemplaren an der mittleren Elbe kurz vor dem Aussterben. „Heute wird der deutsche Bestand auf über 25.000 Tiere geschätzt, Ostdeutschland und Bayern sind inzwischen flächendeckend besiedelt. Die Einrichtung von Schutzgebieten, gesetzlicher Schutz und Wiederansiedlungsprogramme haben diesen Erfolg möglich gemacht“, so Tschimpke.
Die Studie, in die Untersuchungen des NABU und des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) eingeflossen sind, belegt gute Erfolge auch beim Vogelschutz in Deutschland. So war das deutsche Wappentier, der Seeadler (Haliaeetus albicilla), um 1900 fast ausgestorben. „Nur etwa 30 Paare gab es noch im Nordosten des Landes. Bis 1990 hatte sich der Bestand langsam auf etwa 140 Paare erholt. Dank effektivem Schutz von Nestern und Brutgebieten und dem Verbot bestimmter Umweltgifte setzte seitdem ein beeindruckender Aufschwung ein. Heute gibt es etwa 650 Paare, die inzwischen sogar Süddeutschland besiedeln“, betont NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.
Durch die Unterschutzstellung wichtiger Brut- und Rastplätze im EU-Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 haben sich auch die Bestände des Kranichs (Grus grus) in Deutschland deutlich erholen können. „Brüteten in Deutschland noch 1991 nur knapp 1.500 Paare, so waren es 2011 bereits über 7.800 Paare. Parallel nahm die Zahl der in Deutschland auf dem Zug rastenden Kraniche von 40.000 in den 1970er Jahren auf heute 300.000 Vögel zu“, so Lachmann. Beindruckende Bestandszunahmen zeigen auch die noch in den 1970er Jahren hochbedrohten Arten Schwarzstorch (Zunahme von 50 Paaren 1985 bis 800 Paare heute), Uhu (500 Paare 1990 bis 1500 heute) und Wanderfalke (50 Paare um 1970, heute über 1000 Paare).
Die Studie weist jedoch auch darauf hin, dass viele dieser Arten noch längst nicht auf einem sicheren Niveau sind, sondern sich weiter erholen müssen. Gleichzeitig nehmen weit mehr Arten weiterhin dramatisch ab, die nicht von gezielten Schutzmaßnahmen profitieren, vor allem die Vögel der Agrarlandschaft. Der NABU fordert von EU, Bund und Ländern daher eine Umsetzungsoffensive beim bestehenden Naturschutzrecht, zum Beispiel bei der besseren Überwachung von Schutzbestimmungen: „Solange die deutschen Behörden bei der Zerstörung von artenreichem Grünland in Schutzgebieten alle Augen zudrücken, ist ein Comeback unserer Wiesenvögel in weiter Ferne“, so NABU-Präsident Tschimpke.
Darüber hinaus sei dringend eine Neuausrichtung der intensiven Land- und Forstwirtschaft erforderlich, um das politisch vereinbarte Ziel zu erreichen, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 zu stoppen, so Tschimpke weiter.
Die Studie kann man sich hier herunterladen.

27.09.2013, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)
Neue Fischart im Nationalpark Unteres Odertal entdeckt
Der Schwedter Fischer Helmut Zahn fing in der vergangenen Woche einen ungewöhnlichen Fisch in der Stromoder. Es handelt sich dabei um die Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus), eine Art, die ursprünglich an den Küsten des Schwarzen Meeres zu Hause ist.
Criewen (agrar-PR) – Als Beifang ging in der vergangenen Woche dem Schwedter Fischer Helmut Zahn ein auch für ihn ungewöhnlicher Fang ins Netzt. Bei dem etwa zehn Zentimeter langen Fisch handelt es sich um die Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus). Diese unterscheidet sich von anderen Grundelarten durch einen auffälligen schwarzen Fleck auf der ersten Rückenflosse von anderen Grundelarten. Ob es sich dabei um ein Einzeltier handelt oder schon eine größere Anzahl in der Oder lebt, werden kommende Untersuchungen und ggf. Fangmeldungen zeigen.
Damit hat sich die Anzahl der in der Oder registrierten Fischarten um eine weitere erhöht, die bei Experten jedoch keine Freude auslöst. Bei der Schwarzmund-Grundel handelt es sich um einen Neozoen, also um eine Art, die heute zahlreiche mitteleuropäische und nordamerikanische Gewässer besiedelt, in denen sie eigentlich nicht heimisch ist. Die Art wurde in die Liste der 100 „schlimmsten“ gebietsfremden Arten Europas aufgenommen, deren Ausbreitung mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird.
Die Ausbreitung der ursprünglich in der Region des Schwarzen, des Asowschen und des Kaspischen Meeres beheimateten kleinen Fischart erfolgte über das Ballastwasser der Schiffe und durch den Bau des Main-Donau Kanals. Von dort besiedelte sie unter anderem den Main, den Rhein, die Mosel und auch den Nord-Ostsee-Kanal. Nach 2010 wurde sie an der Elbe gesichtet. Auch entlang der Ostseeküste ist die Art schon weit verbreitet, so dass ein Vordringen der invasiven Art in die Oder zu erwarten war.
Welche Auswirkungen diese neu eingewanderte Art auf die heimische Fischfauna haben wird, bleibt abzuwarten. Bekannt ist, dass die stark expandierenden Osteuropäischen Grundeln als Laichräuber und Nahrungskonkurrenten aktuell erhebliche Auswirkungen auf die Ökologie des Rheins haben. Die dortigen Massenvorkommen, zu denen auch vier weitere nicht heimische Grundelarten beitragen, bringen auch die Angler um ihr Vergnügen.
Wegen der zu erwartenden gewässerökologischen Auswirkungen sind die Nationalparkverwaltung (Tel. 03332 26770) und das Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow (Tel. 033201 4060) für jede Fangmeldung dieser Art dankbar.
Die in der Oder gefangene Schwarzmund-Grundel ist derzeit in einem der Aquarien im Nationalparkhaus zu besichtigen. Bis zum 31. Oktober hat das Besucherzentrum täglich in der Zeit von 9 bis 18 Uhr, danach von Freitag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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